Risikoprofil für deine Geldanlage erstellen

Ana Bilandzija
Stand:
Was du wissen solltest
  • Vor der Geldanlage solltest du dein individuelles Risikoprofil (Asset Allocation) festlegen, um das Risiko zu steuern.
  • Hierzu teilst du dein Vermögen in einen risikofreien Teil und einen risikobehafteten Teil auf.
  • Risikobehaftete Anlagen erwirtschaften deine Rendite und sind z.B.: Einzelaktien, ETFs, REITs, Rohstoffinvestments
  • Risikoarme Anlagen reduzieren die Schwankung deines Portfolios und sind z.B.: Tagesgeld- und Festgeldkonten, Bargeld oder Staatsanleihen von Ländern mit AAA-Bonität.
Inhaltsverzeichnis

Dein persönliches Risikoprofil erstellen

Wer Wertpapiere kauft, geht Risiken ein. Neben dem objektiven Risiko an der Börse, also den realen Kursschwankungen, gibt es das subjektive Risiko, das ganz individuell und emotional ist. 

Stell dir vor, dein Portfolio bricht innerhalb einer Woche um 30% ein. Verkaufst du panisch deine Anteile, oder kannst du einen kühlen Kopf behalten und die Krise aussitzen? Deine Anlagestrategie sollte zu dir passen und du solltest bei Kursschwankungen weiter ruhig schlafen können. Sonst läufst du Gefahr, zum falschen Zeitpunkt Anteile zu verkaufen und Geld zu verlieren.

Finanzberater Rick Ferri sagte dazu sinngemäß: Risikotoleranz zeigt sich darin, welche Schwankungen und Verluste du ertragen kannst, bevor du dein Verhalten änderst (All About Asset Allocation, Rick Ferri, 2010).

Das hat nichts mit der Höhe deines Einkommens zu tun, sondern mit deiner persönlichen Risikotragfähigkeit. Um die herauszufinden, hilft es, sich ausführlich mit der gewählten Anlageform zu beschäftigen. Was die Kursschwankungen mit dir “machen”, lernst du aber erst, wenn du tatsächlich investierst. Viele Menschen überschätzen ihre Risikotoleranz und bemerken das erst, wenn sie nach mehreren Jahren der Gewinne einen Verlust erleiden.

Wir erklären dir, wie du herausfindest, welcher Risikotyp du bist und wie du eine auf dein Risikoprofil angepasste Vermögensaufteilung festlegst…

Deine Vermögensaufteilung / Asset Allocation

Nur auf eine Anlageform solltest du nie setzen, sondern dein Vermögen aufteilen. Einzelne Wertpapiere, wie Anleihen, Aktien oder Immobilien, lassen sich in sogenannte Asset-Klassen aufteilen. 

Mit der Asset Allocation setzt du deine Anlagestrategie um. In der ersten Stufe (Asset Allocation Level 1) entscheidest du, welcher Anteil deines Gelds in risikobehaftete Anlagen gehen soll und welchen Anteil du besser in risikofreien Anlagen “parkst”. 

In Stufe zwei (Asset Allocation Level 2) gewichtest du das Risiko innerhalb der risikobehafteten und risikofreien Anlagen und füllst die Klassen sozusagen mit Anlageprodukten.

Der risikoarme Teil senkt dein Gesamtrisiko als eine Art Anker und gibt dir die Sicherheit, die du persönlich bei der Anlage benötigst. Der risikobehaftete Teil sorgt für die Rendite.

Der risikofreie Teil

Der risikofreie Teil senkt das Risiko deines Gesamtportfolios und gleicht Schwankungen aus. Wir zeigen dir, wie du einen risikofreien bzw. risikoarmen Teil zusammenstellen kannst.

