Aktienanleihe und Wandelanleihe einfach erklärt!

Wandelanleihen und Aktienanleihen werden häufig als vielversprechende Anlageprodukte angeboten, die Investoren das Beste aus beiden Welten bieten. Steigt die Aktie, so profitieren die Anleger.

Im Falle eines Kursverlusts der Aktie wird das Risiko als kalkulierbar proklamiert. Doch was steckt hinter diesen Werbeversprechen, worin unterscheiden sich Wandelanleihen von Aktienanleihen und für welche Investoren eignen sich diese Anlageprodukte ganz besonders?

Was sind Aktienanleihen?

Aktienanleihen zählen zur Gruppe der Finanzderivate und setzen sich aus einer Anleihe und einer Option zusammen. Der grundlegende Charakterzug einer Anleihe ist der Couponzins, den Inhaber von Anleihen regelmäßig ausbezahlt bekommen.

Die Aktienanleihe unterscheidet sich von der klassischen Anleihe jedoch darin, dass der Emittent die Aktienanleihe auch in Aktien auszahlen kann. Der Herausgeber ist somit nicht verpflichtet, dir den Nennwert in Cash auszuschütten.

Wie setzt sich eine Aktienanleihe zusammen?

Aktienanleihen weisen primär die gleichen Bestandteile wie gewöhnliche Anleihen auf. Die wichtigsten Komponenten sind dabei:

  • Die Laufzeit
  • Der Zinssatz bzw. der Couponzins
  • Der Nominalbetrag, also der Nennwert der Anleihe und
  • Der Basiswert, auf den sich die Aktienanleihe bezieht.

Neben diesen Hauptbestandteilen gibt es bei Aktienanleihen jedoch auch noch das sogenannte Bezugsverhältnis. Dieses Bezugsverhältnis wird vorab festgelegt und gibt an, wie viele Aktien du für deine Aktienanleihe bekommst.

Entscheidet sich der Emittent der Aktienanleihe dafür, dir den Gewinn in Aktien auszubezahlen und beträgt das Bezugsverhältnis 1:10, so bekommst du 10 Aktien für deine Anleihe.

Welches Risiko gib es bei Aktienanleihen?

Bei der Aktienanleihe gibt es eine limitierte Upside. Das bedeutet, dass dein Gewinn immer gedeckelt ist, ganz gleich wie hoch der Basiswert, also deine zugrunde liegende Aktie, steigt. Steigt der Aktienkurs im Laufe der Zeit über den Nominalwert der Aktie, dann wird sich der Emittent dazu entscheiden, dir nur den Nominalwert zurückzubezahlen.

Eine Auszahlung in Aktien wäre in diesem Szenario keine Option. Du würdest somit nicht von einem Steigen der Aktien profitieren und nur den Wert der Anleihe ausbezahlt bekommen. Im Klartext heißt das, dass du nie mehr als den Couponzins, welcher vorab festgelegt wird, mit deiner Aktienanleihe verdienen kannst.

Auf der anderen Seite sind deine Verluste bei Aktienanleihen jedoch nicht begrenzt. Fällt der Aktienkurs unter den Wert des Nominalwerts, so wird sich der Herausgeber der Aktienanleihe dazu entscheiden, dir Aktien anstatt des Nennwerts der Anleihe auszubezahlen.

Beispiel: Aktienanleihe mit fallendem Aktienkurs (ohne Berücksichtigung des Zinssatzes)

Nehmen wir an, der Nennwert deiner Aktienanleihe liegt bei 100 € und der Aktienkurs fällt auf 80 €. In diesem Fall wird dir der Emittent Aktien im Bezugsverhältnis von 80 € geben. Du hast somit 20 € verloren und Aktien anstatt eines Geldbetrags erhalten.

Welche Vorteile bieten Aktienanleihen?

Aufgrund des obigen Beispiels tut sich nun jedoch die Frage auf, wer solche Anlageprodukte überhaupt kauft. Der Investor kann mit einer Aktienanleihe nicht unendlich gewinnen, jedoch theoretisch auf 0 fallen.

Genau hier liegt jedoch der springende Punkt der Aktienanleihe. Der Zinssatz von Aktienanleihen ist wesentlich höher als der von klassischen Anleihen.

Beispiel: Aktienanleihe mit fallendem Kurs (mit Berücksichtigung des Zinssatzes)

Nehmen wir an, du kaufst dir eine Aktienanleihe mit einem Nominalwert von 100 €. Deine Aktienanleihe ist auf ein Jahr ausgelegt und hat einen Zinssatz von 20 %. Selbst wenn der Aktienkurs zu Ende der Laufzeit auf 80 € gefallen ist, steigst du in diesem Szenario noch immer mit 0 aus. Du hast somit zwar keinen Gewinn, aber auch keinen Verlust gemacht.

Steigt der Aktienkurs hingegen über den Nominalwert, dann profitierst du zwar nicht vom Anstieg des Aktienkurses, bekommst jedoch auf jeden Fall die Zinsen in der Höhe von 20 % ausbezahlt.

Worin liegt der Unterschied zwischen einer klassischen Anleihe und einer Aktienanleihe?

Bei einer klassischen Anleihe bekommst du am Ende der Laufzeit den Nominalwert, also den Nennwert, ausbezahlt. Aktienanleihen bieten hierbei den Vorteil, dass du wesentlich höhere Zinsen erhältst, jedoch auch ein größeres Risiko eingehst. Am Ende der Laufzeit kann es bei Aktienanleihen passieren, dass sich schlussendlich weniger wertige Aktien in deinem Depot befinden.

Wann sind Aktienanleihen sinnvoll?

