Das musst du über Aktien & Investieren wissen

Finanzfluss Team
Stand:

Wie investiere ich in Aktien? Aus Angst vor großen Verlusten stellen sich viele Deutsche diese Frage überhaupt nicht. Dabei können Aktien durchaus eine gewinnbringende Alternative zu traditionellen Anlageformen sein und zu einem wichtigen Standbein des Vermögensaufbaus werden. Wie die Börse und der Wertpapierhandel funktionieren und welche Grundregeln man beim Investieren beachten sollte, klärt der Ratgeber.

Was du wissen solltest
  • Mit Aktien kaufst du Anteile eines Unternehmens. Das durch die Aktionäre bei Herausgabe der Aktien zu Verfügung gestellte Kapital nutzt das Unternehmen wiederum, um seine wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.
  • Aktien von börsennotierten Unternehmen und andere Wertpapiere werden an der Börse oder teilweise auch außerbörslich gehandelt.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Aktien zu profitieren. Neben Einzelaktien kann man zum Beispiel auch in Aktienfonds oder ETFs investieren.
  • Aktieninvestments beinhalten immer ein Unternehmens- sowie Marktrisiko, die sich in Wertschwankungen ausdrücken.
  • Das Unternehmensrisiko kannst du durch Diversifikation weitestgehend eliminieren.
Wie du vorgehst
  • Für den Aktienkauf braucht man ein Depot bei einer Filial- oder Onlinebank. Das Depot ist ein Konto, auf dem man Wertpapiere lagern, kaufen und verkaufen kann.
  • Vor dem ersten Investment sollte man seine Anlagestrategie und Risikobereitschaft kennen. Alternativ lohnt es sich, zunächst mit kleinen Geldbeträgen zu starten, um ohne großes Verlustrisiko ein Gefühl für das Investieren zu bekommen.
  • Davon hängt auch die Wahl des passenden Finanzprodukts ab. Neben Einzelaktien kann dein Geld unter anderem auch in aktiv gemanagte Fonds, Indexfonds, ETFs oder Staatsanleihen fließen.
Inhalte

Was sind Aktien und wie entstehen sie?

Eine Aktie ist in erster Linie ein Wertpapier, also ein immaterielles Besitzstück an einem Unternehmen, dem ein bestimmter Geldwert zugesprochen wird. Die Höhe dieses Wertes hängt dabei vom Erfolg und Misserfolg des Unternehmens ab, das die Aktien zum Verkauf anbietet. In der Fachsprache wird das Auf und Ab von Unternehmen als Bulle und Bär bezeichnet. Mit einer Aktie wirst du daher zu einem Investor und erwirbst einen kleinen Teil eines Unternehmens deiner Wahl. 

Exakter formuliert ist eine Aktie ein Anteil eines Unternehmens, durch den man einen Bruchteil des Grundkapitals eines Unternehmens bekommt. Die Unternehmen, die Aktien ausgeben, haben normalerweise die Rechtsform einer Aktiengesellschaften (AG). Diese Gesellschaften können, wenn sie börsengelistet sind, den Verkauf von Anteilen ihres Unternehmens durch einen Börsengang (IPO – Initial Public Offering) für die Öffentlichkeit möglich machen. Der Vorgang, Aktien einer breiten Masse zugänglich zu machen, wird auch als Emission bezeichnet.

Der Käufer hat ein Eigeninteresse beim Handeln mit Aktien, die Rendite. Die Rendite ist der Ertrag einer Geldanlage, der erzielt wird und maßgeblich mit dem Erfolg des Unternehmens zusammenhängt. So lässt der Gewinn eines Unternehmens in der Regel, auch den Wert der dazugehörigen Aktien steigen. Hat man 100€ in Aktien investiert und nach dem Verkauf 108€ auf dem Konto, beträgt die Rendite 8€ – Verwaltungskosten, Steuern und Handelskosten noch nicht abgezogen. Ein wichtiger Faktor der Rendite ist auch die sogenannte Dividende, die unmittelbar mit den Rechten eines Aktionärs zusammenhängt.

Wenn du noch mehr zum Thema Börse suchst, schau dir unser Börsenlexikon an, wo du alle Themen im Überblick findest!

Rechte und Pflichten eines Aktionärs

Als Gegenleistung für eine Investition in Aktien und das damit verbundene Risiko, zahlen Unternehmen eine Dividende an ihre Investoren aus. Die Dividende ist ein Teil des Unternehmensgewinns, den die Aktiengesellschaften meist einmal jährlich (in den USA jedes Quartal) auszahlen können. 

Auf den ersten Blick scheint die Dividende wie eine Zinszahlung zu wirken, hat damit aber nur wenig zu tun. Zwar erwarten Anleger bei Unternehmensgewinnen auch eine Beteiligung, eine Zahlungspflicht der Dividende gibt es jedoch nicht. Manche Unternehmen entscheiden sich die Gewinne intern in weitere Gewinnbringende projekte zu re-investieren und schütten somit keinen Cent aus.

Die Höhe der Dividende wird auf einer Aktionärshauptversammlung festgelegt, nachdem der Vorstand einen Vorschlag macht. An dieser Hauptversammlung kann grundsätzlich jeder Aktionär teilnehmen, wenn er sich vorher anmeldet. Ebenfalls interessant für die Aktionäre ist das Auskunftsrecht, dass den Investoren die Möglichkeit gibt, sich über alle wichtigen Vorgänge der AG zu informieren. Das Bezugsrecht gibt dem Aktionär zuletzt die Möglichkeit, bei einer Kapitalerhöhung mehr Aktien zu erwerben, um weiterhin über den gleichen Anteil am Unternehmen zu verfügen.

