DAX, MDAX, SDAX & TecDAX einfach erklärt!

Finanzfluss Team
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Drei Buchstaben, die anzeigen, wie gut es Deutschlands Wirtschaft geht: der DAX. Welche Unternehmen schaffen es in den deutschen Leitindex und wer entscheidet darüber? In unserem Ratgeber erklären wir das Punkte-System und stellen euch die kleinen Geschwister des DAX vor: MDAX, SDAX und TecDAX.

Was du wissen solltest
  • Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist der deutsche Leitindex und bildet 40 sehr große deutsche Unternehmen ab.
  • Der DAX ist sozusagen die erste Liga der deutschen Indizes, der MDAX die zweite, der SDAX die dritte. Unternehmen können in den DAX auf- oder absteigen. Zudem führt der TecDAX die wichtigsten deutschen Technologieunternehmen auf.
  • Gewichtet werden die Unternehmen anhand des Parameters Marktkapitalisierung. Weitere Aufnahmerichtlinien orientieren sich am Prime Standard, der eine Reihe an Transparenzkriterien vorschreibt.
  • Seit der DAX-Reform 2021 werden die Positionen im DAX zweimal jährlich überprüft.
So gehst du vor
  • Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um in den DAX zu investieren. Dafür bieten sich beispielsweise der Nachkauf einzelner Aktien, ein ETF oder Zertifikat auf den gesamten Index an.
  • Allerdings ist aufgrund des regionalen und sektoralen Beschränktheit ein solches Investment nicht ratsam – ein global gestreutes Portfolio senkt hierbei das Risiko bei ähnlichen Renditechancen.
  • In diesem Ratgeber setzen wir uns ausführlich damit auseinander, ob sich ein ETF auf den DAX lohnt. In unserem ETF-Handbuch findest du die Vorteile und Grundsätze weltweit diversifizierten Investierens.
Inhaltsverzeichnis

Was ist der DAX?

Der wichtigste und bekannteste Index für Deutschland ist der DAX, der Deutsche Aktien Index. Dieser wird von der Deutschen Börse AG herausgegeben, welche wiederum selber Teil des DAX ist. Der DAX wurde am 31. Dezember 1987 gegründet, besteht also seit mehr als 30 Jahren.

Seit der Reform, die 2021 in Kraft getreten ist, besteht der DAX aus den 40 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen ab. Man nennt die Aktien solcher großen Unternehmen mit hohen Umsätzen auch Blue Chips oder Large Caps (=hohe Marktkapitalisierung). Der Handel mit DAX-Werten macht ungefähr 80% des deutschen Aktienhandels aus.

Allerdings fließt nicht jedes dieser Unternehmen zu gleichen Teilen in den Wert des DAX ein: Die Gewichtung ist ganz unterschiedlich und wird anhand der Streubesitz-Marktkapitalisierung des jeweiligen Unternehmens bestimmt – also anhand des Volumens frei handelbarer Aktien, die nicht fest Großinvestoren gehören.

Was ist der DAX? Sitz in Frankfurt
Der DAX hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. | Bild: unsplash.com

Der Vergleich des DAX mit anderen Indizes ist problematisch, da es sich bei ihm (oder der allgemeinsprachlich gemeinten Variante des DAX) um einen Performanceindex handelt. Das meint, dass Ausschüttungen oder Dividenden mit in die Berechnung einbezogen werden. Das steht im Kontrast zu Kursindizes (manchmal Preisindizes genannt), welche ausschließlich die Kursbewegungen ausdrücken. Bekannte Indizes wie der weltweite MSCI World werden standardmäßig als Kursindizes veröffentlicht.

Unternehmen im DAX 40

Die folgenden Unternehmen kann man ab September 2021 im DAX finden. Wir haben sie alphabetisch sortiert und ihre ISIN (Wertpapierkennnummer) sowie die Branche aufgelistet, in der sie aktiv sind.

NameISINBranche
AdidasDE000A1EWWW0Sportartikel
AirbusNL0000235190Luft- und Raumfahrt, Rüstung
AllianzDE0008404005Versicherung
BASFDE000BASF111Chemie
BayerDE000BAY0017Chemie und Pharma
BMWDE0005190003Automobil
BrenntagDE000A1DAHH0Chemie
ContinentalDE0005439004Automobilzulieferer
CovestroDE0006062144Werkstoffe
DaimlerDE0007100000Automobil
Delivery HeroDE000A2E4K43Logistik
Deutsche BankDE0005140008Finanzwirtschaft
Deutsche BörseDE0005810055Finanzwirtschaft
Deutsche PostDE0005552004Logistik und Post
Deutsche TelekomDE0005557508Telekommunikation
Deutsche WohnenDE000A0HN5C6Immobilien
E.ONDE000ENAG999Energie
Fresenius Medical CareDE0005785802Chemie und Pharma
FreseniusDE0005785604Medizintechnik
HeidelbergCementDE0006047004Baustoffe
HenkelDE0006048432Konsumprodukte
InfineonDE0006231004Halbleiter
LindeIE00BZ12WP82Chemie
MerckDE0006599905Chemie und Pharma
MTU Aero EnginesDE000A0D9PT0Maschinenbau
Münchener RückDE0008430026Versicherung
Porsche HoldingDE000PAH0038Automobil
PumaDE0006969603Sportartikel
QiagenNL0012169213Biotechnologie
RWEDE0007037129Energie
SAPDE0007164600Informationstechnologie
SartoriusDE0007165607Pharma
SiemensDE0007236101Mischkonzern
Siemens EnergyDE000ENER6Y0Energie
Siemens HealthineersDE000SHL1006Medizintechnik
SymriseDE000SYM9999Chemie und Kosmetik
VolkswagenDE0007664039Automobil
VonoviaDE000A1ML7J1Immobilien
ZalandoDE000ZAL1111Einzelhandel
Quellen: boerse-online.de, capital.de, 09/21