Wirklich komplett risikofreie Anlagen gibt es nicht. Komplett risikofrei ist nicht mal das Geld unter dem Kopfkissen, aber bestimmte Anlageformen haben sich als sehr risikoarm bewährt. Einige Beispiele:

  • Festgeldkonto in Euro bis 100.000€ in Ländern bester Bonität

  • Tagesgeldkonto in Euro bis 100.000€ in Ländern bester Bonität

  • Staatsanleihen von Ländern mit bester AAA-Bonität (wie Deutschland, Luxemburg, Niederlande)

  • Bargeld

Das Pro und Contra von Tagesgeldkonto und Staatsanleihen vergleichen wir in folgendem Video. Zurzeit lohnt es sich für Privatanleger weniger, auf Staatsanleihen bester Bonität zu setzen, weil man hier oft eine Negativrendite einfährt. Außerdem muss man das Geld oft über mehrere Jahre fest anlegen – im Gegensatz zum Tagesgeldkonto, das mehr Flexibilität bietet.

Worauf du achten solltest:

  • Nicht unnötig Tages- oder Festgeld in riskante ausländische Banken investieren, 1% Zinsen für Einlagen in maroden Banken lohnt sich nicht

  • Die Zinsen von Anleihen riskanterer Staaten wie Griechenland oder Italien usw. sind zwar hoch, allerdings nicht passend zu einem risikofreien Teil

  • Der risikofreie Teil ist nicht dazu da, Renditen zu erwirtschaften, sondern Risiko zu steuern /reduzieren

Übrigens: Der sogenannte Notgroschen ist hier nicht mit eingerechnet – je nach Lebenssituation solltest du etwa drei Nettogehälter als Reserve “parken”, z.B. auf einem Giro– oder Tagesgeldkonto. Wie du den Rest deines Vermögens anlegen kannst, erfährst du hier.

Der risikobehaftete Teil

Rendite kommt von Risiko: Jetzt geht es um den risikobehafteten Teil deines Portfolios. Risikobehaftet sind u. a.:

  • Einzelaktien

  • Aktien-ETFs und Aktien-Indexfonds

  • REITs (Immobilienaktien)

  • Unternehmensanleihen

  • Staatsanleihen niedriger Bonität

  • Rohstoffinvestments

  • Kryptowährungen

  • P2P-Kredite

Die für dich richtige Balance finden

Der risikobehaftete Teil bringt dir Rendite, der risikoarme Teil Sicherheit, in Form von weniger Wertschwankung in deinem Depot. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Effekt der Risikostreuung: Wenn du die Hälfte deines Vermögens mit Risiko anlegst und der Aktienmarkt um 30% einbricht, sinkt der Wert deines Portfolios um insgesamt nur 15%. Geht es jedoch nach oben, nimmt dein Portfolio auch “nur” ein Plus von 15% mit.

Risikoprofil: Risikobehafter Teil des ETF Portfolios
Risikobehafteter Teil des Portfolios im Falle eines Crashs. | Bild: Finanzfluss

In der Tabelle siehst du, wie unterschiedlich ein Kursrutsch an der Börse sich auf dein Portfolio auswirkt je nachdem, wie hoch dein risikobehafteter Anteil im Portfolio ist.

Nehmen wir zwei Anleger an: Sandra, 25, mag ein bisschen Risiko. Jonas ist Sicherheit wichtig. Beide legen 10.000€ an.

VermögenSandra, liebt RisikoJonas, sicherheitsbetont
Investitionssumme10.000€10.000€
Anteil risikobehafteter Teil70%10%
Anteil risikoarmer Teil30%90%
Kurssturz an der Börse um 10%-7% = 9.300€-1% = 9.900€
Kurssturz an der Börse um 40%-28% = 7.200€-4% = 9.600€

Alter, Verantwortung, Sicherheitsbedürfnis: Risikotragfähigkeit ist individuell

Tendenziell kann man sich mehr Risiko erlauben, wenn man jünger ist, weil das Humankapital höher ist, man also noch viele Jahre Arbeitseinkommen generieren wird. Außerdem bleibt einem einfach mehr Lebenszeit, in der man Krisen aussitzen bzw. günstig Anteile nachkaufen kann. Manche vertreten die Faustregel: 100 – Lebensalter = Risikoanteil in %. Mit 20 Jahren hättest du in dem Fall einen risikobehafteten Anteil von 80%, mit 60 einen von 40%. Als Gedankenspiel ist das interessant, das Sicherheitsbedürfnis ist allerdings immer etwas persönliches, das du nur allein bewerten kannst. 

