Norwegischer Staatsfonds: So kannst du von ihm lernen

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 29. August 2022
Der norwegische Staatsfonds ist der größte Staatsfonds der Welt, investiert komplett passiv und ist damit sehr erfolgreich. In diesem Ratgeber erfährst du, worin der Fonds investiert, wie er in der Vergangenheit abgeschnitten hat und wie du seine Strategie leicht imitieren kannst.

💡

Was du wissen solltest
  • Als größter Staatsfonds der Welt ist der norwegische Staatsfonds eine Erfolgsgeschichte. Er wurde gegründet, um den norwegischen Ölreichtum gesellschaftlich zugänglich zu machen und ist mit dem staatlichen Sozialversicherungssystem verknüpft.
  • Der Fonds wird nach transparenten, demokratischer Kontrolle unterliegenden Prinzipien vom Norges Bank Investment Management verwaltet und investiert global gestreut in Aktien, Immobilien und Anleihen.
  • Die Investmentstrategie ist langfristig und nach Buy-and-Hold-Prinzipien ausgelegt und bezieht Nachhaltigkeitskriterien mit ein.
  • Hätte man 1998 sein Vermögen in den norwegischen Staatsfonds investiert, hätte man bis 2020 durchschnittlich eine Jahresrendite von 6,29% erzielt bei einer jährlichen Gesamtkostenquote von 0,05%.

👉

So gehst du vor
  • Du kannst nicht direkt in den norwegischen Staatsfonds investieren.
  • Allerdings gibt es die Möglichkeit, mithilfe weltweit gestreuter ETFs (zum Beispiel dem MSCI ACWI IMI) die Aktieninvestments nachzubauen. Auch Anleihen- und Immobilieninvestments lassen sich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen.
  • Zudem gilt es aus der Strategie des Fonds zu lernen, passiv zu investieren, breit zu diversifizieren und langfristig zu denken.

Das ist der norwegische Staatsfonds

Der norwegische Staatsfonds ist mit gut 12.000 Milliarden norwegischen Kronen (ca. 1.200 Milliarden €) Volumen im August 2022 ist er der größte Aktionär der Welt. Ihm gehört nicht nur der Neubau des Axel-Springer-Hauses in Berlin, sondern auch so gut wie jede Aktie von bekannten Unternehmen. Von tausenden Unternehmen auf der ganzen Welt besitzt er im Schnitt jeweils 1,1% der Anteile. Mit einer Durchschnittsrendite von 6,3% p.a. und einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,05% erregt er bei vielen Investoren Interesse. 

In Kronen gerechnet ist jeder der 5,4 Millionen Einwohner Norwegens Millionär. In Euro entfallen auf jeden Einwohner immerhin gut 200.000€. Investiert ist der Fonds zum größten Teil in Aktien, aber auch Anleihen und Immobilien gehören zum Portfolio. Die Diversifikation ist mitunter anderem über 9.000 Aktien höher als die der meisten weltweit investierten ETFs. Der Fonds wird vom Norges Bank Investment Management (NBIM) verwaltet, einer Einheit innerhalb der norwegischen Notenbank, während das Parlament die Strategie vorgibt. 

Geschichte des Fonds

Nachdem in den 1960er-Jahren erstmals in Norwegen Öl gefunden wurde, wurde diskutiert, wie die gesamte Bevölkerung von diesem Rohstoffreichtum profitieren kann. Mit dem Ölpreisschock der 1970er und dem Rückgang der Nachfrage nach Rohöl wurde der Bedarf nach einer Strategie sichtbar, die den Wohlstand des Landes auch für die Zukunft sichern und diesen unabhängig vom Rohstoffmarkt machen konnte.

In den 1990er-Jahren wurde daher der norwegische Ölfonds mit einem Vermögen von 2 Mrd. norwegischen Kronen aufgelegt (entspricht heute etwa 200 Mio. €). Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft wurden seither darin angelegt, außerdem verwaltet er die Mittel der Sozialversicherung.

