Bausparvertrag kündigen? Darauf musst du achten

Markus Schmidt-Ott
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Wie gehts weiter mit meinem Bausparvertrag? Vielleicht hast du vor vielen Jahren mal einen abgeschlossen oder ihn in deiner Jugend geschenkt bekommen. Viele Menschen denken darüber nach, ihren Bausparvertrag wieder zu kündigen und das Geld woanders anzulegen. Wie du deinen Bausparvertrag kündigst, ob es Sinn macht, ihn vielleicht doch zu behalten und welche Nachteile du bei einer Kündigung haben kannst, erklären wir dir in diesem Artikel.

Was du wissen solltest
  • Ob du deinen Bausparvertrag kündigen solltest, solltest du nach deinen persönlichen Maßstäben abwägen.
  • Je nachdem in welcher Phase du deinen Bausparvertrag kündigen, gibt es eine Kündigungsfrist.
  • Ob du trotz Kündigung eine staatliche Förderung erhältst, hängt davon ab, wann dein Vertrag abgeschlossen wurde und wann du ihn kündigst.
  • Anstatt zu kündigen, kannst du deinen Bausparvertrag auch verkaufen oder ihn schneller in die Darlehensphase überführen.
Wie du vorgehst
  • Lies dir die allgemeinen Bausparbedingungen zu deinem Vertrag durch. Schaue vor allem, wie lang die Kündigungsfrist ist, wann du in welche Phase eintrittst und ob es die Möglichkeit einer Sondertilgung gibt.
  • Überlege dir gut, ob du den Bausparvertrag wirklich kündigen und dafür auf staatliche
  • Förderungen oder Bonuszinsen verzichten möchtest.
  • Schreibe ein formloses Kündigungsschreiben an deine Bank.
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Bausparvertrag?

Der Bausparvertrag ist eine Mischung aus einem Sparplan und einem Immobiliendarlehen. In einer ersten Phase wird ein regelmäßiger Betrag angespart und von der Bank verzinst. Wenn 40 bis 50% des Bausparbetrages angespart worden sind, beginnt die Zuteilungsphase, auch Darlehensphase genannt. Dann gewährt dir die Bank für den Rest des Bausparbetrages ein Darlehen. Der gesamte Betrag – Darlehen und angesparter Betrag – können investiert werden. Weiterhin zahlst du den gleichen regelmäßigen Betrag an deine Bank, nur dass du von nun an damit den Kredit tilgst.

Vorteile eines Bausparvertrags

Schon mit Abschluss des Vertrages vereinbarst du mit deiner Bank die Zinssätze sowohl für den angesparten Vertrag als auch für das spätere Darlehen. Damit sicherst du dich gegen steigende Zinsen ab, profitierst aber auch nicht von niedrigeren Zinsen. Darüber hinaus kannst du von einer staatlichen Wohnungsbauförderung profitieren.

Nachteile eines Bausparvertrags

In der Regel sind die Zinsen für das angesparte Vermögen hier niedriger. Im Gegenzug kannst du von niedrigeren Zinsen für ein Darlehen profitieren. Soweit zumindest die Theorie. Durch den Bausparvertrag begibst du dich dadurch in eine Pfadabhängigkeit. Das bedeutet, wenn du einen Bausparvertrag abgeschlossen hast und beginnst, ihn zu besparen, lohnt sich dieser unter Umständen erst, wenn du das Darlehen tatsächlich in Anspruch genommen hast. Wenn sich deine Pläne aber zwischenzeitlich ändern oder die Darlehenszinsen gesunken sind, hast du hier einen schlechten Deal gemacht.

Wie kann ein Bausparvertrag gekündigt werden?

Um deinen Bausparvertrag zu kündigen, schickst du ein formloses Schreiben an die entsprechende Bank. Manche Kreditinstitute bieten auch ein Kündigungsformular an, dass du nur noch ausfüllen und abschicken musst.

