Sofortrente: Lohnt sich das?

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 20. April 2022
Lebenslang einen garantierten Betrag als Rente nach einer einmaligen Investition ausgezahlt bekommen: das ist das Versprechen der Sofortrente. Aber für wen ist eine solche überhaupt geeignet? Und lohnt sie sich im Vergleich zu anderen selbstorganisierten Rentenzusätzen, die auch auf einer Einmalinvestition aufbauen? Wir haben uns die Sofortrente im Ratgeber angesehen.

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Was du wissen solltest
  • Die Sofortrente ist eine Variante der privaten Rentenversicherung, bei der du eine einmalige Zahlung leistest und dann lebenslange Rentenzahlungen erhältst, deren Mindesthöhe garantiert ist.
  • Ein solches Modell ist im Grunde eine Wette darauf, lange zu leben, da sich eine solche Rente erst ab einem bestimmten Lebensalter lohnt (das meist über der durchschnittlichen Lebenserwartung liegt).
  • Zudem bezahlt man bei einer solchen Versicherung vor allem das Gefühl der Sicherheit, lebenslang Rentenzahlungen zu erhalten.
  • Ein Vorteil ist aber die geringe Besteuerung (Ertragsanteilbesteuerung) und der Wegfall der Kapitalertragsteuer.
  • Eine wichtige Alternative zur Sofortrente ist ein Wertpapierportfolio, das sich aus Aktien-ETFs und risikofreien Anlageprodukten (Tagesgeld oder kurzlaufende Staatsanleihen hoher Bonität) zusammensetzt und das dann mithilfe von Teilverkäufen dieselbe Funktion wie eine Sofortrente erfüllen kann.

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So gehst du vor
  • Vergleiche zunächst die Sofortrente und alternative Investitions- und Rentenmodelle und entscheide dich für das für dich richtige. Bedenke, dass viele Sofortrenten nicht einfach wieder gekündigt werden können, sondern lebenslang laufen.
  • Vergleiche dann die verschiedenen Rentenversicherungen und Sofortrenten-Angebote. Achte bei der Auswahl insbesondere auf das Rating der Versicherung, die Höhe der Garantierente, mögliche Überschussbeteiligungen und Dynamisierung der Rente. Verzichte auf mögliche Zusätze, da sie die Rente noch weiter mindern.

Was ist eine Sofortrente?

Viele Menschen, die auf die Rente zugehen, erkennen, dass ihnen das Geld der staatlich verteilten Rente nicht zum Leben im Alter reichen wird. Deswegen werden verschiedene private Rentenversicherungen angeboten, die die Rentenlücke versprechen zu schließen und Menschen fürs Alter absichern sollen.

Eine Variante davon ist die Sofortrente. Eine Sofortrente ist die Garantie einer lebenslangen Rentenzahlung ab einem vertraglich festgelegten Zeitpunkt – Voraussetzung ist eine einmalige Einzahlung von Kapital, meist eine größere Summe (mehrere zehn- bis hunderttausend Euro sind üblich). Üblicherweise garantiert die Sofortrente eine bestimmte Rentenhöhe bei Vertragsabschluss, die aber auch – je nach Entwicklung der Anlagen des Unternehmens – höher ausfallen kann. Dass die Sofortrenten in der Praxis häufig höher ausfallen, ist in der Tat ein Verkaufsargument dieser. 

Ein weiteres Verkaufsargument ist, dass Sofortrenten in manchen Fällen in einem bestimmten Rahmen an Hinterbliebene weiter ausgezahlt werden können, sofern das eingangs gezahlte Vermögen noch nicht aufgebraucht ist. Zudem bieten manche Rentenversicherungen eine gewisse Flexibilität, das Kapital auch während der Vertragslaufzeit wieder aus der Versicherung abzuziehen.

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Insgesamt ist die Sofortrente also ...

… erstens eine Absicherung fürs Alter, die durch garantierte Rendite dafür sorgen soll, dass man bis zum Lebensende finanziell abgesichert ist, und zweitens damit finanziell eine Wette auf ein langes Leben. Sofortrenten lohnen sich erst ab einer bestimmten Laufzeit wirklich finanziell für den Verbraucher: dieser Zeitpunkt liegt bei einer typischen Rente meist deutlich über der gewöhnlichen Lebenserwartung.

