Weltportfolio als Konzept

Das Weltportfolio erklärt!

Das Weltportfolio ist die Basis der passiven Anlagestrategie mit ETFs. Es ist Bestandteil des risikobehafteten Teils der Geldanlage. Woher die Idee des Weltportfolios kommt und wie es genau funktioniert, erklären wir in diesem Ratgeber.

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Was du wissen solltest
  • Theoretisch unterliegen dem Konzept des Weltportfolios verschiedene finanztheoretische Konzepte wie die Markteffizienzhypothese oder das Capital Asset Pricing Model (CAPM).
  • Von diesen ausgehend ist für Privatanleger die passive Investition in weltweit diversifizierte Indexfonds eine gute Wahl, da diese durch ihre breite Streuung das Risiko minimieren, während sie versuchen, die Performance der Globalwirtschaft abzubilden.

Theoretischer Hintergrund

Verschiedene finanzwissenschaftliche Konzepte, die im Laufe der vergangenen 150 Jahre entwickelt wurden, können als theoretische Grundlage für die Sinnhaftigkeit einer Geldanlage in Form eines Weltportfolios angesehen werden. 

Dazu zählt beispielsweise die Markteffizienzhypothese, die bereits über 100 Jahre alt ist und von verschiedenen Wissenschaftlern wie dem französischen Mathematiker Louis Bachelier ausgerufen wurde. Sie besagt stark vereinfacht, dass Preise eines Marktes alle verfügbaren Informationen dieses Marktes reflektieren. Eine Folge davon ist, dass es nicht möglich ist, als einzelner Marktteilnehmer den Markt langfristig und dauerhaft zu schlagen. Diejenigen, die dies erreichen (auch Outperformer genannt), wechseln zufällig, womit Kursprognosen, wie sie oftmals veröffentlicht werden, hinfällig sind.

Auch das Capital Asset Pricing Model (kurz CAPM), das auf der modernen Portfoliotheorie aufbaut, ist ein theoretisches Fundament des Weltportfolios. Das CAPM beschäftigt sich mit der Preisbildung an den Finanzmärkten – mit erwarteter Rendite im Verhältnis zum erwarteten Risiko. Der Merksatz “je mehr Risiko, desto mehr Rendite”, der in diesem Handbuch immer wieder auftaucht, ist eine starke Vereinfachung der Konsequenzen aus dem CAPM. 

Beide hier nur beispielhaft angeführte Theorien sind natürlich wie alle wissenschaftlichen Modelle stetiger Kritik und permanentem Wandel unterworfen. In Bezug auf das Investieren als Privatanleger haben sie aber wertvolle Hinweise geliefert, weswegen ihre Entwickler dafür mehrfach mit Nobelpreisen ausgezeichnet wurden. 

Warum Weltportfolio?

Die Idee hinter dem Konzept Weltportfolio ist also, das Risiko bei gleichbleibender Renditeerwartung zu minimieren und gleichzeitig den (Denk-)Fehlern zu entgehen, die dem aktiven Investieren zugrundeliegen. Zusätzlich gilt es, die Kosten möglichst gering zu halten. Im Ratgeber über das Risikoprofil haben wir bereits den Unterschied zwischen dem risikobehafteten und dem risikofreien Teil der Geldanlage gesprochen. Im Weltportfolio geht es um den risikobehafteten Teil, der nach diesem Konzept in Aktien angelegt wird.

Für die Minimierung des Risikos gibt es ein zentrales Werkzeug: Es nennt sich Diversifizierung. Daher stammt auch das “Welt” in “Weltportfolio”. Die Idee ist es, den Wertverlauf des Weltmarkts passiv nachzubilden, anstatt ihn eben aktiv zu schlagen. Damit soll das individuelle Unternehmensrisiko vermieden werden, das beim Stock Picking (Einzeltitelauswahl) notwendig entsteht. Ebenso soll das regionale Risiko beim Investieren in einen einzelnen Aktienmarkt wegdiversifiziert werden. Dies hat auch den psychologischen Vorteil, dass der sogenannte “home bias” wegfällt, also die Neigung, bevorzugt in Werte aus dem unmittelbaren Umfeld (in unserem Fall zum Beispiel in den DAX o. Ä.) zu investieren.

