Die wichtigsten Kriterien im Überblick

Die wichtigsten Kriterien bei der ETF Auswahl

Sobald es um die Frage der Auswahl des richtigen ETF geht, werden viele Kenndaten und Größen in den Raum geworfen. Aber welche davon sind wirklich relevant? Welche Kriterien sind belastbar und helfen dabei, den perfekten ETF zu wählen? Darum geht es in diesem Ratgeber.

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Was du wissen solltest
  • Besonders wichtige Kriterien zur Auswahl eines ETFs sind seine Kosten, sein Fondsvolumen und Replikationsart.
  • Diese Informationen findest du im Factsheet des ETF oder auf der Website des Anbieters.
  • Zur Auswahl beitragen kann aber auch die Kenntnis der Tracking Difference. Auch die Ausschüttungsart ist nach persönlicher Präferenz Teil des Auswahlprozesses.
  • Fondsdomizil und -währung haben eher wenig Gewicht bei der Auswahl eines ETFs, können aber dennoch als Entscheidungshilfe herangezogen werden.

Das Fondsvolumen: Größer ist besser

Mit dem Begriff Fondsvolumen wird beschrieben, wie viel Geld in einen ETF investiert ist. Ein Fondsvolumen von 114 Mio. € bedeutet also, dass insgesamt 114 Mio. € in diesem ETF steckt. Am Fondsvolumen lässt sich ablesen, wie etabliert der ETF auf dem Markt ist. Je größer, desto etablierter. Kennwert für ETFs auf große, weltweite Indizes ist hier die 100-Mio.-€-Marke.

Und: Je größer ein ETF ist, desto rentabler ist dieser für den Anbieter. Dies kann sich auf der Anlegerseite auch positiv auf die Kosten auswirken. Der Anbieter hingegen ist natürlich daran interessiert, möglichst rentable ETFs zu betreiben und auf den Markt zu bringen. Deswegen werden viele ETFs einer Art Testphase unterzogen, um zu sehen, wie die Nachfrage sich verhält.

Falls der ETF sich nicht so entwickelt, wie vom Anbieter erhofft, kann es dazu kommen, dass er den ETF wieder vom Markt nimmt. Natürlich musst du darüber informiert werden (die Frist beträgt 6 Wochen) und kannst dann in Ruhe deine Umschichtung planen mit dem nun liquide gewordenen Geld. Also keine Panik!

Ein kleines Fondsvolumen spricht allerdings nicht grundsätzlich gegen einen ETF. Es gibt viele diverse Nischen-ETFs, die nicht viel größer werden können, aber trotzdem gut performen und rentable für die Anbieter sind. Bei diesen gilt 50 Mio. € als Marke. Mit einem Fondsvolumen über 150 Mio. € solltest du insgesamt bei größeren Fonds auf der sicheren Seite sein. 

Kosten & Gebühren von ETFs

Die Kosten eines ETF setzen sich aus Transaktionskosten für Kauf- und Verkauf der Anteile, der Total Expense Ratio (TER) des jeweiligen ETF und dem Spread als Preisfaktor zusammen.

Transaktionskosten entstehen einmalig beim Kauf oder Verkauf und sind vom jeweiligen Depot abhängig. Manche Broker bieten kostenlose ETFs an, andere nehmen eine Pauschalgebühr oder einen bestimmten prozentualen Satz. Zusätzlich fällt eventuell noch eine Depotführungsgebühr an.

Die TER, also die Gesamtkostenquote, wird vom ETF-Anbieter erhoben. Du findest sie im Factsheet des ETFs. Sie bezeichnet die gesamten jährlichen Kosten eines ETFs und setzt sich aus den Gebühren zusammen, die der ETF-Anbieter direkt aus dem Fondsvolumen entnimmt, um seine Kosten zu decken.

Die Differenz zwischen dem Angebot-Preis und Nachfrage-Preis nennt man Spread. Dieser kann insbesondere außerhalb der offiziellen Börsenzeiten und am Wochenende zu einem erheblichen Kostenfaktor werden.

ETF-Sparpläne haben auf dem Gebiet der Kosten einiges an Bewegung verursacht und sind zum Teil für Anleger deutlich kostengünstiger. Insgesamt sind die Kosten natürlich eine sehr wichtige Kennzahl, da sie die Rendite deutlich beeinflussen.

Thesaurierend oder ausschüttend?

Über diese zwei zentralen Begriffe stolpern ETF-Anfänger zu Anfang. Es handelt sich hierbei um mögliche Ausschüttungsarten. Da ETFs (im besten Fall) eine Dividendenrendite generieren, ist die Frage, ob sie diese Dividende direkt reinvestieren und damit einen Zinseszinseffekt erzeugen oder an den Anleger ausschütten. Das ist auch schon der Unterschied: Die erste Art nennt man thesaurierende ETFs, die zweite ausschüttende. Während Thesaurierer für langfristige passive Anleger eine gute Option sind, sind Ausschütter für ein regelmäßiges passives Einkommen gut geeignet.

Übrigens: Wer seine Investments smart über beide ETF-Arten verteilt, kann steueroptimiert anlegen. Zu steuerlichen Aspekten von ETFs alles Wichtige in diesem Ratgeber.

