Wie funktioniert ein Orderbuch?

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 30. November 2021
Für den Überblick über die Bewegungen eines Wertpapiers kann das Orderbuch ein hilfreiches Tool sein. In ihm werden die aktiven Kauf- und Verkaufsaufträge bzw. Orders eines Wertpapiers aufgeführt. Wenn du dich für die ausstehenden Orders eines bestimmten Wertpapiers interessierst, kannst du bei bestimmten Börsen das betreffende Orderbuch einsehen. Wir haben zusammengefasst, wie ein Orderbuch funktioniert, wie man es liest und welche Informationen man daraus ziehen kann.

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Was du wissen solltest
  • Für jedes Wertpapier wird an der Börse ein Orderbuch geführt, das die aktiven Kauf-, Verkauf- und Limit-Aufträge (Orders) aufzeichnet.
  • Auf Grundlage des Orderbuchs wird der Börsenpreis eines Wertpapiers gebildet.
  • Noch wichtiger als der Börsenpreis ist allerdings die Taxe, also der geschätzte Börsenpreis – insbesondere bei Wertpapieren mit niedrigerer Liquidität.
  • Während du auf offene Orderbücher als Marktteilnehmer Zugriff hast, sind manche Orderbücher nur für einen eingeschränkten Personenkreis zugänglich.
  • Am Orderbuch eines Wertpapiers kannst du dessen Liquidität und Markttiefe (Fähigkeit des Marktes, auch ohne Kursrutsche große Ordervolumen umzusetzen) ablesen.

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So gehst du vor
  • Offene Orderbücher, beispielsweise das der Xetra, kannst du einfach im Internet abrufen und das betreffende Wertpapier einsehen.
  • Klassischerweise besteht ein Orderbuch aus einer linken (Kauf-) und einer rechten (Verkaufs-) Seite, auch “Geld” und “Brief” genannt.
  • Neben dem Preis, zu dem eine bestimmte Transaktion getätigt werden soll, siehst du auch die Menge der gehandelten Wertpapiere.

Das Orderbuch im Börsenhandel

Für die Transparenz im Alltag des Börsenhandels ist das Orderbuch unverzichtbar. Im Orderbuch eines Wertpapiers werden alle ausstehenden Aufträge in Bezug auf dieses Papier aufgezeichnet und dargestellt. Order steht hierbei für einen Auftrag zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge eines Wertpapiers. Auch eingetragene Limits von Orders werden im Orderbuch aufgeführt. Für jedes Wertpapier gibt es ein eigenes Orderbuch. Als Orderbuchumsatz bezeichnet man den Gesamtumsatz eines Wertpapiers in einem bestimmten Zeitraum.

Auf Basis dieser Informationen kann dann der Börsenpreis eines Wertpapiers bestimmt werden. Dafür ist der Skontroführer zuständig, der in Deutschland neutral auf der Grundlage der Auftragslage eines Wertpapiers deren Preis bestimmt. Selbstverständlich findet das heutzutage digital statt, genau wie die meisten Kaufs- und Verkaufsaufträge auch, die überdies oftmals automatisiert ablaufen. Aussagekräftiger als der tatsächliche Börsenkurs ist aber kurzfristig der sogenannte Taxakurs, auch Taxe genannt. Dies ist ein Schätzpreis, der aktuell anhand der Bewegungen von Angebot und Nachfrage (die im Orderbuch aufgeführt sind) gebildet wird. 

Wer kann auf ein Orderbuch zugreifen?

Grob kann man zwischen zwei verschiedenen Arten von Orderbüchern unterscheiden: offene und nicht offen zugängliche Orderbücher. Während offene Orderbücher für alle einsehbar sind (wie beispielsweise das weiter unten beschriebene Orderbuch der digitalen Börse Xetra), können auf andere Orderbücher nur bestimmte Personengruppen zugreifen. Ein Beispiel wären hier die Orderbücher der Parkettbörsen, die nur für die Broker auf dem Parkett und den Skontroführer zugänglich sind.

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Ratgeber-Serie zum Thema Börse

Wenn du dich für die Grundlagen des Börsenhandels interessierst, haben wir eine Reihe Themen für dich aufgearbeitet, die sich rund um die Börse drehen. Wir haben Ratgeber etwa zur Frage, was die Börse eigentlich ist und macht, zu Handelszeiten an den Börsen oder zum DAX. Viel Spaß beim Lesen!

So funktioniert ein Orderbuch

Dass es sich bei der Börse um einen Handelsplatz für Wertpapiere handelt, zeigt sich beim Aufbau des Orderbuchs ganz direkt. Die zwei Seiten einer jeden Transaktion an der Börse, also Kauf- und Verkaufseite, sind hierin vertreten: Die Kaufseite sieht man links, die Verkaufseite rechts. Im Orderbuch kann man nachvollziehen, wie Käufer und Verkäufer zusammengeführt werden. Auf der Käuferseite erscheint für gewöhnlich ganz oben derjenige, der bereit ist, am meisten für das Wertpapier zu bezahlen oder gar kein Limit eingestellt hat (und damit praktisch anbietet, jeden am Markt verfügbaren Preis zu bezahlen). Unter dieser Position reihen sich dann diejenigen Kaufangebote ein, die Limits zu bestimmten Preisen gesetzt haben. Auf der Verkäuferseite steht meist ganz unten das Angebot, welches das Wertpapier zum niedrigsten Preis anbietet. Es gilt nun also für die Börse, Käufer und Verkäufer zusammenzuführen, also die gemeinsame Mitte und damit den Preis auszuloten.

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Was ist eine Limit-Order?

