So automatisiert du deine Finanzen

Markus Schmidt-Ott
Markus Schmidt-Ott
Stand: 19. August 2022
Gute Vorsätze sind schnell gemacht: Endlich mal die Finanzen richtig organisieren und nicht mehr von Monat zu Monat das ausgeben, was reinkommt. Mit ein paar Tricks kann man diese guten Vorsätze auch wirklich umsetzen: Nämlich indem man seine Finanzen automatisiert.

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Was du wissen solltest
  • Der sorgsame und sparsame Umgang mit Finanzen erfordert Disziplin.
  • Es ist aber gar nicht schlimm, wenn man diese Disziplin nicht aufbringen kann: Diese kann man durch Automatisierungen ersetzen.
  • Der geschickte Einsatz von Automatisierungen ermöglicht dir die Kombination aus einem sparsamen Leben, ambitioniertem Vermögensaufbau und möglichst wenig Verzicht auf Freizeitausgaben.

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So gehst du vor
  • Richte zunächst einen Notgroschen ein, der dir jederzeit einen finanziellen Puffer bietet.
  • Anschließend beginnt der Vermögensaufbau: Durch einen Dauerauftrag auf das Verrechnungskonto und einen Sparplan wird dieser automatisiert.
  • Mit verschiedenen weiteren Unterkonten und Daueraufträgen kannst du verschiedene Ausgabenarten (z.B. Fixkosten und variable Kosten) voneinander trennen und behältst so den Überblick.

Warum Finanzen automatisieren?

Wenn man ein Vermögen aufbauen möchte, benötigt man hauptsächlich eines: Disziplin. Denn der Alltag bietet eine Menge Verlockungen, an verschiedenen Stellen etwas zu viel Geld auszugeben. Damit man diese Disziplin gar nicht erst aufbringen muss, kann man diese durch Automatisierung ersetzen.

Damit du Schritt für Schritt deine Finanzen automatisieren kannst, arbeiten wir uns durch verschiedene Levels, ähnlich einem Technologiebaum bei einem Computerspiel. Erst wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind, geht es weiter zum nächsten Level. Es steht dir natürlich vollkommen frei, ob du dich bereits mit dem ersten Level zufriedengibst oder die Finanz-Automatisierung komplett durchspielen möchtest.

Level 1: Vermögensbildung automatisieren

Das erste Level ist das wichtigste. Hier wird ein Mindestmaß an Struktur in deine Finanzen gebracht und du trennst deine Vermögensbildung von deinen restlichen Ausgaben.

1. Notgroschen ansparen

Du solltest immer als Erstes einen Notgroschen ansparen. Der Notgroschen schützt die restlichen Ersparnisse und bietet einen finanziellen Puffer für finanziell schwierige Phasen. Ohne diesen kann es passieren, dass zum Beispiel bei Jobverlust Wertpapiere verkauft werden müssen. Im schlimmsten Falle passiert das zu einer Zeit, in der die Börsenkurse gerade abgestürzt sind. Der Verlust wäre maximal.

Wie groß der Notgroschen sein sollte, hängt von deinem Sicherheitsbedürfnis ab. Idealerweise sollte er 3 bis 6 Nettomonatsgehälter betragen.

Notgroschen automatisieren

  1. Richte dir ein Unterkonto ein, etwa ein Tagesgeldkonto. So ist der Notgroschen von deinen restlichen Finanzen getrennt.
  2. Falls du bereits Ersparnisse hast, kannst du diese nutzen, um den Notgroschen aufzubauen.
  3. Richte einen Dauerauftrag mit einer monatlichen Summe ein, um den Notgroschen Monat für Monat anzusparen. 
  4. Die Anzahl der Ausführungen des Dauerauftrags kannst du limitieren, sodass der Dauerauftrag automatisch stoppt, sobald dieser fertig angespart ist.

Danach musst du dich um diesen nicht mehr kümmern und kannst dich deiner Geldanlage widmen.

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Bezahle dich selbst zuerst

Du solltest Daueraufträge auf deine Unterkonten immer direkt nach Gehaltseingang ausführen. So läufst du nicht Gefahr, dass dir andere Ausgaben einen Strich durch die Rechnung machen. Die ersten Ausgaben nach Gehaltseingang gehen also immer an dich selbst.

2. Sparrate aufs Depot

Wenn dein Notgroschen vollständig ist, kannst du mit dem Vermögensaufbau beginnen. Die Automatisierung funktioniert ähnlich wie beim Notgroschen.

Sparrate automatisieren

  1. Falls noch nicht vorhanden: Depot eröffnen. Wir haben da einige Empfehlungen für dich.
  2. Dauerauftrag aufs Verrechnungskonto einrichten. Zu jedem Depot gehört ein Verrechnungskonto, über das die Transaktionen abgerechnet werden.
  3. Sparplan aufsetzen, der automatisch deine Sparrate vom Verrechnungskonto in ETFs in deinem Depot investiert.