Seit Auflage des Fonds hat sich die Investmentstrategie geringfügig verändert. Zunächst war der Aktienanteil auf maximal 40% gedeckelt, inzwischen ist dieser auf heute 70% angewachsen. Erst seit dem Jahr 2010 darf der Fonds auch in Immobilien investieren. Unternehmen, die beispielsweise ihren Umsatz aus Kohleenergie generieren, werden seit 2015 desinvestiert, was eine leichte Rendite-Einbuße zur Folge hat.

Bislang umfassen die Anleihen des Fonds zu etwa einem Viertel Unternehmensanleihen – künftig wird jedoch nur noch in Staatsanleihen investiert. Des Weiteren soll der Fonds ab 2021 die Zahl seiner Aktien stark zurückfahren – von über 9.000 um ein Drittel auf etwa 6.000. Auf diese Weise sollen Kosten eingespart werden, zum Beispiel für die Nachverfolgung und Betreuung von Unternehmensbeteiligungen. Auch wird sich der Fonds künftig mehr bei Schwellenländer-Investments zurückhalten. Damit soll das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite des Fonds optimiert werden.

Performance des norwegischen Staatsfonds

Hätte man 1998 sein Vermögen in den Fonds investiert, hätte man bis 2020 durchschnittlich eine Jahresrendite von 6,29% erzielt. Damit liegt er im Bereich vieler breit gestreuter Aktien-Indexfonds, die durchschnittliche Jahresrenditen von 5-8% über lange Zeiträume hinweg erzielen. Dieser Chart bildet die Performance des Fonds von 1998 bis 2020 ab:

Welche Strategie verfolgt der norwegische Staatsfonds?

Der Fonds verfolgt eine klassische Buy-and-Hold-Strategie: Verfügbare Mittel wie Einnahmen aus der Erdölförderung oder Gewinnausschüttungen werden unabhängig von der Stimmungslage im Markt sofort investiert. Maximal 3% des Fondsvolumens darf die Regierung pro Jahr für den Staatshaushalt abziehen – der Rest ist vor einem Zugriff des Staates geschützt. Bis 2019 lag diese Grenze bei 4%. Inzwischen ist die Rendite des Fonds höher als die Einzahlungen, und die Entnahmen waren bislang immer geringer als die Auszahlungen. 

Die Investitionen erfolgen nach strengen ethischen, sozialen und ökologischen Standards. Aktien von Unternehmen, deren Umsatz zu mehr als 30% aus Kohleenergie stammt, müssen seit 2015 verkauft werden. Auch Firmen aus der Tabakindustrie, Hersteller von Massenvernichtungswaffen und Unternehmen, die gegen Menschenrechte verstoßen, sind unter anderem tabu. Diese Richtlinien werden stetig weiterentwickelt und werden vom Parlament verabschiedet. 

Das Fondsmanagement hat sich an einem Referenzindex zu orientieren, den das Finanzministerium vorgibt. Derzeit richtet sich der Fonds am FTSE Global All Cap Stock Index sowie einem Mix an weiteren Anleihenindizes aus. Die Rendite darf in Krisenzeiten maximal 3,75% vom Referenzindex nach unten abweichen und die Volatilität darf nicht mehr als 1,25% von diesem abweichen. 

Der norwegische Staatsfonds nimmt als Aktionär aktiv sein Stimmrecht in Unternehmen wahr und hat so Einfluss auf die Firmenpolitik. So nahmen Mitarbeiter des Fonds pro Jahr an etwa 11.000 Vollversammlungen teil, und orientieren dort ihr Abstimmungsverhalten an sogenannten Voting-Guidelines. Diese sind auf der Website des Fonds einsehbar.