Kündigen in der Ansparphase

In der Ansparphase gibt es eine Kündigungsfrist von drei bis sechs Monaten. Wie genau deine Kündigungsfrist aussieht, liest du in den allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB) deines Vertrags. Benötigst du den bereits angesparten Betrag nicht sofort, solltest du die Kündigungsfrist in jedem Falle einhalten. Wenn du den Betrag früher brauchst, weil zum Beispiel eine größere Investition ansteht, kannst du den Vertrag auch ohne Einhaltung der Kündigungsfrist beenden. Die Bank behält dann aber einen kleinen Abschlag – den sogenannten Auszahlungsabschlag. Dieser liegt zwischen 0,5 und 1% des Guthabens für jeden Monat, den Du das Geld früher brauchst als bei einer ordentlichen Kündigung.

Kündigen in der Darlehensphase/Zuteilungsphase

In der Darlehensphase lohnt sich eine Kündigung nur, wenn du einen Kredit zu günstigeren Konditionen bekommen kannst. Wie bei den meisten Krediten kann eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig werden, wenn du den Kredit früher als geplant tilgen und kündigen möchtest. Eventuell sehen die Konditionen deines Bauspardarlehens vor, dass Sondertilgungen möglich sind – das wäre in diesem Fall ein großer Vorteil. Um das Darlehen in eines mit günstigeren Konditionen umzuwandeln, musst du zunächst einen neuen Kredit mit einer neuen Bank vereinbaren. Dann tilgst du dein Bauspardarlehen mit diesem Kredit und kündigst den Vertrag.

Vorfälligkeitsentschädigung

Eine Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Entschädigung, die du an eine Bank zahlen musst, wenn du einen Kredit früher als vereinbart kündigst bzw. tilgst. Durch die frühere Tilgung entgeht der Bank das vertraglich vereinbarte Geschäft. Eine Vorfälligkeitsentschädigung kannst du vermeiden, indem du im Kredit- bzw. im Bausparvertrag mit der Bank die Möglichkeit zu Sondertilgungen vereinbarst.

Gibt es Nachteile, wenn ich den Bausparvertrag kündige?

Zu einem Bausparvertrag kannst du eine staatliche Wohnungsbauprämie erhalten. Wenn du deinen Bausparvertrag kündigst, kann diese Förderung entweder frei verwendet werden, muss für einen wohnungswirtschaftlichen Zweck verwendet oder zurückgezahlt werden. Dies hängt davon ab, wann dein Vertrag abgeschlossen und in welche Phase dieser gekündigt wurde. Das folgende Schaubild veranschaulicht dir, wie in deinem Fall mit der Förderung umzugehen ist.

Bausparvertrag kündigen

Je nachdem wie dein Bausparvertrag ausgestaltet ist, kannst du auf den angesparten Betrag auch Bonuszinsen erhalten, wenn du deiner Bank treu bleibst. Bei einer Kündigung musst du auf diese natürlich verzichten.

Meine Bausparkasse will mich kündigen – was soll ich tun?

Gerade bei Bausparverträgen aus einer Zeit mit hohen Zinsen auf das angesparte Vermögen versuchen die Banken aus diesen Verträgen heraus zu kommen. Daher kann es passieren, dass vonseiten der Bank eine Kündigung ausgesprochen wird.

Nicht immer wird ein Bausparvertrag nach der Ansparphase auch in die Darlehensphase überführt und zum Bauen oder Investieren verwendet. Nachdem du in der Ansparphase 40 bis 50% zusammengespart hast, kannst du den Vertrag auch beliebig weiter besparen und von den Zinsen profitieren. Gerade bei besonders alten Bausparverträgen mit hohen Zinsen ist dies eine attraktive Geldanlage – in der Niedrigzinsphase natürlich zum Leidwesen der Bank.

In manchen Fällen ist die Kündigung durch die Bank rechtens, in anderen nicht. Um ein grobes Gefühl dafür zu bekommen, sollte man sich vergegenwärtigen, welchem Zweck ein Bausparvertrag dient: dem Bau und Erwerb einer Immobilie.

Wenn die Bausparsumme also komplett angespart worden ist, der Bausparvertrag aber vom Kunden weiter bespart und nicht ihrem eigentlichen Zweck zugeführt wird, ist die Kündigung durch die Bank tatsächlich in vielen Fällen rechtens – insbesondere, wenn du keine Bauabsicht hast und die auch nicht nachweisen kannst.