Übrigens kannst du mit dieser Automatisierung auch schon beginnen, wenn dein Notgroschen noch nicht vollständig ist: Bei einigen Banken kann man wählen, ab wann ein Dauerauftrag oder Sparplan zum ersten Mal ausgeführt werden soll. Hier wählst du einfach ein Datum nach Ablauf des Notgroschen-Dauerauftrages. Dann musst du dich auch darum nicht mehr kümmern.

Level 2: Überblick über die Ausgaben

Ab hier könntest du dich bereits zurücklehnen und Schluss machen. Du hast bereits das erste Level geschafft und vielleicht ist das für dich ausreichend. Du hast für die Vermögensbildung schon das wichtigste geschafft: Der Notgroschen ist aufgebaut und die Sparrate wird jeden Monat vom Girokonto abgebucht. 

Level 2 hingegen verschafft dir einen Überblick über deine Ausgaben. Am Ende von Level 2 wirst du einen Überblick über deine Fixkosten haben und versuchst deine variablen Kosten so gering wie möglich zu halten. So maximierst du den Betrag, mit dem du ein Vermögen bilden kannst.

1. Fixkosten auflisten

Damit du weißt, wofür du jeden Monat Geld ausgibst und wie viel am Ende noch übrig bleibt, erarbeiten wir uns Schritt für Schritt einen Überblick. Wir fangen mit den Fixkosten an und kümmern uns dann um die variablen Kosten.

  1. Liste all deine wiederkehrenden Kosten, die jeden Monat oder in anderen Abständen fällig sind, auf. 
  2. Halte zudem fest, in welcher Regelmäßigkeit die Beträge abgebucht werden.
  3. Außerdem rechnest du alle Kosten, die nicht monatlich fällig sind (z.B. jährlich) auf einen Monat herunter.

Das kann zum Beispiel so aussehen: 

BeschreibungRhythmusBetragPro Monat
MieteMonatlich800€800€
StromkostenMonatlich50€50€
Amazon PrimeJährlich89€7,42€
Internet und HandyMonatlich35€35€
RundfunkgebührVierteljährlich55,08€18,36€
HaftpflichtversicherungJährlich75€6,25€
ÖPNV-AboJährlich700€58,33€

Der monatliche Betrag kann dir bei weniger regelmäßigen Ausgaben einen guten Überblick geben. Schließlich erhältst du auch dein Gehalt monatlich und nur wenn die monatlichen Einnahmen größer sind als alle auf den Monat gerechneten Ausgaben, hast du deine Kosten gedeckt.

Nun kannst du die Summe der nicht monatliche Ausgaben jeden Monat auf einem weiteren Unterkonto ansparen. Dann läufst du nicht Gefahr, zum Zeitpunkt der Abbuchung nicht mehr genügend Geld auf dem Konto zu haben. 

Fixkosten automatisieren

  1. Richte ein weiteres Unterkonto für deine nicht monatlichen Fixkosten ein.
  2. Addiere alle nicht monatlichen Ausgaben – auf den Monat gerechnet – zusammen.
  3. Überweise diese Summe jeden Monat mit einem Dauerauftrag auf dieses Unterkonto.
  4. Ist eine nicht monatliche Ausgabe fällig, überweist du diesen Betrag wieder zurück auf dein Girokonto.
Summe monatliche Ausgaben885€
Summe nicht monatliche Ausgaben pro Monat90,36€
Summe Fixkosten975,36

Besonders weit treiben kann man es, indem man gleich alle monatlichen und nicht monatlichen Fixkosten auf das Unterkonto überweist. So kann man variable und fixe Kosten sauber voneinander trennen. Den verbliebenen Betrag auf dem Girokonto kann man dann bis zum Monatsende entspannt aufbrauchen.

2. Variable Kosten budgetieren

Mit den variablen Kosten kannst du besonders viel Geld sparen. Denn dabei handelt es sich um die Gelegenheitskosten, die mal hier und mal da anfallen. Einen Überblick über die variablen Kosten zu erstellen, lässt sich nicht einfach automatisieren. Hier ist Handarbeit gefragt. Dennoch könntest du eine App nutzen, die automatisch deine Kontobewegungen analysiert und kategorisiert.

  1. Setze ein Haushaltsbuch auf, in dem du deine variablen Ausgaben einträgst und kategorisierst.
  2. Erstelle für jede Ausgabe ein realistisches Budget.
  3. Nun versuchst du in den kommenden Monaten nie mehr auszugeben als das Budget.

