Wann lohnt sich die private oder die gesetzliche Krankenversicherung?

Jérôme Grad
Stand:

In Deutschland gibt es zwei Möglichkeiten, wie du dich krankenversichern kannst: gesetzlich oder privat. Während die gesetzliche Krankenkasse allen zugänglich ist, musst du für den Eintritt in die private Krankenkasse einige Voraussetzungen erfüllen. Welche Unterschiede es im Tarif und der Leistung gibt und welche in der Regel die beste Option ist, erläutern wir in diesem Artikel.

Was du wissen solltest
  • In Deutschland muss jede Person gesetzlich vorgeschrieben krankenversichert sein und hat ein Recht auf die gesetzliche Krankenversicherung. Für die private Variante hingegen musst du ein bestimmtes Einkommen vorweisen oder Beamter beziehungsweise Selbstständiger sein.
  • Der Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung ist immer von der Höhe deines Einkommens abhängig, in der privaten vom Tarif, der unter anderem durch dein Alter und deinen Gesundheitszustand bestimmt wird.
  • Mit der privaten Krankenversicherung erhältst du einen individuellen Tarif, meist eine bessere Versorgung und zahlst in jungen Jahren einen geringeren Beitrag.
  • Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung im Alter, wenn die Beiträge anziehen, ist nur schwer umsetzbar. Zudem müssen Familienangehörige separat versichert und auch bei Arbeitslosigkeit der Beitrag bezahlt werden.
Wie du vorgehst
  • Hast du dich für eine gesetzliche Krankenversicherung entschieden, kannst du zwischen den verschiedenen Anbietern wählen. Die Leistungen unterscheiden sich nur um 5%, da 95% vom Gesetzgeber vorgegeben sind.
  • Bei der privaten Krankenversicherung kannst du dir einen individuellen Tarif zusammenstellen. Sehr günstige Tarife in der privaten Krankenversicherung können mitunter weniger Leistungen als die gesetzlichen umfassen. Vergleiche daher das Angebot und den Preis genau vor Vertragsabschluss. 
  • Meist lohnt sich eine gesetzliche Krankenversicherung. Gutverdiener mit einem langfristig gesicherten Einkommen und Beamte fahren in der Regel mit der privaten Krankenversicherung besser. 
  • Wer sich für die private Versicherung entscheidet, sollte dies nicht wegen des Preises, sondern wegen den besseren Leistungen tun. In jungen Jahren gespartes Geld kann im Alter schnell durch steigende Beiträge aufgebraucht sein.
Inhalte

Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung

Die beiden Krankenversicherungs-Möglichkeiten laufen über unterschiedliche Systeme. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist dabei die staatliche Variante. Die private Krankenversicherung (PKV) ist nicht-staatlich und wird durch private Versicherungskonzerne angeboten.

Die GKV ist ein Solidarsystem, bei dem jeder Versicherte den gleichen Prozentsatz seines Einkommens einzahlt. Die Leistungen der verschiedenen Krankenkassen unterscheiden sich kaum. 95% des Angebots ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben gleich.

Die PKV hingegen ermöglicht mehr individuellen Spielraum. Dabei kommt es darauf an, für welchen Versicherer du dich entscheidest und welche Leistungen du beziehen möchtest. So kannst du beispielsweise eine Chefarztvisite erhalten – wenn du bereit bist, dafür zu bezahlen. Leistung kostet also. Umgekehrt bedeutet dies auch: Ein günstiger PKV-Tarif führt automatisch zu weniger Leistungen.

Ein Vorteil der PKV ist die Vertragsbindung. Das bedeutet, dass die vereinbarten Leistungen nach Vertragsabschluss nicht ohne Weiteres gestrichen werden können. Bei der gesetzlichen kann der Versicherer dies prinzipiell tun, vor allem dann, wenn sich die Gesetzeslage ändert. 

Hier findest du eine Übersicht über die wesentlichen Unterschiede der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung, auf die wir anschließend detailliert eingehen. 

