Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
7. Januar 2022

Das Geschäft mit dem Genuss: Anlegen in Wein

Sachwerte wie Wein versprechen Abwechslung in der ansonsten abstrakt wirkenden Investmentwelt der Aktien oder Indexfonds. Sie sind fassbar und ihr sinnlicher Gegenwert lässt sie nicht nur für Weinkenner und Hobbywinzer attraktiv erscheinen. Denn ein guter Wein wird mit dem Alter nur besser (und wertvoller), richtig…? Wir haben uns das Anlagegeschäft mit Wein einmal genauer angesehen.

So funktioniert der Weinmarkt

Hochqualitative Weine (im Englischen “Fine Wine”) gehören zu der Anlageklasse der Luxusgüter, zu der unter anderem auch Kunstwerke, Antiquitäten oder Oldtimer zählen. Die Betonung der Qualität ist sehr wichtig, da der 3,50€-Grauburgunder vom Discounter nicht als Anlageprodukt dienen kann – auch wenn er sicherlich manchmal seinen Zweck tut. Nur eine kleine Klasse feinster Weine erfährt über die Jahre einen Wertzuwachs, der sich mit den Renditen des Kapitalmarkts vergleichen lässt (oder zum Teil darüber hinaus geht). Die britische Immobilienberatungsgesellschaft Knight Frank erhebt die Preise genau solcher Weine und bildet daraus den Knight Frank Fine Wine Icons Index, der auf einem diversifizierten Portfolio verschiedener ausgewählter Weine basiert. Dieser erfuhr ein ein Wachstum von circa 8,2% pro Jahr von 2010 bis 2020.

Dieses Wachstum, so meinen die Befürworter einer Geldanlage in Wein, ist relativ abgekoppelt von den Turbulenzen des Kapitalmarkts, was Wein zu einem attraktiven Investment als Renditetreiber und Krisendämpfer machen würde. Etwa in Bezug auf die weltweite Finanzkrise ab 2008 kann man diese Hypothese bestätigen – in früheren Krisen hingegen (etwa in der Ölkrise oder beim Platzen der Dotcom-Blase), so bemerkt Knight Frank es selbst, war das nicht der Fall. Dennoch scheint ein weiteres stabiles Wachstum auch in den kommenden Jahren realistisch zu sein und damit strahlt ein Weininvestment eine gewisse Stabilität aus.

Aber was macht einen wirklich guten, hochqualitativen Wein eigentlich aus? Weine beziehen ihre Qualität aus verschiedensten Faktoren wie dem Anbaugebiet, der verwendeten Traube, der Weinlese, der Verarbeitung usw. In vielen wichtigen Weinbaugebieten wie bestimmten französischen Regionen, Orten in Argentinien oder Südafrika stellen Winzer seit Generationen sehr hochwertige Weine her, die sich als Produkt durchaus auch auf verschiedene (subjektive) Geschmäcker berufen können, so werden etwa Unterschiede zwischen europäischen Weintraditionen und der US-amerikanischen Weinkultur postuliert.

Zwei weitere zentrale Faktoren in der Weinwirtschaft sind überdies Seltenheit und Expertentum. Dass Fine Wines nur stark begrenzt auf den Markt kommen und mit der Zeit besser (und seltener) werden, ist ein notwendiges Kriterium ihres Wertwachstums. Bestimmte Weine oder Jahrgänge werden als etwa “Jahrhundertweine” verstanden und bekommen exzellente Bewertungen von Kritikern und steigen damit immer weiter im Wert. So gilt beispielsweise das Jahr 1934 für spanischen Wein als ein solcher Jahrhundertjahrgang. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass auch sehr gute Weine ein begrenztes Trinkfenster aufweisen, innerhalb dessen diese noch genießbar sind. Die Weine erreichen dieses Fenster oft erst nach 15 bis 20 Jahren nach Abfüllung und nur vor Ablauf des Trinkfensters sind Wertsteigerungen erwartbar.

