Mona Linke
Mona Linke
7. Juli 2022

Solaranlagen: Reich durch Sonnenkraft?

Eine eigene Solaranlage auf dem Dach oder Balkon macht unabhängig und spart Kosten. Doch das heißt noch nicht, dass sich die Anschaffung lohnt.

Unabhängigkeit lautet das Stichwort der Stunde. Deutschland möchte so schnell wie möglich von fossilen Rohstoffen loskommen – vor allem von solchen, die wir aus Russland geliefert bekommen. Privatleute können sich zum Teil jetzt schon unabhängig machen – zum Beispiel, indem sie sich eine Solaranlage aufs Dach stellen. Die Module wandeln Sonnenlicht in Strom um, der dann wiederum selbst genutzt oder gegen Vergütung ins Netz eingespeist werden kann. Hohe Strompreise lassen sich auf diese Weise umgehen, wodurch Betreiber im Jahr mehrere Hundert Euro sparen können. Aber reicht das, um die Anschaffungskosten auf absehbare Zeit auszugleichen?

Strom kostet 25% mehr als vor zehn Jahren

Knapp 32,7 Cent kostet die Kilowattstunde Strom laut Daten des Stromreports durchschnittlich im Juli 2022, bei Neuverträgen häufig noch mehr. Verglichen mit Beginn des Jahres ist der Strompreis damit durch die Abschaffung der EEG-Umlage zwar wieder etwas gesunken, trotzdem hat er im Vergleich zum Vorjahr deutlich angezogen. Und es deutet bislang wenig darauf hin, dass sich die Lage so bald entspannen wird.

*Stand Januar 2022, Quelle Daten: BDEW, BMWi, Strom-Report

Neben dem Krieg in der Ukraine sorgen auch die Umweltpläne der EU dafür, dass Strom aus konventionellen Quellen schrittweise teurer wird: Betreiber von Gaskraftwerken müssen sogenannte Emissionszertifikate erwerben und legen diese zusätzlichen Kosten zum Teil auf die Kunden um. Wie sauber unser Strom ist, bestimmt nicht zuletzt das Wetter: Weht in einem Jahr der Wind zu schwach oder scheint die Sonne zu selten, fällt der Anteil an Erneuerbaren Energien an unserem Strommix noch geringer aus.

PV-Anlagen: Sauberer Strom aus der Steckdose

Photovoltaikanlagen, kurz PV-Anlagen, wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um. Eine PV-Anlage besteht aus einem oder mehreren Solarpaneelen – das sind die dunkelblau-glänzenden Platten, die auf dem Hausdach montiert werden oder auch auf großen Freiflächen aufgestellt werden. Ein einzelnes Modul besteht aus vielen einzelnen Solarzellen, die den Umwandlungsprozess ermöglichen. Zu einer Solaranlage gehört außerdem ein Wechselrichter, der den durch die Sonnenkraft erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Das ist die Art von Strom, wie wir sie im Haushalt für den Betrieb von Spülmaschine, Ladegerät und Co. brauchen.

Wie viel Strom erzeugt eine Solaranlage?

Je mehr Solarmodule auf einem Dach montiert sind, desto mehr Strom lässt sich prinzipiell auch erzeugen. Doch auch der Standort und die Neigung beeinflussen den Ertrag. Fällt das Sonnenlicht zum Beispiel mit einer Neigung von 90 Grad auf die Panels, sind die Erträge am höchsten. Außerdem haben solche Betreiber die besten Ertragschancen, die möglichst nah am Äquator leben – denn dort ist die Strahlkraft grob gesagt höher. Die Unterschiede machen sich bereits innerhalb Deutschlands bemerkbar: So erzeugte eine PV-Anlage zwischen 2004 und 2010 beispielsweise in Hamburg, Kiel oder Rostock im Schnitt 1.100 Kilowattstunden (kWh) pro m2 Solarmodul, rund um Augsburg und München waren es mehr als 1.300 kWh.

Himmelsrichtung, Sonnenstunden und Leistung

Entscheidend ist außerdem, nach welcher Himmelsrichtung das Haus ausgerichtet ist. Zeigen die Solarmodule gen Süden, sind die Bedingungen am besten, Richtung Norden am schlechtesten. Je nach Größe und Stromverbrauch lassen sich mit der richtigen Ausrichtung bis zu mehrere Hundert Kilowatt Strom mehr erzeugen.

Wie lange die Sonne scheint, ist ebenfalls relevant. Auch wenn Solarpanels selbst bei diffusem Sonnenlicht Elektrizität erzeugen, sind die Bedingungen bei möglichst vielen Sonnenstunden – also zum Beispiel im Sommer – deutlich besser.

Abgesehen davon gibt es Leistungsunterschiede zwischen den Modellen. Wie viel eine PV-Anlage maximal produzieren kann, wird in Kilowatt-Peak oder Watt-Peak, kurz kWp oder Wp angegeben. 600 Wp bedeutet, dass bei idealen Bedingungen nicht mehr als 600 Watt Leistung erbracht werden können. Ein Kilowatt Peak entspricht im Durchschnitt etwa 1.000 kWh produziertem Strom pro Jahr und benötigt in etwa eine Fläche von sechs bis sieben Quadratmetern. Die durchschnittlichen Solaranlagen besitzen eine Leistung zwischen fünf und zwölf kWp. So nimmt beispielsweise eine PV-Anlage mit 5 kWp in etwa 30 Quadratmeter ein und erzeugt pro Jahr rund 5.000 Kilowattstunden Strom. Geht man vom durchschnittlichen Stromverbrauch pro Haushalt aus, würde das theoretisch genügen, um eine vierköpfige Familie ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Ein Ein-Personen-Haushalt verbraucht pro Jahr nach Angaben des Stromspiegels im Durchschnitt 2.300 kWh. Doch selbst wenn die Leistung der Anlage theoretisch reicht, um den Bedarf zu decken, muss sich die Anschaffung deswegen noch nicht lohnen. Strom aus Sonnenlicht gibt es schließlich nicht umsonst.

