Lebensversicherung und Risikolebensversicherung einfach erklärt!

Viele Menschen in unserem Land besitzen eine Kapital-Lebensversicherung. Dieses Finanzprodukt ist bei den Deutschen sehr beliebt – 2017 existierten ca. 91 Mio. Verträge mit einem Volumen von über 885 Mrd. Euro. Allein im Jahr 2016 kamen 5,2 Mio. Neuverträge hinzu.

In den letzten Jahren stand die Kapital-Lebensversicherung verstärkt in der Kritik von Medien und Verbraucherschützern. Ob diese Kritik berechtigt ist und welche Eigenschaften dieses Finanzprodukt hat, erfährst du in diesem Artikel. Des Weiteren wird die Frage beantwortet, ob es heutzutage noch sinnvoll ist, einen solchen Vertrag abzuschließen und ob dieser sich finanziell lohnt.

 

Welche Arten von Lebensversicherungen gibt es?

Es gibt mit 91 Mio. Kapitallebensversicherungen mehr Verträge als Bürger in Deutschland. Die Variantenvielfalt ist dabei sehr hoch, weil es viele Anbieter mit gleichzeitig unterschiedlichen Produkten und Tarifen gibt.

Bei einer Lebensversicherung kannst du zwischen folgenden Arten zu unterscheiden:

Klassische Rentenversicherung

Bei einer klassischen Rentenversicherung zahlst du Geld in einen Vertrag ein, der dir gleichzeitig eine Risikoabsicherung bietet, wie zum Beispiel gegen Tod oder Berufsunfähigkeit.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung zahlst du ebenfalls Geld in einen Vertrag ein. Das Geld wird allerdings nicht von der Versicherungsgesellschaft verwaltet, sondern in einen Investmentfonds investiert.

Risikolebensversicherung

Eine normale Risikolebensversicherung sichert deine Familie für den Fall ab, dass du stirbst. Die Versicherungsgesellschaft zahlt das Geld im Todesfall dann an den Begünstigten aus.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wie der Name schon andeutet, sichert dich die Berufsunfähigkeitsversicherung finanziell ab, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst. In einem solchen Fall wird dir eine monatliche Rente ausgezahlt.

Kapital-Lebensversicherung

Die Kapital-Lebensversicherung ist dazu konzipiert, sich ein Vermögen für das Alter anzusparen. Dieses Finanzprodukt ist Gegenstand des restlichen Artikels.

Wie funktioniert eine Kapital-Lebensversicherung?

Schließt du eine Kapital-Lebensversicherung ab, zahlst du jeden Monat einen Beitrag in einen Vertrag ein. Dieser Betrag teilt sich in folgende drei Teile auf:

  • Kostenanteil: Dieses Geld behält das Versicherungsunternehmen für seine Arbeit ein. Diese Kosten sind vielfältig und oft intransparent. Hierzu zählen Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Stornokosten oder Ratenzuschläge bei monatlicher Zahlungsweise.
  • Risikoanteil: Dieser Teil des Beitrags wird für die Absicherung jenes Risikos zurückgelegt, das ebenfalls sehr oft mit einer Kapital-Lebensversicherung abgedeckt wird. Hierzu zählen zum Beispiel Todesfall oder Berufsunfähigkeit.
  • Sparanteil: Der Sparanteil wird von der Versicherungsgesellschaft angelegt, um Kapital für deine Altersvorsorge anzusparen.

Wie du erkennen kannst, hast du mit einer Kapital-Lebensversicherung zwei Produkte in einem Vertrag: einerseits das Absichern eines Risikos, andererseits die Vermögensbildung.

Als „Kombi-Produkt“ steht die Kapital-Lebensversicherung deshalb in der Kritik, weil die Vermischung von zwei Produkten in einem Vertrag mit hohen Kosten verbunden ist. So ist es deutlich günstiger, wenn du das Risiko für Tod oder Berufsunfähigkeit in einem separaten Vertrag abschließt und für das Ansparen von Kapital andere Produkte nutzt.

Vor- und Nachteile der Kapital-Lebensversicherung

Wenn du eine Kapital-Lebensversicherung vor 2005 abgeschlossen hast, sind Auszahlungen daraus komplett steuerfrei, wenn der Vertrag mindestens 12 Jahre gelaufen ist. Würdest du Geld in ETF, Aktien oder andere Wertpapiere investieren, unterliegen die Gewinne daraus der Abgeltungssteuer. Bei einer Kapital-Lebensversicherung, die vor 2005 abgeschlossen wurde und eine Laufzeit von mindestens 12 Jahren hatte, entfällt diese Steuer.

Auch Verträge nach 2005 sind steuerbegünstigt. In diesem Fall werden deine Gewinne daraus nur zur Hälfte besteuert, wenn die Mindestlaufzeit wiederum 12 Jahre betragen hat und die Auszahlung nicht vor deinem 62. Lebensjahr stattfindet. Ansonsten entfällt diese Steuervergünstigung.