Der zweite wichtige Faktor ist das Expertentum, die Bedeutung von sehr prestigeträchtigen Publikationen und einzelnen Kritikern, deren Wort ein großes Gewicht bei der Voraussage eines guten Jahrgangs oder der Bewertung eines spezifischen Weins hat – und damit auch für das Weininvestment. Diese Bewertungen (und das Prestige einer Marke) können nämlich dazu führen, dass der Preis eines Weins schon vor dem ersten Verkauf in die Höhe schnellt.

💡

Das Phänomen Robert Parker

Der Amerikaner Robert Parker, ehemals Rechtsanwalt und ab den späten 1970ern Herausgeber des Newsletters “The Wine Advocate”, ist eine schillernde Figur der Weinwelt und wirft ein Schlaglicht auf das Weinbusiness. Sein mittlerweile von Nachfolgerin Lisa Perrotti-Brown geführtes Unternehmen gilt als eine der wichtigsten internationalen Institutionen, wenn es um die Bewertung von Weinen geht. Allerdings ist insbesondere Robert Parkers Rolle nicht unumstritten: über die vergangenen Jahre gab es einige Enthüllungen und Kritiken, die seine Präferenz für Weine und seine Unvoreingenommenheit in Zweifel zogen. Andere wichtige Weinkritiker sind etwa Neal Martin oder Jancis Robinson und Publikationen wie etwa der Gault & Millau aus Frankreich (der auch einen deutschen Ableger hat).

Über Wein als Geldanlage

Fine Wine gehört zu den sogenannten alternativen Investments. Dieser Begriff umfasst so diverse Investmentmöglichkeiten wie Waldgrundstücke oder Kunstgegenstände. Trotz seiner unbestrittenen Flüssigkeit kann man Wein zudem als eine besonders illiquide Anlageklasse ansehen. Folgende Punkte sind wichtige Zugangshürden: 

  • Zugänglichkeit. Hochqualitative Weine direkt zu erwerben kann für Einzelanleger schwierig sein – ganz im Gegenteil zu einem Investment in den Kapitalmarkt. Zusätzlich sind die Einstiegspreise bzw. Mindestanlagevolumen im Vergleich zu etwa Aktien relativ hoch. Auch der Verkauf des Weins am Ende des Anlagezeitraums ist schwierig und kann langwierig sein.
  • Anlagedauer. Die mindestens notwendige Anlagedauer bei einer Geldanlage in feinen Wein ist recht hoch – Experten raten zu einem Mindestanlagezeitraum von zehn Jahren.
  • Lagerung und Transport. Dieser Punkt ist sehr stark abhängig von der Art der Anlage in Wein, aber auch bei Fonds oder anderen Anteilen muss an irgendeinem Punkt der Kette der physische Wein tatsächlich fachgerecht gelagert und transportiert werden.
  • Expertise. Dies ist eher eine “geistige” Zugangshürde. Den richtigen Wein zu finden, in den ein Investment sich lohnt, ist ungleich schwieriger als etwa ein passives Investment in ETFs und erfordert Vorarbeit und Expertenwissen.
  • Kosten. All die oben genannten Punkte verursachen hohe Kosten für Anleger. Fraglich ist, ob sich die erhöhten Kosten auch in einer erhöhten Rendite niederschlage, wie also das Kosten-Risiko-Verhältnis ist.

Manche Anlageprodukte versuchen (etwa Weinfonds oder Weininvestment mit Blockchain, siehe weiter unten im Ratgeber) explizit, diese Zugangshürden abzubauen und Wein auch für Kleinanleger attraktiv zu machen. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass sich ein solcher Abbau natürlich in erhöhten Kosten des Anlageprodukts (für Management und Verwaltung) niederschlägt.

Im Gegensatz zum typischen Kleinanleger haben sogenannte Family Offices (also die Vermögensverwaltungen sehr wohlhabender Familien oder High Net Worth Individuals) und andere Vermögensverwalter die Ressourcen, nicht nur in den frei verfügbaren Aktienmarkt zu investieren, sondern auch in Anlageklassen mit hohen Zugangshürden zu gehen – alles das, um die Diversifikation des investierten Vermögens der Kunden zu erhöhen. Deswegen