Mona Linke
Mona Linke
25. August 2022

Nuri-Insolvenz: Anleger können nur weiter hoffen – oder klagen

Seit Monaten ist das Geld vieler Nuri-Kunden eingefroren. Diese könnten nun Schadensersatz fordern.

200.000 Kundinnen und Kunden sollen Nuri ihr Geld anvertraut haben. Jenem Krypto-Fintech, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine „New Reality“ im Bereich Banking und Investment zu schaffen. 2015 unter dem Namen Bitwala gestartet, soll das Berliner Fintech zuletzt 325 Mio. Euro verwaltet haben. Sehr viele Nuri-Kunden dürften ihr Geld inzwischen jedoch abgezogen haben – denn am 9. August hat die Firma die Insolvenz beantragt. So einfach den Anbieter wechseln können jedoch nicht alle Investoren. Wer Kryptowährungen über die Plattform verliehen hat, muss jetzt um sein Geld bangen, das bereits seit Monaten eingefroren ist. Wie es so weit kommen konnte und warum einige Anleger Nuri jetzt möglicherweise auf Schadensersatz verklagen könnten.

Krypto, Girokonto und ETFs

Nuri verdiente einerseits Geld mit dem Handel von Kryptowährungen. Neben Sparplänen auf Bitcoin und Ether warb das Unternehmen aber auch mit einem eigenen Bankkonto inklusive Debitkarte sowie den sogenannten Nuri Pots: kurz gesagt sind das Dachfonds, die wiederum aus mehreren Aktien-ETFs bestehen und eine breite Streuung ermöglichen sollen. Weil sie nach Informationen von Nuri von „Experten“ zusammengestellt wurden, sind die Gebühren auch deutlich höher als bei einem normalen börsengehandelten Indexfonds. Wer in die Nuri Pots investiert, kauft außerdem sogenannte Security Token, also Wertpapier-Token, die jeweils den Wert des Dachfonds abbilden.

Aktuell nimmt Nuri nach eigenen Angaben keine neuen Kunden auf. Doch funktioniert die App nach wie vor und Anleger haben weiterhin Zugriff auf ihr Wallet. Sie können also Guthaben abheben oder ihre Anteile zu einer anderen Plattform transferieren. Auch wer ein einfaches Girokonto bei Nuri besitzt, kann weiterhin überweisen und die Kreditkarte nutzen.

Pleite von Celsius hat maßgeblich zur Insolvenz beigetragen

2022 sei ein „herausforderndes Jahr für das Startup-Ökosystem“ gewesen, begründete Nuri die Entscheidung zum Insolvenzantrag. Zudem hätten „anhaltende wirtschaftliche und politische Unsicherheiten an den Märkten wegen des Ukraine-Kriegs“ zur aktuellen Lage geführt. Insbesondere ein Ereignis aber ist maßgeblich verantwortlich für das Dilemma: die Pleite von Celsius, einer US-amerikanischen Partnerfirma von Nuri. Denn Nuri hat bis vor Kurzem auch ein sogenanntes Bitcoin-Ertragskonto vermittelt, über das Kunden ihre Krypto-Anteile an Celsius verleihen konnten, die diese wiederum an andere Anleger verliehen.

Das Ganze nennt sich Kryptolending und ist eine reichlich spekulative Angelegenheit mit kurzen Haltedauern und der Hoffnung auf hohe Gewinnsteigerungen. Kurz gesagt, haben die Kursrutsche von Bitcoin und Ether in diesem Jahr das Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht: Dadurch, dass viele Nutzer ihre Kryptowährungen aus dem Celsius Netzwerk abziehen wollten, konnte Celsius – insbesondere bei Ether – dem nicht mehr nachkommen. Das Unternehmen rutschte in die Pleite. Und dieser Vorfall wiederum traf auch Nuri in seiner Rolle als Vermittler: Bisherige Nuri-Investoren nahmen Abstand von dem Berliner Fintech, Finanzierungen platzten und Nuri geriet in Liquiditätsengpässe.

