Wie viel Risiko verkraftet deine Geldanlage?

Möchtest du passiv in ETFs investieren? Dann solltest du dir vorab Gedanken über deine persönliche Risikobereitschaft machen. Nur wenn du weißt, wie viel Risiko du bereit bist einzugehen, kannst du dir ein Portfolio aufbauen, welches perfekt zu dir passt.

Wie du deine persönliche Risikotragfähigkeit herausfinden kannst und welchen Einfluss diese auf die Zusammenstellung deines Portfolios hat, zeigen wir dir in diesem Blogartikel.

Was ist die Risikotragfähigkeit?

Wenn du unsere Serie „Passives Investieren mit ETFs“ verfolgt hast, dann kennst du bereits die 5 Schritte, mit denen du zum passiven Investor werden kannst.

Der zweite Schritt beschäftigt sich dabei mit deiner persönlichen Risikobereitschaft. Das ist kein besonders einfaches Thema und vor allem Leute, die noch keine Anlageerfahrung gesammelt haben, vernachlässigen dieses Element der Kapitalanlage häufig.

Dabei beeinflusst die Risikotragfähigkeit deine Anlageentscheidungen am stärksten. Sie bestimmt, wie viel Risiko du bereit bist in Kauf zu nehmen und sie bildet somit die Grundlage für die Gewichtung deines Portfolios.

Passives versus aktives Investieren

Beim passiven Investieren gibt es wie auf einer Waage zwei Seiten. Auf der einen Seite befindet sich die risikofreie Geldanlage und auf der anderen die risikobehaftete. Wo du das Zünglein an der Waage einstellst, hängt von deiner persönlichen Risikobereitschaft ab.

Risikofreie Geldanlage

Risikofreies Kapital ist Geld, das du zum Beispiel in Staatsanleihen mit bester Bonität investierst. Zudem zählen auch Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten zur risikofreien Geldanlage.

Risikobehaftete Geldanlage

Zur risikobehafteten Geldanlage gehören beispielsweise ETFs die in Aktien investieren oder andere Assetklassen wie beispielsweise die Kapitalanlage in Immobilien oder Rohstoffe.

Dabei gibt es auf der Seite der risikobehafteten Geldanlage unterschiedliche Anlageempfehlungen. So setzt der Anlagespezialist und Erfolgsautor Gerd Kommer auf das sogenannte Weltportfolio und sein US-amerikanisches Pendant Tony Robbins auf die Allwetterstrategie.

Portfoliogewichtung

Wie viel Prozent deines Anlagekapitals du nun für risikofreie beziehungsweise risikobehaftete Investments einsetzt, wird von deiner Risikobereitschaft bestimmt.

Manche Investoren gestalten ihr Portfolio so, dass sie über 90 % in risikobehaftete Anlagen stecken. Nur was bedeutet das in der Realität? Um das herauszufinden, lohnt sich ein Blick auf den MSCI World Index.

MSCI World Index

Der MSCI World Index hat in den letzten 40 Jahren ungefähr 7 % Rendite pro Jahr gemacht. Das ist eine ausgezeichnete Rendite. Wenn man nur diese Kennzahl betrachtet, könnte man meinen, dass es eine gute Idee ist, 100 % seines Anlagekapitals in den MSCI World zu investieren.

Leider ist das nicht die ganze Wahrheit über den MSCI World Index, denn im Laufe der erwähnten 40 Jahre hat dieser auch bis zu 50 % Verlust hinnehmen müssen. Um einen Verlust von 50 % wieder auszugleichen, muss die anschließende Performance 100 % betragen.

Beispiel – MSCI World Index

Wenn du beispielsweise 100 Euro in den MSCI World Index investierst und dieser dann 50 Euro Verlust einfährt, beträgt dein Anlagekapital nur noch 50 Euro. Damit aus diesen 50 Euro wieder 100 Euro werden, musst du eine Rendite von 100 % erzielen, um deinen Verlust wieder auszugleichen.

Genau aus diesem Grund ist es essentiell, dass du dir die Frage stellst, wie viel Verlust du verkraften kannst, ohne nervös zu werden. Sehen wir uns das an einem weiteren Beispiel an.

Beispiel – Portfolio

Nehmen wir an, dass du dich bei der Asset Allocation für eine 50:50-Aufteilung entschieden hast. Du investierst somit 50 % in risikofreie Finanzprodukte und 50 % in risikobehaftete Finanzanlagen.