Die Rechten eines Aktionärs zusammengefasst

  • Teilnahme an der jährlichen Hauptversammlung

  • Stimmrecht auf der Hauptversammlung, falls man Inhaber von Stammaktien ist (Erklärung: “Welche Aktienarten gibt es”)

  • Auskunftsrecht, um über alle wichtigen Vorgänge der AG informiert zu bleiben

  • Bezugsrecht, das es dem Aktionär bei einer Kapitalerhöhung ermöglicht, zusätzliche Aktien zu einem Vorzugspreis zu kaufen

Die Pflichten eines Aktionärs zusammengefasst

Neben den Rechten gibt es aber auch ein paar Pflichten, die für Aktionäre wichtig sind. So verpflichtet sich der Käufer, die von ihm gehaltenen Aktien durch eine Einlage auf das Grundkapital der Aktie auch zu bezahlen. Da Aktien haben heute fast nur elektronisch über Börsen und nicht als handfeste Aktienpapiere gehandelt werden, erledigt sich dieses Problem fast von selbst. Die Treuepflicht verlangt außerdem, dass der Aktionär nicht entgegen der Interessen des Unternehmens handelt und sich loyal verhält. Weitere Pflichten können von AG zu AG verschieden in der jeweiligen Satzung verankert werden.

  • Anleger müssen ihre gehaltenen Aktien bezahlen, sonst drohen Strafen

  • Die Treuepflicht verlangt vom Aktionär, nicht gegen die Unternehmensinteressen zu handeln

Auch wenn es einem Unternehmen schlecht geht, trägt der Anleger das finanzielle Risiko lediglich in der Höhe des Kaufpreises seiner Anlage. Sprich, es kann zu keiner Nachschusspflicht kommen.

Welche Aktienarten gibt es?

Aktien sind nicht gleich Aktien und können in verschiedene Aktienarten aufgeteilt werden, die ebenfalls etwas über die Rechte und Pflichten eines Aktionärs aussagen. Nicht jede Unterscheidung ist für Anleger dabei direkt relevant, aber es lohnt sich zu wissen, von welcher Aktienart gerade die Rede ist. Welche Aktiengattung man besitzt, kann auf der jeweiligen Webseite der AG unter den “Investor Relations” oder teilweise auch bei der eigenen Depotbank nachschauen. Die AGs bestimmen dabei, welche Formen an der Börse gehandelt werden. Vorzugsaktien kann man außerdem anhand der WKN-Kennnummer identifizieren, die immer mit einer “3” endet.

  • Stammaktien: Besitzer von Stammaktien haben die Berechtigung, an den Aktionärshauptversammlungen eines Unternehmens teilzunehmen und ein Stimmrecht auszuüben, um beispielsweise über die Zahlung der Dividende zu bestimmen. Sie sind weiter verbreitet als Vorzugsaktien.

  • Vorzugsaktien: Im Gegensatz zu Stammaktien beinhalten sie kein Stimmrecht bei Hauptversammlungen und somit kein Mitspracherecht. Dafür können Anleger mit einer höheren Dividende rechnen, werden bei der Ausschüttung also „bevorzugt“.

  • Inhaberaktien: Der Name der Aktionärin, ist der AG nicht bekannt. Die Identität des derzeitigen Besitzers ist nur der jeweiligen Depotbank oder der Clearing Stelle, einer Abrechnungsstelle für Zahlungsforderungen aus Wertpapiergeschäften, bekannt. Aktien an andere Personen zu übertragen beziehungsweise über eine Börse zu verkaufen, ist mit den gängigen Inhaberaktien kein großes Problem.

  • Namensaktien: Der Aktionär ist der AG bekannt, wird ins Aktionärsregister eingetragen und die AG erfährt, wenn Aktien dieses Besitzers verkauft werden sollen. Bei einigen AG muss diese dem Übertrag der Aktien an einen neuen Aktionär zunächst zustimmen. Dieser Fall ist selten.

  • Junge Aktien und alte Aktien: Bei jungen Aktien oder auch neuen Aktien handelt es sich um zusätzliche Aktien, die bei der Kapitalerhöhung eines Unternehmens neu ausgegeben werden. Alte Aktien sind dagegen Anteilsscheine, die schon vor einer solchen Erhöhung auf dem Markt waren. Das Kriterium bei der Unterscheidung ist hier also der Ausgabezeitpunkt.

  • Stückaktien: Stückaktien sind heute weit verbreitet. Auch die drücken wie Nennwertaktien einen Anteil des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft aus. Dies aber nicht durch einen festen Wert, sondern relativ und in Prozentzahlen. Bei einem Grundkapital von 5.000€ und 5.000 verfügbaren Aktien beträgt der Wert pro Stück 0,02% (Rechnung 5.000€/5.000 Aktien = 1€, pro Aktie 0,02%).

  • Nennwertaktien: Nennwertaktien lassen sich mit Geldscheinen vergleichen und bezeichnen einen nominal festgelegten Anteil des Grundkapitals eines Unternehmens. Eine Aktie ist dann beispielsweise 5€ wert und das so unveränderlich wie ein Geldschein. Gibt ein Unternehmen 1.000 Aktien mit dem Nennwert 5€ aus, beträgt das Grundkapital der AG 5.000€. Seit Einführung des Euro gibt es diese Aktienform aber kaum noch.

Welche Aktiengattung man besitzt, kann man ebenso in den täglich veröffentlichten Kursblättern nachlesen, die die Tageskurse aller an der jeweiligen Börse gehandelten Wertpapiere darstellt. Das Kursblatt ist, etwas anders formuliert, ein offizielles Presseorgan der Börse, das alle Kurse und Daten aller Aktien abbildet, die an der jeweiligen Börse notiert sind.

Auszug aus einem Kursblatt der Börse Hamburg. | Bild: boersenag.de

Wie entstehen Aktienkurse?

Jedes an der Börse notierte Unternehmen hat einen Aktienkurs, eine Kurve mit Auf- und Abstiegen, die die Gewinne und Verluste eines Unternehmens zeigt. Das Gesamtbild nennt man Chart, eine grafische Darstellung von Kursverläufen verschiedenster Finanzprodukte. Aber was sind Aktienkurse genau und wie entstehen sie? 

Es sind das Angebot und die Nachfrage, die den Kurs einer Aktie an der Börse bestimmen. Gäbe es bei einem Unternehmen nur einen Verkäufer einer Aktie zu 5€ und ein Käufer würde zu diesem Preis zuschlagen, läge der Aktienkurs bei 5€.

Im echten Leben sind natürlich immer mehr Aktien von unterschiedlichen Anbietern zu unterschiedlichen Preisen auf dem Markt, die sich sekündlich ändern können. Hier werden dann Kauf- und Verkaufsangebote miteinander verglichen. Der Kurs bildet sich dann aus der Handelssituation, mit der der höchstmögliche Umsatz erzielt wird. Es wird also der Preis gesucht, zu dem die meisten Aktien den Besitzer wechseln.