Wenn du dich hingegen noch in der Ansparphase befindest, ist eine Kündigung durch die Bank rechtlich zweifelhaft.

Alternativen zur Kündigung

Es muss nicht immer die Kündigung sein. Vielleicht gibt es ja andere Menschen, die deinen Bausparvertrag gerne haben würden, während du ihn gerne loswerden möchtest. Daher ist es zum Beispiel möglich, den Vertrag an ein Familienmitglied zu übertragen oder zu verkaufen. Die Konditionen bleiben dabei gleich. Der Wert deines Vertrages ist eventuell höher als die Summe, die dir bei Kündigung ausgezahlt werden würde, da Bonuszinsen und staatliche Prämien dadurch nicht wegfallen.

Wenn du früher als geplant ein Darlehen für ein Investition aufnehmen musst und daher über eine Kündigung des laufenden Vertrags nachdenkst, kannst du alternativ die Bausparsumme reduzieren oder die regelmäßige Sparrate erhöhen, um die Darlehensphase schneller zu erreichen.

Auch kannst du die Darlehensphase schneller erreichen, indem der Vertrag geteilt wird. Die gesamte Bausparsumme wird dazu in zwei Bausparverträge geteilt. Dabei ist der eine schneller zuteilungsreif, als der andere. Hier kann aber bei Zuteilungsreife dann nur ein Teil der Bausparsumme in Anspruch genommen werden.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie kann ich meinen Bausparvertrag kündigen?

    Deinen Bausparvertrag kannst du kündigen, indem du ein formloses Schreiben an deine Bank schickst, in dem du ihr neben allen relevanten Angaben mitteilst, dass du den Vertrag gerne kündigen möchtest.

  • Wann kann ich meinen Bausparvertrag kündigen?

    Je nach Bausparvertrag gibt es in der Ansparphase eine Kündigungsfrist von drei bis sechs Monaten. In der Darlehensphase kannst du jederzeit kündigen, musst den Darlehensbetrag aber natürlich dann tilgen und eventuell eine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen.

  • Habe ich Nachteile, wenn ich meinen Bausparvertrag kündige?

    Das hängt davon ab, in welcher Phase und wann du den Bausparvertrag abgeschlossen hast. Je nachdem entfällt für dich eventuell die staatliche Wohnungsbauförderung. Auch können eventuelle Bonuszinsen von deiner Bank entfallen.

  • Was muss ich tun, wenn meine Bank mir den Bausparvertrag kündigt?

    Wenn deine Bank von sich aus deinen Bausparvertrag kündigt, solltest du dich informieren, ob diese Kündigung überhaupt rechtens ist. Wenn die Bank in der Ansparphase kündigt, kann die Kündigung rechtlich zweifelhaft sein. Wenn sie in einer späteren Phase kündigt, könnte dies tatsächlich korrekt sein.

  • Kann man einen Bausparvertrag jederzeit auszahlen lassen?

    Das hängt von der Kündigungsfrist und anderen Konditionen des Bausparvertrags ab. Generell gibt es eine Kündigungsfrist von 3 bis 6 Monaten. Gegen Zahlung eines Auszahlungsabschlags kann der Betrag aber auch früher ausbezahlt werden.

  • Was kostet es einen Bausparvertrag zu kündigen?

    Je nachdem in welcher Phase der Bausparvertrag gekündigt wird, muss ein Auszahlungsabschlag, eine Vorfälligkeitsentschädigung oder gar nichts bezahlt werden. Auch können die Wohnungsbauprämie oder Bonuszinsen wegfallen.

  • Muss die Wohnungsbauprämie bei einer Kündigung zurückgezahlt werden?

    Wenn sich der Bausparvertrag noch in der Ansparphase befindet, muss die Wohnungsbauprämie zurückgezahlt werden. Ansonsten muss die Prämie für Wohnungswirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Bei Altverträgen gelten eventuell andere Regelungen.