Sendemasten, Pipelines und Abwasser: Investieren in Infrastruktur

Mona Linke
Mona Linke
Stand: 16. Dezember 2021
Infrastruktur umgibt uns tagtäglich, und dabei nicht nur in Gestalt von Eisenbahnnetzen und anderen Transportwegen. Der Sektor ist so vielschichtig wie kaum eine anderer, und damit nicht ganz leicht zu überblicken. Was gehört alles zur Infrastruktur? Und stimmt es, dass Investoren planbare und krisenfeste Erträge erwarten können?

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Was du wissen solltest
  • Man unterscheidet zwischen technischer Infrastruktur (Transport, öffentliche Versorgung, Telekommunikation) und sozialer Infrastruktur (Bildung, Gesundheit, Kultur)
  • Infrastruktur-Projekte lassen sich je nach Risiko und Entwicklungsstatus in Greenfield, Brownfield und Secondary Stage unterteilen. Daraus ergeben sich verschiedene Investitionsstrategien.
  • Staaten, Städte und Kommunen gehen häufig privat-öffentliche Partnerschaften (PPPs) mit Unternehmen ein. Eine Firma verantwortet, plant und / oder betreibt in dem Fall eine Anlage und erhält im Gegenzug Nutzungsgebühren von der öffentlichen Hand.
  • Einige Infrastruktur-Anlagen genießen eine monopolartige Stellung am Markt, sodass Investoren von regelmäßigen, gut kalkulierbaren Erträgen profitieren können.
  • Infrastrukturprojekte sind stark abhängig vom Zinsumfeld. Außerdem bestehen politische und regulatorische Risiken.
  • Privatanleger können über die Börse in Form von ETFs oder direkt in Projekte investieren, beispielsweise über geschlossene Fonds.

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So gehst du vor
  • Verschaffe dir einen Überblick über den Sektor und überlege, wie viel Risiko du mit deiner Anlage eingehen möchtest.
  • Möchtest du über die Börse investieren, solltest du sicherstellen, dass du ausreichend breit diversifizierst. Du kannst Infrastruktur-Investments als Beimischung zu einem Aktien-ETF nutzen, der global anlegt
  • Solltest du direkt in Projekte investieren wollen, solltest du dich vor einer Investition unbedingt über die geltenden Konditionen informieren. Produkte wie geschlossene Fonds sind sehr illiquide und streuen das Geld häufig nicht sehr breit.

Der Bedarf an neuer Infrastruktur ist enorm – und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so schnell abflachen wird. Weltweit sollen bis zum Jahr 2040 knapp 94 Trillionen Dollar für Infrastruktur-Investments nötig sein. Investiert würden nach aktuellen Schätzungen aber 15 Trillionen Dollar zu wenig. Das ist ein Grund, warum viele Kommunen, Städte und Länder mit privaten Firmen kooperieren, was wiederum private Geldgeber auf den Plan ruft, die sich von einem Investment in Infrastruktur-Projekte und -unternehmen langfristig stabile Renditen und einen Schutz vor Krisen versprechen. Doch bringen wir zunächst etwas Ordnung in die Welt der Infrastruktur.

Der Infrastruktur-Sektor im Überblick

Der Infrastruktur-Sektor im Überblick

Grundlegend bezeichnet Infrastruktur alle Anlagen, Systeme und Institutionen, die dazu dienen, eine Gesellschaft wirtschaftlich wie sozial aufrecht zu erhalten. Eine funktionierende Infrastruktur ist die Basis dafür, dass sich Firmen wie Privatleute überhaupt an einem Ort niederlassen.

Der Sektor lässt sich in zwei grundlegende Kategorien unterteilen: in soziale und technische Infrastruktur. Zur sozialen Infrastruktur gehören Gesundheits- und Bildungseinrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen, aber auch kulturelle Einrichtungen wie Museen, Theater und Sportplätze. Ein Großteil dieser Einrichtungen wird nach wie vor aus öffentlicher Hand finanziert. Der Fokus von privaten Investoren liegt deswegen vor allem auf dem zweiten Bereich, der technischen Infrastruktur. Diese umfasst folgende Teilbereiche.