GKVPKV
AnspruchJeder hat AnspruchAngestellte ab 64.350€ brutto im Jahr (2021)Beamte (inkl. Eheparter und Kinder)Selbständige, Freiberufler und Unternehmer
VoraussetzungkeineGesundheitszustand ist für eine Aufnahme entscheidend
LeistungZu 95% gesetzlich vorgeschriebenKann sich jederzeit durch den Gesetzgeber ändernVertraglich mit der Versicherungsgesellschaft vereinbartÄnderungen nur auf Kundenwunsch möglich
KostenBerechnen sich prozentual nach dem EinkommenSind von Leistung, Alter und Vorerkrankungen abhängig 
MitversichertePartner in Elternzeit oder ArbeitslosigkeitKinder bis maximal 25 JahreKinder und Partner müssen sich selbst versichern

Eine Überblick zum Thema findest du auch in unserem Video:

Wer wird aufgenommen?

Da in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht besteht, darf die GKV niemanden ablehnen. Sprich: In die gesetzliche Variante wird jeder aufgenommen. Alter, Vorerkrankungen, Einkommen – all das spielt keine Rolle für diese Pflichtversicherung.

Für die PKV gibt es hingegen einige Hürden. Dort werden in der Regel nur Beamte, (hauptberufliche) Selbstständige und Freiberufler sowie unter gewissen Umständen Studenten aufgenommen – sofern sie das möchten. Kinder und nicht berufstätige Ehepartner dieser Gruppen können sich ebenfalls privat versichern.

Arbeitnehmer müssen eine gewisse Einkommensgrenze überschreiten. 2021 liegt diese Jahresarbeitsentgeltgrenze bei 64.350€, gleichbedeutend mit 5.362,50€ monatlich. Wer im vorangegangenen Jahr brutto mehr als diese Summe verdient hat, darf sich privat versichern. Ein Muss ist dies aber nicht.

Genauso darf die private Versicherung potentielle Versicherungsnehmer ablehnen, beispielsweise wenn diese gewisse Vorerkrankungen aufweisen, die beim Antrag anzugeben sind. Du hast also kein Recht auf eine PKV, auch dann nicht, wenn du die Einkommensgrenze überschreitest. Ausnahme ist hier nur der Standardtarif mit den nötigsten Leistungen, in den jede private Krankenversicherung dich aufnehmen muss, sofern du nicht gesetzlich krankenversichert oder schon einmal privat versichert warst. 

Leistungen von PKV vs GKV

Die Leistungen der beiden Versicherungsarten sind nur schwer vergleichbar, da die PKV etliche individuelle Angebote unterbreitet, während bei der GKV der Großteil der Standardleistungen für alle gleich ist.

Abhängig von den eigenen Prioritäten und dem finanziellen Spielraum kannst du in der PKV unter anderem folgenden Annehmlichkeiten nutzen, die in der GKV nur mit einer Zusatzversicherung möglich sind. Eine Auswahl:

  • Zahnzusatzleistungen

  • Alternative Heilmethoden

  • Kostenübernahme von Brillen

  • Arztbesuch:

    • Freie Arztwahl statt nur kassenzugelassener Ärzte
    • Kürzere Wartezeiten bei Arztterminen, da die Ärzte bei der PKV höhere Honorare abrechnen können
    • Keine Zuzahlung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln

  • Krankenhaus:

    • Freie Krankenhauswahl
    • Freie Arztwahl: Chefarztvisite statt des diensthabenden Arztes
    • Einzelzimmer statt Mehrbettzimmer

Bedenke bei der Wahl einer PKV, dass die im Vertrag erfassten Leistungen bindend sind. Dadurch hast du Leistungssicherheit. Das bedeutet aber auch, dass möglicherweise Neuerungen durch den medizinischen Fortschritt nicht erfasst sind. Eine Änderung der Leistungen kann dann einen Tarifwechsel nach sich ziehen, der wiederum einen erneuten Gesundheitscheck erforderlich machen kann.

