Aktiensplit einfach erklärt!

Was ein Aktiensplit genau ist und aus welchen Gründen Unternehmen so etwas machen, ist nicht für jeden Anleger sofort verständlich. Einfach gesagt handelt es sich dabei um eine Vervielfältigung oder Zusammenlegung von Wertpapieren. Eine genauere Erklärung und Beispiele dazu findet ihr in unserem Video und in diesem Text.

Was ist ein Aktiensplit? Was ist eine Aktienzusammenlegung?

Aktiensplits oder engl. forward stock splits machen nichts anderes, als die Anzahl an kaufbaren Aktien zu erhöhen. Es handelt sich also um eine Vervielfältigung des Wertpapierbestandes. Wenn sich Unternehmen nun dazu entscheiden, ein Aktiensplitting durchzuführen, bedeutet das, dass die Aktie gesplittet, also aufgeteilt wird – dafür gibt das Unternehmen ein bestimmtes Splitverhältnis bekannt. Dieses Verhältnis unterscheidet sich von Split zu Split – die Logik dahinter bleibt dieselbe: Ist das Splitverhältnis 1:5, so heißt das, dass man nach dem Split fünf Mal so viele Aktien im eigenen Depot hat, als davor; ist das Verhältnis 1:10, dann verzehnfachen sich die eigenen Aktien.

Dieses Finanzinstrument funktioniert aber nicht nur in eine Richtung: Das Gegenteil vom oben beschrieben Split ist die sogenannte Aktienzusammenlegung oder engl. reverse stock split. Bei so einer Aktienzusammenlegung wird das Verhältnis umgedreht: Liegt es bei 10:1, so hält man nach der Zusammenlegung nur noch ein Zehntel der Aktien von zuvor.

Einen negativen oder positiven Einfluss auf die Finanzen im eigenen Depot haben diese Maßnahmen allerdings nicht! Zumindest nicht direkt, denn gemeinsam mit der Anzahl Firmenanteilen ändert sich auch der Wert der Aktie. Haben wir beispielsweise ein Verhältnis von 1:2, so erhalte ich zwar doppelt so viele Aktien, der Wert jeder einzelnen wird aber halbiert – es entstehen keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Wert meines Depots. Das gilt dann natürlich auch für den reverse stock split. Auch für die Marktkapitalisierung bedeutet ein Split keine Änderung – das Unternehmen wird nach einem Split zum exakt selben Kurs bewertet werden.

Überblicksbeispiel mit fiktiven Zahlenwerten

Hier könnt ihr auf einem Blick wunderbar erkennen, was ein forward oder reverse stock split für eure Aktien bedeutet. Die Zahlenwerte sind nicht unbedingt realistisch, sondern sollen euch zeigen, wie solche Splits ablaufen:

  • Aktiensplit (forward stock split)Ich halte 100 Aktien vor einem Aktiensplit, jede einzelne davon ist mit € 100 bewertet. Das steht für einen Gesamtwert von € 10.000. Das Splitverhältnis wird mit 1:5 angegeben – was passiert nun? Nach dem Split halte ich plötzlich 500 Aktien, jede einzelne davon steht aber bei einer Bewertung von € 20.
  • Aktienzusammenlegung (reverse stock split)Ich halte wieder 100 Aktien vor einer Zusammenlegung, jede einzelne ist wieder mit € 100 bewertet. Abermals ist der Gesamtwert meiner Investition bei € 10.000. Das Splitverhältnis ist nun aber nicht 1:5, sondern 5:1. Nach der Zusammenlegung heißt das für mich, dass ich nur mehr 20 Anteile halte, der Kurs der Aktie aber auf € 500 klettert. Auch hier ändert sich der Wert meines Depots nicht unmittelbar.
  • Marktkapitalisierung eines UnternehmensAuch auf die Marktkapitalisierung haben Splits keinen Einfluss. Sehen wir uns wieder eine fiktive Beispielsrechnung an: Es gibt 500.000 Anteile eines Unternehmens, wobei jeder Anteil € 5 Wert ist – der Wert der Firma liegt also bei 2,5 Millionen. Die Firma beschließt nun einen reverse stock split beim Verhältnis von 5:1 – nach dem Split gibt es nur noch 100.000 Anteile zu jeweils einem Preis von € 25. Die fiktive Firma wird weiterhin mit 2,5 Millionen bewertet. Wir sehen: An der Marktkapitalisierung hat sich nichts verändert.

Mögliche Gründe für einen Aktiensplit und zwei reale Beispiele aus der Finanzwelt

Was sind nun aber mögliche Gründe für ein Unternehmen, einen solchen Schritt zu setzen? Nun, dafür gibt es eine einfache Erklärung, die wir euch mit zwei Beispielen aus der realen Finanzwelt näherbringen möchten:

Berkshire Hathaway ist das Unternehmen des berühmten Investors Warren Buffett, bei dem es für eine lange Zeit keinen Split und keine Zusammenlegung gab – durch den Erfolg der Aktie steht ein einziger Anteil im sechsstelligen Bereich. Gerade für Kleinanleger kann es schwierig sein, so eine hohe Summe aufzubringen. Aus verschiedenen Gründen kam es zu einem Start einer B-Aktie, auch diese Aktie ist in ihrem Wert stark gestiegen – nach einigen Jahren an der Börse kam es dann zum Split 50:1, dadurch wurde der Kurs durch die Vervielfältigung wieder gedrückt und die Aktie auch für Kleinanleger wieder leistbarer.

Ein anderes Beispiel kommt direkt aus Deutschland: Nach der Finanzkrise hat die Commerzbank 2013 eine Aktienzusammenlegung beschlossen. Grund dafür war die Angst, nach dem Wertverlust während der Krise zu einem Penny Stock zu werden – das sind Aktien unter einem Wert von einem Euro. Zu dieser Zeit stand der Wert der Aktie auf ungefähr € 1,44 – durch das Zusammenlegungsverhältnis von 10:1 waren nur noch ein Zehntel der Anteile im Umlauf, die Bewertung ist aber von € 1,44 auf € 14 geklettert und die Aktie wurde davon verschont, zum Penny Stock zu werden.

Zusammenfassung

Ein Aktiensplit (forward stock split) kann zu höhere Liquidität für das Unternehmen und leistbare Kurse für Investoren führen, ändert aber nichts an der Marktkapitalisierung oder meinem Depotwert. Eine Aktienzusammenlegung (reverse stock split) kann andererseits verhindern, dass eine Aktie zu einem Penny Stock wird, hat aber ebenfalls keinen Einfluss auf Marktkapitalisierung oder meinen Depotwert.

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