Häfen, Gleise, Autobahnen und Flughäfen: Transport und Verkehr

Sie sind die Klassiker unter den Infrastrukturanlagen: Straßen und Schienen, Bahnhöfe, Flughäfen, Brücken und Schifffahrtshäfen. Kurzum: Alle nur denkbaren Systeme und Anlagen, die es ermöglichen, dass wir von A nach B kommen, gut vernetzt sind und Handel stattfinden kann. Geplant, entwickelt und realisiert werden viele solcher Projekte von privatwirtschaftlichen Firmen. Bei Autobahnen zum Beispiel springen oftmals Privatunternehmen als Betreiber ein und erhalten im Gegenzug Vergütungen in Form von Maut-Gebühren. Im Ausland ist so ein privatwirtschaftliches Betreibermodell vielerorts Gang und Gäbe, in Deutschland existieren vereinzelte Projekte.

Schieneninfrastruktur

Auch Flughäfen werden zunehmend durch privates Kapital finanziert. Europaweit werden knapp 16% aller europäischen Flughäfen von privaten Unternehmen betrieben, bei etwa einem Viertel besitzen private Geldgeber zumindest teilweise Eigentumsrechte. Teile des Flughafens Düsseldorf beispielsweise wurden Ende der 1990er Jahre an Investoren verkauft. Auch der Frankfurt Flughafen ist eine teilprivatisierte Infrastruktur-Anlage, die von der börsengelisteten Flughafengesellschaft Fraport AG betrieben wird. Geld verdient ein Flughafenbetreiber wie die Fraport AG in erster Linie über die Fluggesellschaften, die unter anderem dafür bezahlen, dass sie die Start- und Landebahnen nutzen können und ihre Passagiere durch die Check-in-Schalter geleitet werden. Je mehr geflogen wird, desto höher sind normalerweise auch die Erträge einer Flughafengesellschaft. Einnahmen bringt aber auch das Vermieten von Ladenflächen oder Parkhäusern. Ausgerechnet beim BER, dem wohl teuersten Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Hauptstadt, ist die Privatwirtschaft übrigens nicht mit von der Partie. Der Flughafen ist zu 100% in öffentlichem Besitz, und so flossen vor allem Steuergelder in die Finanzierung des Hauptstadt-Flughafens.

Abwasser, Müll und Strom: Öffentliche Versorgung

Kläranlage

Eine funktionierende Stadt benötigt einen Trinkwasserzugang, ein stabiles Stromnetz und eine Wärmeversorgung. Außerdem muss das Abwasser irgendwohin und Müll recycelt werden. All solche Anlagen und Dienstleistungen fallen unter den Oberbegriff “Öffentliche Versorgung” und sind ebenfalls Teil der technischen Infrastruktur. Ferner gehören beispielsweise auch Solar- und Photovoltaikanlagen sowie der gesamte Bereich der Öl- und Gasgewinnung in die Kategorie Öffentliche Versorgung. Was hier an Kosten anfällt, schultert meist nicht allein der öffentliche Sektor. In einigen Städten ist die Wasserversorgung in privater oder teilprivatisierter Hand. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Unternehmen, die sich beispielsweise auf die Bereitstellung von Trinkwasser spezialisiert haben oder die Sanierung von Anlagen übernehmen. Für ihre Leistungen nehmen sie entweder direkt Gebühren von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein oder werden aus der Stadtkasse bezahlt.