Es lässt sich unschwer erkennen, dass der DAX sich auf relativ wenige Branchen beschränkt neben seiner klaren regionalen Limitierung. Es gibt eine Reihe großer deutscher Unternehmen, die nicht aufgeführt sind, da sie nicht an einer Börse gelistet sind (beispielsweise die größte deutsche Handelsgruppe Schwarz). Zudem ist der Mittelstand ein wichtiger Treiber der deutschen Wirtschaft, dessen Unternehmen oft nicht börsengelistet sind. Somit ist fraglich, ob man (nur) den DAX als Indikator für die Entwicklung der gesamten Wirtschaft heranziehen sollte.

Der DAX ist sozusagen die erste Liga der Indizes in Deutschland, daneben gibt es den MDAX und den SDAX. Zweimal im Jahr werden die Unternehmen des DAX überprüft, ob sie noch den Kriterien des Index entsprechen – falls nicht, können sie in den MDAX abrutschen. Eins der Kriterien ist, dass Unternehmen testierte Jahresabschlüsse und Quartalsmitteilungen veröffentlichen. Dies ist – wie einige andere Neuerungen der DAX-Reform 2021 – auch eine Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal. 

Was ist der MDAX?

Auch die anderen Mitglieder der DAX-Index-Familie sind von den Änderungen der Reform betroffen. Der MDAX ist auf 50 Unternehmen geschrumpft, die überwiegend in Deutschland tätig sind. Er ist damit so etwas wie die zweite Liga der deutschen Aktien, enthält also auch sehr umsatzstarke Werte. Wenn der DAX die wichtigsten 40 Werte abbildet, kann man sagen, der MDAX bildet die Plätze 41 bis 90 ab. Teil des MDAX sind vor allem klassische Branchen mit Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung (Mid Caps). Insgesamt hat die Bedeutung dieses Index durch die DAX-Reform aber stark abgenommen, im Vorhinein wurde der Verlust des gehandelten Volumens auf ca. 30% geschätzt. Damit verschieben sich die Gewichtungen innerhalb der DAX-Familie stark zugunstend des DAX, sozusagen der ersten Liga.

Was ist der SDAX?

Nach dem MDAX kommt der SDAX: Er listet 70 Aktien, quasi die Plätze 91 bis 160, gemessen an der Marktkapitalisierung im Streubesitz. SDAX steht für “Small Cap Dax”, also kleinere Unternehmen. Auch Unternehmenswerte, die im SDAX geführt werden, müssen den Prime Standard der Deutschen Börsengesellschaft erfüllen. Das umfasst einen Satz an Regularien, die beispielsweise regelmäßige Mitteilungen zu Firmenbilanzen oder die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards enthalten. Zum SDAX zählen derzeit bekannte Unternehmen wie Borussia Dortmund oder die Hornbach Holding.

Was ist der TecDAX?

Wie der Name schon sagt, bildet der TecDAX die 30 wichtigsten börsennotierten Technologie-Unternehmen in Deutschland ab. Er gilt als Technologie-Barometer für Deutschland, da man an ihm die wirtschaftliche Entwicklung der Branche ablesen kann. Auch ihn gibt es als Kurs- und als Performanceindex. Bekannte Unternehmen, die im TecDAX gelistet sind, sind beispielsweise die Telekom (DAX) oder 1&1 Drillisch (SDAX). Der TecDAX ist für gewöhnlich volatiler als der DAX 40, der Unternehmen aus eher traditionellen Branchen enthält.

Was ist ein Punkt beim DAX?

Die Entwicklung eines Index wird in Punkten berechnet. Deshalb heißt es zum Beispiel: Der Dax knackt die 12.000-Punkte-Marke. Wie werden die DAX-Punkte festgelegt? Bei der Gründung des DAX Ende 1987 wurde der damalige Stand als Marke für 1.000 Punkte festgelegt – mehr oder weniger willkürlich.

