Was taugen die Fonds der Crash-Propheten?

Sie sagen den Absturz der Weltmärkte vorher, den Kollaps der Banken oder gleich den Untergang des gesamten westlichen Wirtschaftssystems: Crash-Propheten. In Zeiten der Krise haben die Demagogen der Finanzszene Hochkonjunktur – schließlich ist nun genau das eingetreten, was sie seit Jahren ankündigen: der große Crash.

Dass die aktuelle Krise durch einen Virus und nicht durch das Platzen einer Finanzblase oder politische Fehlentscheidungen ausgelöst wurde, wie es die Crash-Propheten stets angekündigt haben, scheint dabei nicht zu interessieren. Untergangspropheten wie Dirk Müller, Friedrich & Weik, Markus Krall und Max Otte wurden in den vergangenen Wochen im Internet als die Börsen-Profis schlechthin gefeiert. “Sie hatten also doch recht!”, tönt es jetzt aus manch einer Ecke. 

Das Erfolgsgeheimnis der Crash-Propheten ist simpel wie perfide: Sie schüren Angst. “Weltsystemcrash”, “Der größte Crash aller Zeiten” oder “Der Crash ist da”, heißen die Bücher der Untergangs-Propheten – und sie führen immer wieder die deutschen Bestseller-Listen an. Ja – mit Schwarzmalerei lässt sich Geld verdienen, und zwar viel: Abwechselnd sitzen Dirk Müller und Co. in Talkshows, wo sie mit polarisierenden Theorien um sich werfen (die Migrationspolitik zerstört die Gesellschaft, die Verschuldung der Staaten treibt uns in den Ruin, der Euro wird scheitern) und ihre Gegner (Journalisten, Bankenchefs oder Abgeordnete) regelmäßig zur Weißglut treiben. Auf der anderen Seite ist da diese riesige Masse an Menschen, für die der Crash-Prophet einem Erleuchter verkörpert, einen Heilsbringer, der sie vor dem Ruin bewahren wird. Sie besuchen also ihre Shows, kaufen ihre Bücher und vor allem: Investieren in ihre Fonds

Von denen hat jeder Cash-Prophet nämlich mindestens einen aufgelegt. Wir haben uns die Fonds in diesem Beitrag einmal genauer angeschaut.

Der Wertefonds von Friedrich & Weik 

“Das Zeitalter der Papierwerte geht zu Ende und das Zeitalter der Sachwerte hat begonnen”, schreiben Friedrich und Weik auf ihrer Website und raten den Anlegern stattdessen, in Gold und Silber zu investieren, in Feld, Wald und Wiesen oder in Whisky. 

Knapp 37 Mio. Euro liegen in dem Fonds, dessen Zusammensetzung kaum überraschend ist – den ein oder anderen langfristigen Anleger aber doch vom Hocker reißen dürfte: 

Fast 30% des Kapitals investieren die beiden in Goldbarren, weitere 20% in (Gold)minen-Aktien. Zu 24% besteht der “Wertefonds” aus Aktien europäischer, vorwiegend deutscher Unternehmen aus verschiedenen Branchen. “Reale Vermögenswerte” sind zu 13% vertreten, darunter Silber, Platin und Bitcoin. Die restlichen 14% des Vermögens werden als “Cash” gehalten, also als sofort verfügbares Kapital.

Quelle: Friedrich & Weik. 

Schaut man sich an, wie der Fonds in den vergangenen sechs Monaten gelaufen ist, sieht das beinah schon überzeugend aus: 

Gelb: F&W Wertefonds; Rot: MSCI World; Violett: Gold
Quelle: Comdirect. 

In der Krise schmierte der Kurs tatsächlich weniger ab als der MSCI World. Was nicht bedeutet, dass die F&W-Investoren ein gutes Geschäft gemacht haben: Über einen längeren Zeitraum betrachtet ergibt sich nämlich ein gänzlich anderes Bild: 

Gelb: F&W Wertefonds; Rot: MSCI World; Violett: Gold
Quelle: Comdirect. 

Die Perfomance ist ernüchternd, um nicht zu sagen kläglich. In den Jahren des Börsenbooms (2017-2020) als die Märkte allesamt in die Höhe schossen, schaffte der Wertefonds sogar das ganz große Kunststück – und sackte ab. 

Wer vor drei Jahren in den Fonds investiert hat, hat sage und schreibe 5,6% Performance gemacht. Zum Vergleich: Der MSCI World stieg in dieser Zeit um mehr als 21%. 

Diese (Fehl-)Leistung lassen sich die beiden allerdings einiges kosten: Neben 1,6% Verwaltungskosten und einem Ausgabeaufschlag von 3% wird eine Performancegebühr von sagenhaften 7,5%, die auf alle Gewinne fällig, die 3% über dem von Friedrich und Weck festgelegten Vergleichsindex liegen. Als Benchmark wurde der “harmonisierte Verbraucherindex” auserkoren, oder einfach gesagt: die Inflationsrate (aktuell 0,6%). Zur Einordnung: Die Kosten für einen ETF liegen zwischen 0,1% und 0,2%. Und der schlägt die Inflationsrate allemal. 