Auch hinter dem Bau von Öl- und Gaspipelines stecken in vielen Fällen private Geldern. Die Gas-Pipeline Nord Stream 2 beispielsweise gehört der Projektgesellschaft Nord Stream 2 AG, die wiederum mehrheitlich im Besitz des russischen Erdöl-Riesen Gazprom ist. Finanziert wurde die Pipeline aber auch knapp zur Hälfte von fünf westlichen Energiekonzernen, darunter Wintershall und der Chemiekonzern BASF. Die Firmen sind an der Projektgesellschaft beteiligt.

Telefonieren und surfen mit 5G: Telekommunikation

Zur technischen Infrastruktur gehört auch das Segment der Telekommunikation, auch genannt “digitale Infrastruktur”. Anlagen wie Festnetzleitungen, die Telefongespräche ermöglichen, Mobilfunknetze und -masten sowie Glasfasernetze werden häufig ebenfalls von der Privatwirtschaft realisiert: Wird beispielsweise ein neuer Mobilfunkmast aufgestellt oder ein Glasfasernetz verlegt, ist dafür ein Mobilfunkbetreiber wie die Deutsche Telekom oder Vodafone verantwortlich, was vertraglich mit dem Bund vereinbart wurde. Die Mobilfunkkonzerne sind außerdem dafür zuständig, die Netze auf dem neuesten Stand zu halten und stetig zu erweitern. Entsprechend müssen sie immer wieder hohe Investitionen tätigen. Der Staat beteiligt sich daran teilweise über Förderprogramme, um den Netzausbau voranzutreiben.

PPP-Investments (Public Private Partnership)

Dass Staaten, Bundesländer oder Kommunen mit privatwirtschaftlichen Unternehmen kooperieren, ist kein neues Phänomen. Um größere Infrastrukturprojekte zu realisieren, werden auch in Deutschland häufig sogenannte Public Private Partnerships beschlossen. Der private Partner kümmert sich dann häufig nicht nur um Bau und Betrieb einer Anlage, sondern übernimmt auch die Projektverantwortung und erhält anschließend im Gegenzug vom Staat Nutzungsgebühren. Hintergrund solcher Partnerschaften ist, dass sich Projekte so schneller und effizienter realisieren lassen sollen.

Greenfield, Brownfield oder Secondary Stage?

Bei Infrastrukturprojekte wird auch zwischen sogenannten Greenfield- und Brownfield-Anlagen unterschieden, teilweise begegnet einem auch der Begriff Secondary Stage Assets.

Als Greenfield-Anlagen werden solche Projekte bezeichnet, zu denen lediglich eine grundlegende Planung existiert, jedoch noch keine Übereinkünfte mit beteiligten Stakeholdern getroffen wurden. Ein Beispiel: Ein Windpark wurde entworfen und grob geplant, jedoch ist das Einverständnis der betroffenen Bürgerinnen und Bürger am Standort noch nicht eingeholt. Es kann passieren, dass Projektpartner kurzfristig abspringen oder Finanzierungen platzen. Das Risiko, dass es zu Komplikationen kommt oder regulatorische Hürden das Projekt vereiteln, ist in diesem Stadium also sehr groß. Es ist vergleichbar mit dem eines Immobilienprojekt, das noch in der Bauphase steckt.

Mit Brownfield-Assets gehen Investoren ein etwas geringeres Risiko ein. Gemeint sind meist solche Anlagen, deren Planung und Finanzierung abgeschlossen sind, die betriebsbereit oder sogar schon in Betrieb sind. Das könnte zum Beispiel eine Bahnstrecke sein, die bereits befahren wird. Brownfield Projekte zeichnet außerdem häufig aus, dass eine Anlage oder ein System verbessert, ausgebaut oder repariert werden muss. Ähnlich wie eine bereits bestehende Immobilie, die restauriert werden muss.

Stufe Drei bilden die sogenannten Secondary Stage Projekte. Eine Anlage ist voll entwickelt und in Betrieb, es sind keine Investitionen für Ausbesserungen mehr nötig. Das Projekt generiert bereits regelmäßige Erträge. Das Ausfallrisiko ist bei diesem dritten Stadium für gewöhnlich am geringsten.

