So kannst du deine Kirchensteuer berechnen & sparen

Mortimer Glückstein
Stand:

Bist du als in Deutschland lebender Steuerzahler Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche, musst du Kirchensteuer zahlen. Jedoch kannst du dich auch als Mitglied von der Kirchensteuer befreien lassen. Der Satz beträgt immerhin 9% des Einkommenssteuersatzes, bzw. 8% in Bayern und Baden-Württemberg.

Kirchensteuer-Rechner
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monatlich
jährlich
8%
Inhalte

So funktioniert der Kirchensteuer-Rechner

Mit unserem Kirchensteuer-Rechner kannst du deine monatliche oder jährliche Kirchensteuerlast berechnen. Da diese, wenn du kirchensteuerpflichtig bist, monatlich automatisch von deinem Bruttolohn abgezogen wird, fällt sie oft nicht besonders auf – es können jedoch jährlich mehrere hundert Euro zusammen kommen. Es lohnt sich also, sich die Höhe der Steuer vor Augen zu führen.

Bruttolohn

Im ersten Feld gibst du deinen Bruttolohn ein. Der Bruttolohn ist dein Gehalt vor Abzug jedweder Steuer oder Sozialabgabe. Du findest ihn auf deiner Lohnabrechnung und er ist, da zum Beispiel die Lohnsteuer noch abgezogen wird, der höchste Betrag, den du auf der Abrechnung finden wirst.

Zeitraum

Du kannst dich entscheiden, ob du deinen monatlichen oder jährlichen Bruttolohn angeben möchtest. Im Ergebnis wird dir dennoch die Höhe der Kirchensteuer pro Monat und pro Jahr angezeigt.

Abrechnungsjahr

Gib an, ob du die Höhe deiner Kirchensteuerlast für das vergangene oder das aktuelle Jahr kalkulieren möchtest, da sich der Prozentsatz von Jahr zu Jahr unterscheiden kann.

Steuerklasse

Je nach Steuerklasse verändert sich dein Lohnsteuersatz. Da die Kirchensteuer anhand der Lohnsteuer errechnet wird, ist es wichtig, dass du die korrekte Steuerklasse angibst. Als lediger Single hast du automatisch Lohnsteuerklasse 1.

Bundesland

Je nach Bundesland ist die Kirchensteuer unterschiedlich hoch. Gib an, in welchem Bundesland du lebst und gemeldet bist.

Kinder

Hast du Kinder, verringert sich dein zu versteuerndes Einkommen. Ein sogenannter Kinderfreibetrag wird pro Kind von deinem Bruttolohn, der als Grundlage für die Höhe der Lohnsteuer dient, „abgezogen“. Wird ein Kind zum Beispiel in eine neue Ehe mitgebracht, zählt es als „ein halbes Kind“, wenn es um die Berechnung des Kinderfreibetrags geht.

Ergebnis

Nachdem du auf „berechnen“ geklickt hast, kalkuliert der Kirchensteuer-Rechner sowohl die fällige Lohnsteuer als Grundlage für die Kirchensteuer, als auch die Höhe der Kirchensteuer, jeweils monatlich und für das ganze Jahr.

Kirchensteuer berechnen nach Formel

Die Formel zur Berechnung der Kirchensteuer setzt sich aus 2 Schritten zusammen:
Im ersten Schritt wird die Höhe der Lohnsteuer anhand der Steuerklasse errechnet. Außerdem werden etwaige Kinderfreibeträge berücksichtigt.
Im zweiten Schritt wird, je nach Bundesland, die Kirchensteuer anhand der zu entrichtenden Lohnsteuer errechnet.

Bruttolohn (gegebenenfalls abzüglich Kinderfreibetrag) x Lohnsteuersatz x 8% bzw. 9%

Wie hoch ist die Kirchensteuer?

Die Höhe der Kirchensteuer richtet sich in erster Linie danach, wie hoch dein Bruttoeinkommen ist. Je höher der Bruttolohn, desto mehr Lohnsteuer musst du zahlen – da sich die Kirchensteuer an der Lohnsteuer orientiert, erhöht sich also auch die abzuführende Kirchensteuer.