Wenn du dir diese Handarbeit sparen möchtest, haben wir noch eine sehr radikale Lösung für dich:

3. Sparrate dynamisieren

Falls du es mit der Automatisierung ganz besonders ernst meinst und um keinen Preis ein Haushaltsbuch führen möchtest, könnte diese Automatisierung nützlich sein. Du verzichtest darauf, dir einen Überblick über die variablen Kosten zu verschaffen und überlässt diese dem Zufall. Alle Fixkosten hingegen überweist du auf ein gesondertes Fixkosten-Konto. Um trotzdem in Zukunft sparsamer zu leben, dynamisierst du jetzt deine Sparrate: Sprich, die Sparrate wird regelmäßig erhöht. Bei einigen Banken lässt sich das sogar automatisch realisieren.

Nach einigen Monaten wird die Sparrate vermutlich eine Höhe erreicht haben, sodass gerade noch genügend variable Kosten übrig sind, um über den Monat zu kommen. Das ist dann die maximal mögliche Sparrate.

Aber zugegeben: Diese Methode ist ein wenig brachial.

Level 3: Besondere Rücklagen und Gemeinschaftskonten

In vielen Situationen kannst du Level 3 einfach überspringen. Denn dieses Level ist primär dann relevant, wenn es bestimmte Risiken gibt, für die man Rücklagen bilden sollte.

Immobilienbesitzer sollten beispielsweise damit rechnen, dass ungeplante Instandhaltungen, Mietausfälle oder andere außerplanmäßige Ausgaben auftreten. Eine Rücklage ist hilfreich, um dieses Risiko auszugleichen.

Aber auch als Mieter können Rücklagen für besondere Risiken sinnvoll sein. Wenn man beispielsweise wegen gestiegener Energiepreise hohe Nachzahlungen erwartet, sollte man diese schon frühzeitig ansparen, um den Notgroschen damit nicht belasten zu müssen. 

Zudem lohnt sich auch in einer Partnerschaft ein Konto für gemeinsame Ausgaben. Mit einem Dauerauftrag bezahlt jeder einen bestimmten Betrag auf dieses Konto ein und gemeinsame Ausgaben werden von dort bezahlt. So spart man sich, gemeinsame Ausgaben aufschreiben und abrechnen zu müssen.

Level 4: Spaßkonto, kurz- und mittelfristige Ziele

Die Variablen Kosten sind nach wie vor eine Mischung aus verschiedensten Ausgaben, die sich in zwei Ausgabenarten einteilen lassen: notwendige Ausgaben wie für Lebensmittel. Und nicht notwendige Ausgaben für Freizeitaktivitäten, Restaurantbesuche und so einiges, was man sich im Laufe des Monats gönnt.

Wer diszipliniert ist, kann genau abschätzen, wie viele Verlockungen man sich im Laufe des Monats leisten kann, ohne zum Monatsende kein Geld mehr für Lebensmittel zu haben. Wer die Disziplin hingegen nicht hat, kann sich wieder mit einem Trick helfen: Man trennt die notwendigen von den nicht notwendigen Ausgaben, indem man sich ein separates Spaßkonto einrichtet:

  1. Weiteres Unterkonto als Spaßkonto eröffnen.
  2. Jeden Monat per Dauerauftrag einen festen Betrag auf dieses Konto überweisen.
  3. Das Guthaben auf dem Spaßkonto ohne Hemmungen ausgeben.

Der Betrag, der auf dem Spaßkonto ist, kann nun für jeden beliebigen Spaß ausgegeben werden. Was hingegen auf dem Girokonto verbleibt, wird nur für notwendige Alltagsausgaben verwendet.

Die gleiche Methode ergibt übrigens auch für andere kurz- oder mittelfristige Ausgabenarten Sinn. Beispielsweise kann man ein Urlaubskonto einrichten, welches man regelmäßig mit einem bestimmten Betrag für den nächsten Urlaub ausstattet.

Auch für größere Ausgaben wie ein neues Auto oder auch nur ein neues Handy kann diese Methode Anwendung finden. 

Wichtig in allen Levels

Ganz gleich, wie weit du dich hier durch die Levels hangeln möchtest, ist es wichtig, dass deren Reihenfolge respektiert wird. Besondere Priorität hat dabei immer dein Notgroschen:

  • Ohne Notgroschen kein Vermögensaufbau.
  • Ohne Depot kein Spaßkonto, Urlaubskonto und andere.

Außerdem solltest du feste Regeln einführen, was passiert, wenn du doch mal an deinen Notgroschen musst. In diesem Falle solltest du möglichst alle Zahlungsströme Richtung Notgroschen umleiten, um diesen möglichst schnell wieder aufzubauen. Im Zweifel muss dafür auch mal die Vermögensbildung pausiert werden, was es aber möglichst zu vermeiden gilt.

Häufig gestellte Fragen

Wie automatisiert man seine Finanzen?

Warum sollte seine Finanzen automatisieren?