Notgroschen – Definition, Höhe, Anlage

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 8. August 2022
Der Notgroschen als Reserve für finanzielle Notfälle ist eine wichtige Säule für jede Finanzplanung. Warum ist es so wichtig, sich einen Notgroschen anzulegen? Wie hoch sollte er sein? Und wie kann man den Notgroschen in der Praxis in das eigene finanzielle System einbauen? Alles rund um den Notgroschen findest du in diesem Ratgeber.

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Was du wissen solltest
  • Jeder sollte einen Notgroschen haben, der einen für finanzielle Notlagen wie Schicksalsschläge oder unerwartete große Ausgaben absichert.
  • Den Notgroschen kann man anhand des monatlichen Nettoeinkommens oder der Monatsausgaben bestimmen: Jeweils drei bis sechs Einheiten davon sollte man vorhalten. Alternativ kann man davon auch die zu erwartenden staatlichen Sozialleistungen abziehen.
  • Bei der Bestimmung der Höhe des Notgroschens sollte man individuell Sicherheitsgefühl, Opportunitätskosten und persönliche Faktoren (Familie, Jobsicherheit, etc.) balancieren.
  • Da der Notgroschen wie eine Art Versicherung ist, kann man die entgangene Rendite durch Nicht-Anlage als „Versicherungsprämie“ verstehen.

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So gehst du vor
  • Es lohnt sich, den Notgroschen auf einem separaten Konto zu führen, um ihn von den alltäglichen Einnahmen und Ausgaben abzugrenzen.
  • Gerade ein Tagesgeldkonto bietet sich aufgrund seiner Sicherheit und Flexibilität an. Auch ein separates Girokonto oder Unterkonto können den Zweck erfüllen.
  • Weder festverzinsliche noch volatile, risikobehaftete Geldanlagen sollten für den Notgroschen verwendet werden.
  • Besonders wichtig: Der Notgroschen muss jederzeit verfügbar sein.
  • Das Portal Weltsparen bietet Tagesgeldkonten aus verschiedenen EU-Ländern.

Was ist ein Notgroschen?

Das Wort „Notgroschen“ setzt sich zusammen aus der „Not“ und einem altertümlichen Wort für eine Münze, den „Groschen“. Damit kann man eine Art eiserner Reserve bezeichnen, also Geld, das zur Absicherung von finanziellen Notfällen sicher zurückgelegt und jederzeit verfügbar ist. Wie wir im Verlauf dieses Ratgebers herausstellen werden, ist der Notgroschen ein unverzichtbarer Teil jeder Finanzplanung und schafft finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit. 

Dafür braucht man einen Notgroschen

Unvorhergesehene hohe Ausgaben kommen im Alltag immer mal wieder vor: Ein harmloses Beispiel wäre eine Waschmaschine, die kaputtgeht und dringend ersetzt werden muss. Wer über ein eher niedriges Einkommen verfügt, kann durch solch eine Ausgabe schnell in eine finanzielle Schräglage kommen. Aber auch ernstere finanzielle Notfälle wie ein Schicksalsschlag in der Familie, der hohe Kosten nach sich zieht, oder eine plötzliche Arbeitslosigkeit zeigen, wie wichtig es ist, ausreichend Geld zurückgelegt zu haben, um nicht so einfach in Geldschwierigkeiten zu geraten.

Damit ist der Notgroschen eine Art Versicherung: Man sichert sich mit ihm gegen unvorhergesehene finanzielle Notfälle ab. Ein wichtiger Effekt ist die Vermeidung von unnötigen und teuren Krediten, auf die ohne ausreichendes Sicherheitspolster oft zurückgegriffen wird. 

Auch wenn eine Wirtschafts- oder Finanzkrise auftritt und das Wertpapierportfolio plötzlich zusammenschrumpft, ist der Notgroschen unverändert für Notfälle verfügbar. Ein psychologischer Effekt stellt sich ein: Wer einen ausreichenden Notgroschen aufgebaut hat, geht entspannter und selbstbewusster durchs Leben. Ruhigen Gewissens kann man Geld für den Vermögensaufbau investieren oder für schöne Dinge wie Reisen ansparen und ausgeben. Dies führt zu einem Plus an Freiheit, zum Beispiel, um einen Jobwechsel ohne finanziellen Druck durchführen zu können.