Je größer die Anlage, desto rentabler

Zunächst einmal muss die Anlage angeschafft werden, was je nach Größe ziemlich ins Geld gehen kann. Je installiertem Kilowatt Peak betragen die Kosten in der Regel zwischen 1.200€ und 1.800€, bereits eine kleine Dachanlage gibt es deswegen selten unter 5.000€. Für größere Installationen fallen schon mal 16.000€ oder mehr an. Wird dann noch zusätzlich ein Stromspeicher dazugekauft, der überschüssige Sonnenenergie speichert, steigen die Kosten entsprechend. Wie hoch, ist dann wieder abhängig von Leistung und Kapazität des Speichers.

Generell gilt, dass größere Solaranlagen rentabler sind. Die Anschaffungskosten sind zwar  zunächst höher. Dafür verringern sich die Kosten pro installiertem Quadratmeter Leistung, was wiederum dafür sorgt, dass sich die Kosten schneller amortisieren. Das bedeutet, dass die Erlöse irgendwann hoch genug sind, dass sich die Anschaffung der Anlage tatsächlich im Nachhinein rechnet. Je nach Kaufpreis kann das allerdings bis zu 30 Jahre oder länger dauern.

Staat fördert die Anschaffung teilweise

Je nach Bundesland oder Kommune können sich Käufer einer PV-Anlage staatliche Zuschüsse, vergünstigte Förderkredite, Boni oder Ähnliches sichern. Beispielsweise werden dann die Anschaffung der Solarmodule oder auch nur die der Batteriespeicher unterstützt. Solche Zuschüsse sind häufig an spezielle Bedingungen geknüpft – in Köln beispielsweise werden nur Solarmodule gefördert, die nach einem bestimmten Verfahren geprüft wurden, in Aachen richtet sich die Höhe des Zuschusses nach der Leistung und in Bayern galt bis vor Kurzem das 10.000 Häuser Programm, das die Installation neuer Stromspeicher attraktiver machen sollte. Inzwischen wurde es wieder eingestellt – das Kontingent ist seit Frühjahr ausgeschöpft. Um derartige Programme nutzen zu können, sollten Verbraucher bereits vor Anschaffung der Anlage einen Antrag auf Förderung stellen. 

1-2% Betriebskosten pro Jahr

Zusätzlich zu den Anschaffungskosten zahlen Betreiberinnen und Betreiber einer Solaranlage auch für die Nutzung. Diese setzt sich zum Beispiel aus Instandhaltungskosten, Versicherungskosten und Reinigungsgebühren zusammen und umfassen im Schnitt jährlich 1-2% der Investitionssumme. Bei einem Kaufpreis von 10.000€ wären das also 100 bis 200€ pro Jahr. 

EEG-Umlage seit Juli 2022 ausgesetzt

Auch eine höhere Leistung hat bis vor Kurzem Zusatzkosten bedeutet: Hat die Solaranlage eine Nennleistung von mehr als 30 Kilowatt-Peak, mussten die Betreiber bislang auf jede selbst verbrauchte Kilowattstunde eine Abgabe von 2,6 Cent zahlen. Das waren 40% der EEG-Umlage, mit der die Bundesregierung den Ausbau von Ökostromanlagen fördern möchte – und die in diesem Juli für alle Stromverbraucher entfallen ist.

Je höher die Strompreise, desto wirtschaftlicher die Anlage

Wer seinen eigenen Strom erzeugt, macht sich unabhängiger von den Strompreisen der großen Netzbetreiber. Je teurer der ist, desto eher lohnt sich entsprechend die Anschaffung einer Solaranlage. Bei einem Preis von aktuell knapp 33 Cent pro Kilowattstunde ist die Ersparnis im Vergleich zu den 10 bis 14 Cent Betriebskosten pro Kilowattstunde ziemlich hoch. Allerdings sind die Anschaffungskosten hier noch nicht eingerechnet – und außerdem kann gar nicht der gesamte erzeugte Stroms auch selbst benutzt werden. Eine vollständige Unabhängigkeit ist praktisch unmöglich.

Das liegt daran, dass die Sonne nicht an jedem Tag des Jahres gleich stark scheint und auch der Stromverbrauch im Laufe des Jahres meist variiert. Selbst Besitzer einer sehr leistungsstarken PV-Anlage zeitweise nach wie vor angewiesen auf den Strom aus dem Stromnetz.

Fast vollständig autark mit einem Speicher

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft hat einen “Unabhängigkeitsrechner” entwickelt, mit dem Verbraucher ermitteln können, in welchem Maße sie ihren Stromverbrauch mithilfe einer PV-Anlage decken können. Wer beispielsweise 2.000 kWh Strom im Jahr verbraucht und eine Anlage mit einer Leistung von 8 Kilowatt montiert, kann laut des Rechners 40% seines Bedarfs selbst decken. Wird zusätzlich ein Speicher beziehungsweise Solarakku angeschafft, lassen sich sogar bis zu 94% decken, nur 6% kämen also aus dem Stromnetz.

Weil die Sonne jedoch nicht zu jeder Jahreszeit gleich viel scheint, wird ab und zu auch zu viel Strom produziert werden. Ist in dem Fall kein Speicher angeschlossen, wird die Energie automati