Celsius-Kunden bangen um ihr Geld

Eben jene Ertragskonten bei dem amerikanischen Kreditdienst Celsius sind es auch, die die Pleite von Nuri nun zu einer so heiklen Angelegenheit für viele Kunden machen. Denn schon seit Juni kommen Kryptolending-Kunden mit einem solchen Ertragskonto nicht mehr an ihr Geld. Celsius hat die Einlagen eingefroren und es ist nach wie vor offen, wie das Ganze für die Anleger ausgehen wird. Nach eigenen Angaben soll Celsius Kryptowährungen im Wert von beinahe 12 Mrd. USD verwalten. Und Privatinvestoren haben allen Grund dazu, sich um ihr Geld zu sorgen. Denn Celsius ist kein reguliertes Geldhaus, das Einlagensicherungen oder sonstige Schutzmechanismen für den Fall einer Insolvenz bereitgestellt hat. Auch gibt es keine weitere Instanz, die das Vermögen der Kunden verwalten würde.

Kundengelder bei Nuri sind geschützt

Wer dagegen allein über Nuri investiert hat, sei es in Aktien oder Kryptowährungen, hat Glück gehabt: Nuri ist nämlich keine wirkliche Bank mit Banklizenz, sondern lediglich Vermittler. Die Einlagen der Kunden werden von der Solarisbank verwaltet, die auch mit dem Online-Broker Trade Republic zusammenarbeitet und die Verrechnungskonten der Anleger verwaltet. Der Vorteil dieses Konstrukts ist: Das Geld der Nuri-Kunden ist deswegen auch nicht Teil der Insolvenzmasse und kann folglich nicht vom Insolvenzverwalter verwendet werden, um Gläubiger auszuzahlen. Das Vermögen in Wallets und Depots ist sicher, und das Geld auf den Nuri-Girokonten ohnehin durch die deutsche Einlagensicherung bis zu einem Betrag von 100.000€ geschützt. Wer in besagte Nuri Pots investiert hat, kann seine Token in Euro umtauschen oder in einen gewöhnlichen Fondsanteil ohne Token-Struktur.

Wie geht es nun weiter für die Celsius-Kunden?

„Der Auszahlungs-Stopp von Celsius bleibt unverändert bestehen und die Auszahlfunktion bleibt inaktiv“, schreibt Nuri auf seiner eigens für den Insolvenzfall eingerichteten FAQ-Seite. Man stünde in engem Kontakt mit Celsius und würde alle Kundinnen und Kunden auf dem Laufenden halten. Mit anderen Worten: Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage für Anlegerinnen und Anleger entwickelt. Ob sie überhaupt Geld zurückbekommen werden und – falls ja – wann und in welcher Höhe. Das hängt nun vom weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ab. Celsius hat Mitte Juli ein sogenanntes Chapter-11-Insolvenzverfahren eingeleitet, um sich neu zu strukturieren. Dem Handelsblatt sagte Nuri-Geschäftsführerin Kristina Walcker-Mayer, dass Erträge, die während der inaktiven Zeit anfielen, den Nuri-Kunden gutgeschrieben würden. Bislang dürfte das bei den meisten Investoren nicht allzu viel gewesen sein: Zwischen Anfang Juni und Ende August hat der Bitcoin nochmals um 25% an Wert eingebüßt.

Hat Nuri falsch beraten?

Völlig aussichtslos ist die Lage für Nuri-Konten mit Ertragskonto aber nicht. Das meint zumindest eine Zahl von Rechtsanwälten, bei denen der Fall Nuri gerade auf der Agenda steht. Nuri-Kunden sollten prüfen lassen, ob sie nicht Schadensersatzansprüche wegen einer „fehlerhaften Anlageberatung“ geltend machen könnten, schreibt zum Beispiel die Rechtsanwältin Eva Birkmann auf dem Fachportal Anwalt.de. Nuri als Vermittler habe die Kunden darüber aufklären müssen, dass ihre Einlagen im Insolvenzfall eingefroren werden können, so die Expertin für Bank- und Kapitalmarktrecht. Das sei allerdings nicht geschehen.

Ähnlich sehen es die Fachanwälte der Stuttgarter Kanzlei „von Buttlar“, die sich auf der eigenen Website zum Fall Nuri äußern: „Vielen Inhabern der Bitcoin Ertragskonten ist gar nicht bewusst, dass Celsius überhaupt die Möglichkeit hat, die Konten zu sperren“, schreiben die Juristen. Der Fehler liege allerdings nicht nur bei Nuri: Die Investment-App trete als „vertraglich gebundener Vermittler“ der Solarisbank auf. „Die Angabe, dass die Bitcoins jederzeit ausgezahlt werden können, muss daher nicht nur Nuri, sondern auch die Solarisbank gegen sich gelten lassen“. Die Fachanwälte raten betroffenen Kunden deswegen dazu, auf ihr „vereinbartes Recht der jederzeitigen Auszahlung“ zu bestehen. Sollte den Klägern recht gegeben werden, könnten sie beispielsweise in der Zwischenzeit entstandene Kursverluste zurückgezahlt bekommen.