Core, Value Add oder Opportunistic?

Risikoarten Infrastruktur

Je nachdem, in welcher Form und mit wie viel Risiko Anleger in den Sektor Infrastruktur investieren möchten, können sie bei ihrem Investment verschiedene Strategien fahren.

Wer als Anleger hauptsächlich auf weit entwickelte Secondary-Stage-Projekte setzt, die sich noch dazu in einem Industrieland befinden und deren Firma durch exklusive Nutzungsrechte eine monopolistische Stellung genießt, setzt eine sogenannte “Core”-Strategie um. Ein höheres Risiko gehen Investoren ein, die auf eine “Value Add” Strategie setzen. Dabei wird in solche Technologien, Systeme oder Anlagen investiert, die noch nicht etabliert sind und deren Nutzen entsprechend erst bewiesen werden muss. Sie müssen sich am Markt beweisen. Am riskantesten sind sogenannte “Opportunistic”-Investitionen: Das sind Anlagen, die möglicherweise noch vollständig entwickelt und realisiert werden müssen. Ziel der Strategie sind weniger stabile Erträge und eher ein rasches Kapitalwachstum.

Infrastruktur als Investment: Stabilität und Konstanz?

Tatsächlich hat der Infrastruktur-Sektor seine Vorzüge gegenüber anderen Sektoren. Zu vorschnell sollten Anleger aber auch nicht investieren, denn Projekte und Unternehmen können genau wie in anderen Wirtschaftszweigen scheitern.

Staatlich organisiert und kaum Konkurrenz?

Viele Infrastrukturunternehmen genießen eine monopolartige Stellung am Markt und haben teilweise über Jahrzehnte keine Konkurrenz zu fürchten. Bekommt beispielsweise ein privater Wasserversorger den Auftrag, eine Region zu versorgen und schließt dafür einen Konzessionsvertrag mit der zuständigen Gebietskörperschaft, sichert er sich häufig über mehrere Jahrzehnte ein Gebietsmonopol, in dem nur er tätig sein darf. Es besteht also kein klassischer Preiskampf wie in anderen Branchen, und somit sind die Umsätze und Cashflows über Jahre und teilweise Jahrzehnte im Voraus planbar. Auch der Verbraucher hat in diesem Fall keinen Einfluss auf die Preisbildung, schließlich fehlt es an alternativen Angeboten, zwischen denen er wählen könnte. Kooperieren private Firmen mit Staaten, Ländern oder Kommunen, dürfen viele Unternehmen noch dazu regelmäßig ihre Gebühren und Tarife an die Inflation anpassen. Für Investoren bedeutet das wiederum, dass sie mit weitgehend regelmäßigen und dadurch gut kalkulierbaren Renditen rechnen können, und das für 25, 50 oder auch mal über 90 Jahre – je nachdem, wie langfristig die zugrundeliegenden Verträge sind. Für einige Infrastruktur-Unternehmen gelten diese Monopole, kleinere Dienstleister und Zulieferer dagegen unterliegen aber meistens sehr wohl einem Wettbewerb. Ebenso viele Unternehmen aus dem Energiesektor, wie der Konkurrenzkampf am Markt für Solaranlagen seit Jahren beweist: Zahlreiche deutsche Betreiber rutschten in die Insolvenz, nachdem China begann, den Markt für sich zu beanspruchen.

