Börsenhandel per Copy+Paste – lohnt sich Social Trading?

Mona Linke
Stand:

Social Trading-Plattformen versprechen das schnelle Geld – und ziehen immer mehr Privatanleger in ihren Bann. Tatsächlich ist das Modell alles andere als rentabel für die betroffenen Anleger. 

Mehr als 10 Mio. Nutzer zählt die Plattform eToro inzwischen. Und ganz unverständlich ist es nicht: Die Überzeugungskraft von Alac Baldwin ist erstaunlich, wenn dieser einem in dem neuesten eToro-Spot erklärt, wie einfach das Traden doch ist. Dass es dafür nur ein paar Klicks am Handy bedarf, um zum Profi-Trader zu werden – und sich am Aktienmarkt eine goldene Nase zu verdienen. 

Es ist einer von vielen Werbespots, mit denen die Online-Plattform im Internet um neue Kunden kämpft. eToro wiederum ist einer von vielen sogenannten Social Tradern (übersetzt so viel wie: Gemeinschaftliche Trader), die im Prinzip allesamt dasselbe versprechen: Viel Geld in kurzer Zeit. 

“Schließen Sie sich Millionen von Menschen an, die bereits entdeckt haben, wie Sie smarter investieren können”, wirbt eToro auf seiner Website. Ganz so einfach ist es – überraschenderweise – nicht. 

Was ist eigentlich Social Trading? 

Social-Trading bedeutet erst einmal nichts anderes, als dass Privatanleger die Strategien anderer Trader 1:1 kopieren kann. Copy-Trading nennt sich das Ganze deswegen auch.

Ganz grundsätzlich gibt es zwei Methoden, nach denen Social Trading funktioniert: 

Methode 1: 

Bei dem österreichischen Anbieter Wikifolio zum Beispiel kann jeder Investor, ganz egal ob Profi oder Laie, ein eigenes, selbst zusammengestelltes Depot anbieten. Andere Anleger können dann in dieses Depot investieren. Das funktioniert, indem sie über ihren Depot-Anbieter ein Zertifikat kaufen, das Bankhaus Lang & Schwarz für den Trader herausgibt. Ein solches Zertifikat wird aber erst dann aufgelegt, wenn genügend andere Anleger auf die Strategie vertrauen und von diesem Portfolio profitieren wollen. 

Methode 2: 

Das Modell von Ayondo und eToro dagegen erinnert vielmehr an eine Mischung aus Social-Media-Netzwerk und Aktienhandel. Wer bei einer der Plattformen ein Konto eröffnet, kann einem Trader seiner Wahl folgen und dessen Portfolio 1:1 kopieren. Investiert der vermeintliche Profi also zum Beispiel 5% seines Kapitalvermögens in Rohöl-Futures, dann gilt genau das auch für seine “Follower”. Die “Orders” werden 1:1 auf das eigene Depot übertragen. 

Das Versprechen dahinter: Auch der kleine Otto-Normal-Anleger kann von den Erfolgen der besten Trader profitieren, ohne dabei auf umständlichen Wege einen professionellen Trader anheuern zu müssen. Dieser Gedanke ist erst mal nicht schlecht – hat allerdings einen überdimensional großen Haken: Nur die wenigsten Social-Trader machen tatsächlich Gewinne. Oder anders gesagt: Die meisten Menschen, die auf Hobby-Trader vertrauen, verlieren Geld. 

“Past performance is not an indication of future results”, gibt sogar eToro selbst in seinem Werbespot zu – wenn auch unfreiwillig. Die Plattformen müssen darauf hinweisen. Und tatsächlich ist es bislang noch keinem noch so “professionellen” Trader gelungen, über einen langen Zeitraum von 5 oder mehr Jahren mehr Rendite zu erwirtschaften als ein weltweiter Aktien-Index, sprich: besser zu sein als der Markt. Etliche Studien haben das bereits bewiesen. 

Das Modell des Social Trading ist also nicht nur riskant wie eine Pferdewette, sondern hat noch mehr Tücken, die auf den ersten Blick nicht deutlich werden: 

  • Es gibt keinerlei Regulatorik 

Mit welchen Produkten bzw. Assets der Trader handelt, ist ihm völlig selbst überlassen. Der Trader ist zum Beispiel nicht verpflichtet, einige hochspekulative Produkte prinzipiell auszuschließen. Wie es ihm gefällt, kann er zum Beispiel auch 100% seines Depots in eine einzige Aktie oder Derivate stecken. Der “Follower” hat keinerlei Mitspracherecht. 

  • Keine Garantie für Gewinne 

Wie etoro, Ayondo und Co. selbst zugeben, sind vergangene Erfolge keinerlei Garantie dafür, dass der Trader auch in Zukunft Gewinne erzielen wird. Eine MIT-Studie über die Plattform eToro zum Beispiel hat ergeben, dass im Zeitraum von 2010 bis 2012 lediglich 16% der Anleger überhaupt eine positive Rendite mit ihrem kopierten Portfolio erzielen konnten. Und das wohlgemerkt in einer krisenfreien Zeit, in der die Kurse der großen Indizes allesamt gestiegen sind. 

  • Social Trading ist extrem teuer

Um auf Wikifolio ein Zertifikat zu kaufen, werden schon mal 0,9% Gebühren fällig. Obendrauf kommt dann noch die Performance-Gebühr: eine Art Provision, die der Trader bekommt, sobald er Gewinne erzielt. Diese Performance-Gebühr beträgt stolze 5-30% von der Rendite. 

  • Kein Mitspracherecht 

Wann der Trader verkauft, liegt ebenfalls allein in seiner Hand. Als Follower sind einem die Hände gebunden, was in Krisenzeiten bedeuten kann, dass die gekauften Anteile zu Crash-Preisen aus dem Fenster geworfen werden. 

Für eine langfristige Geldanlage eignet sich das Social-Trading-Modell also keineswegs. Zu hoch ist das Risiko, dass das Ganze in einem Verlustgeschäft endet. Hinzu kommt, dass sich die Hobby-Trader für ihre Dienste so viel kosten lassen, dass mögliche Gewinne in der Regel ohnehin zunichte gemacht würden. 

Tatsächlich braucht es – wie eToro und Co. versprechen – keinen hochprofessionellen Trader, um das eigene Geld gewinnbringend an der Börse zu investieren. Allerdings braucht es dafür auch keinen Hobby-Trader, der seine eigene Strategie als die einzig wahre verkauft und gegebenenfalls hunderte anderer Privatanleger mit in den Abgrund zieht. 

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