Des Weiteren wird durch die Buy and Hold-Strategie der tendenzielle Glücksspielcharakter von Markt-Timing-Strategien (also dem Ein- und Ausstieg zu bestimmten Zeitpunkten, um den Markt zu schlagen) mithilfe von langfristigem Investieren minimiert.

Weltweite Indexfonds (bzw. ETFs) bieten die optimalen Rahmenbedingungen, um dieses Konzept des Weltportfolios umzusetzen. Sie bilden nämlich gesamte (Welt-)Indizes passiv nach, was wir im folgenden Ratgeber erläutern. Das bedeutet, dass sie nicht aktiv gemanagt werden und dementsprechend nur sehr geringe Kosten anfallen. Letztendlich agiert die Geldanlage mit einem Weltportfolio mit dem Grundsatz, dass in den Wertzuwachs von Aktien als Anlageklasse generell investiert wird, nicht in den Wertzuwachs einzelner Titel.

Weltportfolio: So setzt es sich zusammen

Wer seine eigene Risikotoleranz realistisch eingeschätzt, also seine Asset Allocation in einen risikobehafteten und -freien Teil durchgeführt hat, muss sich nun Gedanken über die Umsetzung des Weltportfolio-Konzepts machen. Hier geht es aber nicht mehr um die Frage des Risikos, sondern darum, mit welchen möglichst einfachen und kostengünstigen Mitteln die Weltwirtschaft als Ganze abgebildet werden kann. 

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass es für Privatinvestoren aufgrund von Marktbedingungen und der damit verbundenen Preise gar nicht möglich ist, alle Aktien der Welt aufzukaufen. Das ist zum Glück auch nicht unbedingt notwendig, um weltweit diversifiziert in Aktien anzulegen, da es die bereits erwähnten Indexfonds und ETFs gibt. Das Konzept Weltportfolio setzt also darauf, global diversifiziert und mit einer passiven Investmentstrategie in Indexfonds zu investieren, um den Stolperfallen des aktiven Investments zu entgehen.

Wie das genau in die Tat umgesetzt werden kann, welche Weltindizes sich am besten eignen, wie mit problematischen regionalen Untergewichten umgegangen werden kann oder wie der konkrete ETF richtig ausgewählt wird, erklären die folgenden Artikel unseres ETF-Handbuchs im Detail.

Beispiele aus der Praxis

Um das Konzept Weltportfolio mit einigen konkreten Beispielen aus der Praxis zu illustrieren, kann zum Beispiel ARERO – Der Weltfonds dienen, der vom Betriebswirtschaftsprofessor Martin Weber und seinen Mitarbeitern entwickelt wurde. Der Name steht für Aktien – Renten – Rohstoffe, da in diese Anlageklassen investiert wird. Die Aktien machen hierbei 60% des Fonds aus und werden über weltweite Indizes abgebildet, europäische Renten 25% und die verbleibenden 15% werden in Rohstoffe investiert. 

Ein weiteres Beispiel sind die Weltportfolios vom ehemaligen Investmentbanker Gerd Kommer, die auf dem sogenannten Multi-Faktor-Investing aufbauen. Was das genau bedeutet, erklären wir in diesem Ratgeber. Es geht aber kurz gesagt darum, mehrere renditebringende Faktoren miteinander sinnvoll zu kombinieren (beispielsweise kleinere Firmen oder Value-Aktien). Kommers Weltportfolios gibt es in verschiedenen Umsetzungen mit jeweils anderen Anlageprodukten.

Mehr zum Weltportfolio von Gerd Kommer in diesem Video:

Ein drittes Beispiel sind simple Weltportfolios, die nur mit einem oder zwei ETFs gebaut werden. ETFs basierend auf dem MSCI ACWI bilden z. B. auch große Teile der Weltwirtschaft ab. Die Vielfalt an Varianten des Konzepts Weltportfolio in der Praxis ist darauf zurückzuführen, dass es nicht möglich ist, exakt die gesamte Weltwirtschaft abzubilden. Deswegen fokussiert sich jede Ausführung des Weltportfolios notgedrungen auf einige Aspekte und lässt andere weg. Die Entscheidung für eine bestimmte Variante ist deswegen mehr eine Frage der Vorliebe als eine theoretische Differenz.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es einen wissenschaftlichen Hintergrund zum Weltportfolio?

Wie gewichte ich das Risiko im Weltportfolio?

Was hat das Konzept Weltportfolio mit Gerd Kommer zu tun?