Verliert nun der risikobehaftete Teil 50 % seines Werts, so hat dein Portfolio einen Gesamtverlust von 25 % gemacht.

Je größer der Anteil deines risikobehafteten Investments an deinem Gesamtportfolio ist, desto mehr Verlust musst du bereit sein zu tragen. Im Endeffekt geht es somit um nichts anderes, als deinen ruhigen Schlaf.

Kannst du ruhig schlafen, wenn 100 % deines Kapitals in risikobehafteten Produkten gebunden sind und wenn dieses Investment einige Jahre im tiefroten Bereich notiert, oder ist es dir lieber, dass du weißt, dass dein Gesamtverlust nur sehr gering ausfallen kann?

Der Wertpapierhandelsbogen (WphG-Bogen)

Wenn du deine Anlagestrategie mit deinem Bankberater besprichst, so wird dieser mit dir den sogenannten Wertpapierhandelsbogen durchgehen.

Dazu sind sämtliche deutsche Banken seit dem Jahr 2007 verpflichtet. Mithilfe des Bogens werden nicht nur deine familiäre Situation und dein Einkommen abgefragt, sondern auch deine Erfahrung mit Wertpapieren und die gewünschte Anlagedauer.

Danach wirst du in eine von fünf Risikoklassen eingestuft. Ist deine Einstufung beispielsweise „sicherheitsorientiert“ (Klasse 1), so darf dir dein Bankberater keine Anlageprodukte aus Klasse 4 („spekulativ“) der 5 („sehr spekulativ“) verkaufen.

Diese Klassifizierung dient deiner eigenen Absicherung und hat sich als bewährtes Tool etabliert, um die Risikotragfähigkeit zu bestimmen.

Beispiel – Risikobereitschaft

Stell dir einmal vor, einer deiner besten Freunde schenkt dir einen Porsche. Der Sportwagen hat eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h und du fährst damit auf der Autobahn. Wie schnell würdest du fahren?

Würdest du versuchen, den Porsche auf 320 km/h auszureizen oder würdest du eher gemütlich fahren und die 130 km/h einhalten?

Vielleicht ist es für dich auch okay mit 200 km/h zu fahren, da du dich bei einer höheren Geschwindigkeit nicht mehr sicher fühlst. Versetze dich in diese Situation und versuche die Frage für dich zu beantworten.

Im zweiten Schritt kannst du dir überlegen, ob dasselbe auch für deine Geldanlage gilt. Möchtest du gerne mit 320 km/h fahren und somit 100 % deines Vermögens in den risikobehafteten Teil investieren oder fühlst du dich mit 200 km/h wohler?

Es ist auch absolut okay, wenn du lieber entspannt auf der Landstraße fährst und analog nur 10 % deines Anlagekapitals in den risikobehafteten Teil investierst.

Finanzkrisen

Es lohnt sich wirklich, dass du dir über deine persönliche Risikotragfähigkeit Gedanken machst. Spätestens bei der nächsten Finanzkrise, bei der die Aktienkurse in den Keller rasen und Panikverkäufe an der Tagesordnung stehen, kann dir ein Portfolio, welches deine Risikobereitschaft widerspiegelt, dabei helfen, ruhig und entspannt zu bleiben.

Übrigens tendieren gerade junge Leute tendenziell eher dazu, dass sie ihre Risikobereitschaft überschätzen und dann in Krisensituationen Panikverkäufe tätigen.

Im Gegensatz dazu unterschätzen fortgeschrittene Generationen häufig ihre Risikotragfähigkeit, weil sie vielfach mehrere Finanzkrisen mitgemacht haben und womöglich schon Verluste in Kauf nehmen mussten.

Anlagehorizont

Ein weiterer Punkt, den du in deine Überlegungen mit einbeziehen solltest, ist dein Anlagehorizont.

Je länger der Anlagehorizont ist, desto mehr kannst du in den risikobehafteten Teil investieren, da du so mehr Zeit hast, deine Verluste auszugleichen und Renditen zu erzielen. Das heißt umgekehrt, dass es bei einem kürzeren Anlagehorizont sinnvoll ist, den risikofreien Teil stärker auszubauen.

Fazit

Wie du siehst, ist die persönliche Risikoabschätzung gar nicht schwierig. Wichtig ist, dass du die Gewichtung in deinem Portfolio so vornimmst, dass du dich damit wohlfühlst. Kapitalanlage sollte nämlich nie dazu führen, dass du nachts nicht ruhig schlafen kannst.

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