Wertpapierhandelsbogen (WpHG) einfach erklärt!

Finanzfluss Team
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Wer eine Alternative zum klassischen Sparbuch/Tagesgeldkonto sucht, wird an dem Wertpapierhandelsbogen (WpHG-Bogen) in der Regel nicht herumkommen. Das resultiert daraus, dass jede Anlagen in Finanzinstrumenten den gesetzlichen Vorgaben der Wertpapierhandelsgesetze (WpHG) unterliegt.

Was du wissen solltest
  • Zu diesen Finanzinstrumenten zählen unter anderem: Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Zertifikate, Derivate oder geschlossene Fonds/Beteiligungen
  • Diese Anlageformen und die dazugehörigen Produkte unterscheiden sich hinsichtlich der Risikoklassen, Rechte sowie Pflichten, die der Anleger mit dem Erwerb eingeht.
  • Aufgrund dessen liegt das Hauptaugenmerk der Wertpapierhandelsgesetze in der Kontrolle der Wertpapierdienstleistungsunternehmen, um das Risiko der Falschberatung zu minimieren.
  • Das führt zu einer gesteigerten Beratungsqualität, einem verbesserten Anlegerschutz sowie der Erfüllung entsprechender Dokumentationspflichten.
Inhaltsverzeichnis

Der Aufbau

Der WpHG-Bogen ist wie ein Fragebogen zu sehen, welcher dem System als Orientierungsrahmen dient. Insgesamt werden in diesem vier Kategorien abgebildet:

  • Kundendaten (Name, Adresse etc.)
  • Anlageerfahrungen
  • Anlagezweck, -dauer & Risikoklasse
  • Finanzielle Verhältnisse

Die Kundendaten sind in der Regel vorgelegt, da deine Bank diese schon kennt. Bezüglich der Anlageerfahrungen werden dir die unterschiedlichen Anlageklassen aufgezeigt. Man unterscheidet hierbei zwischen inländischen und ausländischen Aktien und Anleihen sowie Hedge/Optionsscheinfonds und weiteren Ausprägungen der im vorherigen Absatz vorgestellten Finanzinstrumente. Hier musst du angeben, zu welchen Bereichen du Kenntnisse besitzt und wo du bereits Erfahrungen gesammelt hast. Bei den Erfahrungen wird noch einmal hinsichtlich der Anzahl der im Jahr getätigten Geschäfte und Höhe der Summen unterschieden. Hast du bei deinem Kreditinstitut zum Beispiel bereits in Investmentfonds investiert, ist dieser Punkt in der Regel bereits ausgefüllt.

Einige Anlageprodukte setzen umfangreichere Kenntnisse, als andere voraus. Hast du dir neue Kenntnisse angeeignet, solltest du dies in den jeweiligen Punkten im WpHG-Bogen vermerken. Der nächste Schritt ist noch etwas wichtiger, denn hier kommt das eigentliche Anliegen zum Tragen: Was ist der Zweck der Anlage? Wie lange soll diese laufen und welches Risiko möchtest du damit eingehen?

Dokumentation

Es reicht häufig nicht aus, nur zum Kontoinhaber einen WpHG-Bogen zu erfassen – auch weitere handelnde Personen (Bevollmächtigte) müssen neben ihren Grunddaten zumindest Angaben zu den persönlichen Kenntnissen und Erfahrungen sowie der eigenen Risikobereitschaft machen. Im Fokus der Entscheidungen stehen die Ziele, Wünsche und finanziellen Verhältnisse des Depotinhabers. Bei Eheleuten wird der Part mit den Kenntnissen und Erfahrungen im WpHG-Bogen ausgelassen, da dies bei den WpHG-Bögen der Einzelpersonen dokumentiert wird.