Replikationsmethoden im Überblick

Das Prinzip von ETFs ist es, einen bestimmten Index möglichst genau nachzubilden. Diese Nachbildung nennt man Replikation. Gängige Replikationsmethoden sind die sogenannte physische (Voll-)Replikation, das optimierte Sampling und die synthetische Replikation (Swap-ETFs). 

Physisch replizierende ETFs bilden den Index mit physisch gehaltenen Wertpapieren in derselben Gewichtung nach. Dies ist von Vorteil, weil es am genauesten die Werte abbilden kann. Beim optimierten Sampling werden zwar auch physisch Wertpapiere einzeln gekauft, allerdings nur die wichtigsten. Welche das sind, bestimmt das Sample (die Stichprobe). Deswegen ist das vor allem für ETFs mit vielen Werten vorteilhaft. 

Die synthetische Replikation hingegen bildet den Index mit Tauschgeschäften nach (sogenannten Swaps). Dies ist vor allem bei Nischenmärkten und Rohstoff-ETFs sinnvoll. Oftmals werden diese Replikationsverfahren auch kombiniert, indem größere Positionen physisch gehalten und kleinere synthetisch abgebildet werden. 

Tracking Error und Tracking Difference: Abweichung vom Kurs

Ein Kriterium, das zur Bestimmung der Qualität eines ETFs herangezogen werden kann, ist die Tracking Difference. Sie beschreibt die Differenz des Wertverlaufs des ETFs zum Vergleichsindex in einem bestimmten Zeitraum und kann positiv sein (also der ETF besser als sein Vergleichsindex performen) oder negativ. Verschiedene Faktoren können zu einer Tracking Difference führen, dazu zählen die generellen Kosten, die Replikationsmethode oder Differenzen in der Quellensteuer von ETF und Index.

Zwar werden die Begriffe Tracking Difference und Tracking Error oft verwechselt oder synonym verwendet, allerdings beschreiben sie unterschiedliche Kennzahlen. Mehr dazu in unserem ausführlichen Text.

Manche Factsheets geben mittlerweile die Tracking Difference/den Tracking Error an, viele aber auch nicht. Deswegen müssen sie meist selbst berechnet werden. Da die Tracking Difference nicht die realen Kosten anzeigt, sondern die Opportunitätskosten (also die theoretisch entgangene Rendite), sind die TER für private Geldanleger die Hauptkennzahl, wenn es um Kosten geht.

Die Rolle von Währungen bei ETFs

Oft erscheint eine Währung im Namen eines ETFs, zum Beispiel EUR oder USD. Dies ist die Fondswährung, also die Währung, in der das Fondsvermögen verwaltet wird. Abgerechnet wird am Ende aber immer über die Währung deines Brokers, also bei einem deutschen Broker in Euro.

Aufgrund des Investments in Wertpapiere in fremden Währungen besteht ein gewisses Währungsrisiko. Dies reflektiert die Möglichkeit, dass der Kurs der Heimwährung im Vergleich zur Fremdwährung steigt und damit den Wert der Anteile senkt. Allerdings ist beim Investment in viele ETFs (wie beispielsweise Welt-ETFs) bereits eine starke Diversifizierung (auch in Bezug auf abgedeckte Währungen) gegeben. Dadurch wird das Währungsrisiko oftmals zum Nullsummenspiel und zusätzliche Versicherungen mindern lediglich die Rendite. 

Das Fondsdomizil: Wo kommt mein ETF her?

Auch der Ort, an dem der ETF aufgelegt wird, kann zur Auswahl beitragen. Man findet dieses sogenannte Fondsdomizil heraus, indem man die ISIN, also die Internationale Wertpapierkennnummer, zurate zieht. Die ersten beiden Buchstaben stehen für das Fondsdomizil, also beispielsweise “DE” für Deutschland oder “IE” für Irland. 

Die meisten Fonds werden in Luxemburg oder Irland aufgelegt. Bei Luxemburg liegt es daran, dass es sich seit langem als Fondsstandort etabliert hat und deswegen insbesondere für institutionelle Anleger vorteilhaft ist. Irland bietet leichte steuerliche Vorteile für bestimmte Wertpapiergeschäfte mit den USA, deswegen ist es auch dieses Land ein etabliertes Fondsdomizil. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Bedeutung des Fondsdomizils für deutsche Anleger stark abgenommen hat, da deutsche Fonds nicht mehr steuerlich bevorzugt werden. Nur ETFs mit einem außereuropäischen Fondsdomizil können für Schwierigkeiten sorgen, diese werden aber selten bis gar nicht bei deutschen Brokern angeboten.

Häufig gestellte Fragen

Welches Fondsvolumen sollte mein ETF haben, damit er als sicher gilt?

Was ist die TER?

Welche Kosten fallen noch an?

Was ist der Unterschied zwischen thesaurierend und ausschüttenden ETFs?

Ist die Tracking Difference wichtig?

Ist das ETF-Währungsrisiko egal?

Warum sind so viele ETFs aus Luxemburg?