Einnahmen unabhängig von der Konjunktur

Langfristige Abnahmeverträge sind es auch, die regelmäßige Cashflows trotz Crashs und Krisen bringen sollen. Ein Versorgungsunternehmen, das mit einer Stadt oder Kommune einen Vertrag über 20 Jahre oder länger abschließt, wird auch dann Einnahmen generieren, wenn die Realwirtschaft in der Finanzkrise steckt oder am Immobilienmarkt die Kredite ausfallen. Denn die Nachfrage nach Gütern wie Wärme und Elektrizität wird nicht abflachen. Gleiches gilt zum Beispiel für einen Mautstraßenbetreiber, der Gebühren für jedes Auto kassiert, das über den Asphalt rollt. Solche vetraglich geregelten Erlösmodelle sichern einigen Investoren ebenfalls regelmäßige Ausschüttungen. Dem Infrastruktur-Sektor wird daher eine gewisse Unabhängigkeit von den natürlichen Konjunkturzyklen nachgesagt. Doch auch das gilt nicht bedingungslos für jedes Unternehmen und jeden Bereich. Schon vor der Corona-Pandemie sind viele kleinere Flughäfen wegen niedriger Passagierzahlen in die finanzielle Bredouille geraten, einige Gesellschaften mussten Insolvenz anmelden. Das Beispiel zeigt: Eine Garantie für Profitabilität gibt es längst nicht bei jedem Infrastruktur-Unternehmen.

Nachfrage wächst mit der Bevölkerung

Die Weltbevölkerung wächst – bis zum Jahr 2050 nach Schätzungen der UNO um etwa zwei Milliarden Menschen. Entsprechend wird mehr geflogen und gefahren werden, mehr Datenvolumen genutzt und mehr Wasser verbraucht werden. Noch dazu ist der Aufholbedarf im Bereich Infrastruktur in vielen Regionen der Erde enorm. Mal ganz abgesehen von Funklöchern und bröckelnden Stromnetzen, wie man sie aus Teilen der Bundesrepublik kennt, betrifft das in erster Linie Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch noch in 100 Jahren werden Infrastrukturunternehmen notwendig sein, die Branche gilt dadurch als besonders robust.

Risiken von Infrastrukturinvestments

Der Sektor Infrastruktur hat auch seine ganz speziellen Risiken, und die sind gerade wegen der langfristigen Verträge mit öffentlichen Behörden vor allem politischer und regulatorischer Natur.

Falls Bürger oder Politik es sich anders überlegen

Sowohl Versorgungsunternehmen, die exklusive Vermarktungsrechte von einer Region erhalten, als auch Betreiber von Windkraftanlagen oder Mobilfunknetzen können Probleme bekommen, wenn sich regulatorisch etwas ändert. Beispielsweise, wenn eine Kommune die Mindestpreisbindung für einen Wasserversorger abschafft, sich ein Dorf gegen den geplanten Bau von Windrädern wehrt oder aber staatliche Subventionen wegfallen und beispielsweise ein Mobilfunkbetreiber unplanmäßig hohe Investitionen allein stemmen muss.

Risiken wie jedes andere Unternehmen

Auch in der Infrastruktur-Branche werden Misskalkulationen angestellt, Management-Fehler begangen, es treten technische Schwierigkeiten auf oder es bleiben eigentlich festgesetzte Erlöse aus. Das hat ein Projekt in Lübeck deutlich gemacht: Vor knapp zehn Jahren hat die Hansestadt zusammen mit dem Infrastruktur-Konzern Hochtief und der Firma Bilfinger einen mautpflichtigen Tunnel errichtet, der Lübeck mit Travemünde verbindet. Um die Baukosten wieder hereinzuholen, sollten die beauftragten Unternehmen für eine Zeit Maut-Gebühren kassieren. Doch der Plan ging nicht auf, denn viele Autofahrer nahmen lieber einen Umweg in Kauf, statt am Kassenhäuschen zu bezahlen. Die gewünschten Einnahmen blieben aus.