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Leistungen unter den Krankenkassen zu 95% gleich, da sie vom Gesetzgeber vorgegeben sind. Beispiele für die geringfügigen Unterschiede sind Zuschüsse für homöopathische Behandlungen oder zur professionellen Zahnreinigung. 

Die vorgeschriebenen Grundleistungen können sich aber, im Gegensatz zu den Leistungen der PKV, im Laufe der Jahre durch neue gesetzliche Regelungen ändern. So gab es in der Vergangenheit bereits Kürzungen bei den Zuschüssen zum Zahnersatz und die Zuzahlung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.

Neben dem Grundangebot sind in der GKV prinzipiell private Zusatzversicherungen für mehr Individualität möglich. Hierdurch buchst du einfach zusätzliche Leistungen per privaten Vertrag ergänzend zu deine GKV hinzu. Dadurch erreichst du in gewissen Bereichen, zum Beispiel mit der Einzelbett-Option, den Status eines Privatversicherten.

Was kostet die GKV?

Der Beitrag der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6%. Dabei teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten zu je 50%. Sprich, ein Angestellter zahlt 7,3% seines Bruttolohnes. Dazu kommen noch Zusatzbeiträge der jeweiligen Krankenkasse, die seit 2019 ebenfalls paritätisch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt werden und im Durchschnitt insgesamt bei 1,1% liegen.

Der GKV-Spitzenverband listet in seinem Überblick auf, welche Krankenkasse wie viel für den Zusatzbeitrag verlangt . Wer mit der Zahlung nicht zufrieden ist, kann jederzeit zu einer anderen GKV wechseln. Mit unserem Brutto-Netto-Rechner kannst du herausfinden, wieviel genau du für deine Krankenkasse bezahlst.

Davon unberührt bleiben etwaige Zahlungen für persönliche Zusatzversicherungen, wie beispielsweise das Einzelzimmer im Krankenhaus. 

Wer mehr als 4.837,50€ monatlich oder 58.050€ jährlich (in 2021) verdient, erreicht die Beitragsbemessungsgrenze. Alles, was darüber hinausgeht, wird nicht mehr für die Krankenversicherung herangezogen. Der maximale Versicherungsbeitrag beläuft sich somit auf 706€ monatlich, wovon der Arbeitgeber mit 353€ die Hälfte beisteuert.

Was kostet die PKV?

Der Beitrag für die private Krankenversicherung berechnet sich nicht prozentual zum Einkommen, sondern hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst wäre das individuell gewählte Leistungsspektrum maßgebend. Dabei gilt: Mehr Leistung zieht höhere Beiträge nach sich. Auch das Alter – je jünger, desto günstiger – und mögliche Vorerkrankungen sowie Operationen spielen eine Rolle. Diese können entweder zum Ablehnen des Versicherunsantrags (schwere Vorerkrankungen) oder zu einem Zusatzbeitrag führen (kleinere OPs und nicht kostspielige Vorerkrankungen, wie Sehschwäche).

Für den Beitrag der PKV gibt es für Angestellte einen Zuschuss vom Arbeitgeber, der allerdings beim Maximalbetrag für die GKV gedeckelt ist. Somit erhältst du 2021 maximal 353€ von deinem Arbeitgeber.

Mitversicherte 

Hier sammelt die GKV einen Pluspunkt. Denn Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen, in der Elternzeit, während einer Arbeitslosigkeit oder mit einem 450€-Job, sind darin beitragsfrei mitversichert. Bei der PKV hingegen muss jede Person stets selbst versichert sein. Bei einer vierköpfigen Familie mit einem Alleinverdiener und zwei Kindern, müssen also hier 4 Versicherungspolicen abgeschlossen und bezahlt werden. 

Warum lohnt sich die private Krankenversicherung?

  • Flexibilität: Die private Krankenversicherung bietet eine flexible Versorgung. So lässt sich ein Versicherungsschutz zusammenstellen, der den individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Wer also Wert auf Spezialbehandlungen legt, kann den Zusatz für nicht-kassenzugelassene Ärzte aufnehmen.