Dax: Punkte im Dax einfach erklärt
Was ist der Dax? Punkte im Dax von 1988-2015. | Bild: Finanzfluss

Ein DAX-Punkt ist also ein Tausendstel des damaligen Werts. Der aktuelle DAX-Wert zeigt immer an, wie sich der Wert des DAX im Vergleich zu seinem Ausgangswert entwickelt hat. Liegt der DAX über 1.000 Punkten, heißt das, die darin enthaltenen Unternehmen entwickeln sich besser als zum Zeitpunkt der Gründung des DAX im Jahr 1987. Fällt er auf unter 1.000, entwickeln sich die gelisteten Unternehmen entsprechend schlechter als im ersten Jahr des DAX.

Investieren in den DAX

Speziell deutsche Anleger möchten oftmals gerne in den DAX mit seinen 40 größten börsennotierten Unternehmen investieren. Auf die folgenden Arten ist es möglich, zu investieren:

  • Aktien. Durch exaktes Nachkaufen der im DAX abgebildeten Aktien kann man ihn im Portfolio nachstellen. Damit umgeht man hohe Kosten durch Fondsmanager. Allerdings verändern sich die Gewichtung zwischen den verschiedenen Positionen häufig, weswegen diese Art des Anlegens in den DAX quasi unpraktikabel ist. Alternativ kann man natürlich einzelne Positionen nachkaufen und hoffen, dass diese sich ungefähr wie der DAX entwickeln. Dies ist selbstverständlich eine sehr riskante Vorgehensweise und nicht empfehlenswert.

  • ETFs. Exchange Traded Funds bzw. ETFs sind ein sehr einfacher Weg, in den DAX anzulegen. Sie bilden als Indexfonds passiv die Wertentwicklung des Index ab. Besonders vorteilhaft sind die sehr niedrigen Kosten, der niedrige Aufwand und die hohe Transparenz. Zudem gelten ETFs als Sondervermögen und werden bei einer etwaigen Pleite des Depotbetreibers einfach in ein neues Depot übertragen.

     

  • Derivate. Mit derivativen Handelsprodukten (vor allem Indexzertifikaten) kann man ebenfalls sehr einfach den DAX abbilden und in einem einzigen Wertpapier nachkaufen. Als Schuldverschreibung geht man damit aber das Risiko ein, dass bei einer Pleite des Zertifikatsemittenten das Investment verloren ist. Zusätzlich gibt es viele hochspekulative (gehebelte) Wertpapiere auf den DAX (wie etwa Optionsscheine), die aber aufgrund des Risikos nicht zur langfristigen Anlage geeignet sind, sondern eher einer spekulativen Wette ähneln.

Lohnt sich eine Anlage in den DAX?

Trotz dieser Vielzahl an Anlagemöglichkeiten stellt sich die Frage, ob ein solches Investment überhaupt ratsam ist. Das Hauptproblem einer Geldanlage in einen Index wie den DAX ist die regionale Beschränktheit sowie der Fokus auf einige wenige Branchen – kurz: die fehlende Diversifizierung. Auch wenn der DAX in den vergangenen Jahren auch langfristig gut performt hat, geht man ein unnötiges Risiko ein, in nur ein einziges Land zu investieren. Dies wird oftmals durch den sogenannten Home Bias verursacht, also das positive Vorurteil zugunsten der Wirtschaft, in der man zuhause ist. Sollte sich diese dann sehr negativ entwickeln, hat man gleich einen doppelten Nachteil: Nicht nur sind potenziell die eigenen Löhne und Staatsleistungen betroffen, zusätzlich erleidet das eigene Investment auch einen besonderen Schaden. 

Als Alternative bietet sich demnach eine global diversifizierte Geldanlage mit ETFs an. Diese senken das Risiko durch Diversifizierung bei einer ähnlichen hohen Renditechance. Ein weltweit gestreutes Portfolio kann außerdem schon mit nur einem oder zwei ETFs bestückt werden, um tragfähig für den langfristigen Vermögensaufbau zu sein. 

Häufig gestellte Fragen

  • Was ist der DAX?

    Der DAX ist der deutsche Leitindex, sprich er gibt einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Der DAX 40 listet die 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen. Hinter ihm steht die Deutschen Börsen AG, die selber im DAX aufgeführt ist.

  • Wie funktioniert die Gewichtung beim DAX?

    Beim DAX entscheiden Streubesitz und Marktkapitalisierung darüber, welche 40 Unternehmen das Rennen machen.

  • Was sind MDAX, SDAX und TecDAX?

    Der MDAX bildet 50 in Deutschland aktive Unternehmen ab, die der Größe nach auf die im DAX 40 gelisteten Unternehmen folgen – sozusagen die Plätze 41 bis 90. Der SDAX listet 70 Aktien, quasi die Plätze 91 bis 160, gemessen an der Marktkapitalisierung. SDAX steht für “Small Cap DAX”, also kleinere Aktiengesellschaften. Der TecDAX listet die 30 wichtigsten börsennotierten Technologie-Unternehmen in Deutschland.