Aktienanleihen sind immer dann interessant, wenn man davon ausgehen kann, dass sich die Aktienwerte eher seitwärts bewegen werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass man davon ausgeht, dass es zu keinen größeren Kursschwankungen kommt. In solchen Fällen bietet dir die Aktienanleihe ein größeres Renditepotenzial als klassische Anleihen.

Welche Nachteile haben Aktienanleihen?

Aktienanleihen bergen ein wesentlich höheres Risiko als gewöhnliche Anleihen. Sollte das Unternehmen pleitegehen, dann werden die Anleihehalter von klassischen Anleihen zuerst aus der Insolvenzmasse bedient. Erst danach kommen die Aktienanleihehalter und zu guter Letzt die Aktionäre zum Zug.

Was ist eine Wandelanleihe?

Bei Aktienanleihen hat der Emittent das Recht, dir die Anleihe mit Aktien zurückzubezahlen. Bei der Wandelanleihe liegt dieses Recht jedoch auf deiner Seite. Du kannst daher bei einer Wandelanleihe während der Laufzeit zu bestimmten Terminen oder auch am Ende der Laufzeit selbst entscheiden, ob du Aktien oder den Nominalwert in Cash ausbezahlt bekommen möchtest.

Aus diesem Grund ist der Unterschied zwischen diesen beiden Produkten natürlich gravierend.

Welche Vorteile haben Wandelanleihen?

Wandelanleihen unterscheiden sich in mehreren Punkten von Aktienanleihen. So gibt es bei der Wandelanleihe keine limitierte Upside. Das heißt, dass du von einem unendlichen Steigen der Aktie profitieren kannst. Im Gegensatz dazu gibt es aber eine limitierte Downside, wodurch ein vermeintlicher Verlust auf den Nominalwert begrenzt werden kann.

Fällt der Aktienkurs unter den Nominalwert, dann wird sich der Investor am Ende der Laufzeit natürlich dazu entscheiden, den Nominalwert in Geld ausbezahlt zu bekommen. Steigt der Aktienkurs jedoch und das Gesamtpaket zwischen Aktienkurs und Bezugsverhältnis ist größer als der Nominalwert, dann wird sich der Investor dazu entscheiden, das Aktienpaket zu erhalten.

Warum sind Aktienanleihen dennoch interessant für Investoren?

Wandelanleihen bieten auf den ersten Blick wesentlich mehr Vorteile als Aktienanleihen. Warum sollte ein Investor dann überhaupt in Aktienanleihen investieren? Der Grund ist ganz einfach.

Gute Produkte sind in der Finanzwelt immer relativ teuer und auch Wandelanleihen sind hierbei keine Ausnahme. Zudem sind die Zinsen, die du auf Wandelanleihen bekommst, wesentlich geringer als die Zinsen, die für gewöhnlich bei Aktienanleihen ausbezahlt werden.

Für wen eignen sich diese Anlageprodukte?

Aktienanleihen und Wandelanleihen haben einige Nachteile, wie beispielsweise ihre sehr großen Stückelungen. Das bedeutet, dass meist mindestens 10.000 € oder mehr pro Anleihe investiert werden müssen.

Aus diesem Grund sind diese Produkte für Privatanleger nur in den wenigsten Fällen interessant.

Zudem weisen diese Anlageprodukte an der Börse eine nur geringe Liquidität auf. Es werden sehr wenige Aktienanleihen und Wandelanleihen an Privatpersonen ausgegeben und daher kann man diese auch nur relativ schwierig über die Börse verkaufen, da kein reger Handel stattfindet.

Ein weiteres Risiko dieser beiden Anlageklassen ist das Bonitätsrisiko. Unternehmen, die Anleihen herausgeben stehen für die Bonität gerade. Wenn das herausgebende Unternehmen pleitegeht, dann müssen Anleger mit Verlusten rechnen.

Es ist daher wichtig zu wissen, dass diese Anlageprodukte für Profianleger entwickelt wurden und nicht etwa für Privatanleger, die kein tiefes Hintergrundwissen über die Materie haben.

Die Herausgeber dieser Produkte können die einzelnen Verträge zudem mit allen möglichen Klauseln ausstatten, sodass aus einer Wandelanleihe sehr schnell eine Pflichtwandelanleihe werden kann, bei der in Aktien gewandelt werden muss.

Zudem gibt es, wie bei Derivaten üblich, eine große Bandbreite an Unterkategorien dieser Produkte, wie beispielsweise Umtauschanleihen oder Coco-Anleihen.

Was sind Coco-Anleihen?

Coco-Anleihen beziehungsweise Coco-Bonds sind bedingte Pflichtanleihen, von denen du in der Presse vielleicht schon einmal gehört hast. Die Produkte wurden nach der Finanzkrise entwickelt, da Anleihehalter von Finanzinstituten nicht genügend benachteiligt wurden, wenn die Bank too big to fail war.

Besonders dann, wenn die Banken von Steuerzahlern gerettet wurden, haben Anleihehalter in der Regel keine großen Verluste verbucht und weiterhin Zinsen erhalten. Um diesen Umstand abzuschwächen, werden Coco-Anleihen mit bestimmten Konditionen ausgestattet. Treten diese Bedingungen dann ein, so wird die Coco-Anleihe, die im Prinzip eine Wandelanleihe ist, automatisch in Aktien gewandelt.

Ein Beispiel solch einer Kondition kann beispielsweise die Unterschreitung der Mindestkapitalquote sein. Die Mindestkapitalquote ist eine sehr wichtige Kennzahl für Banken, die den Anteil der durch Eigenmittel gedeckten Risikoposten in der Bankbilanz angibt. Wird die im Vertrag definierte Kennzahl nicht erreicht, so müssen die Anleihehalter genauso wie Aktionäre in die Tasche greifen und Verluste in Kauf nehmen.