Dieser Vorgang wird heute über ein digitales Orderbuch von elektronischen Handelssystemen wie zum Beispiel Xetra (Exchange Electronic Trading) durchgeführt.

Finanzprodukte können aber nicht nur klassisch an der Börse gehandelt werden, sondern auch außerbörslich gekauft und verkauft werden. Der „OTC-Handel“ steht dabei für „Over the Counter“ (über den Tresen), da der Handel nicht an der Börse, sondern meist direkt zwischen Käufer und Verkäufer stattfindet. Dieser Handel unterliegt keiner Börsenaufsicht und zeichnet sich durch längere Handelszeiten aus. Während der Xetra-Handel zum Beispiel nur von Montag bis Freitag zwischen 09:00 Uhr und 17:30 stattfindet, kann außerbörslich meist noch bis 23 Uhr gehandelt werden.

Außerhalb dieser Öffnungszeiten von Referenzbörsen wie Xetra zu handeln ist dennoch nicht ratsam. OTC Handelsplätze wie Gettex, L&S Exchange oder Tradegate, müssen sich zum Beispiel in den Öffnungszeiten von Xetra oder amerikanischen Referenzbörsen an deren Kursen orientieren. Diese Pflicht entfällt wenn diese Börsen geschlossen sind und der Handel kann deutlich teurer werden. Ob die dann angebotenen Preise für einen Handel noch marktgerecht sind, kann dann nicht mehr überprüft werden, da ein Referenzkurs fehlt. Handeln sollte also immer besser innerhalb der angesprochenen Zeiten stattfinden. Dort kann dann eine Order erstellt werden, die an einen Marktteilnehmer weitergeleitet wird.

Darum schwanken Aktienkurse (so stark)

Käufer und Verkäufer bestimmen den Kurs. Der ist aber keine festgelegte Größe, sondern schwankt stetig nach oben und unten. Manche gewinnen durch diese Schwankungen Geld, andere verlieren etwas. Manche Aktien schwanken mal stärker, andere kaum. Fakt ist, an der Börse ist alles in Bewegung. Das Aufsteigen und Abfallen der Aktienkurse umschreibt man auch mit dem Begriff der Volatilität, lateinisch für flüchtig. Aber warum sind Kurse flüchtig, warum geht die Kurve mal in die eine Richtung und mal in die andere? Dafür gibt es viele Ursachen und nicht immer sind sie rational nachzuvollziehen.

Ein Unternehmen wie Tesla kann zum Beispiel ein neues Produkt vorstellen, von dem sich viele Menschen etwas versprechen und das dem Unternehmen eine Menge Geld einbringen könnte. Durch diese Erwartungshaltung steigt die Nachfrage nach Tesla-Anteilen, die Verkäufer können höhere Preise je Aktie verlangen. Folglich steigt der Kurspreis, die Kurve geht nach oben. 

Umgekehrt können auch schlechte Nachrichten über Tesla die Runde machen. Die neue Produktlinie hat einen Systemfehler. Das muss noch nicht einmal 100% stimmen, aber auch Gerüchte können bei Aktionären für negative Stimmung sorgen. Die Folge: Aktien werden abgestoßen, um noch möglichst viel vom eigenen Vermögen zu retten. Die Nachfrage ist in solchen Zeiten aber verständlicherweise nicht hoch. Der Preis fällt, der Kurvenverlauf zeigt nach unten.

Panikverkäufe ist ein häufig genutzter Begriff für solche Situationen und zeigt, dass Psychologie eine zentrale Rolle bei der Kursentwicklung spielt. Es müssen nicht nur Neuigkeiten zu einem Unternehmen sein, die den Aktienchart durchrütteln, auch Veränderungen in der Branche können Auswirkungen haben.

In der Corona-Krise 2020 hat zum Beispiel die gesamte Tourismusbranche enorme Einbußen hinnehmen müssen. Das wirkt sich nicht nur auf den Kurs einer Firma aus, sondern bringt ganze Branchen ins Wanken. Einbrüche und Aufschwünge können unterschiedlich stark ausfallen und unterschiedlich lang andauern. In kurzen Zeiträumen müssen diese Veränderungen aber gar nichts mit Unternehmensnachrichten zu tun haben. Der Zufall kann ebenso eine Rolle spielen. Vielleicht haben sich zur gleichen Zeit viele Investoren dazu entschlossen, ihre Aktien bei einem bestimmten Preis zu verkaufen. Auch dann kann sich der Kurs verändern.

Wie ermittle ich den Wert einer Aktie?

Hinter dem eigentlichen Aktienkurs stehen viele Werte, die Anlegern Informationen darüber geben können, wie erfolgreich ein Unternehmen ist und welchen Wert eine Aktie hat. Denn nicht immer spiegelt der aktuelle Kurs unbedingt die Performance der Firma wider. Allgemein geht man davon aus, dass ein Unternehmen einen wahren Wert oder fairen Preis hat. Passt dieser Wert zum Beispiel aus subjektiver Sicht von Börsenexperten nicht mit dem aktuellen Kurs der Aktien an der Börse zusammen, kann das Wertpapier aus ihrer Sicht unter- oder überbewertet sein. Ebenfalls spielen so genannte Aktiensplits eine wichtige Rolle. Die folgenden Kennzahlen schauen sich Experten hierbei genauer an:

KennzahlBedeutung
Profitabilitätskennzahlen
UmsatzwachstumDer Umsatz ist die Summe von allen Verkäufen, die das Unternehmen geleistet hat. Das Umsatzwachstum zeigt an, wie sich dieser über die letzten Jahre entwickelt hat.
EBITDA-MargeDas EBITDA ist das Ergebnis abzüglich Fixkosten Kosten (Personal, Mieten etc.) und direkter Produktions- und Verkaufskosten. Noch nicht abgezogen sind hier Abschreibungen, Zinsen und Steuern. EBITDA-Marge kann dir also zeigen, wie erfolgreich ein Unternehmen wirtschaftet, da es das Ergebnis ins Verhältnis zum Umsatz setzt.
EingenkapitalrenditeGibt an, wie viel Rendite Aktionäre theoretisch erzielt haben und wird in Prozent angegeben (Rechnung: Jahresgewinn/Eigenkapital). Was am Ende nicht nur theoretisch übrig bleibt, ist der sogenannte CashFlow.
Bilanzkennzahlen
EigenkapitalquoteAnteil eigener finanzieller Mittel im Gegensatz zum Fremdkapital. Der Wert sollte nicht unter 25% liegen. Je höher, desto weniger verschuldet das Unternehmen (Rechnung: Eigenkapital/Bilanzsumme).
GearingJe geringer das Gearing, desto geringer die Verschuldungsquote des Unternehmens (Rechnung: [Schulden – Cash]/Eigenkapital). Abhängig von der Branche ist ein Gearing zwischen 10% und 40 % akzeptabel.
Bewertungskennzahlen
MarktkapitalisierungDrückt aus, wieviel das Eigenkapital eines Unternehmens an der Börse wert ist (Rechnung: Anzahl der Aktie x Aktien-Kurswert).
UnternehmenswertZur Berechnung werden zu der Marktkapitalisierung die Schulden addiert und die liquiden Mittel (Cash) abgezogen, um den wahren Wert des Unternehmens festzustellen. Die Logik dahinter: Wer das gesamte Unternehmen kauft, muss auch die Schulden übernehmen und könnte sich das Cash direkt auszahlen lassen.
Unternehmenswert/UmsatzMacht Unternehmensvergleiche möglich. Ist der Wert im Vergleich zu anderen Unternehmen in derselben Branche geringer, gilt das Wertpapier als unterbewertet und umgekehrt.
Unternehmenswert/EBITDAMacht Unternehmensvergleiche nach Abzug der Kosten, aber vor buchhalterischen Anpassungen, sichtbar und macht eine Einschätzung der Kosteneffizienz möglich. Je niedriger Ziffer, desto günstiger das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)Gibt an, wie häufig Investoren bereit sind, den Gewinn des Unternehmens zu bezahlen. Oder anders formuliert gibt es die Zahl der Jahre an, die ein Unternehmen braucht, um den Aktienwert als Gewinn zu erwirtschaftet (Rechnung: Marktkapitalisierung/Jahresgewinn oder Gewinn je Aktie/Aktienkurs).
Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)Gibt an, wie hoch der Aufschlag ist, den Investoren bereit sind auf das bilanzierte Eigenkapital zu zahlen. Liegt dieses Verhältnis unter 1, könnte man 1€ Eigenkapital für weniger als 1€ kaufen (Rechnung: Marktkapitalisierung/Eigenkapital).
CashflowCashflow bezeichnet den Wert, der übrig bleibt, wenn alle finanziellen Ströme in ein Unternehmen von den Strömen aus einem Unternehmen abgezogen werden. Also das Bargeld, das am Ende übrig bleibt. Gewinne lassen sich bilanztechnisch steuern, der Cashflow nicht. Daher basieren sich Investoren, so oft sie können, eher auf den Cashflow als auf den Gewinn.
Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)Das KVC gibt an, wie häufig Investoren bereit sind, diesen Cashflow zu bezahlen. Ein niedriger Wert im Vergleich zu Konkurrenten bedeutet auch hier eine Unterbewertung und umgekehrt (Rechnung: Marktkapitalisierung/operativen Cashflow).

Eine Kennzahl alleine hat für die Aktienbewertung keine Bedeutung. Nur in der Kombination, über einen längeren Zeitraum und im Vergleich mit Konkurrenten der Branche kann man eine Aussage über das Wertpapier treffen. Und selbst dann, mit dem Wissen um alle Kennzahlen und eine gründliche Recherche, ist man vor Verlusten nicht geschützt. Statt sich auf seine eigenen Analysen zu verlassen, ist eine breite Diversifikation besser, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Fundamentalanalyse vs. Chart-Technik

Bei der Aktienanalyse sind zwei Vorgehensweisen weit verbreitet und können auch gemeinsam genutzt werden.

Die Fundamentalanalyse geht, wie schon angesprochen, von einem fairen Wert aus, an den sich die Aktienkurve über kurz oder lang anpasst. Tritt dieser Fall ein, wird das Unternehmen von Experten als fair bewertet. Kommt die Analyse eines Experten also bei einem Unternehmen auf einen, seiner Meinung nach, fairen Wert von 10€, das Papier notiert aber nur bei 8€ an der Börse, gilt die Aktie als unterbewertet. Hierbei handelt es sich aber immer um subjektive Bewertungen, die du natürlich auch selbst nach deiner eigenen Fundamentalanalyse vornehmen kannst. Die Realität kann aber selbstverständlich immer von der eigenen Analyse abweichen.

In eine solche Analyse sollten dabei nicht nur Daten eines Unternehmens einfließen, sondern auch von Konkurrenten und der gesamten Branche. Normalerweise erfolgt in diesem Sinne eine Globalanalyse, eine Branchenanalyse und eine Unternehmensanalyse. Dabei wird unter anderem überprüft, welches Wachstumspotenzial ein Markt hat und wie sich ein Unternehmen im Vergleich zu anderen schlägt.

Es lohnt sich also nicht, allein das KGV von Tesla anzuschauen, sondern man muss es in Beziehung zu anderen Automobilherstellern sehen. Außerdem müssen Werte wie das KGV oder der Unternehmensgewinn immer historisch betrachtet werden: Welche Entwicklung nahmen diese Kennzahlen über die Jahre?

Bei der Chartanalyse geht es dagegen nicht direkt um Unternehmenskennzahlen. Mit Hilfe von verschiedenen Techniken wird der Aktienchart eines Unternehmens analysiert, um Aussagen über den zukünftigen Kursverlauf zu treffen. Es geht darum, Trends aufzudecken. Befindet sich ein Wertpapier zum Beispiel gerade im Aufschwung, gilt es zu überprüfen, ob sich der „Trendkanal“ weiter fortsetzt. Ob diese Strategie einer Chartanalyse wirklich funktioniert und aussagekräftig ist ist zweifelhaft.

Funktioniert Aktienbewertung?