Im Umkehrschluss bist du auch nur kirchensteuerpflichtig, wenn du lohnsteuerpflichtig bist. Übst du beispielsweise eine geringfügige Beschäftigung („Mini-Job“) aus, zahlst du weder Lohn- noch Kirchensteuer.

Die Höhe der Kirchensteuer beträgt in allen Bundesländern außer Bayern und Baden-Württemberg einheitlich 9% der Lohnsteuer. In Bayern beträgt der Kirchensteuersatz 8% der Lohnsteuer. Die niedrigere Kirchensteuer Bayerns wird mit dem sogenannten Kirchgeld begründet. Das Kirchgeld ist eine Pauschale, die jeder kirchensteuerpflichtige Steuerzahler abführen muss. Die dadurch höhere Belastung wird durch den etwas niedrigeren Kirchensteuersatz ausgeglichen.

Wer zahlt Kirchensteuer und wer nicht?

Die Grundvoraussetzung für die Kirchensteuerpflicht ist der Hauptwohnsitz in Deutschland. Außerdem gilt diese Steuer nicht für alle Glaubensgemeinschaften. Folgende Glaubensgemeinschaften dürfen in Deutschland Kirchensteuer erheben:

  • Evangelische Kirche in Deutschland
  • Katholische Bistümer der Alt-Katholiken
  • Bistümer der Römisch-Katholischen Kirche
  • Französische Kirche zu Berlin
  • Unitarische Religionsgemeinschaft Freie Protestanten
  • Jüdische Gemeinden
  • Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona
  • Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg
  • Israelitische Religionsgemeinschaften
  • Freireligiöse Gemeinden

Andere Religionsgemeinschaften, wie zum Beispiel der Buddhismus oder der Islam dürfen in Deutschland keine Kirchensteuer erheben, da sie nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts gelten.

Kirchensteuer sparen – so geht’s

Wie bereits erwähnt, kann die Kirchensteuer jährlich mehrere Hundert Euro betragen – bei Menschen, die sehr gut verdienen, kann es sogar 4- oder 5-stellig werden. Möchtest du dieses Geld sparen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, denn die Kirchensteuer ist eine der wenigen Steuern, die sich relativ leicht vermeiden lässt. Im Folgenden erklären wir dir 3 Wege, die Kirchensteuerlast zu senken oder ganz zu vermeiden.

Kirchensteuer kappen

Ab einem bestimmten Einkommen kannst du die Kirchensteuer „kappen“, das bedeutet, dass du nicht mehr die vollen 8% oder 9% abführst, sondern weniger. Die Kappung ist in allen Bundesländern außer Bayern möglich. Damit die Kappung greift, muss die sogenannte Kappungsgrenze überschritten werden – diese ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Die Kappungsgrenze wird in Prozent angegeben und gibt an, wie viel Prozent deines jährlichen Bruttoeinkommens du maximal für die Kirchensteuer aufwenden musst –liegst du darüber, wird maximal die für dich günstigere Kirchensteuer abgeführt.

Beispiel

In Berlin liegt die Kappungsgrenze bei 3% – ist deine Kirchensteuerlast also höher als 3% deines Jahresbruttoeinkommens, beträgt die Kirchensteuer maximal 3% des Bruttojahreseinkommens.
Gehen wir davon aus, dass das jährliche Bruttoeinkommen 200.000€ beträgt. Bei Steuerklasse 1 (ohne Kinder) muss jährlich Kirchensteuer in Höhe von 6.288€ abgeführt werden. 3% von 200.000€ sind jedoch nur 6.000€ – also muss mit greifender Kappung nur der maximale Betrag von 6.000€ gezahlt werden – eine Ersparnis von 288€.

