Warum passives Investieren in ETF sinnvoll ist

Ana Bilandzija
Stand:
Was du wissen solltest
  • Passives Investieren bedeutet, auf den Markt zu setzen: Statt einzelne Wertpapiere herauszupicken, vertraust du auf die Marktrendite.
  • Nur ein Bruchteil der Fondsmanager erzielen eine Rendite, die höher ist als die Marktrendite. Ein klares Argument für passives Investieren – hier ist dir die Marktrendite sicher.
  • Passives Investieren ist wesentlich günstiger als aktives Investieren 
  • Du sparst viel Zeit: Passives Investment ist effizient, du musst dich nicht mit Unternehmenskennzahlen auseinandersetzen.
  • Passive Anlagen wie ETFs sind rational und folgen klaren Regeln – aktiv gemanagte Anlagen (z. B. Stockpicking oder aktiv gemanagte Fonds) sind nie frei von Emotionen.
  • Der Steuerstundungseffekt durch buy and hold macht es möglich, dass dein Geld länger für dich arbeitet: Steuern zahlst du erst, wenn du deine Gewinne realisierst – je länger der Anlagehorizont, desto mehr Chance auf zusätzliche Rendite.
Inhaltsverzeichnis

Passives Investieren ist eine Anlagestrategie, die sich bewährt hat. Als passiver Anleger setzt du auf eine Mischung aus Indexing und Buy and hold. Statt aktiv einzelne Wertpapiere auszusuchen und dir individuell ein Portfolio zusammenzustellen, kaufst du als passiver Investor den gesamten Markt. Mit weniger Risiko, weniger Adrenalin und weniger Zeitaufwand als beim aktiven Investieren. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Wir erklären, wie es funktioniert.

Mit passivem Investment von den Märkten profitieren

Mit passiven Investments profitierst du von vorhandenen Märkten, vertraust also darauf, dass sich die Wirtschaft der Welt, bestimmter Regionen oder Branchen positiv entwickelt. Die Annahme fußt auf der Effizienzmarkttheorie, die besagt: Märkte sind effizient; alle verfügbaren Informationen zur Entwicklung der Märkte sind in den (Wertpapier-)Preisen enthalten. Selbst unter professionellen Fondsmanagern gibt es nur wenige (weniger als ein Drittel), die langfristig die Marktrendite übertreffen.  Deshalb ist es erfolgversprechender, auf den Markt zu setzen, statt einzelne Aktien herauszusuchen, die unterbewertet sind. 

Auf den Markt zu setzen ist also eine rationale Entscheidung. Für die Theorie der effizienten Märkte hat Eugene Fama sogar den Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften erhalten. Die Strategie des passiven Investierens setzt genau darauf.Und es gibt viele weitere Zahlen, die eindeutig fürs passive Investieren sprechen: Eine Untersuchung von S&P Dow Jones, einem Indexanbieter, hat die Performance von aktiv gemanagten Fonds über 10 Jahre beobachtet. Mit einem klaren Ergebnis: 98% der Fondsmanager von globalen Aktienfonds blieben unter der Rendite des Vergleichsindex. Unter aktiven Aktienfonds, die in den deutschen Markt investieren, lagen ebenso ganze 80% unter der Indexrendite. Das heißt im untersuchten Zeitraum hat nur jede fünfte aktiv gemanagte Fonds nach Gebühr mehr Rendite eingebracht als der Vergleichsindex.

Über mehrere Jahre betrachtet nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass ein aktiv gemanagter Fonds die Marktrendite schlägt, immer weiter ab: Wenn ein Fondsmanager also in einem Jahr eine bessere Rendite erzielen konnte, heißt das noch nichts fürs nächste Jahr.

Der Unterschied zwischen aktivem und passivem Investment

Aktives Investment bedeutet: Du suchst dir Einzelwerte heraus, von denen du dir erhoffst, dass sie die Marktrendite übertreffen – man sagt auch Stockpicking. Dafür kannst du neben ETFs auch Einzelaktien, Fonds, REITS etc. nutzen. Aktiv heißt, dass du spekulierst, also aktiv handelst, und nicht einfach kaufst und deine Wertpapiere hältst. 

Um als aktiver Investor erfolgreich zu sein, sollte man sich mit den Wertpapieren beschäftigen, Kennzahlen studieren und die Börsennachrichten zumindest grob verstehen. Es gibt unterschiedliche Strategien, unter anderem das Market Timing, das darauf zielt, den richtigen Moment für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren abzuschätzen.

