Mona Linke
Mona Linke
13. Mai 2020

Weltweit investieren – aber wie? 7 Weltportfolios

Breit streuen, lautet das Credo beim passiven Investieren. Klingt eigentlich ganz einfach – gäbe es da nicht tausende verschiedene Varianten, das eigene weltweite Portfolio aufzubauen. Wir haben einmal 7 Möglichkeiten rausgesucht, wie du dein Geld weltweit diversifiziert anlegen kannst.

Nr. 1: Industrie- und Schwellenländer, oder: das Brot- und Butter-Portfolio 

ETF Portfolio 70 30
  • in beiden Varianten fließen 70% deines Investment-Kapitals in einen Fonds auf den MSCI World (bildet über 1.600 Unternehmen in den größten Industriestaaten wie USA, Deutschland oder Japan ab) und 30% in einen Fonds auf den MSCI EM (bildet über 1.440 Unternehmen aus Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien ab)
  • TER: die Total Expance Ratio (Verwaltungsgebühren des ETF Anbieters) beträgt bei allen 4 ETFs maximal 0,2%, was sehr günstig ist

Vorteil: Dein Geld ist breit angelegt und du profitierst sowohl von den starken Industriestaaten als auch von dem rasanten Wachstum von Entwicklungsländern. Mit der 70-30-Verteilung welche die Schwellenländer, verglichen mit der tatsächlichen Gewichtung der Marktkapitalisierung weltweit, bewusst etwas übergewichtet. 

Nr. 2: Industrie-, Schwellenländer & Europa 

ETF Portfolio Europa
  • in dieser Variante steckst du 20% deines Investment-Anteils zusätzlich in europäische Unternehmen
  • Achtung, dein gesamter Europa-Anteil wird am Ende mehr als 20% betragen, da du ja bereits einen großen Teil Europa im MSCI World hast.
  • Vorteil: Mit 0,07% TER ist der Lyxxor-ETF auf den europäischen Index Stoxx Europe 600 extrem günstig. Eine “europäische Beimischung” zum Portfolio kann für alle günstig sein, die zum Beispiel den USA-Anteil in ihrem Portfolio reduzieren würden. 
  • Eine mögliche Alternative zum Stoxx Europe 600 stellt der MSCI Europe dar.

Nr. 3: Die 1-ETF-Lösung, oder: wie du dir die ganze Welt kaufst 

ETF MSCI All World
  • mit einem Fonds auf den MSCI ACWI (All Countries World Index) investierst du dein Vermögen hauptsächlich in die großen Industrienationen (etwa 90%) und 10% in die Schwellenländer – das entspricht in etwa der realen Verteilung der weltweiten Wirtschaftsleistung
  • das TER sind vergleichsweisweise “teuer” (bei 100€ Einlage sind es 0,40€ pro Jahr) 

Vorteil: mit einem Investment auf den MSCI ACWI hast du einen minimalen Verwaltungsaufwand da du nicht re-balancen musst (Wiederherstellung deiner ursprünglichen Gewichtung einzelner Anlageklassen)

Nr. 4: Kauf dir noch mal die ganze Welt 

ETF FTSE All World
  • um dein Geld weltweit diversifiziert anzulegen, kannst du auch in einen Fonds auf den Welt-Index FTSE All-World investieren
  • dieser Index kommt dem MSCI ACWi sehr ähnlich
  • das geht zum Beispiel über einen ETF von Vanguard, einem der größten Fonds-Anbieter der Welt 
  • Acc. steht für accumulative, also thesaurierend: deine Rendite wird automatisch reinvestiert 
  • Dis. steht dagegen für dictributive, der Fonds ist also ausschüttend, sprich: deine Rendite wird dir jedes Mal ausgezahlt und nicht direkt investiert 

Vorteil: Mit 0,22% laufenden Gebühren sind beide Fonds deutlich günstiger als die MSCI ACWI Lösung 

Nr. 5: Nachhaltig investieren in Industrie- & Schwellenländer

Möchtest du dein Geld nicht blind in “schmutzige” Unternehmen stecken, könnte ein nachhaltiges Investment das Richtige für dich sein. Wie du erkennst, ob ein ETF wirklich “grün” ist (oder alles nur Greenwashing), haben wir in diesem Blogartikel schon mal aufgezeigt. 

ETF Portfolio Nachhaltigkeit ESG
  • die Auswahl ist inzwischen auch hier üppiger: Alleine für den MSCI World gibt es 8 verschiedene nachhaltige Tochter-Indizes, die entweder mit dem Kürzel SRI oder ESG versehen sind
  • SRI steht für Social Responsible Investment; ESG für Environment, Social & Government 
  • wie beim konventionellen Portfolio kannst du auch hier 70% deines Vermögens in Unternehmen aus Industriestaaten investiere und 30% in Firmen aus Schwellenländern 

-> Screened, Enhanced, ESG oder SRI? Was hinter den ganzen kryptischen Namen der nachhaltigen ETFs steckt, haben wir außerdem in dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung schon mal für dich erklärt. 

Nr. 6: Integriertes Faktor-Portfolio auf Industrie- und Schwellenländer 

ETF Faktor Portfolio
  • mit einem Faktor-Portfolio investierst du in einen bestimmten Faktor, also eine bestimmte Kategorie – zum Beispiel in kleine Unternehmen oder Unternehmen aus Entwicklungsländern. Bei einem Faktor-Investing steigt zwar das Risiko, dafür ist die durchschnittlich zu erwartende Rendite langfristig höher. 
  • mit einem integrierten Faktor-Portfolio kannst du verschiedene Faktor-Prämien “abgreifen”

Vorteil: Eine Möglichkeit, die Rendite deines passiven Portfolios um einige Prozentpunkte zu steigern.