Höhe des Notgroschens: Woran messen?

Die Geister scheiden sich aber an der Frage, wie hoch der Notgroschen sein sollte. Die Höhe des Notgroschens ist letztendlich eine individuelle Frage und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wer eine Familie oder größere finanzielle Verpflichtungen wie eine Immobilienfinanzierung hat, tut gut daran, den Notgroschen großzügiger anzusetzen. Wer hingegen als Single ohne solche Verpflichtungen lebt, kann ihn etwas niedriger ansetzen. Auch die Sicherheit des Jobs oder der Einkünfte haben einen Einfluss auf die Höhe des Notgroschens – ein sicheres Gehalt wie das einer Beamtin erlaubt auch einen kleineren Notgroschen.

Die zwei hauptsächlichen Messgrößen des Notgroschens sind die folgenden:

  1. Nettomonatsgehälter
  2. Monatsausgaben

Bei beiden Größen empfehlen sich drei bis sechs Einheiten als Notgroschen. Der Vorteil von Nettomonatsgehältern besteht darin, dass sie sehr einfach zu messen sind und sich der Lebensstandard für den angesparten Zeitraum exakt halten lässt. Der Nachteil wiederum besteht darin, dass man sich tendenziell überversichert, „zu viel“ Geld beiseite legt, das man auch renditeträchtig anlegen könnte: Insbesondere Sparraten für die langfristige Geldanlage können in Zeiten finanzieller Not wie z.B. bei Arbeitslosigkeit für den betreffenden Zeitraum ausgesetzt werden.

Die Verwendung von Monatsausgaben ist hingegen viel exakter, weil man nur das Geld maßgeschneidert anspart, das man im Falle einer finanziellen Notsituation auch wirklich braucht. Als nachteilig könnte man ansehen, dass etwa die Sparraten während einer Zeit finanzieller Not wegfallen. Wichtig ist es bei dieser Berechnungsart, jährlich anfallende Ausgaben anteilig einzukalkulieren, sodass, wenn sie anfallen, auch für sie gesorgt ist.

Eine Abwandlung der beiden Varianten des Notgroschens ist es, staatliche Transferleistungen in die Berechnung mit einzubeziehen. Da man in Deutschland im Falle einer Arbeitslosigkeit vom Sozialsystem aufgefangen wird, kann man seinen Notgroschen beträchtlich reduzieren, wenn man die zu erwartenden Sozialleistungen von der Höhe des Notgroschens abzieht. Verliert man den Arbeitsplatz, kann man Arbeitslosengeld erhalten, das in etwa 60% des vorherigen Nettogehaltes entspricht. Der Notgroschen muss dann nur noch die verbliebenen 40% füllen. Genau ausrechnen kannst du das zu erwartende Arbeitslosengeld mit unserem Arbeitslosengeld-Rechner.

Wer beispielsweise vier Monatsgehälter à 1.800€ zurücklegen würde (insgesamt 7.200€), aber davon monatlich 900€ zu erwartender Transferleistungen abzieht, müsste nur 4.500€ als Notgroschen anlegen. 

Insgesamt muss man persönlich eine Balance zwischen dem gewünschten Sicherheitsgefühl, den individuellen Faktoren und den zu erwartenden Opportunitätskosten (also der entgangenen Rendite) finden. Das Ziel ist, sich mit dem Notgroschen weder über- noch unterzuversichern. Aber: Keep it simple! Man muss keine Raketenwissenschaft daraus machen, den Notgroschen zu berechnen. Wichtig ist einfach, dass man mit einem soliden finanziellen Polster durchs Leben geht, das einen für Notfälle absichert.

Wie das Geld für den Notgroschen anlegen?

Wer die Notwendigkeit eines Notgroschens erkannt und seine persönliche Höhe festgelegt hat, fragt sich vermutlich, wie der Notgroschen denn angelegt werden soll. Drei Bedingungen gibt es für die Auswahl des geeigneten Orts des Notgroschens: Erstens muss das Geld immer verfügbar sein, also jederzeit flexibel ausgezahlt werden können. Zweitens muss der Notgroschen stabil sein, also keinen großen Wertschwankungen unterliegen. Und drittens sollte er von den alltäglichen Einnahmen und Ausgaben getrennt aufbewahrt werden, sodass er nicht für die nächste Urlaubsreise, sondern tatsächlich nur für Notfälle verwendet wird.