Die Anlagestruktur (Asset Allocation) des Fonds darf variieren, der Anteil der einzelnen Anlageklassen ist jedoch grob geregelt. So muss der Aktienanteil zwischen 60 und 80% liegen, Anleihen dürfen 20 bis 40% beanspruchen und Immobilien dürften theoretisch bis zu 7% des Fondsvolumens ausmachen. Der Stimmrechtsanteil an einem einzelnen Unternehmen darf nicht mehr als 10% betragen. Die folgende Grafik zeigt die aktuelle Asset Allocation:

Transparenz und Ethik

Ein wichtiger Aspekt der Vermittlung der Investmentstrategie des norwegischen Staatsfonds ist seine Transparenz. So sind auf der Website des Fonds alle Aktien-Investments, alle Immobilien und alle Anleihen aufgeführt, in die er investiert ist. Wer gerne mit Zahlen spielt, wird hier auf seine Kosten kommen: https://www.nbim.no/en

Auch ausführliche Jahresberichte, die Investitionsregeln und Richtlinien zu den unterschiedlichsten Aspekten wie Kinderrechte, Anti-Korruption, Voting-Guidelines und vieles mehr sind hier zu finden.

In den vergangenen Jahren sind auch für den norwegischen Staatsfonds ethische Standards und nachhaltiges Investieren immer wichtiger geworden. Er verfolgt deswegen eine Strategie, die auf drei Säulen beruht:

  • Standardisierte Prinzipien entwickeln

    Der Fonds beteiligt sich an der internationalen Entwicklung von standardisierten Prinzipien und Maßstäben für nachhaltiges und ethisches Investieren, sodass es klare Vorgaben gibt, wer sich als nachhaltig ausgeben kann.

  • Eigentumsrechte ausüben

    Zudem nimmt der Fonds aktiv seine Mitbestimmungsrechte in den Firmen wahr, in die er investiert ist. Hier handelt er nach klaren, festgelegten Prinzipien und will damit einen positiven Einfluss ausüben.

  • Nachhaltig investieren

    Nachhaltigkeitskriterien sind Teil des Risikomanagements des Fonds und werden in Investmententscheidungen einbezogen. Wichtige Kriterien gibt es etwa in den Bereichen Kinderrechte, Klimawandel, Wassermanagement, Menschenrechte, Steuertransparenz, Antikorruption oder Meeresnachhaltigkeit.

Worin ist der norwegische Staatsfonds investiert?

Schauen wir uns nun die wichtigsten Aktien-, Immobilien- und Anleiheninvestments des norwegischen Staatsfonds an. Im Jahre 2021 war er in 69 Länder und 11.589 Positionen investiert. 

Top 10 Aktieninvestments

FirmaLandAktienbestand
AppleUSA204.480
MicrosoftUSA199.374
AlphabetUSA128.392
Amazon USA95.165
NestléSchweiz84.613
RocheSchweiz62.086
Taiwan Semiconductor ManufacturingTaiwan60.493
ShellVereinigtes Königreich55.092
TeslaUSA53.550
MetaUSA53.101
Quelle: Norges Bank Investment Management, 2022

Größte Anleihengeber nach Ländern

AnleihengeberLandAnzahl Anleihen
Regierung der Vereinigten Staaten von AmerikaUSA965.671
Regierung JapansJapan347.006
Regierung DeutschlandsDeutschland111.066
Währungsbehörde SingapursSingapur82.251
Regierung des Vereinigten KönigreichsVereinigtes Königreich80.788
Regierung FrankreichsFrankreich58.194
Regierung KanadasKanada55.298
Regierung ItaliensItalien50.388
Canada Mortgage & Housing CorporationKanada40.959
Regierung SpaniensSpanien40.276
Quelle: Norges Bank Investment Management, 2022.

So kannst du wie der norwegische Staatsfonds investieren

Der norwegische Staatsfonds hat keine WKN-Nummer und ist nicht Börsen-gelistet. Als Privatinvestor kannst du nicht direkt in diesen investieren. Jedoch ist die Strategie mit einfachen Mitteln und wenig Startkapital leicht nachzuahmen. Der Fonds demonstriert, dass sich ein weltweit diversifiziertes, langfristiges Investment lohnt, denn man erhält eine hohe Rendite bei einem vergleichbar geringen Risiko. Wer also in einen weltweit gestreuten ETF investiert, ist schon auf dem richtigen Weg. 