An der Börse solltest du nie nach Gefühl kaufen, daher ist eine Aktienbewertung und damit ausführliche Beschäftigung mit dem Unternehmen deiner Wahl immer ein Muss, wenn du Stock-Picking betreiben möchtest. So kannst du, gerade im Vergleich mit Konkurrenten aus der gleichen Branche, den Wert eines Unternehmens und den Wert der Aktie besser einschätzen. Gegen alle unvorhergesehene Risiken kann dich zwar auch dieses Bewertungsschema nicht absichern.

Wir raten Privatinvestoren daher eher zu einer passiven Geldanlage in die Anlageklasse Aktien. Hiermit senkst du dramatisch dein Risiko beim Investieren, ohne an zu erwartender Rendite einbüßen zu müssen.

Was für Anlagestrategien gibt es?

Wer langfristig Erfolg am Aktienmarkt haben möchte, der muss eine klare Linie verfolgen, und das idealerweise über Jahrzehnte. Hierzu musst du die für dich passende Strategie finden.

Buy and Hold

Eine Strategie, die nicht nur für Anfänger geeignet ist, sondern auch von Starinvestoren wie Warren Buffet über Jahrzehnte erfolgreich praktiziert wurde. Einzelaktien von Unternehmen oder ETFs werden gekauft und langfristig gehalten. Man beachte den Plural. Es werden nicht nur Aktien von einer Firma erworben, sondern von vielen aus unterschiedlichen Branchen mit einem langen Anlagehorizont gehalten.

Dadurch gleichen sich Kursschwankungen schneller aus, wenn es dem einen Unternehmen schlecht geht und das andere gerade in neue Höhen aufsteigt. Langfristig meint in diesem Fall 20 Jahre oder sogar noch länger. In dieser Zeit wird von einer stetigen Wertsteigerung ausgegangen, die auch von Kursschwankungen nur kurzfristig aus der Bahn geworfen werden. Und zumindest der Blick in den Rückspiegel stimmt dieser Theorie zu.

Der Kursindex S&P 500, der die 500 größten börsennotierten Unternehmen in Amerika abbildet, stieg seit den 1930 Jahren kontinuierlich an. Wer damals also schon breit gefächert investierte, wäre heute ein reicher Mann oder eine reiche Frau – trotz Schwankungen.

Die Buy and Hold-Strategie befreit dich kurz gesagt von dem Irrtum, mit dem richtigen Timing and der Börse dauerhaft Gewinne einzufahren.

Index-Strategie

Hier liegt der Fokus nicht auf Einzelaktien, sondern auf einem kompletten Aktienindex wie dem DAX, der die Wertentwicklung der 30 größten deutschen Unternehmen abbildet. Noch besser setzt man bei einer Indexing Strategie nicht nur auf ein Land, sondern einen oder mehrere Indizes, die die ganze Welt abbilden, wie beispielsweise den FTSE All World. Mit einem ETF lässt sich dann dieser Index in dein Depot holen und nachbilden. Gewinnt der Index, gewinnt ebenso der ETF (siehe Abschnitt: Investieren in ETFs ist breites Investieren in Aktien).

Dividendenstrategie

Bei dieser Strategie steht eine regelmäßige Dividenden-Ausschüttung und die Kursentwicklung des Wertpapiers im Mittelpunkt. Die Unternehmen, die aus historischer Perspektive zuverlässig eine Gewinnbeteiligung ausschütten, werden bevorzugt. Problem: Wirklich zuverlässig ist an der Börse nichts. Selbst Unternehmen, die über einen langen Zeitraum ihre Dividenden ausschütten, können die Zahlung aus wirtschaftlichen Gründen kürzen oder bleiben lassen.

Dividenden sind nämlich keine Zinsen und nirgendwo vertraglich vorgeschrieben. Der Anleger hat keine Kontrolle über die Ausschüttung. Außerdem handelt es sich bei dieser Methode weniger um eine Strategie als mehr eine Präferenz. Manche setzen lieber auf Kursanstiege, andere setzen auf weniger wachstumsfreudige Unternehmen, die aber eine regelmäßige Dividende auszahlen.

Antizyklische Anlagestrategie

Auf den Loser setzen, das bedeutet antizyklisches Investieren. Aktien werden gekauft, wenn sie im Wert fallen und aus Expertensicht keinen Erfolg versprechen. Kommt es dann wieder zu einer Kurssteigerung, verkaufen die Aktionäre mit hohem Gewinn, da sie billig eingestiegen sind. Auf der anderen Seite können die Kurse aber noch weiter in den Keller gehen oder ewig dort verweilen. Langfristige Entwicklungen lassen sich bei einem Unternehmen nur schwer voraussagen.

Prozyklische Anlagestrategie

Never change a winning team. Eine prozyklische Strategie setzt auf Unternehmen, die aktuell gut performen und das auch in absehbarer Zukunft noch tun. Es wird davon ausgegangen, dass sich ein positiver Trend weiter fortsetzt. In Stein gemeißelt ist der Erfolg aber nicht. Mit Pech steigt man teuer ein, wenn der Kurs danach in den Keller geht.

Value Investing Strategie

Value-Aktien (Substanzswerte) sind Wertpapiere, die im Vergleich zum Gesamtmarkt ein geringes Wachstum aufweisen, mit großen Umsatzsprüngen ist in Zukunft nicht mehr zu rechnen. Dafür sind jedoch die Gewinne recht konstant und unterliegen kaum Schwankungen. Das Geschäftsmodell ist in den meisten Fällen sehr solide und es wird in naher Zukunft nicht viel Kapital benötigt, um die Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten. Gewinne in Form von Dividenden werden daher eher an die Aktionäre ausgeschüttet als in das Unternehmen reinvestiert. Substanzwerte werden meist ganz klassischen Branchen wie Automobil, Finanzen oder Stahl zugeordnet. 

Demgegenüber stehen Growth-Aktien mit einem Wachstum, das über dem Marktdurchschnitt liegt. Häufig sind diese Werte in der Technologiebranche zu finden und sind bei Investoren sehr beliebt und in der Fachpresse prominent vertreten. Growth-Unternehmen investieren sehr viel in ihr Geschäft, wodurch Gewinne eher gering ausfallen und die Dividendenrendite sehr gering oder sogar gar nicht vorhanden ist. Investoren hoffen, dass der meist rasante Kursanstieg auch in Zukunft Bestand hat.

