Mona Linke
Mona Linke
10. Februar 2022

So arbeiten Family Offices

Immer mehr vermögende Familien leisten sich ein Family Office – aber weshalb? Wie die Superreichen ihr Geld investieren und wie erfolgreich sie dabei sind.

Wie übergibt man eigentlich ein Unternehmen an die Kinder, in welchen Anlageklassen ist das Vermögen am besten aufgehoben und was gehört alles ins Testament? Für die Beantwortung solcher und anderer Fragen engagieren die Multimillionäre dieser Welt gern ein Family Office. Gesetzt haben diesen Trend im 19. Jahrhundert Unternehmerfamilien wie die Rockefellers oder der US-amerikanische Privatbankier John Pierpont Morgan, die die ersten offiziellen Family Offices der Welt hochzogen, um das eigene Vermögen gut verwaltet zu wissen. Die Family Offices existieren bis heute, beraten inzwischen aber auch andere Familien. Einen weltweiten Boom erlebte die Branche insbesondere um die Jahrtausendwende und nach der Finanzkrise 2007/08. Allein Deutschland zählt inzwischen mehr als 400 Family Offices, die Dynastien wie die Otto-Familie und die Industriefamilie Quandt beraten, aber auch erfolgreiche Mittdreißiger, die ihr Start-up verkaufen wollen. Die Branche hat sich gewandelt: Family Offices investieren anders als noch vor ein paar Jahrzehnten, außerdem sind die Mandanten inzwischen oft informierter als früher. Doch klären wir zunächst, was ein Family Office überhaupt auszeichnet.

Was genau ist ein Family-Office?

Prinzipiell könnte sich jeder gewöhnliche Vermögensberater “Family Office” nennen, denn der Begriff ist nicht geschützt. Dabei kann es sich bei den “Reichenflüsterern”, wie sie auch gern mal genannt werden, sowohl um eine einzelne Person handeln, die der Familie vielleicht ohnehin schon nahesteht, als auch um ein paar Dutzend Experten, die das Vermögen gleich mehrerer Unternehmerfamilien verwalten.

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Definition der BaFin

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) definiert Family Offices als “Unternehmen, unabhängig von ihrer Rechtsform, die sich mit der bankenunabhängigen Verwaltung großer privater Vermögen befassen.”

Zentrale Aufgaben eines Family Office sind die Steuerung, Erhaltung und Organisation von Vermögen. Was bedeutet das konkret?

“Es geht vor allem darum, sich mit der Familie zusammenzusetzen und zu überlegen, in welche Assetklassen das Vermögen investiert werden soll”, sagt Catharina Weber, Senior Beraterin im Hamburger Family Office Kontora und gleichzeitig Leiterin der Geschäftsstelle des Verbandes unabhängiger Family Offices (VuFO). Ganz am Anfang müsse geklärt werden, was die “Familien-Mission” ist, meint sie: “Was sind die Ziele der Familie, welche Werte sind besonders wichtig, worauf kommt es die nächsten Jahre an?” Erst dann würde man sich mit Investitionsmöglichkeiten beschäftigen. Doch mit der Auswahl der Assetklassen hat es sich längst nicht getan.

Was sind die Aufgaben eines Family Office?

Die Aufgaben eines Family Office können schnell bis ins Private reichen. Reiseplanung, der richtige Internatsplatz für die Tochter oder auch die Wahl des Handyvertrags sind ebenfalls Entscheidungen, bei denen sich einige vermögende Familien beraten lassen. “Die Nachfrage nach solchen Leistungen wird aber zunehmend weniger”, meint Weber. Sie selbst beschäftige sich sehr häufig mit der Nachfolgeplanung – weniger bezogen auf Unternehmens- und viel mehr bezogen auf Vermögensübertragungen.