Für wen kann eine Sofortrente vorteilhaft sein?

Prinzipiell sollten vier Bedingungen gegeben sein, damit sich die Sofortrente für dich selbst vorteilhaft gestalten kann:

  • Du solltest davon ausgehen, lange zu leben.

    Wer etwa aufgrund von chronischen Krankheiten davon ausgeht, seine Lebenserwartung nicht deutlich zu übersteigen, für den lohnt sich eine Sofortrente definitiv nicht.

  • Du solltest eine größere einmalige Summe zur Verfügung haben.

    Die Angebote für Sofortrenten fangen knapp unterhalb der 10.000€ an, allerdings lohnt sich der Rentenzusatz erst bei höheren Summen wirklich.

  • Sicherheit ist für dich die höchste Priorität.

    Für das Gefühl, lebenslang abgesichert zu sein, bezahlst du bei einer Sofortrente. Wenn dir das sehr wichtig ist, könnte eine solche für dich lohnenswert sein.

  • Du willst das Geld nicht hauptsächlich vererben.

    Zusatzleistungen wie die Rentenfortzahlung an Erben kosten Geld – wer vor allem darauf abzielt, sein Vermögen zu vererben, sollte das nicht mit einem Versicherungsvertrag tun.

All diese Bedingungen solltest du bedenken. Allerdings ist die Sofortrente bei weitem nicht der einzige Weg zu einer guten Zusatzrente, weswegen wir weiter unten Alternativen zur Sofortrente darstellen und sie mit dieser vergleichen. 

Vor- und Nachteile der Sofortrente

Schauen wir uns nun bündig die Vorteile und Risiken der Sofortrente an, um sie wirklich einschätzen zu können.

Vor- & Nachteile

  • Sicherheit: Das wichtigste Verkaufsargument einer Sofortrente: Die Absicherung einer lebenslangen Auszahlung des vereinbarten Betrags.
  • Rendite im Vergleich zum Tagesgeld: Die Rendite von Sofortrenten ist meist nicht sehr hoch, aber in der Regel höher als die zum Beispiel von Tages- oder Festgeldern (die derzeit um die 0% liegen).
  • Steuervorteil: Je nach Alter wird nur der sogenannte Ertragsanteil versteuert (bei 65-Jährigen etwa 18% der Rente zum persönlichen Einkommensteuersatz) – die Kapitalertragsteuer entfällt.
  • Flexibilität: Bei vielen Rentenversicherungen lassen sich Zusätze wie die garantierte Übertragung an Hinterbliebene oder die Möglichkeit einer Auszahlung des verbleibenden Kapitalteils hinzubuchen. Allerdings kosten diese immer viel Geld und reduzieren die bereits geringe Rente noch weiter.

  • Niedrige Rendite im Vergleich zum Aktienmarkt: Da eine Sofortrente eben keine wirkliche Geldanlage ist, sondern eine Versicherung, fallen die garantierten Renditen deutlich geringer aus als am Aktienmarkt.
  • Kosten: Aus demselben Grund kommen auch hohe Kosten auf einen zu, mit denen man für das Gefühl der Absicherung bezahlt, da die Versicherungen schließlich Geld verdienen wollen.
  • Hohe Lebenserwartung notwendig: Nur wer wirklich alt wird, für den lohnt sich eine Sofortrente wirklich. Diese Wette ist so gesetzt, dass die meisten Menschen nicht von ihrer Sofortrente in voller Höhe profitieren werden.
  • Risiken der Versicherung: Im Gegensatz zu vielen Wertpapieren, die als Sondervermögen vor Insolvenzen geschützt sind, kann einen die Pleite seiner Rentenversicherung in deutliche Schwierigkeiten bringen.