Faktor-Investing

Faktoren oder auch Faktorprämien sind bei Aktien statistische Treiber von Risiko und Rendite. Durch eine Überbewertung einer oder mehrerer dieser Faktoren im eigenen Portfolio verspricht man sich eine Zusatzrendite im Vergleich zu einer breit gestreuten Investition in den weltweiten Aktienmarkt – und das meist auch noch nach Abzug der höheren Verwaltungskosten. Es wird also ganz bewusst das Risiko des eigenen Portfolios durch eine solche Überbewertung einer Aktiengruppe nach oben geschraubt, um mit mehr erwarteter Rendite rechnen zu können. 

Beispiel Schwellenland-Faktor (Emerging Markets): Der erreichte in der Vergangenheit höhere Renditen als Industrieländer und macht zur Zeit um die 10% der weltweiten Marktkapitalisierung aus. Wer bei seiner Anlage dann über diesen Wert geht, der hat keine einfache Beimischung, sondern betreibt Factor-Investing. Einer der bekanntesten Faktoren ist übrigens der Small Cap-Faktor. Dabei wird überproportional in kleine Unternehmen mit kleiner Marktkapitalisierung investiert, da die im Vergleich zu großen Playern statistisch höhere Renditen erzielen. 

Man kann sogar in mehrere Faktoren gleichzeitig investieren und landet damit im Multifaktor-Investing. Dabei gibt es aber keine Garantie, allein durch die Investition in Faktoren höhere Rendite zu erzielen, da es keine risikofreie Anlage ist. Zusätzlich kann die Rendite beispielsweise auch schnell von den vergleichsweise hohen Verwaltungskosten von Faktor-ETFs verschlungen werden.

Trading / Kurzfristige Investitionen

Sie sind Rendite-Jäger. Anleger, die der Trading-Strategie folgen, ist es erstmal egal, in welche Unternehmen sie investieren. Hauptsache Kohle kommt rein – und das möglichst schnell, meist innerhalb eines Tages, daher auch der Begriff Daytrading. Ziele bei der Rendite bewegen sich im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr. Es wird auf Handelssignale geachtet, dann schnell gekauft und noch schneller wieder verkauft. Für Anfänger aber auch Fortgeschrittene keine gute Idee, da manche Manöver dem Glücksspiel sehr nahe kommen. Stressresistent muss man sowieso sein. Und selbst dann hat kaum einer Erfolg mit dieser Strategie. Der amerikanische Finanzökonom Brad Barber untersuchte beispielsweise mit Kollegen die Handelsaktivitäten von Hunderttausenden Daytradern in Taiwan. Das Ergebnis: Von 450.000 Daytradern konnten nur 4.000 Gewinne erzielen. 99% machten Verluste. 

Investieren: So verdienst du Geld mit Aktien

Jetzt hast du einen ersten Überblick darüber bekommen, was Aktien sind, welche Anlagestrategien es gibt und wie die Börse funktioniert und willst vielleicht gleich selbst loslegen. Aber was braucht man eigentlich, um in mit Aktien zu handeln? Hier eine kleine Checkliste:

  • Aktiendepot bei einer Bank bzw. Online-Broker

  • WKN oder ISIN

Um ein Depot kommt man beim Wertpapierhandel nicht herum. Das Depot ist das Hauptquartier deiner Finanzgeschäfte, eine Art Lager für deine Wertpapiere. Dazu gehört ein Verrechnungskonto, mit dem Aktien und andere Finanzprodukte gekauft und verkauft werden können. Auf dem Verrechnungskonto werden somit alle Transaktionen abgebildet.

Dein Depot eröffnen kannst du sowohl bei einer klassischen Filialbank als auch bei Direktbanken und Neo-Brokern im Netz. Es lohnt sich hier ebenso ein Vergleich der Ordergebühren. Diese Kosten kommen unter anderem auf dich zu, wenn du Aktien kaufst oder wieder verkaufst und variieren von Anbieter zu Anbieter.

Wenn du dich über die verschiedenen Anbieter genauer informieren willst, findest du hier auch unseren Depot-Vergleich.

Ist dein Depot eröffnet, kannst du mit dem Investieren beginnen. Jede AG an der Börse besitzt eine eigene WKN und ISIN-Nummer. Beides sind Wertpapierkennnummern, die erste nur für den deutschen Raum, letztere ist die international gültige Kombination. In deinen Online-Depot kannst du im Suchfeld mit einer dieser Nummern die Aktie des das entsprechende Unternehmen finden.

Ordertypen

Aktien kaufen ist nicht gleich Aktien kaufen. Wenn ein Anleger bei seinem Anbieter eine Kaufs- oder Verkaufsorder hinterlegt, gibt es immer mehrere Möglichkeiten, wie diese Order, also der Kauf, ausgeführt werden kann.

OrdertypBeschreibung
Market OrderDie Order wird so schnell wie möglich abgewickelt. Die Aktien werden entweder billigst gekauft oder bestens verkauft. “Billigst” bedeutet in diesem Fall, dass der Kauf einer Aktie an der Börse mit dem Verkäufer getätigt wird, der zum aktuellen Zeitpunkt der billigste ist. “Bestens” bedeutet dagegen, dass die Aktie zum in diesem Moment besten Preis an der Börse verkauft wird. Dabei wird beim Verkauf oder Kauf aber nicht unbedingt der beste Preis erzielt. Die Wertpapiere können an dem Handelstag durchaus noch zu einem günstigeren Preis gekauft oder zu einem höheren Preis verkauft werden. Die Market Order führt den Vorgang nur zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum dann geltenden Marktpreis aus.
Stop OrderDie Transaktion (kaufen oder verkaufen) wird dann ausgeführt, wenn der Preis ein Niveau über- oder unterschreitet. Beim Verkauf besteht zum Beispiel der Vorteil, ein Limit nach unten festzulegen, bei dem Anteile in jedem Fall abgestoßen werden und so sich ausweitende Verluste abwenden lassen, ohne das man anwesend sein muss.
Stop BuyDer Aktienkauf erfolgt bei Erreichen eines festgelegten Kurses. Der Trade wird dann wieder als Market Order billigst ausgeführt.
Stop LossBeim Verkauf von Aktien relevant. Wird ein vorher festgelegter Preis erreicht oder unterschritten, erfolgt der Verkauf bestens. Danach spielt es keine Rolle, ob der Preis mit dem festgelegten Kurs übereinstimmt.
Limit OrderEine Handelsanweisung, die ausgeführt wird, wenn ein bestimmtes Preisniveau erreicht wird, das vorteilhafter als der aktuelle Kurs einer Aktie ist. Bei einer Limit Order kann so mit einer Einstiegsorder ein Höchstpreis festgelegt werden, zu der man kaufen möchte bzw. eine Ausstiegsorder für einen Mindestpreis zu dem man verkaufen möchte. Eine Tesla-Aktie kostet 100€. Sollte das Papier auf 95€ fallen, möchte ich mit einer Einstiegsorder zuschlagen. Sollte die Aktie danach auf 105€ steigen, wurde bereits eine Ausstiegsorder platziert, um so Gewinne sicher mitzunehmen. Nachteil: Meine Grenzen müssen nie erreicht werden und meine Order verläuft ins Leere.
Stop Limit OrderKombination aus Limit- und Stop Order. Bei Erreichen des Stops erfolgt der Trade aber nicht billigst oder bestens, sondern wandelt sich in eine Limit Order. Preise über dem Limit werden beim Kauf nicht ausgeführt, genau wie Verkäufe unter dem Limit nicht stattfinden.