Im Gegensatz dazu vertraut der passive Investor darauf, dass die Märkte sich positiv entwickeln und spekuliert nicht. Mit aktivem Trading kannst du zwar in der Theorie eine höhere Rendite als die Marktrendite erzeugen, trägst aber ein viel höheres Risiko als z. B. bei einem Welt-ETF. 

Aktives und passives Investieren im Vergleich

EigenschaftAktives InvestierenPassives Investieren mit einem Weltportfolio
Ziel Die Marktrendite “schlagen”Die Marktrendite erreichen
Rendite durchGeschickte Strategie (Schlauheit)Risiko
Image des MarktsMarkt als GegnerMarkt als Verbündeter
Worauf wettet der/die Anleger/in?Auf einzelne Unternehmen/Branchen/Zeitabschnitte. Die Zusammensetzung wird geändertAuf die globale Marktwirtschaft. Ohne kurzfristige Umschwenke
DiversifikationsgradBeim klassisch aktiven Ansatz niedrigGlobale, systematische Diversifikation über Assetklassen hinweg
AnlagehorizontIndividuell; oft nicht vorher festgelegtLangfristig
KomplexitätTendenziell hoch: Man muss sich mit dem Aktienmarkt und Unternehmen auseinandersetzenNiedrig
KostenTendenziell hoch: Je nach Häufigkeit des Handels fallen jedes Mal Orderprovision, Handelsplatzgebühren und weitere Gebühren anNiedrig: Bei ETFs mit geringem TER beeinflussen die Kosten die Rendite nur geringfügig
Zeitaufwand für den Investor/die InvestorinRelativ hochNiedrig

Buy and hold statt Spekulation

Buy and hold bedeutet: Anteile kaufen und halten. Das geht mit unterschiedlichen Produkten, auch mit Einzelaktien. Als passiver Investor hast du einen langen Anlagehorizont. Du sitzt kurzfristige Kursschwankungen aus, hechelst keinen Trends hinterher, lässt dich nicht von vermeintlichen Geheimtipps locken. Als passiver Investor schaust du nur unregelmäßig dein Depot, denn das Ziel ist schließlich, erst mal nicht auf das Geld zuzugreifen sondern es langfristig für dich arbeiten zu lassen. 

Spekulationen sind immer riskanter als ein passives Investment mit Welt-ETFs, weil sie nicht so breit diversifiziert sind. Und es gibt weitere Vorteile.

Die Vorteile des passiven Investments

Als passiver Investor in einen Welt-ETF nimmst du immer die Marktrendite mit. Denn mit einem ETF investierst du automatisch in eine Vielzahl an Einzelwerten. Nicht mehr, aber vor allem nicht weniger. Passive Investments mit ETFs sind automatisch breit gestreut, sprich du setzt nicht auf nur ein oder wenige Unternehmen, sondern alle im Index enthaltenen Unternehmen. 

Du musst dich nicht mit Unternehmenskennzahlen und -bilanzen herumschlagen oder Börsen-News lesen, sondern setzt auf einen Indexfonds, der bereits zusammengestellt ist. Deshalb ist passives Investieren auch für Menschen, die keine Aktienmarktexperten sind oder werden wollen eine gute Möglichkeit, von der Aktienmarktentwicklung zu profitieren und Rendite zu erwirtschaften.

Außerdem sind passive Investments weniger emotionsgeleitet. Wer spekuliert, kann sich selten von Impulsen, Gefühlen und möglicherweise trügerischen Ahnungen freimachen, selbst Experten sind keine Maschinen. ETFs haben den Vorteil, dass sie auf Algorithmen basieren und Indizes nach klar festgelegten Regeln folgen. Das heißt: keine Überraschungen, keine Panikverkäufe oder spontanen Kursänderungen. Auch bei aktiv gemanagten Fonds ist das anders.

Ein weiterer Vorteil: Das Market Timing spielt bei passiven Investments keine Rolle, ganz anders als beim Spekulieren. Damit ersparst du dir den Stress unbedingt “den richtigen Moment” erwischen zu müssen. Denn: Deine Strategie ist ja langfristig ausgelegt, sprich es muss dir keine Sorgen bereiten, wenn die Kurse deines ETF mal ein paar Wochen lang nach unten gehen.