Ein hohes Gehalt ist ein weiterer Faktor, der es dir erlaubt, ein höheres Risiko zu fahren. Zusätzliche Sicherheit erlangst du, wenn du dich ausführlich mit den Anlageprodukten beschäftigst, bevor du loslegst (finanzielle Bildung). Natürlich kommt es bei der Risikofrage auch darauf an, welche laufenden Verpflichtungen du hast (Kredite / Hypothek , Kinder, Partner).

Überlege dir deshalb, welchen Teil deines Vermögens du risikoarm (zum Beispiel auf einem Tagesgeld– oder Festgeldkonto) anlegst und welchen Teil du mit Risiko in Aktien oder ETFs investierst. Du solltest ruhig schlafen können, wenn die Kurse auch mal längerfristig sinken. 

Übrigens: Die Risikotragfähigkeit kann sich natürlich im Lauf deines Lebens ändern. Zum einen, weil sich deine Lebenssituation ändert (Familie, Anschaffungen, Gehalt) und zum anderen, weil du Erfahrungen an der Börse sammelst. Der erste Kurssturz ist für jeden Anleger eine neue Erfahrung. Mit der Zeit lernst du, welche Schwankungen normal sind und wie du darauf reagierst. Deshalb ist es klug, mindestens einmal im Jahr die eigene Strategie zu hinterfragen und das Vermögen gegebenenfalls neu zu gewichten.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Geldanlage ist risikofrei?

    Ganz ohne Risiko ist keine Form der Geldanlage. Als sicher gelten neben Bargeld u.a. Tagesgeld- und Festgeldkonto und Staatsanleihen von AAA-Staaten wie Deutschland, Luxemburg oder den Niederlanden.

  • Was ist der Unterschied zwischen objektivem und subjektivem Risiko?

    Das objektive Risiko ist das Marktrisiko oder unternehmensspezifische Risiko, dass du als Anleger trägst. Das subjektive Risiko ist, wie du diese Risiken wahrnimmst. Es ist höchst individuell. Manche Menschen bekommen Panik, wenn ihr Portfolio um 5% einbricht, so kommt es auch zu Panikverkäufen. Andere sitzen gelassen Flauten aus und halten ihre Anteile.

  • Was ist Risikotragfähigkeit?

    Risikotragfähigkeit beschreibt deine Bereitschaft und Fähigkeit, Risiken am Aktienmarkt einzugehen und auszuhalten. Sie verändert sich im Laufe des Lebens und hängt unter anderem vom Alter, Einkommen, Familienstand (Verantwortung) ab.

  • Welchen Sinn hat der risikofreie Teil der Geldanlage?

    Der risikofreie Teil deiner Anlage senkt das Risiko deines Gesamtportfolios und federt Schwankungen des risikobehafteten Teils ab.

  • Was bedeutet Asset Allocation?

    Bei der Asset Allocation teilst du als Anleger dein Vermögen in verschiedene Anlageklassen auf, grob gesagt in risikobehafteten und risikoarmen Teil.

  • Wie viel Risiko soll ich bei der Geldanlage eingehen?

    Die Risikobereitschaft ist sehr individuell – mit der Asset Allocation kannst du deine persönliche Strategie umsetzen. Tendenziell kannst du dir mehr Risiko erlauben, je jünger du bist, je höher deine Einkünfte sind und je weniger finanzielle Verantwortung du anderen gegenüber trägst (z. B. Kinder, Kredite).