Außerdem musst du in einigen Bundesländern die Kappung der Kirchensteuer beantragen, in anderen geschieht es automatisch, so dass du nichts weiter unternehmen musst. Zur besseren Übersicht haben wir die relevanten Daten hier zusammengefasst:

BundeslandKirchensteuersatz (x% der Lohnsteuer)Kappungsgrenze (x% des Brutto-Einkommens)Antrag muss gestellt werden
Baden-Württemberg8%2,75%Ja
Bayern8%Keine Kappung möglich
Berlin9%3,0%Nein
Brandenburg9%3,0%Nein
Bremen9%3,5%Nein
Hamburg9%3,0%Nein
Hessen9%3,5%Ja
Mecklenburg-Vorpommern9%3,0%Nein
Niedersachsen9%3,5%Nein
Nordrhein-Westphalen9%3,5%Ja
Rheinland-Pfalz9%3,5%Ja
Saarland9%3,5%Ja
Sachsen9%3,5%Nein
Sachsen-Anhalt9%3,5%Nein
Schleswig-Holstein9%3,0%Nein
Thüringen9%3,5%Nein

In Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westphalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gilt außerdem die Kappungsgrenze nur für die evangelischen Kirchen in diesen Bundesländern, für katholische Diözesen liegt sie bei 4% bzw. 3,5% (Baden-Württemberg).

Kirchensteuer zurückholen

Die Kirchensteuer ist, wie auch das Kirchgeld, unbeschränkt als Sonderausgabe abzugsfähig, kann also in der Einkommenssteuererklärung als Sonderausgabe angegeben werden. So wird das Bruttojahreseinkommen als Berechnungsgrundlage für die Höhe der Lohnsteuer vermindert. Durch die sinkende Steuerlast und eine etwaige Steuererstattung kannst du dir so etwas von der Kirchensteuer „zurückholen“.

Kirchensteuer durch Austritt sparen

Wer die Kirchensteuer komplett sparen möchte, kann die monatliche Zahlung tatsächlich auch sehr unkompliziert vermeiden. Um keine Kirchensteuer mehr zahlen zu müssen, ist ein Kirchenaustritt nötig. Der Kirchenaustritt kann beim Standesamt beantragt werden, dafür wird nur der Personalausweis oder ein gleichwertiges Ausweisdokument benötigt. In einigen Bundesländern wird eine Gebühr fällig.
Nach erfolgter Bearbeitung des Antrags endet die Kirchensteuerpflicht in der Regel im Folgemonat.

Wofür wird die Kirchensteuer verwendet?

Die Frage, ob man aus der Kirche austritt, oder nicht, sollte natürlich keine Frage des Geldes sein. Schließlich werden mit den Einnahmen auch viele soziale Projekte vorangetrieben und auch Gotteshäuser, Tafeln etc. müssen finanziert werden. Die Kirchensteuer ist die Haupteinnahmequelle der evangelischen und katholischen Kirche.

Der größte Teil der Einnahmen wird aufgewendet, um das Personal zu bezahlen. Weitere Kostenpunkte sind der Bau und die Instandhaltung von Gebäuden, Versorgungsansprüche oder Rücklagen.

Häufig gestellte Fragen

  • Zahlen alle Religionen Kirchensteuer?

    Nein. In Deutschland haben nur die Glaubensgemeinschaften ein Anrecht auf die Kirchensteuer, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts gelten. Dazu zählen in Deutschland unter anderem die evangelische Kirche, katholische Bistümer und jüdische Gemeinden.

  • In welchem Bundesland ist die Kirchensteuer am höchsten?

    Die Kirchensteuer ist in allen Bundesländern bis auf Bayern und Baden-Württemberg gleich hoch, sie beträgt 9% der Lohnsteuer.

  • Wie hoch ist die Kirchensteuer?

    Die Kirchensteuer wird auf Grundlage der Lohnsteuer errechnet und beträgt 8% in Baden-Württemberg und Bayern und 9% in den restlichen Bundesländern.

  • Wer kann die Kirchensteuer kappen?

    Alle Bundesländer außer Bayern erlauben die Kappung der Kirchensteuer, sodass nicht mehr der volle Betrag gezahlt werden muss. Das ist in erster Linie für Menschen mit einem sehr hohen Einkommen interessant.