Steuerfreibetrag von ETFs optimieren

Wer in ETFs investiert, tut dies vermutlich auch, weil es eine einfache und kostengünstige Art der Geldanlage ist. Mit einigen einfachen Stellschrauben lassen sich auch die zu entrichtenden Steuern optimieren. Mit unserem Rechner kannst du herausfinden, bis zu welchem Betrag du in ausschüttende ETFs investieren kannst, um den Steuerfreibetrag (Sparerpauschbetrag) voll auszunutzen.

Optimierung Sparerpauschbetrag
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Inhaltsverzeichnis

Grundlagen zur Optimierung des ETF Steuerfreibetrags

Dies vorweg: Wir sind keine Steuerberater und unser Rechner soll lediglich eine Orientierung oder einen Denkanstoß bieten, wie dein ETF-Portfolio steuerlich optimiert werden könnte. Steuerliche Feinheiten, die oftmals stark mit der individuellen Situation des Anlegers zusammenhängt, können wir hier natürlich nicht berücksichtigen.

Auf ETFs und andere Geldanlagen fällt die sogenannte Kapitalertragsteuer an. Diese beträgt derzeit 25%. Hinzu kommen 5,5% Solidaritätszuschlag – auf die 25%, weswegen es zusammen 26,375% ergibt. Zusätzlich kann noch die Kirchensteuer anfallen, die 8 oder 9% beträgt, wenn du Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist, die diese durch den Staat erheben lässt.

Steuern werden auf die drei folgenden Arten von Kapitalerträgen entrichtet:

  • Zinsen

  • Dividenden

  • realisierte Kursgewinne

Für jeden Geldanleger besteht ein Steuerfreibetrag in Höhe von 801€, für Ehepaare beträgt er 1.602€. Dieser wird Sparerpauschbetrag genannt. Das bedeutet, dass Kapitalerträge bis zu einer Summe von 801 bzw. 1.602€ pro Jahr steuerfrei sind. Sobald das angelegte Kapital einmal durch den Steuerzyklus hindurchgegangen ist (und zum Beispiel steuerfrei war dank des Sparerpauschbetrages), wird es nicht noch einmal versteuert. Dies kann man sich zunutze machen, aber dazu weiter unten mehr.

Unser Video zum Thema:

ETF-Steuern: Ausschütter und Thesaurierer

Während ausschüttende ETFs darauf ausgelegt sind, zu einem bestimmten Zeitpunkt Rendite auszuschütten (zum Beispiel jährlich), legen thesaurierende ETFs den erwirtschafteten Betrag direkt wieder an. Dadurch kann ein Zinseszinseffekt entstehen, da Zinsen auf die Zinsen gezahlt werden, was sich insbesondere über einen längeren Zeitraum enorm auswirkt.

Thesaurierende ETFs haben prinzipiell den Vorteil, dass sie die Kursgewinne erst beim Verkauf realisiert werden, also nach Ablauf eines (meist langen) Anlagezeitraums. Dadurch kann das Geld weiter für dich arbeiten, was den sogenannten Steuerstundungseffekt erzeugt. Allerdings ist seit 2018 bzw. 19 die reformierte Gesetzgebung in Kraft, weswegen auch auf thesaurierende ETFs ein Abschlag gezahlt werden muss – die sogenannte Vorabpauschale. Mehr zum Thema findest du in unserem Ratgeber über ETFs und Steuern.

So kannst du deinen ETF Steuerfreibetrag optimieren 

Durch kluges Investieren bzw. Aufteilen des investierten Kapitals auf ausschüttende und thesaurierende ETFs kannst du den Steuerfreibetrag voll ausnutzen und damit ein steueroptimiertes ETF-Portfolio erstellen. Vorteilhaft ist hierfür auch die Funktion einiger Broker, mit der ausgeschüttete Renditen automatisch wieder reinvestiert werden können.

Der Rechner hilft dir dabei, herauszufinden, wie hoch der Betrag sein darf, den du in ausschüttende ETFs anlegst, um den Sparerpauschbetrag auszuschöpfen. Sinnvoll kann außerdem sein, nicht den vollen Freibetrag bei den ausschüttenden ETFs auszunutzen, damit auch die eventuell anfallende Vorabpauschale bei den thesaurierenden ETFs noch vom Freibetrag bedient werden kann.

Wichtig! Freistellungsauftrag anlegen

Entscheidend ist es, den Steuerfreibetrag bei deinem Broker anzugeben. Dies tust du durch erteilen eines Freistellungsauftrages. Bei den meisten Broker ist das ganz einfach online möglich. Bedenke auch, dass du nicht den vollen Sparerpauschbetrag bei einem Broker berücksichtigen lassen musst, sondern diesen auf verschiedene Depots aufteilen kannst.

ETF Steuerfreibetrag optimieren: Die Felder erklärt

Für dein steueroptimiertes ETF-Portfolio kannst du unseren Rechner verwenden, der mit einigen wenigen Eingaben anzeigt, wie du am besten dein Geld aufteilst, um den Steuerfreibetrag voll auszunutzen.

  • Anlagebetrag: Wie viel Geld hast du zur Verfügung, welches du investieren möchtest? Dieses Geld soll für dich arbeiten und im besten Falle wenig reduziert durch Steuern den Zinseszinseffekt voll erzielen.