Nachteil: Die Auswahl ist deutlich geringer und die Kosten (TER) sind höher als beim marktneutralen Investieren. 

Nr. 7: Industrie, Schwellenländer, Rohstoffe & Immobilien 

ETF Aktien Rohstoffe Portfolio
  • hierbei handelt es sich eher um Optionen, die du zu deinem eigentlichen Aktienportfolio dazumischen kannst 
  • während 90% deines Vermögens also z.B. in Aktien steckt, könntest du 5% Immobilien dazu mischen (FTSE EPRA) und / oder 5% in einen breiten Rohstoffekorb (ETC auf den Bloomberg Commodity Index) 

Vorteil: Mit einer solchen Beimischung kannst du über Aktien hinaus auch in andere Assets investieren. 

Bonus-Fonds: Aktien, Anleihen & Rohstoffe gleichzeitig kaufen 

Portfolio Aktien Anleihen Rohstoffe
  • der ARERO (Aktien, Renten, Rohstoffe) ist ein (bislang) sehr beliebter Fonds, bei dem kein Rebalancing mehr notwendig ist
  • Mehr dazu in diesem Artikel
  • Zum Großteil besteht der ARERO aus Aktien (60%), außerdem Staatsanleihen (25%) und Rohstoffe (15%) 
  • Vorteil: es muss nicht regelmäßig neu gewichtet werden, weil die Asset Allocation festgeschrieben ist und vom fondsmanagement übernommen wird
  • Nachteil: der Mix steht, es kann nicht individuell angepasst werden 
  • die Verwaltungskosten sind – verglichen mit einer do-it-yourself-Lösung – etwas höher 



Kommentare (5)

M

Maxi

sagt am 30. Mai 2020

Werte aus der Vergangenheit anschauen und damit die Zukunft voraussehen wollen ist das größte Problem der meisten Investoren. Selbst wenn es sich weiterhin so entwickelt, ist es nur Glück.

A

Anni

sagt am 27. Mai 2020

Danke für diesen tollen Blog. War sehr interessant zu lesen.

S

Sascha

sagt am 23. Mai 2020

Hi Finanzfluss-Team, wie macht man es den am besten, wenn man feststellt, dass man bei seiner ETF Auswahl leider doch einen Fehler gemacht hat und nach erneuter Recherche den gleichen ETF zu besseren Konditionen bekommen. Als Beispiel nehmen wir mal den iShares MSCI World mit TER 0,50% und dem iShares Core MSCI World mit TER 0,20%. Da gibt es jetzt ja sicherlich auch verschiedenste Strategien, wie man auf den gleichen aber günstigen ETF umschichtet. Spontan würde ich sagen, zeitnah die Anteilen an dem teureren ETF verkaufen und per einmaligem Re-Invest in den günstigen ETF investieren, auch wenn dabei ein paar Euro an kosten anfallen. Würdet ihr das wie oben beschrieben mit Verkauf und Re-Invest machen oder was gibt es da für alternative Strategien? Ich hab dazu leider bei Euch noch nichts dazu gefunden. Evtl. könntet ihr dazu auch ein kurzes Video mit den möglichen Optionen machen, wenn die Antwort nicht einfach Verkaufen und Re-Invest ist 😉 Vielen Dank schonmal und Grüsse Sascha PS: Ich weiß, dass ihr keine Anlageberatung macht – die Antwort kann gerne auch allgemeingültiger Ausfallen, wenn das ein Problem wäre 😉

M

MrAktie

sagt am 18. Mai 2020

Hallo Thomas, ich bin seit etwa 25 Jahren in wenigen Dividendenaktien mit bekannten Produkten (Getränke, Tabak, Lebensmittel) investiert, deren Geschäftsmodell ich verstehe … und komme gut zurecht … stabile Dividenden sind eine tolle Sache. Schöne Grüße Uwe

A

Accumulator

sagt am 16. Mai 2020

ETF Mythen Es wird langsam Zeit in den Blogs, Foren und Podcasts mit einigen mythisch tradierten Zöpfen und ETF-Mythen aufzuräumen: 1.Die Aufteilung des ETF-Depot im 70% Aktien und 30% Anleihen kann man getrost vergessen. Anleihen sind volatiler als Aktien und generieren seit Längerem Negativrendite. Als Sicherheitsanker sind Tagesgeld und Festgeld sinnvoller. 2. Wer Geld versenken will, investiert in Emerging Markets. Seit 5 Jahren laufen die EM-ETFs den Large Caps hinterher. Differenz MSCI World zu MSCI EM plus 26%. 3. Und wer zusätzlich Geld versenken will investiert in Small Caps. Nix Value-Faktor – oft Junk und Zombie. Differenz MSCI World zu MSCI Small Caps plus 21%. 4. Zu absoluten Krönung und Komplettierung der Fehlinvestionen empfehle ich Value Aktien. Laufen auch seit 8 Jahren nicht mehr.Differenz MSCI World zu MSCI Value plus 37%. Anzuraten sind ETFs aus: 1. Large Caps 2. USA 3. Technologie 4. Momentum Faktor ==> S&P 500, MSCI USA, MSCI World Momentum. Aufgrund der Innovationsstärke, der Flexibilität der Unternehmen und der wesentlich geringeren staatlichen Regulationen, wird sich der US-Markt wesentlich schneller und stärker von der Corona-Rezession erholen, als die anderen Weltmärkte. Und hohe Arbeitslosigkeit bedingt keine Baisse. Noch so ein Mythos.


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