Ein weiterer Vorteil ist der Garantiezins, weshalb in der Vergangenheit viele Kapital-Lebensversicherungen verkauft wurden. Der Garantiezins ist gesetzlich garantiert und einer von drei Bestandteilen eines Versicherungsvertrages. In den letzten Jahren ist dieser Zins jedoch immer weiter gefallen.

Der historische Höchststand des Garantiezinses liegt bei 4 %. Versicherungsnehmer erhielten damals 4 % garantierte Zinsen auf ihren Sparanteil. Heute beträgt dieser nur noch 0,9 % und es gibt viele Stimmen, die den Garantiezins abschaffen wollen.

Hintergrund der Entwicklung ist die Niedrigzinsphase. Diese macht es den Versicherungen immer schwerer, genug Rendite mit ihren Kapitalanlagen erwirtschaften und den Garantiezins halten zu können.

Der zweite Bestandteil deines Kapital-Lebensversicherungs-Vertrags ist die Überschussbeteiligung. Falls die Versicherungsgesellschaft gut mit deinem Geld gewirtschaftet hat, schüttet sie einen Teil der überschüssigen Gewinne an dich aus.

Auch die Überschussbeteiligung ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Zum einen haben die Versicherungsgesellschaften viele Altverträge mit hohen Garantiezinsen in ihrem Bestand. Daher müssen die Gewinne der Versicherungen vorrangig dazu verwendet werden, diese Verträge mit Garantiezinsen bis zu 4 % zu bedienen.

Zum anderen ist für die Versicherungen immer schwieriger geworden, Geld zu verdienen. Grund dafür ist die schon erwähnte Niedrigzinsphase. Lebensversicherungsgesellschaften können nur einen geringen Anteil in Aktien investieren. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen Großteil ihres Kapitals in sichere Staatsanleihen anzulegen.

Staatsanleihen mit guter Bonität – zum Beispiel die von Deutschland – hatten in der letzten Zeit jedoch sehr geringe und teils negative Rendite, weshalb Versicherungsgesellschaften mit ihnen kaum Geld verdienen können.

Der dritte Bestandteil deines Versicherungsvertrages ist der sogenannte Schlussbonus. Dieser funktioniert ähnlich wie die Überschussbeteiligung und wird dir von der Versicherung gezahlt, wenn du die komplette Vertragslaufzeit durchhältst.

Obwohl dieser Schlussbonus ein guter Renditezusatz sein kann, kommt dieser selten zur Auszahlung, da die meisten Lebensversicherungsverträge vor Ablauf gekündigt werden. Tatsächlich haben nur 50 % aller Verträge bis zum Ende Bestand, da die andere Hälfte der Versicherungsnehmer unzufrieden ist oder das Geld anderweitig benötigt.

Neue Produkte der Versicherungsgesellschaften

Durch den fallenden Garantiezins sowie die sinkende Überschussbeteiligung schließen immer weniger Menschen eine Kapital-Lebensversicherung ab. Deshalb haben die Versicherungsgesellschaften neue Produkte entwickelt.

Ein Beispiel dafür ist die Fondsgebundene Lebensversicherung. Diese hat keinen Garantiezins und keine Überschussbeteiligung, das Geld wird stattdessen direkt in Investmentfonds investiert.

Diese Fondsgebundenen Rentenversicherungen sind absolut nicht zu empfehlen. Der Finanzwesir bezeichnet diese in seinem neuen Buch als Bastardprodukte, da sie sich nicht eindeutig in eine Assetklasse einteilen lassen, wie zum Beispiel in Lebensversicherungen oder Fonds.

Für dich als Versicherungsnehmer wirken sich Fondsgebundende Lebensversicherungen finanziell doppelt nachteilig aus: Zum einen bezahlst du die Versicherungsgesellschaft für den Abschluss und die Verwaltung des Vertrages, zum anderen trägst du zusätzlich die Kosten für das Management des Investmentfonds.

Es ist zudem Zweifel angebracht, ob deine Versicherung kompetent genug ist, die für dich passenden Fonds auszuwählen. Stattdessen kannst du dir selbst Wissen über Investments aneignen und dein Portfolio aus kostengünstigen ETFs selbst zusammenstellen.

Kosten von Kapital-Lebensversicherungen

Ein starkes Argument, weswegen der Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung nicht lohnt, ist der enorme Kostenblock. Dieser Punkt wurde in der Vergangenheit häufig ignoriert, wofür es zwei Gründe gibt.

Zum einen ist es sehr intransparent, welche Kosten bei einer Kapital-Lebensversicherung exakt anfallen. Ein Vermittler wird an diesem Punkt alles daransetzen, dich darüber im Unklaren zu lassen.

Die Kosten einer Lebensversicherung setzen sich zusammen aus:

  • Risikokosten
  • Abschluss- und Vertriebskosten
  • Verwaltungskosten
  • Stornokosten
  • Ratenzuschläge

Die Abschlusskosten beziehen sich immer auf den gesamten Versicherungsvertrag. Nehmen wir an, du schließt eine Lebensversicherung mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einer monatlichen Rate von 100 Euro ab. Dann ergibt sich eine Beitragssumme von

30 x 12 x 100 Euro = 36.000 Euro

Anhand dieser Beitragssumme berechnen sich die Abschlusskosten. Eine Versicherung darf hier 2,5 % ansetzen, tatsächlich sind es aber mehr. Laut finanztip.de erreichte die Abschlusskostenquote eine Höhe von 4,9 %.