Limit-Orders gibt es sowohl als Kaufs- als auch als Verkaufsorders. Ziel ist, nicht zu jedem möglichen Preis ein Wertpapier zu kaufen oder verkaufen, da kurze Momente an der Börse gelegentlich große Preisunterschiede bewirken können, sondern diesen zu limitieren. Bei einer Kauf-Limit-Order stellt das Limit den maximalen Preis dar, bei dem ein Kaufauftrag ausgelöst werden soll. Bei einer Verkauf-Limit-Order hingegen ist das Limit der niedrigste Preis, zu dem verkauft werden soll. Beachte bei Limit-Orders aber, dass sie – insbesondere bei sehr volatilen Märkten oder Wertpapieren – keine Garantie für die Auslösung zu exakt dem richtigen Preis sind. Sie sind vielmehr eine mögliche Annäherung daran.

Je nach eingestellten Limits, Volumen und Anzahl der Order werden potentielle Käufer und Verkäufer nun miteinander gematcht. Die mögliche Differenz von höchstem Kauf- und niedrigstem Verkaufspreis (Geld- und Briefkurs) nennt sich Spread – die Börsen verdienen entgegen der landläufigen Meinung allerdings nicht daran. Anders ist es bei außerbörslichen Handelsplattformen, die direkt Käufer und Verkäufer auf einer Plattform vermitteln und an den Spreads verdienen. Aus der Anzahl der gehandelten Wertpapiere der verschiedenen (Kaufs- und Verkaufs-) Orders kann zunächst die Taxe und später der Börsenpreis ermittelt werden. Bei kleineren Börsen wird hierzu oftmals auch der Börsenpreis von Referenzmärkten herangezogen, um eine möglichst faire und exakte Preisbildung mit niedrigem Spread herzustellen. Wenn ein Auftrag durchgeführt wurde, verschwindet er aus der Orderbuch-Oberfläche und neue aktive Aufträge erscheinen.

Offenes Orderbuch lesen: Beispiel Xetra

Offene Orderbücher sind – wenn der Handel aktiv ist – sehr dynamisch und zu Beginn etwas unübersichtlich. Deswegen hier ein Beispiel aus dem offenen Orderbuch der deutschen Digitalbörse Xetra zur Veranschaulichung:

Xetra Orderbuch Adidas
Einblick in das Xetra-Orderbuch. | Quelle: Screenshot boerse-frankfurt.de

Wir sehen das Orderbuch der Adidas-Aktie um 12:11 Uhr. Wenn das Orderbuch einer einzelnen Aktie ausgeklappt ist, ist es zehn Order “tief”, zeigt also die zehn Order an, die zu dem Zeitpunkt die höchsten bzw. niedrigsten Kauf- oder Verkaufpreise anbieten, und aktualisiert sich laufend. Somit werden nur ausstehende Aufträge angezeigt, die noch nicht ausgeführt wurden.

Auf der linken Seite findet sich die Käuferseite (auch “Geld” oder “Bid” genannt), die in der ganz linken Spalte mit einem grünen Balken anhand der gekauften Menge der Order visualisiert ist. “Bid Anzahl” benennt dementsprechend die Anzahl der Aufträge zum jeweiligen Preis, “Bid Volume” die gesamte Anzahl der angebotenen Aktien zu diesem Kaufpreis. Rechts davon, unter “Bid”, findet sich der entsprechende höchste Kaufpreis, den der Käufer bereit ist, zu zahlen.

Dasselbe wiederholt sich auf der rechten Seite des Orderbuchs für den Verkauf des Wertpapiers (“Ask” oder auch “Brief” genannt). Im Gegensatz zum oben beschriebenen Regelfall wird hier zunächst der niedrigste angebotene Verkaufspreis angezeigt, in der nächsten Spalte die Gesamtanzahl von Aktien, die zu diesem Preis angeboten werden, in der folgenden Spalte die Anzahl der Aufträge, die inkludiert sind und dann ganz rechts wieder eine Visualisierung der Order. 

In der oberen rechten Ecke findet sich zudem der letzte Börsenpreis des betreffenden Wertpapiers, der letzte Umsatz, die Uhrzeit und ein grüner oder roter Kreis beschreibt, ob derzeit Handel betrieben wird. 

Das bringt dir das Orderbuch

Anleger, die auf kurze Sicht handeln und für die das Market Timing eine große Rolle spielt, können sich durch das Orderbuch eines Wertpapiers Überblick darüber verschaffen, wie es um die Liquidität desselben bestellt ist. Außerdem kann es einen Eindruck der derzeitigen Marktsituation liefern – ob die Preise fallen oder steigen. Noch vor der kompletten Digitalisierung und Vernetzung der Börsen konnten Trader auch noch einen Vorteil aus differierenden Börsenpreisen von Wertpapieren anhand der Orderbücher ziehen und bei einer Börse ein Wertpapier zu einem niedrigeren Preis kaufen und es bei einer anderen zu einem höheren Preis verkaufen. Diese Möglichkeit ist heutzutage nur noch sehr stark eingeschränkt möglich, da die Börsen miteinander vernetzt sind und oftmals nicht nur das Orderbuch zur Feststellung des Börsenpreises heranziehen, sondern auch noch Informationen von Referenzmärkten einpreisen.

Es lässt sich aus dem Blick ins Orderbuch also nicht unmittelbar ein Rückschluss auf eine Investmententscheidung ziehen. Hinzu kommt, dass viele Investmentstrategien gar nicht erst kurzfristig auf das Market Timing setzen, da sich aus vergangener nicht zukünftige Performance ableiten lässt. Zum passiven Investmentansatz findest du mehr Informationen in unserem ETF-Handbuch.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Orderbuch?

Was zeigt das Orderbuch?

Wie lese ich das Orderbuch?