  • Sonderleistungen: Ein anderer großer Vorteil ist die Wahl des Einzelzimmers und/oder der Chefarztbehandlung im Krankenhaus. Auch die freie Wahl des Krankenhauses bietet mehr Entscheidungsfreiheit. Diese Option gibt es bei der GKV nicht. In der Regel fährst du auch bei der Zahnbehandlung mit der PKV besser, wird doch nicht nur die Grundversorgung wie in der GKV bezahlt.

  • Keine Zusatzzahlungen: Zusatzzahlungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel fallen auch nicht an, solange du keine Versicherung mit Selbstbeteiligung abgeschlossen hast. Mit der Selbstbeteiligung senkst du zwar deinen Versicherungsbeitrag, trägst jedoch auch alle Gesundheitskosten bis zum vereinbarten Betrag.

  • Planungssicherheit: Ein Pluspunkt kann für den ein oder anderen die Planungssicherheit hinsichtlich des Angebots sein. Ist der Vertrag einmal unterschrieben, kann die Versicherung die aufgeführten Leistungen nicht mehr kürzen. Zudem sind diese in der Regel umfangreicher als bei der GKV. Allerdings verlangen die Versicherungen bei gesundheitlichen Beschwerden Risikozuschläge – und auch die Beiträge können leistungsunabhängig steigen.

  • Kosten: Das Geld, das man in jungen Jahren mit niedrigeren Beiträgen spart – ebenfalls oft ein Wechselgrund – muss man im Alter aufwenden. Deshalb solltest du auf Altersrückstellungen achten, die die höheren Beiträge abmildern.

Warum lohnt sich die gesetzliche Krankenversicherung?

  • Mitversicherte: Die gesetzliche Krankenversicherung ist vor allem für Familien und alle Singles, die eine Familie planen lohnenswert. Denn im Gegensatz zur PKV, in der jede Person einzeln versichert sein muss, bieten die gesetzlichen Krankenversicherungen einen Familientarif an. Ehepartner, die arbeitslos sind oder sich in Elternzeit befinden, sind darin automatisch mitversichert. Ebenso wie Kinder bis 23 Jahre, solange sie nicht arbeiten oder bis zum 25. Lebensjahr, wenn sie studieren. Wer das in der PKV möchte, muss zusätzliche Policen abschließen, erhält dann allerdings auch bessere Leistungen

  • Sicherheit: Zudem sind die Beiträge in der GKV immer prozentual zum Einkommen, was es unter Umständen auch für Freiberufler als freiwillig gesetzliche Versichterte interessant macht. Verdienst du weniger, musst du anteilig weniger bezahlen. Dieses solidarische Prinzip bedeutet auch: Verlierst du deinen Job und rutscht in die Arbeitslosigkeit, übernimmt der Staat. Reduzierst du Stunden, verringert sich dein zu zahlender Anteil im Verhältnis. Dies gilt auch für die Rentenzeit, in der du meist nicht mehr so viel Einkommen zu Verfügung hast. Bei der PKV muss du immer den gleichen Betrag bezahlen – ganz gleich wie hoch dein Einkommen ist.

  • Wechsel: Natürlich kann sich dieser Prozentsatz zukünftig ändern, allerdings nur vom Gesetzgeber und nicht durch Krankheiten oder einem Tarifwechsel. A propos: Auch der Wechsel zwischen verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen ist wesentlich einfacher als zwischen PKVs, da es jedes mal zu einer neuen Gesundheitsprüfung kommt und der Wechselnde zwischenzeitlich auch gealtert ist..

  • Leistungen: Allerdings solltest du nicht nur die Kosten, sondern auch die Leistungen deiner Krankenversicherung im Blick haben. Und hier gibt es bei der PKV in der Regel die besseren Optionen. Wenn du nicht in die private Krankenversicherung möchtest oder aufgenommen wirst, kannst du für deine Familie und dich auch private Zusatzversicherungen für die Leistungen abschließen, die dir besonders wichtig sind.

Wechsel von PKV in GKV: Geht das? 

