Zertifikat einfach erklärt!

Zertifikate sind eine relativ junge Anlageform, die in Deutschland erst ab den 1990er Jahren vermehrt an Beliebtheit gewonnen hat. Nach den anfänglichen Boomjahren mussten Zertifikate im Zuge der Finanzkrise jedoch viel Kritik einstecken, wobei besonders die Pleite von Lehman Brothers auch Kleinanlegern beachtliche Verluste einbrachte. Doch was sind Zertifikate eigentlich, wie funktionieren sie und lohnt sich eine Investition in diese Anlageform?

 

Was sind Zertifikate?

Zertifikate zählen genauso wie Futures, Optionen, Swaps oder Aktienanleihen zu den Derivaten. Wenn dir der Begriff Derivate noch nicht bekannt ist, dann sieh dir ganz einfach unser Video Was sind Derivate? an. In diesem Video erklären wir dir alles rund um das Thema Derivate, sodass du eine gute Grundlage hast, um die etwas komplizierteren Zertifikate zu verstehen. Zertifikate selbst gehören zu den strukturierten Finanzprodukten und sind nichts anderes als Schuldverschreibungen, die von Banken herausgegeben werden.

Ein Investor, welcher in Zertifikate investieren möchte, gibt sein Geld also einer Bank und erhält hierfür ein Zertifikat. Wie bei Derivaten üblich, so ist es auch bei Zertifikaten so, dass es einen sogenannten Basiswert gibt. Ein solcher Basiswert, auf den sich dann die Entwicklung des Zertifikats bezieht, kann zum Beispiel eine Aktie, eine Anleihe, ein gesamter Index oder auch die Entwicklung einer Zinskurve sein. Zudem ist es auch möglich, Zertifikate auf die Entwicklung von Rohstoffpreisen zu kaufen.

Wie funktionieren Zertifikate?

Derzeit gibt es mehr als 1,4 Millionen Zertifikate am Markt. Allein aufgrund dieser Zahl erkennt man, dass Zertifikate sehr vielseitig und in unterschiedlichen Ausprägungen erhältlich sind. Im Endeffekt können Herausgeber von Zertifikaten in ihre Zertifikatsbedingungen beinahe alles hineinschreiben, was sie möchten. So ist es möglich, ein Zertifikat auf eine Aktie aufzulegen. Als Bedingung kann beispielsweise festgehalten werden, dass ein Bonus ausbezahlt wird, sobald sich der Aktienkurs in eine bestimmte Richtung bewegt. Der Herausgeber kann aber auch ganz andere Bedingungen festlegen, wie beispielsweise, dass ein Bonus genau dann bezahlt wird, wenn die Aktie um einen bestimmten Prozentsatz steigt, fällt oder sich seitwärts bewegt. Nahezu alle denkbaren Gewinnszenarien sind möglich und lassen sich über Zertifikate abbilden.

Welche Typen von Zertifikaten gibt es?

Zertifikate bieten Privatanlegern den Vorteil, in Märkte oder Assetklassen investieren zu können, die privaten Investoren in der Regel nur schwer zugänglich sind. So gibt es beispielsweise folgende Produkttypen:

  • Indexzertifikate
  • Bonuszertifikate
  • Garantiezertifikate
  • Trackerzertifikate
  • Expresszertifikate
  • Basketzertifikate

Es gibt natürlich noch viele weitere Zertifikatstypen, aber allein anhand der aufgezeigten Beispiele siehst du, wie breit gefächert das Angebot ist. Sehen wir uns zum besseren Verständnis nun ein paar ganz spezielle Zertifikatstypen etwas genauer an.

Basketzertifikate

Basketzertifikate sind Zertifikate, die einen gesamten Korb an Wertpapieren widerspiegeln. Sie unterscheiden sich hierbei von Indexzertifikaten, die immer nur einen bestimmten Index abbilden. Mit einem Basketzertifikat ist es somit möglich, eine beliebige Mischung aus Aktien oder anderen Anlageprodukten zu erzeugen. Der Emittent, also das Bankhaus, welches das Zertifikat ausstellt, kann dadurch das Risiko besser streuen, wobei solch ein Korb für gewöhnlich aus vier bis zwanzig unterschiedlichen Wertpapieren oder Rohstoffen besteht.

ETC (Exchange Traded Commodities)

Eine weitere Form von Zertifikaten, die du vielleicht schon kennst, sind die sogenannten ETCs. Wenn du dich schon einmal mit dem Thema ETF (Exhange Traded Funds) beschäftigt hast, dann weißt du, dass ETFs sogenannte Indizes, wie beispielsweise Aktienindizes, abbilden können. Hierzu werden ganz einfach alle Aktien, die zum gewünschten Index gehören, gekauft und zu einem Zertifikat gebündelt.