Auswahl der Sofortrente

Bei der Auswahl einer privaten Rentenversicherung für eine Sofortrente solltest du neben den allgemeinen Erwägungen auch auf die folgenden Punkte achten:

  • Bonität der Versicherung. Da die Sofortrente auf eine lebenslange Auszahlung ausgerichtet ist, ist es wichtig, dass das Versicherungshaus auch verlässlich ist. Natürlich kann man nie alle Eventualitäten vorausplanen, allerdings ist ein gutes Rating ein guter Indikator für die Finanzgesundheit der privaten Rentenversicherung.
  • Auf Zusätze eher verzichten. Zwar können Zusatzleistungen wie mögliche vorzeitige Kapitalentnahme oder Hinterbliebenenschutz die Vorteilsseite der Sofortrente stärken, allerdings zahlt man dafür mit deutlich erhöhten Kosten bzw. einer deutlich niedrigen Rente. Das lohnt sich meist nicht.
  • Garantierente. Eine möglichst hohe garantierte Rente sollte ein wichtiges Auswahlkriterium für dich sein, da du nicht unbedingt von einer Übererfüllung dieser Garantierente ausgehen kannst. 
  • Überschussbeteiligung. Dass es eine Überschussbeteiligung gibt, ist dennoch wichtig, damit du die Möglichkeit hast, über der garantierten Rente liegende Renditen zu erzielen. 
  • Dynamisierung. Dies gehört eher zu den Zusatzkriterien: Manche Rentenversicherungen bieten eine Dynamisierung der Garantierente an, die für dich vorteilhaft sein kann. Aber Achtung: Schau dir die Konditionen genau an und achte darauf, ab wann sich eine Dynamisierung für dich wirklich lohnen würde.

Insgesamt ist der Markt der privaten Rentenversicherungen eher undurchsichtig und auch Vergleichsportale haben oft nur wenige Angebote vorzuweisen. Deswegen ist es wichtig, dir umfassende Informationen von verschiedenen Anbietern einzuholen und diese auch mit Alternativen zur Sofortrente zu vergleichen. Viele Sofortrenten kann man nicht mehr einfach kündigen, weswegen die Entscheidung gut überlegt sein sollte. Wenn du dir nicht zutraust, dir selbst einen Überblick zu verschaffen, wäre unter Umständen ein Honorarberater sinnvoll. Auf eine provisionsbasierte Beratung solltest du hingegen verzichten.

Sofortrente vs. Aktienportfolio: Was lohnt sich mehr?

Eine bedeutsame Alternative zur Sofortrente ist ein Indexfonds-basiertes Aktienportfolio, dem man monatlich oder jährlich einen bestimmten Betrag entnimmt, während man weiter sein Geld in weltweit diversifizierte Aktien anlegt. Der Vorteil ist hierbei, dass man selbst in der Entsparphase die Möglichkeit hat, weiter Renditen auf Höhe des Aktienmarktes (langfristig im Bereich zwischen 5 und 7%) einzufahren. Da aber die weltweiten Aktienmärkte nicht regelmäßig solche Renditen produzieren, sondern von Jahr zu Jahr schwanken, hat die Reihung dieser Schwankungen einen großen Einfluss darauf, wie sich das Vermögen über einen längeren Zeitraum entwickelt. In einem positiven Fall mit einer realistischen Entnahmequote (3 – 4% jährlich des Anfangsvermögens) kann es mit einem solchen Aktienportfolio sogar so sein, dass man rein von den Erträgen lebt, ohne dass das Vermögen langfristig sinkt. In einem schlechten Fall mit einer zu hohen Entnahmequote ist das Kapital zu früh aufgebraucht – also vor Eintritt des Todes im Fall einer Rente.

Was für dich als Rentner vorteilhafter ist, ist also Abwägungssache. Den finanziellen Teil haben wir aber einmal beispielhaft durchgespielt. Mithilfe einer sogenannten Monte-Carlo-Simulation kann man tausende mögliche Fälle und damit Reihungen ausprobieren, wie sich ein Vermögen entwickelt, dem regelmäßig Geld entnommen wird, das aber auch Rendite abwirft. Dementsprechend erhält man ein Bild davon, wie wahrscheinlich verschiedene Ausgänge einer solchen Anlage sind und dabei auch die theoretische Wahrscheinlichkeit einer Pleite.