Vor allem im Alter steigen die Beiträge für die PKV so stark an, dass viele sich in der GKV wünschten., auch wenn man mit zunehmenden Alter und häufigeren Erkrankungen mehr von den Leistungen der PKV profitiert. Ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung zur gesetzlichen ist nicht unmöglich, aber relativ schwierig. 

Denn der Gesetzgeber hat Anfang der 2000er bewusst gewisse Hürden für den Wechsel gebaut. So soll unterbunden werden, dass jeder in jungen Jahren in der PKV die günstigen Beiträge und im Alter die günstigeren in der GKV nutzt – und so vom Solidarsystem profitiert, in das er zuvor nicht eingezahlt hat. 

Ein Wechsel ist demnach nur möglich:

  • bei Angestellten bis 55 Jahre, wenn sie unter die Versicherungspflichtgrenze (62.550€ im Jahr 2020 und 64.350€ in 2021) kommen, was mit Gehaltseinbußen einher geht.

  • bei Selbstständigen bis 55 Jahre, wenn sie sich in ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis begeben und unter der Versicherungspflichtgrenze bleiben.

  • bei Selbstständigen über 55 Jahren, wenn sie ihr Gewerbe aufgeben und weniger als 415€ monatlich einnehmen (hierzu zählen auch Mieteinnahmen).

  • bei Personen über 55 Jahren nur in Form der Familienversicherung, wenn das Einkommen 425€ monatlich nicht übersteigt.

Übrigens ist auch der Wechsel zwischen zwei verschiedenen privaten Krankenversicherungen nicht so einfach. Gerade nach den ersten Krankheitsfällen haben Wechselwillige Probleme, eine passende PKV zu finden.

Zudem ist ein solcher Wechsel nicht immer sinnvoll. Denn in diesem Fall könnten die angehäuften Altersrückstellungen der Versicherung teilweise verpuffen, wodurch im Alter noch höhere Summen für die Krankenversicherung aufzubringen sind.

Problemlos und ohne Einbußen durchführbar ist hingegen der Wechsel von einer gesetzlichen Krankenversicherung zu einer anderen – natürlich auch nur, solange der Wechsel nicht alle paar Wochen erfolgt.

Wie finde ich die für mich passende Krankenversicherung?

Um die passende Krankenversicherung zu finden, solltest du dir zunächst Gedanken zu deiner Lebensplanung und deinen Bedürfnissen machen. Willst du eine Familie gründen? Wie viel bist du bereit für Individualität zu bezahlen? Möchtest du lieber stets für alle Fälle abgesichert sein? Und kannst du im Alter mit den relativ hohen Beiträgen leben?

Erst anschließend ist es sinnvoll, sich mit den beiden Möglichkeiten und mit den einzelnen Krankenkassen zu beschäftigen. Bei den gesetzlichen Krankenkassen kannst du dabei nicht allzu viel falsch machen, denn 95% der Leistungen sind deckungsgleich. Dennoch lohnt auch hier ein Krankenkassen-Vergleich

Die Hinzunahme eines unabhängigen Honorarberaters ist bei der Auswahl der PKV eine ratsame Option. Dieser kann dir in allen Fragen objektiv helfen, beispielsweise, wenn du dir nicht vorstellen kannst, was in 30 Jahren ist. Zudem findet er den für dich passenden Tarif, ohne eigene Interessen vertreiben zu wollen. 

Private Zusatzversicherungen: Leistungen der PKV in der GKV

Für all diejenigen, die aus den unterschiedlichen Gründen nicht von einer privaten Krankenversicherung aufgenommen werden, gibt es die Möglichkeit zur gesetzlichen Krankenversicherung einzelne private Zusatzversicherungen aufzunehmen. Auf diese Weise ist es möglich, Optionen zu erhalten, die sonst nur Privatpatienten zustünden. Dazu gehören:

  • Zahnzusatzversicherung: Bietet mehr Leistung und Kostenerstattung bei hochwertigen Zahnersatzbehandlungen.