Hohe Abhängigkeit von Zinsumfeld

Viele Infrastrukturprojekte verschlingen riesige Investitionssummen, von denen meist ein großer Teil mit Fremdkapital beglichen wird. Durch die in der Regel sehr gut und langfristig planbaren Cashflows können es sich Infrastrukturunternehmen erlauben, mit einer deutlich höheren Verschuldungsquote zu arbeiten. Ähnlich wie im Immobiliensektor verleihen Banken, Anleiheinvestoren und Fonds hier gerne ihr Geld. Ein möglicher Haken: Werden Kredite aufgenommen, fallen Zinsen an. Die Branche ist damit ähnlich wie der Immobiliensektor sehr abhängig vom Zinsumfeld. Was viele Firmen wiederum anfällig für Finanzierungsprobleme macht, sollten die Zinsen wider Erwarten anziehen.

Abgesehen von den allgemeinen Risiken der Branche stellen häufig die Finanzprodukte selbst ein Risiko dar, über die Investoren in den Sektor einsteigen können. Welche Möglichkeiten gibt es hier und wie empfehlenswert ist ein Investment über sie?

Wie kann man in Infrastruktur investieren?

Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Krankenkassen, Family Offices oder Stiftungen investieren schon länger in den Sektor Infrastruktur. Nach Erhebungen der Bafin investieren deutsche Versicherer beispielsweise 2,1% ihres gesamten verfügbaren Investitionskapitals in Infrastruktur-Vorhaben. Bei institutionellen Geldgebern sind Private-Debt-Investitionen beliebt, über die der Investor als Kreditgeber auftritt und im Gegenzug mit festen oder variablen Zinsen an den Profiten eines Infrastrukturprojekts beteiligt wird. Solche Investments sind zum Beispiel über alternative Dept-Investmentfonds möglich. Doch auch für Privatanleger gibt es mehrere Optionen, wenn auch nicht jeder Anleger Zugang zu ihnen hat.

Über die Börse

Der wohl einfachste Weg zu einem Infrastruktur-Investment verläuft über die Börse. Dabei wird direkt in Unternehmen investiert, die im Infrastruktur-Sektor tätig sind. Also beispielsweise in Betreiber von Telekommunikationsnetzen wie Telekom oder das spanische Unternehmen Telefónica. Oder in einen Strom- und Gasversorger wie EON, RWE oder EnBW. Das Ganze wird auch als börsennotierte Infrastruktur bezeichnet. Einige Firmen geben Unternehmensanleihen aus, in die auch Privatanleger investieren können. Breiter streuen lässt sich das eigene Geld aber über den Aktienmarkt. Denn neben Einzelaktien existieren inzwischen mehrere Fonds und ETFs, die gezielt in Infrastruktur investieren. Wir haben uns drei Indexfonds genauer angesehen.

Weltweit investieren: Der iShares Global Infrastructure UCITS ETF

Sowohl Industrie- als auch Schwellenländer deckt etwa der Global Infrastructure ETF von iShares ab. Ziel des Fonds ist es, die weltweit größten und liquidesten Unternehmen in dem Sektor abzudecken. Aufgelegt wurde der Fonds im Jahr 2006, als Benchmark wird der FTSE Global Core Infrastructure Index herangezogen. Insgesamt stecken knapp 240 Aktiengesellschaften in dem ETF. Unter den Top10-Positionen finden sich US-amerikanische Energieunternehmen wie Nextera Energy aus Florida, das die amerikanische Ostküste mit Strom aus konventionellen und erneuerbaren Energiequellen versorgt, und Duke Energy, einen Energieversorger aus North Carolina. Enthalten sind auch die Eisenbahngesellschaften Union Pacific und die “Canadian National Railway”, außerdem mehrere REIT-Gesellschaften. Darunter beispielsweise die Crown Castle International Corporation, die mehrere Hunderttausend Infrastruktur-Anlagen besitzt, betreibt und vermietet, darunter vor allem Mobilfunk-Sendemasten und Glasfaser.