Sofortrente und Aktienportfolio im Vergleich

Laut der Stiftung Warentest garantiert die Versicherung Europa eine Mindestrente von 338€ pro Monat lebenslang bei einer Einmalzahlung von 100.000€ zu Beginn. Ebenfalls laut der Stiftung Warentest ist der “Break-Even” etwa 24 Jahre später: Bei einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren ist der Versicherungsnehmer also 89 Jahre alt, wenn sich die Versicherung zu rechnen beginnt und die Auszahlungen das eingezahlte Kapital übersteigen. Demnach ist das ein guter Zeitpunkt, um die beiden Optionen Sofortrente und Aktienportfolio einem Vergleich zu unterziehen.

Es wird gemeinhin angenommen, dass bei einer 3 – 3,5%igen Entnahmequote des Anfangskapitals das Pleiterisiko gering ist. In unserer theoretischen und mit Vorsicht zu genießenden Monte-Carlo-Simulation lag die Pleitewahrscheinlichkeit bei einem Anfangskapital von 100.000€, einem Anlagezeitraum von 24 Jahren, einer angenommenen durchschnittlichen Jahresrendite von 6% und einer monatlichen Entnahme von 338€ (Entnahmequote ~4%) bei gerade einmal 2%. Hierbei nehmen wir eine Schwankungsbreite (Volatilität) von 12% an – was ein für den globalen Index MSCI World typischer Wert ist. 

Der Faktor Zeit spielt hier eine große Rolle, genau wie die angenommene Volatilität. Bei einem angenommenen Anlagezeitraum von über 30 Jahren würde sich die Pleitewahrscheinlichkeit deutlich erhöhen – allerdings wäre da unser hypothetischer Rentner auch schon Mitte 90.

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Insgesamt bietet also die Anlage in ein Aktienportfolio renditemäßig deutlich bessere Chancen bei einem relativ kleinen Pleiterisiko. In vielen Fällen ist es sogar möglich, monatlich Geld zu entnehmen, ohne das Anfangskapital abzuschmelzen (oder nur zu einem geringen Teil), um es dann nach dem Tod beispielsweise zu vererben. Eine Sofortrente bietet dementgegen vor allem das Versprechen der Sicherheit einer lebenslangen Auszahlung, lohnt sich aber finanziell in den meisten Fällen nicht: Männer, die im Jahre 1957 geboren wurden, jetzt also 65 Jahre alt sind, haben etwa eine statistische Lebenserwartung von 82 Jahren. Allerdings betonen viele Versicherungen, dass ihre tatsächliche Rendite die Garantierendite mittels Überschussbeteiligungen übersteige.

Im folgenden Abschnitt stellen wir eine Alternative zum reinen Aktienportfolio vor, die ermöglicht, das Risiko zu steuern und dennoch eine bessere Rendite als bei einer Sofortrente einzufahren.

Die Alternative: Sichere Assetklasse hinzufügen

Diese Alternative ist im Grunde weithin bekannt und besteht in der Hinzunahme eines risikofreien Teils zu dem risikobehafteten Teil des Aktienportfolios. Mit der relativen Größe dieses risikofreien Teils lässt sich das Risiko steuern und die Volatilität abmildern. Dem geht die Erstellung eines privaten Risikoprofils voraus, das anzeigt, wie hoch die eigene Risikotragfähigkeit ist. 

Der risikofreie Teil eines Portfolios besteht dann üblicherweise entweder aus Tages- oder Festgeld bei einer Bank eines Landes mit hoher Bonität (hier werden allerdings momentan häufig Null- oder sogar Negativzinsen fällig) oder aus kurzlaufenden Staatsanleihen mit höchster Bonität. Die letzteren kann man entweder direkt kaufen oder einen ETF verwenden, der einen Index solcher Staatsanleihen abbildet. 

Häufig gestellte Fragen

Für wen lohnt sich eine Sofortrente?

Was kostet eine Sofortrente?

Wie wird eine Sofortrente versteuert?

Ist Sofortrente steuerfrei?