So finanzierst du dein Studium

Juli Sixel
Juli Sixel
Stand: 24. Oktober 2022
Während eines Studiums sammeln sich ganz schön viele Ausgaben: Miete, Essen, Semesterbeiträge, Kleidung und einiges mehr. Hier erfährst du, wie du dein Studium finanzierst und dir daneben auch noch ein wenig Freizeit leisten kannst.

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Was du wissen solltest
  • Der Staat unterstützt dich während deines Studiums bis zum 25. Lebensjahr mit Kindergeld.
  • Wenn deine Eltern nicht so viel verdienen und du kein Vermögen besitzt, kannst du BAföG beantragen.
  • Als Student kannst du einem Minijob, einem Werkstudentenjob oder einer kurzfristigen Beschäftigung besonders gut nachgehen.
  • Grundsätzlich sind deine Eltern verpflichtet, dir Unterhalt zu zahlen. Je nachdem wie viel sie verdienen, bis zu 860€.
  • Mit etwas Glück oder Begabung kannst du dich für ein Stipendium qualifizieren.
  • Falls du akut Geld benötigst, kommt für dich auch ein Studienkredit infrage.

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So gehst du vor
  • Rechne durch, wie viel Geld du monatlich benötigst und überlege dir, an welchen Ecken du sparen kannst.
  • Sprich mit deinen Eltern, wie hoch sie dich finanziell unterstützen können.
  • Schau zuerst, ob staatliche Förderungen, wie Kindergeld und BAföG für dich infrage kommen.
  • Überlege, ob es einen passenden Job gibt, mit dem du dein monatliches Budget erhöhen kannst.
  • Vielleicht ist die Studienrichtung, die du anstrebst, auch dual verfügbar. Bei einem dualen Studium wirst du während der gesamten Ausbildung bezahlt.
  • Nimm nur dann einen Kredit auf, wenn die anderen Optionen für dich nicht infrage kommen.

Verschaffe dir zuerst einen Überblick

Es gibt verschiedene Wege, dir dein Studium zu finanzieren. Um herauszufinden, wie du das am geschicktesten anstellt, solltest du zuerst deine monatlichen Ausgaben aufschreiben. Sobald du weißt, wie viel Geld du benötigst, kannst du dir überlegen, wie du auf diesen Betrag kommst. Wir haben hier einmal die wichtigsten Methoden zur Studienfinanzierung gesammelt. 

Kindergeld

In Deutschland steht allen Eltern das Kindergeld zu. Bis zum 18. Lebensjahr überweist der Staat es einem Elternteil monatlich. Ab dem 19. Lebensjahr wird das Kindergeld nur gezahlt, wenn sich das Kind entweder im Studium, einer Ausbildung oder einem FSJ befindet. Die Höhe des Kindergelds richtet sich nach der Anzahl der Kinder. Bei 1–2 Kindern stehen Eltern aktuell 219€ pro Kind zu, bei 3 Kindern sind es 225€ und ab 4 Kindern 250€. 2023 erhöht sich das Kindergeld auf 237€ bei 1–3 Kindern. Eltern mit mindestens 4 Kindern erhalten weiterhin 250€ pro Kind.

Wenn du nun während des Studiums Ausgaben hast, solltest du dich mit deinen Eltern zusammensetzen und darüber sprechen, ob du dein Kindergeld erhältst. Es steht dir zu, wenn deine Eltern keine hohen Ausgaben deinetwegen haben, zum Beispiel weil du nicht mehr bei ihnen wohnst oder für dich selbst sorgst. Sobald das Kind 25 Jahre alt ist, erhalten Eltern kein Kindergeld mehr. Ein Sonderfall tritt ein, wenn das Kind behindert ist oder vor dem 25. Lebensjahr behindert wird. In diesem Fall steht den Eltern, je nach Behinderungsgrad, lebenslanges Kindergeld zu. 

BAföG

Mit dem BAföG bietet der Staat finanzielle Hilfe für Schüler und Studenten. Das BAföG ist eine Sozialleistung, die sich aus dem Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz ergibt. Bis zu 931€ kann der Staat dir monatlich auszahlen. Damit du BAföG-berechtigt bist, dürfen deine Eltern nicht über eine gewisse Summe verdienen. Diese Summe variiert nach Anzahl der Kinder. Zusätzlich darfst du kein Vermögen über 15.000€ besitzen. Ist das der Fall, musst du dein Vermögen bis zu dieser Grenze zuerst aufbrauchen. 

