Welche Risiken existieren beim Investieren in ETF?

Ana Bilandzija
Stand:
Was du wissen solltest
  • Das Marktrisiko besteht bei jeder Anlage und beschreibt die Schwankungen (= die Volatilität) des Aktienmarkts.
  • Das unternehmensspezifische Risiko, also die Kursschwankung eines Einzelwerts, ist umso höher, je weniger diversifiziert dein Portfolio ist.
  • Mit Welt-ETFs kannst du das unternehmensspezifische Risiko eliminieren (“wegdiversifizieren”). Das Marktrisiko bleibt bestehen.
Inhaltsverzeichnis

Zwei Risiken beim Investieren an der Börse

Rendite gibt es an der Börse nur mit Risiko. Und Risiko bedeutet aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht Wertschwankung, auch Volatilität genannt. Da sind ETFs, börsengehandelte Fonds, keine Ausnahme. Der Wert jeder Aktie schwankt im Zeitverlauf. Je volatiler, also je stärker diese Schwankungen sind, desto höher ist das Risiko für den Anleger. In der Vergangenheit hat der Aktienmarkt binnen weniger Wochen teils zweistellige prozentuale Verluste erlitten. Als Anleger verlierst du aber erst Geld, wenn du mit Verlust Anteile verkaufst – vorher ist es “nur” ein Buchverlust. Mit der richtigen Strategie kannst du das Risiko mit ETFs gut steuern. Wir erklären dir, wie. Über mehrere Jahre betrachtet hat man mit einem Welt-ETFs in den letzten Jahrzehnten eine gute Rendite eingefahren. 

Das Marktrisiko tragen alle Anleger

Das allgemeine Risiko beim Investieren in Aktien, das Marktrisiko, trägt jeder, der Wertpapiere kauft. Es führt kein Weg daran vorbei und mit der zu erwartenden Rendite wirst du für dieses Risiko belohnt, die Rendite ist also so was wie ein Schmerzensgeld. Das Marktrisiko trifft die Kurse in Wirtschaftskrisen mit voller Wucht, z. B. während der Lehman-Krise 2008 oder auch nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020. Dagegen hilft nur, langfristig anzulegen. So kannst du Krisen aussitzen, statt panisch Anteile zu verkaufen. Das Marktrisiko besteht immer, sowohl bei einer einzelnen Aktie als auch bei Welt-ETFs. Auch durch Diversifizierung, also indem du dein Vermögen auf viele Anlagen verteilst, kannst du es nicht eliminieren. 

Das unternehmensspezifische Risiko durch Diversifikation senken

Das unternehmensspezifische Risiko beschreibt Wertschwankungen einzelner Unternehmenswerte. Die Aktien einzelner Unternehmen sind vielen Risiken ausgesetzt, z. B.: Wirtschaftsskandale, Konkurrenzdruck (z. B.: Verlust der Marktführung, Strafzahlungen (z. B: VW Abgas-Skandal), rechtliche Änderungen (z. B.: Uber in Kalifornien muss die Fahrer anstellen, was hohe Kosten verursacht). All diese Faktoren können den Kurswert der Unternehmensaktien drücken und dir als Anleger Buchverluste bringen.

ETF Risiken – Marktrisiko
Das Risiko zu Fallen besteht auch beim Investieren in ETFs, wenn auch in einem anderen Sinne als bei dieser Spaziergängerin. | Bild: unsplash.com

Je weniger Wertpapiere dein Portfolio enthält, desto stärker beeinflusst es dein Portfolio, wenn der Kurs eines der Unternehmen stark einbricht, z.B. im Fall einer Insolvenz. Das verdeutlichen Wirtschaftsskandale immer wieder: Die Telekom-Aktie stürzte mit dem Platzen der “Dotcom-Blase” ab, nachdem sie viele Deutsche als “Volksaktie” eingekauft hatten, Wirecard hat jahrelang die Bilanzen gefälscht und die Aktie fiel nach Bekanntwerden dieses Betruges wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Das unternehmensspezifische Risiko lässt sich mit Welt-ETFs eliminieren, denn hier sind so viele Unternehmen enthalten, dass die Kursverluste und -gewinne sich im Idealfall gegenseitig ausgleichen und am Ende eine Rendite für dich herauskommt. Einzelnen Unternehmen fallen ganz einfach viel weniger ins Gewicht. Du diversifizierst das U-Risiko einfach weg.

Weitere spezifische Risiken

Wertpapierleihe 

Einige ETFs verleihen Wertpapiere und erhalten dafür eine Leihgebühr. So generieren sie zusätzliche Einnahmen, die in den meisten Fällen auch bei dir als Anleger ankommen. Der Anteil der Wertpapierleihe darf in Europa gesetzlich nicht 20% des Portfoliovolumens überschreiten. Zusätzlich wird für die meisten ETFs, die Wertpapierleihe betreiben, eine Sicherheit z. B. in Form von Staatsanleihen hinterlegt. So ähnlich wie bei einer Mietkaution. Ist der Wert dieser Sicherheit größer als 20% des Portfoliovolumens, darf der ETF mehr Wertpapiere verleihen. Du bist als Anleger also vor größeren Verlusten geschützt.