Nur Schwellenländer: iShares EM Infrastructure UCITS ETF

Ausschließlich in Schwellenländer investiert der iShares EM Infrastructure ETF. Als Vergleichsindex nutzt der ETF den S&P Emerging Markets Infrastructure Index. Fast die Hälfte des Kapitals fließt in Industrieunternehmen (42%), an zweiter Stelle stehen Versorgungsunternehmen (38%) und knapp 20% des Kapitals fließen in Energiekonzerne. Unter den stärksten Positionen finden sich eine Reihe chinesischer Infrastruktur-Unternehmen, darunter Stromproduzenten wie der Konzern China Resources Power, aber auch Investmentgesellschaften wie die China Gas Holdings Limited. Das Unternehmen finanziert, baut und betreibt Infrastrukturanlagen, zum Beispiel Gaspipelines oder Lager- und Transportanlagen. Am zweitstärksten im ETF gewichtet ist der russische Staatskonzern Transneft, der mehrere Erdöl-Pipelines betreibt.

Xtrackers S&P Global Infrastructure Swap UCITS ETF

Der Xtrackers S&P Global Infrastructure Swap ETF investiert investiert in die nach Marktkapitalisierung weltweit 75 größten Unternehmen aus dem Energie-, Transport- und Versorgungssektor, und dabei sowohl in Industrieländer wie die USA, Kanada und Australien, als auch zu einem kleinen Teilen in Schwellenländer. Insgesamt vier deutsche Unternehmen sind enthalten: E.ON, RWE, Fraport und die Hamburger Hafen und Logistik AG. : Unter den Top10-Positionen rangieren auch hier Unternehmen wie Nextera Energy und Duke Energy.

Direkt in bestimmte Projekte investieren

Auch Privatanleger können – zumindest theoretisch – direkt in Infrastrukturprojekte investieren. In der Praxis funktioniert das in vielen Fällen aber nur, wenn die meist sehr hohen Mindestanlagebeträge erreicht werden, die gerne schon mal 100.000 Euro und mehr betragen. Eine Möglichkeit, sich direkt an Infrastruktur-Projekten zu beteiligen, sind geschlossene Fonds, wie es sie schon im Immobilienbereich gibt. Dabei erwerben Investoren sogenannte geschlossene Beteiligungen. Das eingesammelte Geld investiert der Fonds anschließend zum Beispiel direkt in bereits bestehende Anlagen (Brownfield) oder in Projekte, die sich noch in der Planung befinden (Greenfield). Einige Fonds kaufen mit dem Geld ihrer Investoren ganze Sendemasten von Mobilfunkanbietern, um diese zurück an die Firmen zu vermieten und Erträge zu generieren. Wieder andere Fonds erwerben öffentliche Einrichtungen. Ein Immobilienfonds des Vermögensverwalters Hannover Leasing beispielsweise erwarb einst die Feuerwache von Mülheim an der Ruhr und vermietete sie an anschließend an die nordrhein westfälische Stadt, um so laufende Erträge zu generieren. Wieder andere Fonds kaufen Kita-Gebäude, die sie an Kommunen vermieten oder verpachten.

Doch solche Direkt-Investments über einen geschlossenen Fonds haben eklatante Schwächen: Die Produkte sind illiquide und Anleger stecken mitunter bis zu 50 Jahre in einem Fonds, dessen Anteile sie ansonsten nur zu sehr hohen Abschlägen vorzeitig loswerden könnten. Obwohl die Produkte als Fonds bezeichnet werden, enthalten sie häufig nur ein einziges Projekt oder Objekt. Entsprechend groß ist das Klumpenrisiko. Hinzu kommt: Mit einem Investment in einen geschlossenen Fonds wird ein Anleger zum stillen Beteiligten. Das heißt, er hat das Recht auf einen Teil des Gewinns, aber auch an den Verlusten. Im Falle einer Insolvenz riskiert er den Totalverlust.