  • Auslandskrankenversicherung: Sichert dich auf Reisen bestmöglich ab.

  • Krankenhaus-Zusatzversicherung: Ermöglicht freie Wahl des Krankenhauses, in das du eingeliefert wirst, Chefarztbehandlung und ein Einzelzimmer.

  • Ambulante Zusatzversicherung: Umfasst im Prinzip alles, was nicht mit dem Krankenhaus zu tun hat, beispielsweise von alternativen Heilungsmethoden und Besuchen bei nicht kassenzugelassenen Praxen über Hörgeräte bis hin zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen.

  • Krankentagegeld: Besonders interessant für Selbstständige, Freiberufler und Arbeitnehmer mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze, um sich gegen einen Einkommensverlust bei längerer Krankheit abzusichern.

  • Pflegezusatzversicherung: Deckt Kosten für die Betreuung im Pflegefall ab.

Die Kosten für die einzelnen Zusatzversicherungen variieren je nach Leistungsumfang – wie in der privaten Krankenversicherung. So kann eine Krankenhauszusatzversicherung monatlich bis zu 80€ kosten. Bei der Zahnzusatzversicherung kannst du als junger Mensch mit circa 7€ im Monat starten, je nach Umfang der Kostenübernahme. Für den gleichen Betrag, allerdings jährlich, gibt es schon die Auslandskrankenversicherung. Bei der ambulanten Zusatzversicherung hängt es vom geschnürten Paket ab. Für eine Beispiel-Kombination aus Heilpraktiker, Brille und Zuzahlung bei verschreibungspflichtigen Arzneitmitteln werden circa 20€ monatlich fällig. Generell gilt auch hier: Im Alter steigen meist die Beiträge für die Leistungen.

Positiv bei den privaten Zusatzversicherungen ist, dass die privaten Zusatzversicherungen in der Regel leicht kündbar sind und dein restlicher Versicherungsschutz davon unberührt bleibt. Das bedeutet auch, dass du keinen neuen Gesamttarif erhältst, wie das bei privaten Krankenversicherungen der Fall sein kann. 

Fazit: Entscheidung über Krankenkassenwahl ist Leistungsfrage

Wer als Selbstständiger, Beamter oder Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze den Anforderungen für die Aufnahme in eine private Krankenversicherung gerecht wird, hat die freie Wahl. In diesem Fall bietet eine private Krankenversicherung in der Regel mehr Leistungen, die bessere medizinische Versorgung – und damit auch mehr Schutz. 

Vorsicht ist allerdings bei günstigen Beiträgen in der PKV geboten, da dieser oftmals nicht viel mehr Leistung als die gesetzliche Krankenversicherung bieten.

Die gesetzliche Krankenversicherung hingegen ist für die meisten Arbeitnehmer aufgrund der Jahresarbeitsentgeltgrenze oftmals die einzige Option der Krankenversicherung. Aber auch für die Personengruppe, die sich privat versichern lassen könnte, ist der Eintritt in die GKV in jungen Jahren einfach möglich. Zudem können alle gesetzlich Versicherten mit privaten Zusatzversicherungen die Basisversorgung der GKV auf ihre individuellen Bedürfnissen erweitern – und sich so in einzelnen Bereichen auf den Status eines Privatpatienten heben. So kann es je nach Leistungswunsch beispielsweise für Arbeitnehmer über der Bemessungsgrenze sinnvoll sein, für eine einzelne gewünschte Leistung die gesetzlichen Krankenversicherung mit einer privaten Zusatzversicherung wie Einzelzimmer im Krankenhaus oder hochwertiger Zahnbehandlung abzuschließen. 

Geld sparen lässt sich auf Sicht mit der PKV nicht, da die Beiträge mit dem Alter zunehmen. Zudem ist ein Wechsel ab 55 Jahren, wenn die Beiträge merklich steigen, zu einer anderen PKV oder gar in die GKV sehr kompliziert. Auch sind nicht immer medizinische Fortschritte als Leistung im Vertrag erfasst, was einen neuen Tarif notwendig machen kann.