Tipp: Nicht jeder Ordertyp ist bei jedem Broker möglich und bei manchen nur zu hohen Summen ausführbar. Auch darüber lohnt es sich bei der Wahl des Depotanbieters zu informieren.

Diese Ordertypen finden übrigens nur Anwendung, wenn du einmalig investierst oder verkaufst. Du kannst jedoch auch per Sparplan Geld anlegen: dann wird der Kauf automatisiert an dem von dir festgelegten Ausführungstag und zum tagesaktuellen Kurs durchgeführt.

Die unbegründete (?) Angst der Deutschen vor Aktien

Die Deutschen sind kein Freund von Aktien und sind es auch noch nie gewesen. Die Börse wird nicht selten noch mit Kasinos verglichen. Hier wie dort kann man an einem Abend sein ganzes Vermögen verspielen .Selbst wenn die Zinsen bei klassischen Sparangeboten wie Sparbuch Tages- oder Festgeldkonten im Keller sind, sträubt man sich hierzulande, den Aktienmarkt als ernsthafte Alternative für den Vermögensaufbau zu akzeptieren.

Das zeigen auch die Zahlen. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) besaßen im Jahr 2019 ungefähr 9,7 Millionen Menschen Aktien oder Aktienfonds, 660.000 Personen weniger als noch im Vorjahr. Nur jeder siebte Bundesbürger über 14 Jahren ist an der Börse aktiv, was einer Aktionärsquote von 15,2% entspricht. Eine magere Zahl im internationalen Vergleich. In den USA und Japan liegt der Wert zwischen 20% und 50%.

Woher kommt also die Skepsis in einem Land, dessen Sparquote laut der DZ Bank im Jahr 2020 auf den Rekordwert von 16% steigen könnte? Zunächst einmal: Es gibt Gründe, Aktien mit Vorsicht zu behandeln und es gibt Gründe, warum es vor allem Deutsche tun. Mit Aktien kann man spekulieren, riskante Geschäfte eingehen und gerade besonders krachende Verluste werden in den Nachrichten thematisiert. Im Gegensatz zu Sparbüchern kann das eingezahlte Geld in Aktien ruckartig große Verluste erleiden. Und als es einige dennoch versuchten, ging es schief. Der vielversprechende Börsentraumeinstieg der Telekom-Aktie in den 90er-Jahren platzte nach kontinuierlichen Wachstum zu Beginn des neuen Jahrtausends wie die gesamte Dotcom-Blase. Viele (Erst-)Investoren verloren Geld.

Damals befand sich die Aktionärsquote laut DAI noch auf einem vorzeitigen Höchststand mit 6,2 Millionen Aktionären. 1996 waren es nur 3,7 Millionen. Dabei lohnt es sich in Zeiten von Niedrigzinsen wieder, intensiv über Börsengeschäfte nachzudenken. Denn nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten als Anfänger, breit diversifiziert in Aktien und andere Finanzprodukte zu investieren.

Risiko bei Aktieninvestitionen reduzieren

Alle Risiken kannst du beim Aktienhandel nicht eliminieren. Das ist auch gut so denn die Rendite am Aktienmarkt ist die Belohnung für deine Bereitschaft Risiken zu tragen. 

Unabhängig von deiner Anlagestrategie kannst du mit einigen Vorsichtsmaßnahmen deinen Börsenausflug etwas komfortabler gestalten. Dabei sind vor allem zwei Risikofaktoren relevant: das Marktrisiko und das unternehmensspezifische Risiko. Das unternehmensspezifische Risiko beschreibt, dass jedes Unternehmen von einem auf den anderen Tag abstürzen kann. Man denke nur an die Dieselgate Affäre von Volkswagen oder den aktuellen Wirecard-Skandal und die darauffolgende Insolvenz des Unternehmens.

Als Aktionär, der nur Einzelaktien von diesem einst aufstrebendem Unternehmen besaßt, hast du ein großes Problem und wirst große Verluste akzeptieren müssen. Das unternehmensspezifische Risiko lässt sich aber relativ gut nahe Null reduzieren, wenn an der Börse nicht nur auf ein Pferd gesetzt wird.

Diversifikation

Investitionen werden über möglichst viele Unternehmen und Branchen gestreut. Damit profitierst du von der Rendite des gesamten Aktienmarktes und nicht zur von einer einzelnen AG. Man sichert zusätzlich das Vermögen gegen große Verluste ab und profitiert langfristig vom Wirtschaftswachstum; auch wenn nicht jede Branche gleich schnell anzieht oder mal durchhängt. Diese beiden Komponenten werden in einem Finanzprodukt besonders gut gemischt: dem ETF.