Der Max-Otte-Vermögensbildungsfonds

“Vermögensbildung” – das verspricht auch der Fonds des Ökonom Max Otte. Was die Gewichtung betrifft, geht dieser deutlich weniger Risiko ein: Ottes Fonds investiert in Aktien, Anleihen und Edelmetall-ETCs – und kein Einzelwert überschreitet die 5% Marke.

Gelb: Max Otto Fonds; Rot: MSCI World. 
Quelle: Comdirect.

In 5 Jahren gewann der Fonds (immerhin) um rund 15% dazu – auch, weil die Weltwirtschaft hier deutlich realistischer abgebildet wird, zum Beispiel anhand eines höheren USA-Anteils. Auch die Volatilität ist der des MSCI World ähnlich. 

Die Preisstruktur lässt allerdings auch beim Max Otte Vermögensbildungsfonds zu wünschen übrig: 1,9% laufende Kosten fallen für die Investoren jedes Jahr an. 

Der Dirk Müller Premium Fonds

Als absoluter Gewinner der Corona-Krise feiert sich dieser Tage vor allem einer: Dirk Müller. 

Der Vermögensverwalter ist ebenfalls vorne mit dabei, wenn es um düstere Zukunftsdistopien geht, er ist selbstverständlich ebenfalls Bestsellerautor und hat ebenfalls seinen eigenen Fonds aufgelegt. Und tatsächlich: Der Premium-Fonds ist dieser Tage nicht nur stabil, er hat die Weltmärkte sogar um Längen geschlagen: Während der MSCI World zwischen Februar und März rapide in den Keller stürzte, legte der Dirk-Müller-Fonds sogar leicht zu. Mr. Dax kann offenbar also doch die Zukunft voraussehen. So zumindest meinen viele Anleger, die einen Blick auf die 6-Monats-Bilanz werfen. “Er hat Recht behalten”, tönt es dieser Tage von überall her.

Gelb: Dirk Müller Premium Fonds; Grün: MSCI World.
Quelle: Comdirect. 

Tatsächlich bildet auch hier das Halbjahres-Chart nur die halbe Wahrheit ab. Anleger, die vor 5 Jahren Dirk Müller ihr Geld anvertraut haben, haben bis heute knapp 6% von ihrem Vermögen verloren. 

Um das zu verstehen, muss man sich ansehen, wieso der Dirk Müller Fonds dieser Tage so ungewöhnlich gut performt: 

Dirk Müllers Anlagekonzept basiert auf Absicherung. Absicherung mithilfe von Derivaten,, die gleichzeitig auf fallende Kurse setzen, während gleichzeitig auf steigende Kurse gesetzt wird. Man könnte auch sagen: Wer in den Dirk-Müller-Fonds investiert, steht stets mit einem Fuß auf dem Gaspedal – und mit dem anderen auf der Bremse. Crashs können dem Fonds damit nichts anheben – Boom-Jahre allerdings auch nicht, wie der 5-Jahres-Kurs eindrücklich zeigt:

Gelb: Dirk Müller Premium Fonds; Blau: MSCI World
Quelle: Comdirect.

Fazit: Auch eine kaputte Uhr zeigt 2x am Tag die richtige Zeit an 

Das Phänomen der Crash-Propheten ist kein neues. Schon vor 20 Jahren warnten selbsternannte Börsen-Gurus vor dem großen Crash, geißelten die Notenbanken für ihre Geldschwemmen und warfen der Politik vor, sie ziehe dem kleinen Mann das Geld aus der Tasche. Der Wirtschaftsjournalist Paul C. Martin zum Beispiel hat schon in den 1970er Jahren auf der Bühne gestanden und den Untergang der Wirtschaftssysteme prophezeit – die Leute haben ihm damals zugejubelt. Oder man denke nur an Nostradamus, den wohl bekanntesten Crash-Propheten aller Zeiten, der schon im Mittelalter regelmäßig die nahende Apokalypse angekündigt hat. 

Mit Vorhersagen an der Börse ist es doch so: Crashs an den Finanzmärkten gibt es immer wieder. Allein in den vergangenen 20 Jahren haben wir davon mehrere erlebt – und überstanden. Jedes Mal konnten sich die Kurse wieder fangen, sodass langfristige Anleger auf lange Sicht sogar von den Krisen profitiert haben. Schließlich gibt es Aktien deutlich günstiger, wenn an den Börsen der Welt Rausverkaufsstimmung herrscht. 

In solchen Krisen fühlen sich Crash-Propheten bestätigt: Sie hatten doch recht. Dass sie in den 10 Jahren zuvor Hunderte Falsch-Prognosen in die Luft geschossen haben, fällt dabei naturgemäß schnell hintenüber. Am Ende ist es aber doch so: Auch die kaputte Uhr zeigt zwei Mal am Tag die richtige Zeit an. 

Die Crash-Propheten unserer Zeit mögen mit einigen ihrer Feststellungen richtig liegen: Dass die Rentenkassen leer sind, die EZB massiv Geld druckt oder sich die klassischen Anlagen wie das Sparkonto oder die Lebensversicherung nicht mehr lohnen. Dass deswegen die Apokalypse der Finanzmärkte naht, belegen sie damit allerdings keineswegs.

Abonnieren
Benachrichtigen Sie über
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare einsehen