Die GKV bietet zudem finanziellen Schutz. Während du bei der PKV in allen Lebenslagen den vereinbarten Beitrag stemmen musst, passen sich die Kosten bei der GKV immer deinem Einkommen prozentual an. Gerade in der Rente ist dies ein Pluspunkt.

Häufig gestellte Fragen

  • Ab wann kann man sich privat krankenversichern lassen?

    Eine private Krankenversicherung ist als Arbeitnehmer möglich, wenn man mindestens 62.500€ brutto im Jahr 2020 bzw. 64.350€ in 2021 verdient, oder wenn man Selbstständiger beziehungsweise Freiberufler oder Beamter ist.

  • Was kostet eine gesetzliche Krankenversicherung ohne Einkommen?

    Wenn eine Familienversicherung nicht möglich ist, verlangt die Krankenkasse 14,6% auf das fiktive Mindesteinkommen im Jahr, das 2020 bei 1.061,67€ festgesetzt ist. Das entspricht einem Beitrag von 155€. Für das Jahr 2021 wird mit 1.096,67€ gerechnet, gleichbedeutend mit 160,11€. Wenn du Sozialleistungen beziehst, wird dieser Betrag vom Staat übernommen. Dazu käme noch der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse.

  • Wie komme ich aus der privaten Krankenversicherung raus?

    Der Wechsel aus der PKV in die GKV ist nur schwer möglich. Für Personen unter 55 Jahren sind in der Regel sind erhebliche Einkommenseinbußen nötig, um unter die Versicherungspflichtgrenze zu kommen. Personen über 55 Jahre dürfen gar nur noch 425€ monatlich aus Einkünften erhalten, Selbstständige nur noch 415€.

  • Was kostet eine private Krankenversicherung?

    Die private Krankenversicherung orientiert sich am gewählten Tarif, am Alter und am Gesundheitszustand. Demnach ist eine pauschale Aussage zum monatlich fälligen Betrag, wie bei der GKV, nicht möglich. 

  • Wer zahlt die Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit / Sperrzeit?

    Wenn du dauerhaft kein Einkommen hast und auf kein Vermögen zurückgreifen kannst, hast du meist Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Dann zahlt das Sozialamt oder Jobcenter deinen Krankenkassenbeitrag für die gesetzliche Versicherung.

  • Was zahlt ein Beamter an Krankenversicherung?

    Ein Beamter fährt in der Regel mit einer privaten Krankenversicherung besser. Denn durch die Beihilfe-Tarife, bei denen der Dienstherr zwischen 50 und 80% der Kosten trägt, ist diese Versicherungsart günstiger als die gesetzliche. Die genauen Angaben variieren je Bundesland.

  • Ab wann lohnt sich eine private Krankenversicherung?

    Ob sich eine private Krankenversicherung lohnt, hängt vom Einkommen, der Lebensplanung und dem Alter sowie dem Gesundheitszustand ab. Auch wichtig ist die Entscheidung, welche Leistungen man persönlich möchte. Prinzipiell ist sie aber nur für Gutverdiener mit einem langfristig gesicherten Einkommen und Beamte attraktiv.

  • Wer zahlt die Krankenversicherung, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber?

    Bei einer gesetzlichen Krankenversicherung teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu je 7,3% den Beitragssatz. Dazu kommt noch der individuelle Zusatzbeitrag einer Krankenkasse. Bei der privaten Krankenversicherung verhält es sich mit dem Beitragssatz genauso, allerdings gibt es vom Arbeitgeber maximal den Höchstbetrag den es für die GKV auch gäbe. 

Jérôme Grad

Jérôme verschrieb sich nach seinem Studium komplett der Tätigkeit als Online-Redakteur, zunächst im Sport, später in weiteren Bereichen. Seine Affinität zu Finanzfragen und Altersvorsorge entdeckte er spätestens mit Beginn seiner Selbstständigkeit vor einigen Jahren. Seit Juni 2020 schreibt er für Finanzfluss.

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