Im Fall von 2,5 % Abschlusskosten müsstest du bei einer Beitragssumme von 36.000 Euro in den ersten Jahren 900 Euro Abschlussgebühren zahlen, die dir von deinem Beitrag abgezogen werden. Bei 4,9 % wären es über 1.700 Euro.

Versicherungsnehmer sind sich diesen Kosten nicht bewusst, da diese mit dem monatlichen Beitrag bezahlt werden. Falls dir ein Versicherungsvertreter das nächste Mal eine kostenlose Beratung anbietet, laufe am besten schreiend davon.

Die kompletten Abschlusskosten müssen unabhängig davon bezahlt werden, ob der Vertrag bis zum Laufzeitende Bestand hat oder nicht. Falls du deine Lebensversicherung vor Ablauf kündigst, bekommst du keine anteiligen Abschlusskosten zurückerstattet.

Die durchschnittliche Vertragslaufzeit eines Lebensversicherungsvertrags beträgt 7 Jahre. In dieser Zeit wirft der Vertrag keine so hohen Gewinne ab, dass damit die Kosten verdient werden können. Im Durchschnitt macht also jeder Versicherungsnehmer erhebliche Verluste.

Kritik am Garantiezins

Wie am Anfang des Artikels erwähnt, setzt sich eine Lebensversicherung aus den drei Bestandteilen Kostenanteil, Sparanteil und Risikoabsicherung zusammen.

Der Garantiezins wird nur auf den Sparanteil gewährt, nicht auf den kompletten monatlichen Beitrag. Der Kostenanteil und der Risikobeitrag werden dagegen nicht verzinst.

In einer Studie hat die Ratingagentur Assekuranz herausgefunden, dass der Garantiezins von 0,9 % auf den Sparanteil auf bis zu 0,1 % absinken kann, wenn der Zins zu den gesamten eingezahlten Beiträgen ins Verhältnis gesetzt wird.

In so einem Fall hättest du dein Geld genauso gut auf ein Tagesgeldkonto einzahlen können, das deutlich günstiger und viel flexibler als ein Lebensversicherungsvertrag ist.

Altverträge sind ein großer Nachteil für Neuabschlüsse

Wenn du heute eine Kapital-Lebensversicherung abschließen möchtest, kannst du nur eine sehr geringe Rendite erwarten, da die Versicherungsgesellschaften damit zu kämpfen haben, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Altverträgen nachzukommen. Mit einer Überschussbeteiligung wirst du im Gegenzug nicht mehr rechnen können.

Aus diesem Grund ergibt ein heutiger Neuabschluss einer Kapital-Lebensversicherung finanziell keinen Sinn.

Möglichkeiten bei bestehenden Verträgen

Falls du schon eine Kapital-Lebensversicherung hast, solltest du rechnen, ob es sich lohnt, daran festzuhalten.

Bei den ständigen gesetzlichen Änderungen hängt diese Frage davon ab, bei welcher Versicherungsgesellschaft du bist, wie genau dein Vertrag ausgestaltet ist, wie deine Überschussbeteiligung in der Vergangenheit ausfiel, wie hoch der Garantiezins ist und ob du von Steuervorteilen profitieren kannst.

Unter dem Link www.finanztip.de kannst du eine Excel-Tabelle downloaden, die dir dabei hilft, die bisherige Rendite deiner Lebensversicherung zu berechnen.

Hast du zum Beispiel einen Vertrag vor 2005 abgeschlossen, der auch mindestens 12 Jahre lang laufen wird, von denen wiederum mindestens 5 Jahre ein Beitrag geflossen ist, dann kann sich eine Fortführung lohnen.

Fall du feststellst, dass du auf einem schlechten Vertrag sitzt, dann stehen dir verschiedene Optionen offen. Neben einer Kündigung kommt ein nachträgliches Widerrufsrecht infrage.

Viele Verträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, sind an einigen Stellen nicht gesetzeskonform, weswegen sie nachträglich widerrufen werden können. In diesem Fall verlierst du kein Geld, sondern bekommst dein komplettes eingezahltes Geld mit einem kleinen Zinssatz zurückerstattet.

Hier hilft dir das Start-up helpcheck. Auf dieser Webseite kannst du deinen Versicherungsvertrag kostenlos hochladen und das Unternehmen prüft, ob du ein Widerrufsrecht hast. Erst wenn das der Fall ist und du das Widerrufsrecht auch nutzen willst, wird eine Gebühr fällig.

Für den Fall, dass du kein Widerrufsrecht hast, kannst du den Vertrag kündigen. In den meisten Fällen wird das einen finanziellen Verlust bedeuten. Eine andere Option ist der Verkauf deines Lebensversicherungsvertrages. Eventuell bleibt dann mehr Geld übrig als der Rückkaufwert, den dir deine Versicherung bei einer Kündigung zahlt.