Das Kontrahentenrisiko bei Swap-ETFs

Bei Swap-ETFs, die den Index durch ein Tauschgeschäft, also Derivate, zwischen ETF-Anbieter und Kreditinstitut abbilden, besteht das Kontrahentenrisiko. Das heißt einer der Tauschpartner kann pleite gehen, was die Rendite gefährdet. Ein EU-Gesetz regelt, dass der Unterschied zwischen Trägerportfolio und Tauschportfolio maximal 10% betragen darf. 

Wenn z.B. der MSCI Russia bei 100€ und das Trägerportfolio bei 110€ steht, dann muss spätestens zu diesem Zeitpunkt “geswappt” werden und der Überschuss fließt von einem Swap-Partner zum anderen. Das gilt auch umgekehrt, wenn der MSCI Russia bei 100€ steht und das Trägerportfolio bei 90€. Die meisten ETF-Anbieter swappen aber deutlich früher als erst bei dieser 10% Hürde. 

ETF Risiken: Rendite
Für manche ist das Risiko ein Hobby, beim Investieren gilt die Formel: Je höher das Risiko, desto höher die Rendite. | Bild: unsplash.com

Zusätzlich können Swap-Partner Vermögen absichern, indem sie Geld in Sicherheitsleistungen anlegen. Z. B. in deutsche Staatsanleihen, die sehr risikoarm sind. Man unterscheidet zwischen unfunded swaps (Swap-ETFs ohne zusätzliche Sicherheit), funded swaps (mindestens eine Sicherheitsleistung) und fully funded swaps (“übersicherte” ETFs mit Sicherheitsleistungen in Höhe des kompletten Swap-Volumens oder bis zu 30% darüber). Die meisten Swaps sind sogar “überbesichert”, d.h. das Kreditinstitut hat sogar Sicherheiten hinterlegt, die das Fondsvolumen übersteigen. Bei in Deutschland geführten Swap-ETFs ist das Risiko deshalb überschaubar. Meist wird bei spätestens 10% Kursdifferenz geswappt.

Fazit: Diese Risiken gibt es bei ETFs

ETF sind eine sehr gute Möglichkeit, weltweit und kosteneffizient zu investieren. Trotzdem gibt es Risiken, die du kennen musst, um beruhigt zu investieren. Die richtige Strategie hilft, das Marktrisiko zu minimieren – vor allem durch Diversifikation.

Durch Wertpapierleihen erzielen einige ETFs zusätzliche Einnahmen. Das dabei anfallende Risiko ist für Privatanleger sehr gering, du solltest also nicht davor zurückschrecken. Bei Swap-ETFs im Speziellen fällt das Kontrahentenrisiko an, dass der Tauschpartner pleite geht und die ausstehende Rendite verloren geht. Die EU legt fest, dass die Differenz zwischen Trägerportfolio und Swap-Portfolio maximal 10% betragen darf – so hoch ist also dein Maximalrisiko.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Risiken gibt es bei ETFs?

    Das Marktrisiko betrifft alle Wertpapiere und damit auch ETFs: Die Kurse an der Börse schwanken teilweise stark, z.B. in Wirtschaftskrisen. Das unternehmensspezifische Risiko fällt bei ETFs mit wenigen Titeln größer aus als bei breit diversifizierten. Bei Swap-ETFs gibt es ein Kontrahentenrisiko, d.h. die Insolvenz des Tauschpartners des ETF-Anbieters.

  • Was ist das Marktrisiko?

    Das Marktrisiko trägt jeder Anleger, auch bei dem passiven Investieren in ETFs. Es beschreibt die Schwankungen an den Börsenmärkten. Du kannst es nicht wegdiversifizieren.

  • Was ist das unternehmensspezifische Risiko?

    Das unternehmensspezifische Risiko beschreibt das Risiko, dass Einzelwerte im Kurs einbrechen/stark schwanken. Gründe können Zahlungsprobleme oder neue Gesetze sein, die das Geschäftsmodell eines Unternehmens gefährden. Mit breit gestreuten Welt-ETFs kannst du das unternehmensspezifische Risiko eliminieren.

  • Was ist das Kontrahentenrisiko?

    Swapper bilden Indizes über Derivate/Tauschgeschäfte ab. Das Risiko, dass der Tauschpartner pleite geht, nennt man Kontrahentenrisiko. Ein EU-Gesetz regelt, dass der Unterschied zwischen Trägerportfolio und Tauschportfolio maximal 10% betragen darf. Zusätzlich greifen beim Großteil der Swap-ETFs Sicherheiten.

  • Was sind unfunded und funded swaps?

    Bei Swap-basierten ETFs können Swap-Partner das Vermögen absichern, indem sie Geld in Sicherheitsleistungen anlegen. Z. B. in deutsche Staatsanleihen, die sehr risikoarm sind. Man unterscheidet zwischen unfunded swaps (Swap-ETFs ohne zusätzliche Sicherheit), funded swaps (mindestens eine Sicherheitsleistung) und fully funded swaps (“übersicherte” ETFs mit Sicherheitsleistungen in Höhe des kompletten Swap-Volumens oder bis zu 30% darüber).