ELTIFs: Die Infrastruktur-Fonds der EU

Seit 2015 können EU-Bürgerinnen und -Bürger außerdem in sogenannte ELTIFs (European Long-Term Investment Fund) investieren. Das sind spezielle Finanzinstrumente, die damals von der EU eingeführt wurden und von denen es inzwischen an die 30 Stück gibt. Die Laufzeit ist mit meist weniger als zehn Jahren kürzer als bei geschlossenen Fonds, außerdem sind die Produkte meist diversifizierter und die Angaben transparenter aufgelistet. Nach Angaben der EU sind die Fonds dazu gedacht, Privatanlegern einen sicheren und leichteren Zugang zu Investments in illiquide Kapitalanlagen wie eine Photovoltaik- oder Windkraftanlage zu verschaffen. Für die meisten Privatanleger werden aber auch die Eltifs nur eine theoretische Option bleiben, denn die gesetzliche Mindestanlage beträgt 10.000€. Außerdem dürfen Einzelpersonen mit einem Vermögen von weniger als einer halben Millionen Euro nur maximal 10% ihres gesamten Vermögens in einen solchen Fonds investieren. So einen als Eltif strukturierten Fonds hat beispielsweise die Commerzbank aufgelegt (WKN: KLV100). Die geplante Laufzeit beträgt 50 Jahre, investiert wird vornehmlich in Anlagen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, darunter Windparks, Bioenergie und Wasserkraftanlagen. Das Ganze hat seinen Preis: Der einmalige Ausgabeaufschlag beträgt 4%, die laufenden Kosten liegen bei 1,3%.

Auch Welt-ETFs investieren in Infrastruktur

Wenn sich Staaten Hilfe aus der Privatwirtschaft holen, um Infrastruktur-Investments zu realisieren, kann sich das lohnen – für die staatlichen Stellen oder für die engagierten Unternehmen – aber auch für private Investoren. Doch eine Garantie gibt es dafür – wie immer – nicht. Viele Infrastruktur-Anlagen haben zwar in einer Region die Monopolstellung inne und sind damit über Jahrzehnte mehr oder weniger abgeschirmt von Konkurrenz- und Preiskämpfen. Nur trifft das längst nicht auf jedes Unternehmen oder Projekt in dem Sektor zu, in dem Firmenpleiten und Einnahmeausfälle genauso vorkommen wie in anderen Branchen. Noch dazu sind speziell Infrastruktur-Projekte mit politischen und regulatorischen Risiken verbunden. Und dann sind da noch die oftmals risikoreichen Finanzprodukte, mit denen Investoren überhaupt erst in der Lage sind, direkt in Vorhaben zu investieren. Wer nicht gerade mehrere Hunderttausend Euro auf dem Konto hat, kann bereits mit kleinen Beiträgen über Aktien von Infrastrukturunternehmen beziehungsweise ETFs in den Sektor investieren. Mehr als eine Beimischung sollten jedoch auch Infrastruktur-Aktien nicht im Portfolio darstellen. Einerseits, weil so ein Branchenrisiko besteht und die Diversifikation meist zu wünschen übrig lässt. Andererseits, weil Anleger damit auf die Weltmarktrenditen verzichten, die globale ETFs bescheren. 

In Indizes wie dem MSCI World oder MSCI ACWI, die viele verschiedene Branchen abbilden, ist ohnehin schon Infrastruktur enthalten. Mehr als 60 Energieunternehmen zählt beispielsweise der MSCI ACWI, darunter Branchenriesen wie Exxon Mobil und Gazprom, hinzu kommt mehr als ein Dutzend Aktien von Energieversorgern sowie Kommunikationsunternehmen wie T-Mobile und REITS wie American Tower, ein US-amerikanisches Unternehmen, das weltweit mehr als 170.000 Mobilfunk-Sendemasten betreibt.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Infrastruktur?

Was zeichnet den Sektor Infrastruktur aus?

Wie risikoreich sind Investments in Infrastruktur?

Wie kann man in Infrastruktur investieren?