Die Höhe deines BAföGs ergibt sich aus dem Bedarfssatz, der dir zusteht und der Höhe des Einkommens deiner Eltern. Nach Studienabschluss musst du die Hälfte des BAföGs zurückzahlen. Die andere Hälfte ist geschenkt. Das Darlehen musst du 5 Jahre nach Studienabschluss in monatlichen Häppchen von 130€ zurückzahlen. Dabei fallen keine Zinsen an. Maximal musst du 10.010€ zurückzahlen, alles darüber schenkt der Staat dir ebenfalls.

Rechenbeispiel

Maria ist 19, will anfangen zu studieren und hat keine Geschwister. Zuerst wird Marias Bedarfssatz berechnet. Dieser besteht aus 449€ Grundbedarf, 122€ Zuschlag zur Kranken- und Pflegeversicherung und 360€ Wohnpauschale (denn Maria wird nicht weiter bei ihren Eltern wohnen). Daraus ergibt sich eine Summe von 931€.

Von Marias monatlichem Bedarf wird der Betrag abgezogen, den ihre Eltern ihr zur Verfügung stellen könnten. Marias Eltern verdienen gemeinsam 3.500€. Für zwei Eltern gilt ein Freibetrag in Höhe von 2.400€. Der wird mit dem Gehalt von Marias Eltern verrechnet. Die übrigen 1.100€ werden durch zwei geteilt. Die anrechenbaren 550€ werden vom Bedarfsbetrag abgezogen.

Bafög berechnen Beispiel 1
Bafög berechnen Beispiel 2

Maria bekommt also 381€ pro Monat an BAföG ausbezahlt.

Eltern

Deine Eltern sind gesetzlich verpflichtet, dich bis zu deinem ersten berufsqualifizierenden Abschluss finanziell zu unterstützen. Ein solcher Abschluss ist etwa ein Bachelor oder ein Ausbildungsabschluss. Wohnst du nicht bei deinen Eltern und verdienst kein Geld, kannst du bis zu 860€ verlangen. Dieser Betrag ergibt sich aus der Düsseldorfer Unterhaltstabelle, der anerkanntesten Unterhaltsempfehlung. Je nachdem wie hoch das Einkommen deiner Eltern ist und wie viele Geschwister du hast, kann die 860€ auch gemindert werden. Sprich mit deinen Eltern darüber, wie weit sie dich unterstützen können. Weigern sich deine Eltern, kannst du in eine gerichtliche Auseinandersetzung gehen.

Auch wenn du keinen Kontakt zu deinen Eltern hast, sind sie verpflichtet, dir Unterhalt zu zahlen. In diesem Fall kannst du BAföG beantragen und einen „Antrag auf Vorausleistung“ stellen. Das BAföG-Amt geht damit für deine Eltern in Vorleistung und zahlt dir den Unterhalt aus, der dir zusteht. Das Amt führt die rechtliche Auseinandersetzung mit deinen Eltern. Haben sie Einkommen, das auf das BAföG angerechnet werden kann, wird das von diesen zurückgefordert.

Stipendium

Mit etwas Glück oder sehr guten Leistungen kannst du ein Stipendium erhalten. Ein Stipendium ist eine finanzielle Unterstützung, die von einem Förderer oder einer Fördergruppe geschenkt wird. Du musst ein Stipendium, im Gegensatz zu BAföG und Kredit also nicht zurückzahlen. Diese drei Stipendien könnten für dich infrage kommen:

  1. Studienstiftung des deutschen Volkes: Höhe 1.052 €, Laufzeit 48 Monate
  2. Studienstipendium der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds: Höhe 416€, Laufzeit 36 Monate
  3. Stipendium des Reemtsma Begabtenförderungswerks: Höhe 200€, Laufzeit 54 Monate

Die Website Mystipendium sammelt Stipendien für unterschiedliche Lebenslagen. Der Dienst ist vollkommen kostenlos, du musst dir lediglich ein Nutzerprofil anlegen. Gibst du Daten an, hilft die Seite dir, ein passendes Stipendium zu finden.

Arbeiten

Die meisten Studierenden kommen nicht um einen Job herum. Arbeiten zu gehen ist die Methode, mit der du dir dein Studium wirklich selbst finanzieren kannst. Überlege dir zuerst, wie viel Geld du benötigst und wie viel Zeit du neben dem Studium aufbringen kannst. Anschließend kannst du dich nach einem passenden Job umschauen. Für Studenten gibt es drei Arten von Arbeitsverhältnissen, die besonders interessant sind.