Die folgenden beiden Indizes bilden weltweite Aktien von großen, mittleren und kleinen Unternehmen in Industrie- und Schwellenländern ab. Die Diversifikation ist dem Aktien-Anteil des norwegischen Staatsfonds ähnlich. Ein ETF auf diesen Index ermöglicht es, zu sehr geringen Kosten (0,25 – 0,4% Gesamtkostenquote pro Jahr) in ein ähnlich großes Aktienportfolio zu investieren:

  • MSCI ACWI IMI: knapp 9.000 Unternehmen 
  • FTSE All-World: deutlich weniger Werte abgebildet, nämlich ca. 4.000 Werte von großen, mittleren und kleinen Unternehmen in Industrie- und Schwellenländern.

Betrachtet man die regionale Verteilung des Staatsfonds, fällt hier eine, verglichen mit den beiden erwähnten Indizes, recht hohe Gewichtung von europäischen Aktien auf (siehe Grafik unten), während der Staatsfonds knapp 30% des gesamten Volumens in europäische Werte investiert, sind es bei den obigen unter 15%. Wer eine ähnliche regionale Verteilung erreichen möchte, könnte dem Portfolio weitere ETFs beimischen – beispielsweise einen Fonds auf den MSCI Europe oder den STOXX Europe 600. Eine zu hohe Komplexität durch eine ganze Reihe an ETFs im Portfolio ist jedoch nicht zu empfehlen.

Regionale Verteilung des Portfolios

Um die Volatilität zu reduzieren, investiert der norwegische Staatsfonds zusätzlich zu fast einem Drittel in Anleihen – künftig nur noch Staatsanleihen. Auch diese können durch einen einzelnen ETF abgedeckt werden. Hier stellt sich grundsätzlich für einen Privatinvestor jedoch die Frage, ob dieser weltweit in Staatsanleihen investieren möchte oder nur in Anleihen der Heimatwährung. Durch Letzteres vermeidet man Währungsschwankungen im Portfolio.

Drei (plus zwei) Regeln, um genauso erfolgreich zu sein wie der norwegische Staatsfonds

Abgeleitet von der Strategie des norwegischen Staatsfonds lassen sich ein paar einfache Faustregeln aufstellen, die dir bei deinem Investment helfen können.

  • Passiv investieren

    Es ergibt wenig Sinn, den Markt schlagen zu wollen. Eine marktneutrale und Indexnahe Investitionsstrategie hingegen entspricht der des norwegischen Staatsfonds.

  • Diversifizieren

    Auf ein einziges Pferd oder wenige Einzelaktien zu setzen, setzt dein Portfolio einem unnötig hohen Risiko aus. Wenn du allerdings eine möglichst große Zahl an weltweit verteilten Aktien in deinem Portfolio hast, reduzierst du dadurch das Risiko, während die Rendite dennoch hoch ist. Ein ETF ermöglicht ein Investment in tausende Aktien auf einmal und das bei sehr niedrigen Verwaltungskosten.

  • Langfristig denken

    Beträge, die innerhalb der nächsten zehn Jahre benötigt werden, sollen nicht in Aktien investiert werden. Abschwünge und Krisen kannst du jedoch durchstehen, wenn du langfristig mit einem Anlagehorizont von 15 bis 30 Jahren investierst. Auch der norwegische Staatsfonds kommt mit weniger als 3% Entnahmen aus.

Und: 

  1. Investiere regelmäßig einen festen Betrag, zum Beispiel mithilfe eines Sparplans. Außerplanmäßige Einnahmen, wie zum Beispiel Steuerrückzahlungen oder Bonuszahlungen, werden sofort investiert – egal ob die Aktienkurse hoch oder niedrig stehen.
  2. Optional: Investiere nach ethischen Gesichtspunkten. Viele Fondsanbieter bieten auf einen Index auch einen ETF mit dem Zusatz “ESG” oder “SRI”, an welchen du eine nachhaltige Investitionsstrategie erkennen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Welche Aktien sind im norwegischen Staatsfonds?

Wer managt den norwegischen Staatsfonds?

Wie setzt sich der norwegische Staatsfonds zusammen?

Wie hoch ist das Volumen des norwegischen Staatsfonds?