Nuri versprach die jederzeitige Auszahlung

Nicht die Kooperation mit Celsius als solche könnte Nuri nun also auf die Füße fallen – sondern wie das Fintech das Ganze nach außen und an die Anleger verkauft hat. Zwar hat Nuri durchaus die Risiken eines Celsius Ertragskontos in den offiziellen Geschäftsbedingungen thematisiert. In den „besonderen Risikohinweisen“ heißt es beispielsweise: „Die Anleger tragen vollständig das Risiko der Insolvenz von Celsius Network. Alleiniger Schuldner der Ansprüche der Anleger auf die vereinbarten Erträge sowie die Rückzahlung der eingesetzten Menge von Kryptowährungen ist Celsius Network“. An anderer Stelle schließt Nuri auch die eigene Haftung aus: Bei Ausfall von Celsius, schreibt Nuri ebenfalls in den Risikohinweisen, würden an die Anleger keine Zahlungen vonseiten Dritter, etwa einem Einlagensicherungsfonds geleistet. „Auch die Nuri GmbH („Nuri“ oder „wir“) leistet im Fall des Verlustes der eingesetzten Kryptowährungen keinen Ersatz und übernimmt auch sonst keine Sicherheiten.“

Problematisch ist dagegen Paragraf 7 in den Sonderbedingungen zum Ertragskonto bei Celsius. Dort heißt es: „Kunden haben das Recht, jederzeit die Auszahlung einer entsprechenden Anzahl von Bitcoins, die der Anzahl der überlassenen Bitcoins entspricht, sowie der verdienten Erträge zu verlangen.“ Dieses Versprechen stehe im Widerspruch zu den Geschäftsbedingungen von Celsius, kommentiert die Kanzlei von Buttlar den Abschnitt. Denn der amerikanische Partner habe eben diese jederzeitige und unbedingte Auszahlung gerade nicht vorgesehen.

Als einzige Alternative zu einer Klage bleibt den Nuri-Kunden mit Celsius-Konto nicht viel mehr übrig, als abzuwarten. Sie können ansonsten nur weiterhin darauf hoffen, dass der Auszahlungs-Stopp bei Celsius eines Tages beendet wird und sie sich ihr Guthaben – oder das, was davon noch übrig sein wird – auszahlen lassen können. Auch die Zukunft von Nuri ist ungewiss: Von der Geschäftsführung hieß es zuletzt, man arbeite nun gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter „die nächsten Schritte“ aus. Geplant ist ein Sanierungskonzept, um auch weiterhin als Dienstleister im Krypto-Bereich tätig zu sein und die App wie bisher weiterführen zu können. Zumindest von Investorenseite scheint wieder Interesse an Nuri zu bestehen: Laut Medienberichten von Mitte August hätten schon mehrere Investoren Interesse an einem Kauf des Start-ups angemeldet.



Kommentare (3)

A

Anonym

sagt am 27. August 2022

Moin, ich hab jetzt Nuri und glaub ich auch euch zum Thema Nuri und Ether gefragt, aber weiß leider immer noch nicht wie und wohin ich meinen Ether von Nuri transferieren kann. Laut Nuri geht es nicht zu scalable und trade republic. Verkaufen will ich auch nicht. Wer kann mir einen Tipp geben? LG

A

Anonym

sagt am 27. August 2022

Der erste Tipp, den Satzbau und die Interpunktion lernen. Der zweite Tipp, eine Wallet in dem jeweiligen Netzwerk eröffnen und deine Krypto-Tokens dorthin transferieren.

A

Anonym

sagt am 28. August 2022

Generell ist es nicht zu empfehlen, cryptos länger als nötig auf einer Börse zu halten! Direkt auf eine eigene wallet wie metamask oder noch besser auf ein Hardware wallet wie ledger oder safepal schieben! Not your keys not your coins..


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