Mit meinen Mandanten spiele ich dann häufig ein ‘Probesterben’ durch: Wir schauen uns an, was die Fallstricke im Falle eines Ablebens wären und überlegen, wie sich diese vermeiden lassen, das geschieht immer in Zusammenarbeit mit dem Notar oder Steuerberater des Mandanten. Catharina Weber, Senior Beraterin im Hamburger Family Office Kontora

Überhaupt ist insbesondere für Familienunternehmen der Umgang mit Steuer- und Rechtsfragen relevant. Beispielsweise auch, wenn eine Umstrukturierung innerhalb der Firma oder eine Fusion mit einer anderen Firma durchgeführt werden soll.

Von Pensionskassen bis zum Startup-Gründer: die Mandanten

Vermögende Familien sind nicht die einzigen Mandanten von Family Offices. Unternehmen wie Kontora betreuen ebenfalls Stiftungen, für die es dann zum Beispiel darum geht, ein Spendenprofil aufzustellen. Ferner gehören auch institutionelle Investoren wie Versorgungswerke und Pensionskassen zum Kundenkreis. Themen wie die Nachfolgeplanung seien dann weniger von Relevanz, sagt Catharina Weber, eher gehe es um eine strategisch kluge Asset Allocation sowie die Steuerung und Kontrolle des Vermögens. Was Familien und Privatpersonen betrifft, ist Webers Kundenkreis ziemlich durchmischt. Das Family Office betreut zunehmend auch jüngere Unternehmer, viele davon Startup-Gründer in ihren Dreißigern, die vieles bereits selbst erledigen und das Family Office als Ergänzung nutzen. “Viele der jüngeren Mandanten arbeiten eher auf einen Exit hin und haben häufig nach dem Unternehmensverkauf weiterhin Lust, unternehmerisch tätig zu sein.” Teilweise säßen auch schon top-ausgebildete Investoren vor ihr, so Weber. “Denen braucht man dann nicht noch mal zu erklären, wie der Zinseszinseffekt funktioniert oder was Korrelation bedeutet” Teilweise ist aber auch das genaue Gegenteil der Fall.

“Es geht viel um Wissensvermittlung”

Auch wenn man meinen möchte, dass die meisten Kunden von Family Offices bereits wissen, wie man gut mit Geld umgeht und vor allem, wie man Geld vermehrt, ist genau das oftmals nicht der Fall. “Es geht viel um Wissensvermittlung”, sagt Catharina Weber. “Die Familie soll am Ende in der Lage sein, selbst bestmögliche Entscheidungen zu treffen, bevor man ihnen zum Beispiel ein Investment vorschlägt.” Und dafür müsse man dann eben teilweise erst einmal erklären, was überhaupt eine Aktie oder der Sinn einer Asset-Allocation ist. Das Ganze nicht selten auf “Sendung-mit-der-Maus”-Niveau, meint die Beraterin. Genau das sei es aber, was ihr so viel Spaß bereite. Daneben begeistern sie die emotionalen Aspekte ihrer Arbeit:

Man sitzt auch schon mal am Wochenende sechs Stunden im Keller auf dem Boden und sortiert zusammen mit der Familie Akten – darauf muss man schon Bock haben. Catharina Weber, Senior Beraterin im Hamburger Family Office Kontora

Zwangsläufig baut Weber zu ihren Kundinnen und Kunden ein Vertrauensverhältnis auf – und dann gelte es, professionell zu bleiben und Distanz zu wahren. “Man ist nicht Freund, sondern Dienstleister.”

Ab 30 Mio. Euro lohnt es sich

Die allermeisten in Deutschland ansässigen Family Offices sind Single Family Offices. Daneben existieren ein paar Dutzend Multi-Family-Offices wie Kontora aus Hamburg. Single-Family-Offices kümmern sich allein um das finanzielle Wohlergehen einer einzigen Familie oder auch eines einzigen Familienmitglieds, während Multi-Family-Offices auch schon mal 30 Klienten gleichzeitig betreuen. Sie werden ferner auch als “externe” Family Offices bezeichnet – und die meisten von ihnen sind nicht nur etwas