Die beste – wenn auch nicht die einzige – Option, die alle diese Bedingungen erfüllt, ist ein Tagesgeldkonto. Tagesgeld ist flexibel und kann jederzeit ausbezahlt werden, es gibt (momentan sehr niedrige) Zinsen darauf und ist separat vom alltäglichen Girokonto. Die niedrigen Zinsen führen durch den Kaufkraftverlust (Inflation) langfristig dazu, dass real eine negative Rendite auftritt. Diesen realen Wertverlust (die auch als Opportunitätskosten verstanden werden können, also als entgangene Rendite) kann man letztendlich als „Versicherungsprämie“ begreifen, die man bezahlt, um sich gegen finanzielle Notfälle abzusichern. Die Sicherheit eines Tagesgeldkontos ergibt sich vor allem aus der Bonität der Bank, bei der es geführt wird, und des Landes, in dem diese Bank beheimatet ist. In der EU sind Tagesgeldeinlagen bis zu einer Höhe von 100.000€ abgesichert (Einlagensicherung).

Alternativ bieten viele digitale Girokonten mittlerweile an, eine Vielzahl an Unterkonten zu eröffnen. Auch dieser Weg ist geeignet, um den Notgroschen aufzubewahren: Sicherheit, Liquidität und – bis zu einem gewissen Grad – Trennung, sind hier gegeben.

Eine wenig geeignete Geldanlage ist das Festgeld. Zwar ist es bei einer Bank mit hoher Bonität sicher und vom Alltagsgeldfluss getrennt aufbewahrt, durch seine feste Laufzeit aber ungeeignet, um in finanziellen Notfällen verwendet zu werden. Auch risikobehaftete Anlageklassen wie global diversifizierte ETFs sind ungeeignet, um den Notgroschen aufzubewahren. Zwar kann über einen langen Anlagezeitraum hinweg eine gute Rendite erwirtschaftet werden, allerdings geht man hierfür das Risiko ständiger Wertschwankungen ein. Der Notgroschen muss allerdings jederzeit stabil verfügbar sein – das Erreichen von hohen Renditen ist nicht das Ziel.

In der Praxis: Drei Konten führen

Um der Idee Rechnung zu tragen, dass es psychologisch am einfachsten und effizientesten ist, Notreserve, Geldanlage und tägliche Geldein- und -ausgänge zu trennen, kann man ein Kontenmodell mit drei separaten Konten anwenden. Das hat den Vorteil, die drei „Töpfe“ und ihre unterschiedlichen finanziellen Zwecke nicht durcheinanderzubringen.

Das Modell besteht aus diesen Konten:

  1. Girokonto: Das Girokonto ist für die alltäglichen Geldflüsse zuständig. Hier werden die Geldeinnahmen, etwa durch das Gehalt, verbucht und die alltäglichen Ausgaben getätigt. Von hier aus werden auch die beiden anderen Töpfe befüllt, am besten automatisch am Monatsanfang mit Daueraufträgen.
  2. Tagesgeldkonto/separates Girokonto: Dieses beinhaltet den Notgroschen. Wer noch dabei ist, sich den Notgroschen aufzubauen, kann dies mithilfe von monatlichen Daueraufträgen vom Hauptkonto machen. Danach ist der Notgroschen nur zur Absicherung und Notfälle da, nicht für alltägliche Ausgaben.
  3. Depot: Das Depot dient dem langfristigen Vermögensaufbau. Hier soll Rendite erwirtschaftet werden, etwa durch globale Aktien-ETFs. Wer keine große Summe auf einmal anlegen kann, kann den Vermögensaufbau durch monatliche Sparraten betreiben. Das Depot sollte nur Kapital beinhalten, auf das man nicht angewiesen ist, sondern das ungestört mindestens 15 Jahre in der Geldanlage bleiben kann.

Insbesondere das automatisierte Sparen ist hilfreich, um sich einen Notgroschen und dann eine langfristige Geldanlage aufzubauen. Wer direkt am Monatsanfang das Geld zur Seite (sprich: ins Depot oder Tagesgeldkonto) legt, ist weniger versucht, es doch für alltägliche Konsumausgaben zu verwenden. 

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Monatsgehälter als Notgroschen?

Was versteht man unter Notgroschen?

Soll ich meinen Notgroschen in ETFs anlegen?