Neben Zeit sparst du als passiver Investor auch Kosten. Denn: Einen ETF zu besparen ist in den meisten Fällen wesentlich günstiger, als Einzelaktien, aktive Investmentfonds oder andere Anlageprodukte individuell zu kaufen. Dann fallen jedes Mal Transaktions- und Handelsplatzgebühren und deutlich höhere Verwaltungsgebühren an. Außerdem gibt es kein Mindestbudget: Ab 25€ pro Monat kannst du einen ETF-Sparplan einrichten. 

Steuervorteil durch buy and hold bei passiven Investments

Beim passiven Investieren entsteht durch die Steuerstundung der sogenannte Barwertvorteil: deine Steuerzahlung wird zu einem Großteil nachgelagert.

Der effektive Steuersatz geht im Zeitverlauf zurück. Wer später Steuern auf sein Geld zahlt, kann es länger für sich arbeiten lassen.

Wenn du zum Beispiel heute 1.000€ Steuern auf dein Vermögen zahlen musst, ist das finanziell ungünstiger als wenn du die 1.000€ Steuern erst in fünf Jahren bezahlen musst. Denn in diesen fünf Jahren kannst du es einfach weiter in deinem Depot arbeiten lassen. Statt Kursgewinne teilweise zu realisieren um Steuern zu zahlen, bleibt das Geld länger investiert.

Bei thesaurierenden ETFs wird die Vorabpauschale eingezogen, auch wenn du deine ETFs noch nicht verkaufs. Für alle ETFs gilt, dass du außerdem Steuern darauf bezahlst, wenn du die Gewinne realisierst, also deine Anteile verkaufst. Bei einer Buy-and-hold-Strategie ist das oft Jahre bis Jahrzehnte nach dem Investieren. Mehr zum Thema Steuern und ETFs erfährst du in unserem Ratgeber.

Für jeden Sparer in Deutschland gelten 801€ (bei verheirateten Paaren 1.602€) Sparerpauschbetrag – bis zu diesem jährliche Betrag bleiben deine Kapitalerträge wie Dividenden oder realisierte Kursgewinne steuerfrei. 

3 Tipps für erfolgreiches passives Investieren

1) Kenne die Risiken und schätze dich richtig ein: Auch wenn die Risiken beim passiven Investieren geringer sind als aktiven Traden: Beschäftige dich mit dem Thema Marktrisiko und bestimme deine persönliche Risikotragfähigkeit.

2) Wähle ETFs aus, die zu deiner Strategie passen: Du kannst in verschiedene Märkte, Regionen und Währungen investieren – je nachdem, was dir wichtig ist. Außerdem kannst du zum Beispiel mit Factor Investing und ESG Schwerpunkte setzen. Du bleibst dabei flexibel, denn du kannst zu den üblichen Börsenzeiten handeln, wenn du dein Portfolio umschichten willst.

3) Passive und aktive Investments trennen: Wenn du einen Teil deines Vermögens passiv investieren möchtest und den Rest für aktive Investments/Spekulationen nutzen willst, ist das völlig in Ordnung. Wir empfehlen aus psychologischen Gründen, dafür ein extra Depot anzulegen. So gerätst du nicht in Versuchung, mit deinem passiven Anteil von der Buy-and-hold-Strategie abzukommen.

Häufig gestellte Fragen

  • Was bedeutet passives Investieren?

    Wer passiv investiert, spekuliert nicht, sondern setzt auf die Entwicklung der Märkte. Diese Strategie setzt sich aus Buy-and-hold und Indexing zusammen. Auf einen Index kannst du z. B. mit ETFs setzen.

  • Für wen eignet sich passives Investieren?

    Passives Investieren eignet sich für jeden Anleger. Einer der Vorteile gegenüber aktiven Investments ist die Zeit- und Kostenersparnis. Du musst dich bei passiven Anlagen nicht so häufig mit Unternehmenskennzahlen, Marktstatistiken und ähnlichem auseinandersetzen.

  • Wann zahle ich Steuern bei passiven Investments?

    Bei jedem Gewinn durch Wertpapierverkäufe fällt die Abgeltungssteuer an. Mit einer langfristig ausgelegten Anlagestrategie z. B. mit thesaurierenden ETFs kannst du so einen Steuerstundungseffekt erzielen und Geld sparen: Denn wenn die Steuer später fällig ist, kann das Geld länger Zinsen für dich erwirtschaften. Mehr dazu in unserem Ratgeber Steuern & ETFs.