Gleiches gilt auch für minderjährige Vertragspartner – hier wird auf Informationen der gesetzlichen Vertreter zurückgegriffen. Gleichzeitig wird auch festgehalten, welche Dokumente (z.B. Allgemeine Geschäftsbedingungen etc.) zur Verfügung gestellt wurden. Die jeweiligen Bögen sind von den Betroffenen zu unterzeichnen. Damit wird die Korrektheit der Angaben bestätigt, was die Grundlage für Anlageentscheidungen schafft. Bei Änderungen in Bezug auf die Vermögensverhältnisse oder Kenntnisse/Erfahrungen sollte der WpHG-Bogen aktualisiert werden. Nur so kann dein Wertpapierdienstleister seiner Sorgfaltspflicht im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen nachkommen.

Risikobereitschaft

Mit den verschiedenen Produkten geht man unterschiedliche Risiken ein.
Bei der Risikobereitschaft handelt es sich im Prinzip um deine Anlegermentalität – dein Bauchgefühl:

  • 1 (sicherheitsorientiert)
  • 2 (konservativ)
  • 3 (ertragsorientiert)
  • 4 (spekulativ)
  • 5 (sehr spekulativ)

Hast du die Risikobereitschaft 1, möchtest du mit deinem Geld ein sehr geringes Risiko eingehen. Dem gegenüber stehen grundsätzlich ebenso geringe Ertragschancen. Bei der Einstufung in die Kategorie 5 ist deine Risikobereitschaft sehr hoch, was sich auch in der Chance der Anlage hinsichtlich der zu erwartenden Rendite zeigt. Um deine Mentalität zu bestimmen, kannst du dir entsprechende Onlinebögen zur Hilfe nehmen oder orientierst dich an der Risikoeinstufung des Produktes, in das du investieren willst. Frag dich immer dabei: Passt die Beschreibung auch zu dir?

Produktauswahl

Die ausgewählten Anlagen sollten im Gesamtbild deiner Einstellung entsprechen. In welcher Risikoklasse das empfohlene Produkt eingestuft wird, zeigen dir die wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) bzw. Produktinformationsblätter (PIB). Es kann auch passieren, dass das System dir von deinem persönlichen Produktwunsch mit einem Warnhinweis abraten wird, weil keine ausreichenden Kenntnisse und Erfahrungen vorhanden sind oder die Anlage nicht in dein gewähltes Portfolio passt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Anlage nicht tätigen kannst – denn fehlende Kenntnisse kannst du dir aneignen, was im WpHG-Bogen zu dokumentieren ist.

Eine Orientierungshilfe für die Produktauswahl kann wie folgt aussehen:

Risikoklasse 1: Euro-Geldmarktfonds, kurzlaufende Euro-Rentenfonds, Euro-Anleihen mit sehr guter Bonität, offene Immobilienfonds
Risikoklasse 2: Euro-Anleihen bester Qualität, Investmentfonds deutscher Renten, kurzlaufende Fonds in Hartwährungen, Anleihen sehr guter Bonität in Hartwährung, international gestreute Rentenfonds, überwiegend in Hartwährungen
Risikoklasse 3: Wandel- und Optionsanleihen, deutsche Standardaktien, international gestreute Aktienfonds sowie Länderfonds in europäischen Hartwährungen
Risikoklasse 4: Aktien-Nebenwerte, sehr spekulative Anleihen, Optionsscheine aller Art sowie Optionen und Futures
Risikoklasse 5: Investitionen in ausländische Aktien-Nebenwerte, sehr spekulative Anleihen, Optionsscheine aller Art sowie Optionen und Futures

Wichtig ist aber, dass du dir die Risikoeinstufung des jeweiligen Produktes genau anschaust und auch die anderen Faktoren, wie Laufzeit und Verfügbarkeit berücksichtigst. Für Immobilienfonds gelten beispielsweise Mindesthalte- sowie Rückgabeankündigungsfristen. Bei Investmentfonds können Anleger grundsätzlich börsentäglich die Rücknahme der Anteile verlangen. Vor einer Entscheidung ist ein Abgleich der Produktmerkmale mit deinen Vorgaben daher sehr wichtig.

Häufig gestellte Fragen