Minijob

Cafés, Restaurants und Einzelhandelsunternehmen suchen häufig Beschäftigte auf Minijob-Basis. Bei einer geringfügigen Beschäftigung kannst du bis zu 520€ verdienen. Bis vor Kurzem lag die Grenze bei 450€, deswegen ist dieses Beschäftigungsverhältnis auch als 450€-Job bekannt. Da das jährliche Einkommen unter dem Grundfreibetrag von aktuell 10.347€ liegt, musst du auf einen Minijob auch keine Steuern zahlen. Oft arbeiten Teilzeitangestellte für den Mindestlohn. Dieser liegt seit dem 1. Oktober 2022 bei 12€ die Stunde. Als Minijobber kannst du also bis zu 43 Stunden im Monat arbeiten. Bis zu einem Einkommen von 520€ kannst du weiterhin über deine Familie krankenversichert bleiben.

Werkstudentenjob

Als Werkstudentin arbeitest du bis zu 20 Stunden die Woche. Je nach Stundenlohn kannst du damit deutlich mehr als bei einem Minijob verdienen. Werkstudenten zahlen viel weniger Sozialabgaben als Teilzeitangestellte. Das macht das Arbeitsverhältnis als Werkstudent sehr attraktiv. In den Semesterferien (bis zu 26 Wochen pro Jahr) dürfen Werkstudenten auch Vollzeit arbeiten. Als Werkstudent kannst du schon wichtige Arbeitserfahrungen sammeln und erste Kontakte in die Berufswelt knüpfen. 

Hier musst du aufpassen, dass du unter dem Grundfreibetrag bleibst. Angenommen du verdienst den Mindestlohn von 12€ die Stunde, sind das 960€ im Monat. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt sich eine Summe von 11.520€ – also 1.173€ über dem Freibetrag. Wenn du jeden Monat 20 Stunden die Woche arbeitest, musst du also Steuern zahlen. Wenn du über 520€ im Monat verdienst, musst du dich selbst krankenversichern. Für Studierende liegt der Versicherungsbeitrag bei gesetzlichen Krankenkassen um 115€ im Monat.  

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Semesterferienjob

Es gibt Arbeitsverhältnisse, die speziell auf die vorlesungsfreie Zeit, also die Semesterferien, zugeschnitten sind. Rein rechtlich handelt es sich dabei um eine kurzfristige Beschäftigung. In diesem Arbeitsverhältnis darfst du maximal 3 Monate oder 70 Tage im Jahr arbeiten. Ein entscheidender Vorteil ist, dass du auch hier keine Sozialleistungen zahlen musst, netto also mehr Geld für dich bleibt. Auch bei einer kurzfristigen Beschäftigung gilt der gesetzliche Mindestlohn.

Duales Studium

Ein duales Studium kombiniert studieren mit arbeiten. Du hast also abwechselnd Theorie und Praxisphasen. Am Ende hast du nicht nur einen Bachelor in der Hand, sondern auch schon eine große Menge an Arbeitserfahrung gesammelt. Bei vielen dualen Studiengängen erhältst du neben dem Bachelor auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Von BWL bis Mediendesign: Ein duales Studium ist in vielen verschiedenen Bereichen möglich. Du wirst während des gesamten Studiums von deinem Arbeitgeber bezahlt. Dein Gehalt liegt im ersten Ausbildungsjahr zwischen 700€ und 1.500€ monatlich. Im zweiten und dritten Jahr erhöht sich dein Gehalt jeweils ein wenig. Etwaige Studiengebühren werden meist vom Praxispartner übernommen. So bist du finanziell während deiner gesamten Ausbildung gut versorgt. Allerdings hast du gewissermaßen einen richtigen Job und während deiner Praxisphasen eine 40-Stunden-Woche.

Studienkredite

Ein Studienkredit ist ein finanzielles Darlehen, das auf ein Studium zugeschnitten ist. Das geliehene Geld plus Zinsen zahlst du nach dem Studium über einen längeren Zeitraum wieder zurück. Ein Studienkredit ist besonders sinnvoll, um eine bestimmte Phase im Studium zu überbrücken. Deine gesamte Studienzeit solltest du nicht ausschließlich über einen Kredit finanzieren. Ausgegeben werden Studienkredite zum einen von Banken oder Sparkassen und zum anderen von der staatlichen Förderbank. Der Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet relativ attraktive Konditionen. Neben dem normalen Studienkredit bietet die KfW für Studierende in einem weiterführenden Studiengang (wie einem Master) auch einen Bildungskredit an. Bei diesem erhältst du bis zu 300€ monatlich. Du solltest dir gut überlegen, ob du einen Kredit aufnimmst, weil du wegen der Zinsen immer draufzahlst.

Häufig gestellte Fragen

Wie finanziere ich mein Studium ohne Eltern?

Sind Eltern dazu verpflichtet, ein Studium zu finanzieren?

Wie kann ich mein Studium ohne BAföG finanzieren?