Das Marktrisiko hingegen lässt sich nicht durch Diversifikation reduzieren. Selbst wenn das Kapital über viele verschiedene Unternehmen gestreut wurde, kann eine Weltwirtschaftskrise die Kurse vieler verschiedener Branchen in den Keller treiben. Nicht selten werden dann aus Furcht vor noch größeren Verlusten Aktien verkauft. Mit dieser unvermeidbaren Volatilität muss man leben – und das sollte man auch, denn die zu erwartenden Rendite aus deiner Investition am Aktienmarkt ist deine Belohnung für die Bereitschaft, diese Risiken zu tragen und Schwankungen auszusitzen. 

Geld mit einem langen Anlagehorizont anlegt

Wer während einer Finanz-, Börsen- oder Wirtschaftskrise seine Aktien abstößt, der verpasst die Chance, danach wieder in positive Kursregionen zu gelangen. Wer breit und über viele Jahre in den Aktienmarkt als Ganzes investiert, der profitiert von einer stetig wachsenden Weltwirtschaft. Historisch gesehen konnte sich die Weltwirtschaft bisher nach jeder Krise erholen. Verlust machte nur derjenige, der zu früh ausstieg. Diese beiden Komponenten, Diversifikation und ein langer Anlagehorizont, lassen sich in einem Finanzprodukt besonders gut realisieren: dem ETF.

Auf das Geld, dass du beim Handel mit Aktien zurück greifst, solltest du verzichten können – unabhängig von deinem Anlagehorizont. Und vor allem: Nicht mit Geld handeln, dass du dir geliehen hast oder das du kurzfristig für andere Ausgaben eingeplant hast.

Investieren in ETFs ist breite gestreutes Investieren in Aktien

Der ETF (Exchange Traded Fund) ist ein passiv gemanagter Fond. Fonds an sich sind Investments, bei denen Geld von Anlegern eingesammelt wird und in viele verschiedene Wertpapiere investiert wird. Der große Vorteil ist hier also die Risikostreuung, da nicht nur in eine Aktie oder Anleihe investiert wird. Anleger profitieren so von potenziellen Wertsteigerungen vieler Papiere, bzw. einer ganzen Anlageklasse. 

Der passiv gemanagte Fond, oder eben ETF, zielt darauf ab, die Kursstruktur eines Index möglichst originalgetreu abzubilden. Die Punktgewinne des Index sind also auch die Gewinne des ETF-Anlegers, abzüglich der Verwaltungskosten. Die fallen aber bei ETFs wesentlich geringer aus als bei aktiv gemanagten Fonds, da viele Vorgänge automatisch ablaufen. Um breit und kostengünstig zu investieren, führt daher kein Weg an ETFs vorbei.

Zwar kann man heute auch in ETFs investieren, die nur bestimmte Branchen oder Segmente wie den Tech-Bereich abbilden, ein Weltportfolio wie der globale Aktienindex MSCI World, der die Kurse von über 1.600 Unternehmen aus aller Welt unter sich vereint, sollte aber erste Wahl bleiben.

Viel Geld muss man für die Investitionen übrigens auch nicht in die Hand nehmen. Viele Online-Broker bieten Sparpläne auf ETFs oder auch Aktien an. Schon mit 25€ im Monat kann das Investieren dann starten und so ETFs oder Aktien nicht nur zu einem mutigen Experiment werden lassen, sondern zu einer Säule im Vermögensaufbau, die Sparbücher und Tagesgeldkonten nicht mehr sind.

Häufig gestellte Fragen

  • Was sind Aktien?

    Aktien sind Wertpapiere und Anteile an Unternehmen bzw. deren Aktiengesellschaften, die an der Börse gekauft und verkauft werden können.

  • Wie kaufe ich Aktien?

    Zunächst muss ein Depot bei einer Hausbank oder einem Online-Broker eröffnet werden. Auf diesem Konto kann dann für Aktien und andere Finanzprodukte eine Order abgegeben werden.

  • Wie verkaufe ich Aktien?

    Ähnlich wie beim Kauf gibst du auch beim Verkauf eine Order über dein Depot ab, dass du deine Aktien verkaufen willst. Das Ziel ist immer, Aktien teurer zu verkaufen als sie eingekauft wurden.

  • Was passiert mit Aktien bei einer Übernahme?

    Mit einer Übernahme gehen deine Aktien natürlich nicht verloren. Der Übernehmer wird dir ein Angebot unterbreiten, deine Wertpapiere abzukaufen oder dir ein Tauschangebot machen. Deine Aktien werden dann gegen Aktien des Neueigentümers getauscht und du bleibst weiter Aktionär.

  • Was passiert mit Aktien bei einer Fusion?

    Das kann von Fusion zu Fusion unterschiedlich sein. Generell besteht aber die Möglichkeit, neue Aktien des Unternehmens zu einem festen Umtauschverhältnis ins eigene Depot zu übernehmen.

  • Was passiert mit Aktien bei einer Insolvenz?

    Aktionäre sind keine Gläubiger, sondern Anteilseigner. Daher fällt bei einer Insolvenz selten etwas für Anleger ab, da sie mit ihren Entschädigungen hinten anstehen.

  • Wie werden Aktien versteuert?

    Kapitalerträge wie Dividendenauszahlungen oder Kursgewinne nach einem Aktienverkauf müssen versteuert werden. Der Steuersatz liegt bei 25% plus eines Solidaritätszuschlags von 5,5% und gegebenenfalls der Kirchensteuer mit 8% oder 9% der Kapitalertragssteuer.

  • Was bringt es Aktien zu besitzen?

    Aktien können ein wichtiger Baustein im Vermögensaufbau sein und versprechen höhere Renditen als klassische Finanzprodukte wie Sparbüchern oder Tagesgeldkonten.

  • Warum steigen oder fallen Aktien?

    Aktienkurse steigen oder fallen aufgrund von Angebot und Nachfrage. Gibt es viele Kaufinteressierte aber nur wenige Verkäufer für ein Wertpapier, steigt der Kurs oder umgekehrt. Die Gründe für ein höheres oder niedrigeres Kaufinteresse sind dabei von vielen Faktoren abhängig.

  • Warum schwanken Aktien so stark?

    Schwankungen von Wertpapieren können unterschiedlichste Gründe haben und nur wenige sind rational erklärbar. Schlechte bzw. gute Unternehmensnachrichten, eine sich verändernde Branche oder Wirtschaftskrisen können Kurse in Schwingung bringen. Fakt ist: Ohne Volatilität geht es an der Börse nicht.