  • Ausschüttungs-/Dividendenrendite: Die Ausschüttungsrendite ist zu unterscheiden von den Kursgewinnen. Du findest sie im Factsheet deines ETFs. Bei Dividenden-ETFs ist sie klassischerweise höher als zum Beispiel bei Tech-ETFs welche überwiegend auf Wachstumsaktien setzen.

  • Freistellungsauftrag über: Per Freistellungsauftrag wird dein Steuerfreibetrag bzw. Sparerpauschbetrag bei deinem Broker berücksichtigt. Er beträgt 801€ für Singles bzw. 1.602€ für Ehepaare. Du musst aber nicht den vollen Freibetrag bei einem Broker verwenden.

  • Kapitalertragsteuer: Die Kapitalertragsteuer beträgt momentan 25% + 1,375% Solidaritätszuschlag. Hinzu kann noch die Kirchensteuer kommen (8 oder 9% auf die 25% Kapitalertragsteuer).

  • Teilfreistellung bei Aktienfonds berücksichtigen?: Je nach Art des Fonds (Aktienfonds, Mischfonds, usw.) wird noch einmal ein Teil der Kapitaleinkünfte steuerfrei gestellt.

  • Art des Fonds/ETF: Während Aktienfonds die höchste Teilfreistellungsquote hat (30%), werden bei Mischfonds mit einem Aktienanteil zwischen 25 und 50% noch einmal 15% steuerfrei gestellt, während Fonds mit einem Aktienanteil kleiner als 25% keine Teilfreistellung erhalten.

  • Teilfreistellungsquote: In diesem Feld wird dir die Höhe der Teilfreistellung angezeigt, die in der Berechnung berücksichtigt wird.

ETF Steuerfreibetrag berechnen: Ergebnis erklärt

Im Ergebnis unseres ETF-Steuerfreibetrag-Rechners werden dir zwei Kennzahlen angezeigt: Der in ausschüttende ETFs zu investierende Maximalbetrag, sowie die anfallende Steuer auf Ausschüttungen. 

Der Maximalbetrag beschreibt die Höhe des – mit gegebener Ausschüttungsrendite, Freistellungsauftrag und Teilfreistellungsquote –  höchstens in ausschüttende ETFs anzulegenden Kapitals, wenn die Kapitalerträge steuerfrei bleiben sollen. Falls dieser Wert im Anlagebetrag überschritten wird, werden darunter die anfallenden Steuern auf die ausgeschüttete Rendite angezeigt.

Als Alternative zu dieser Art der Steueroptimierung können übrigens auch Teilverkäufe von thesaurierenden ETFs vorgenommen werden, die dann Gewinne in Höhe von maximal 801€ realisieren. Auch in diesem Fall gehen die Kapitaleinkünfte einmal durch den Steuerzyklus, verbleiben im steuerfreien Bereich, und werden etwas später reinvestiert. Dadurch sinken die Steuern beim endgültigen Verkauf des ETFs nach einem längeren Zeitraum und der Freibetrag wird optimal jedes Jahr genutzt.

Das steueroptimierte Anlegen in ETFs kann vor allem bei kleinen bis mittleren Beträgen von großem Vorteil sein. Allerdings solltest du auch bedenken, dass es mit einem wachsenden Portfolio in Zukunft notwendig sein könnte, das angelegte Kapital umzuschichten. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Verwaltungsaufwand, hinzu kommen eventuell Kosten für die Transaktion. Dennoch kann einem das Steueroptimieren des ETF-Portfolios einiges an Geld sparen und die Investition perfektionieren.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie wird ein ETF besteuert?

    ETFs werden durch die Kapitalertragsteuer (25% + Soli+ evtl. Kirchensteuer) besteuert. Je nach Art des ETFs wird allerdings unterschiedlich besteuert. Da nur realisierte Kursgewinne, Dividendenerträge oder Zinsen versteuert werden, wird bei ausschüttenden ETFs von der Ausschüttungsrendite direkt die Steuer abgezogen. Für thesaurierende ETFs gibt es die Vorabpauschale, die schon vor Realisierung der Kursgewinne (also Verkauf des ETFs) einen kleinen Anteil berechnet. Wenn keine Kursgewinne entstehen, wird auf einen ETF generell keine Steuer erhoben.

  • Wann wird ein thesaurierender Fonds besteuert?

    Thesaurierende ETFs verbuchen Kursgewinne am Ende des Geschäftsjahres. Dann wird per Vorabpauschale ein Abschlag gezahlt. Abgesehen davon werden realisierte Kursgewinne von Thesaurierern besteuert – also, wenn beim Verkauf des ETFs ein Gewinn erzielt wird.

  • Wie hoch darf der Freistellungsauftrag sein?

    Der Sparerpauschbetrag – also der Steuerfreibetrag für Kapitalerträge – beträgt für Einzelpersonen 801€ und für Ehepaare 1602€. Dieser kann per Freistellungsauftrag allerdings auf verschiedene Broker/Depots aufgeteilt werden.

  • Werden ETFs automatisch besteuert?

    Ja, ETF-Gewinne oder Dividenden-/Ausschüttungsrenditen werden automatisch vom betreffenden Broker einbehalten und ans Finanzamt abgeführt. Per Freistellungsauftrag lässt sich der geltende Steuerfreibetrag vom Broker berücksichtigen.