ETCs sind das Äquivalent zu ETFs, nur dass das C für Commodities, also für Rohstoffe und Edelmetalle, steht. Dabei werden Rohstoffe über sogenannte Futurekontrakte abgebildet. Um ein ETC zu erstellen, müssen daher die gewünschten Rohstofffutures zu einem Zertifikat gebündelt werden. Durch diese Bündelung ist es Anlegern dann möglich, von der Entwicklung der Rohstoffe zu profitieren.

Social Trading

Im Bereich Social Trading bietet dir Wikifolio beispielsweise die Möglichkeit, die Anlagestrategien von erfolgreichen Tradern nachzuahmen. Angesehene Investoren haben immer eine bestimmte Anlagestrategie wie beispielsweise spezielle Dividendenstrategien oder gewisse Charttechniken. Haben diese Trader mit ihrer Strategie Erfolg und finden sich genug Leute, die sich dafür interessieren, dann bringt das Bankhaus Lang & Schwarz ein Zertifikat auf die Performance des Investors, der quasi kopiert werden soll, heraus. Möchtest du also einem erfolgreichen Trader folgen, kannst du dir ganz einfach solch ein Zertifikat kaufen.

Wo werden Zertifikate gehandelt?

Zertifikate können genauso wie Aktien über Börsen gehandelt werden. Für Zertifikate gibt es in diesem Zusammenhang bestimmte Derivatebörsen wie beispielsweise:

  • Eurex
  • Euwax
  • Scoach

Bankhäuser, die Zertifikate herausgeben, sind zm Beispiel die DZ Bank, die Deutsche Bank, die Commerzbank aber auch viele ausländische Banken. Diese verpflichten sich gegenüber der Börse, einen liquiden Markt zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie ihre Zertifikate zu fairen Preisen auch dann zurückkaufen, wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt nur wenige Verkäufer am Markt gibt. Das ist auch der Grund dafür, das der Zertifikatemarkt relativ liquide ist.

Für wen eignen sich Zertifikate?

Zertifikate wurden für den Privatanlegermarkt entworfen. Dank des Vertriebs über Bankfilialen ist es Kleinanlegern so möglich, auch in Anlageklassen zu investieren, die normalerweise etwas schwieriger zugänglich sind. Beim Kauf von Zertifikaten solltest du dennoch Vorsicht walten lassen. Gerade durch die große Vielfalt an Zertifikaten ist es häufig schwierig, die einzelnen Konditionen vollständig zu verstehen und die Zertifikatsbedingungen zu beherrschen.

Welche Risiken und Chancen bieten Zertifikate?

Anders als bei Aktien, bei denen das Produkt schon relativ gut standardisiert ist, gibt es bei Zertifikaten schier unendliche Möglichkeiten und jede Menge Fallstricke, die seitens der Banken eingebaut werden können. Auf der anderen Seite kannst du mit Zertifikaten jedoch eine individualisierte Anlagestrategie verfolgen und dir die gewünschten Produkte selbst heraussuchen. Solltest du dich mit dem Thema aber nicht oder noch nicht so gut auskennen, dann solltest du auf jeden Fall die Finger davon lassen.

Neben dem Risiko der erhöhten Komplexität gibt es bei Zertifikaten zudem noch das Emittentenrisiko. Die Bank, welche das Zertifikat herausgegeben hat, kann pleitegehen, womit dein investiertes Geld theoretisch weg ist. Es besteht zwar die Möglichkeit über meist jahrelange Prozesse einen kleinen Teil des Investments wieder zu erhalten, dennoch wirst du auch in diesem Fall Verluste einfahren.

Fazit

Zertifikate ermöglichen es dir in Anlageklassen zu investieren, zu welchen du als Privatperson normalerweise nur schwer Zugang bekommen würdest. Beim Kauf von Zertifikaten gehst du jedoch immer das Risiko ein, dass die herausgebende Bank, wie beispielsweise Lehman Brothers, pleitegehen kann, wodurch dein Investment de facto wertlos wird. Wenn du dich für Zertifikate interessierst, solltest du dich daher vor dem Kauf auf jeden Fall über die Bonität der herausgebenden Bank informieren. Um das Risiko zu minimieren, kannst du dabei beispielsweise darauf achten, dass die emittierende Bank gesunde Eigenkapitalquoten aufweist und ein gutes Kreditrating hat.