In kurzer Zeit schnelles Geld verdienen durch aktives Handeln, vielleicht sogar Daytrading? Das versprechen viele selbsterklärte Finanzexperten. Die Statistik spricht eine andere Sprache – und zwar: Passive, langfristige Anlagen bringen durchschnittlich die größere Rendite. Und das bei weniger Zeitaufwand. Weil wir Menschen nie rein rational denken, versuchen trotzdem viele Menschen, den Markt zu schlagen.

Thomas Kehl und Ana Bilandzija von Finanzfluss fassen die wichtigsten Theorien und Statistiken zusammen. Nach diesem Podcast werdet ihr euer Anlageverhalten überdenken. 

1. Nur 1% der Daytrader verdient langfristig Geld damit

Der amerikanische Finanzökonom Brad Barber hat die Handelsaktivitäten von Hunderttausenden Day-Tradern in Taiwan analysiert. Fazit: In einem typischen Jahr erzielt nur gut jeder Fünfte Nettogewinne.

Aber: In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Glück, das nicht anhält. Langfristig betrachtet erzielen demnach nur 4.000 von 450.000 Trader eine positive Rendite – weniger als 1 Prozent.

* https://www.nzz.ch/finanzen/day-trading-nur-1-der-tageshaendler-erzielt-positive-renditen-ld.1566078

2. Aktiv gemanagte Fonds schneiden schlecht ab

Der Indexanbieter S&P Dow Jones hat die Performance von aktiv gemanagten Fonds über 10 Jahre beobachtet. Mit einem klaren Ergebnis: 98 Prozent der Fondsmanager von globalen Aktienfonds blieben unter der Rendite des Vergleichsindex. 

Ähnliches gilt für den deutschen Markt: Nur jede fünfte aktiv gemanagte Fonds hat nach Gebühr mehr Rendite eingebracht als der Vergleichsindex.

Über mehrere Jahre betrachtet nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass ein aktiv gemanagter Fonds die Marktrendite schlägt, immer weiter ab: Wenn ein Fondsmanager also in einem Jahr eine bessere Rendite erzielen konnte, heißt das noch nichts fürs nächste Jahr.

*Quelle: Gerd Kommer, Souverän Investieren

3. Die Markteffizienzhypothese

Die Markteffizienzhypothese wurde 1970 von Eugene Fama aufgestellt, der einen Wirtschaftsnobelpreis trägt. Die Markteffizienzhypothese besagt im Kurzen: Niemand kann den Markt schlagen. Denn die Annahme ist: Die Assetpreise enthalten alle verfügbaren Informationen, die Marktteilnehmer preisen sie ein. 

Wenn alle über dieselben Informationen verfügen, ist die Prognose von zukünftigen Kursverläufen für sämtliche Marktteilnehmer gleich und es können keine systematischen Überrenditen durch einen Informationsvorsprung erzielt werden. 

Niemand kann also aufgrund technischer Analyse, Fundamentalanalyse oder Insiderhandel einen dauerhaften Gewinn erzielen. Zufällige Überrenditen können natürlich trotzdem erzielt werden. Daraus folgt die Konsequenz: Man kann sich Zeit sparen und einfach in den ganzen Markt investieren.

Die Gegenansicht: Behavioral Finance

Die Behavioral Finance geht davon aus, dass Menschen nicht rein rational am Markt agieren und sich dadurch durchaus Über- und Unterbewertungen am Aktienmarkt ergeben, von denen man profitieren kann. Dennoch gilt: Markteffizienzhypothese konnte nicht widerlegt werden.

4. Regression zum Mittelwert

Die »Regression zum Mittelwert« ist ein sperriger Begriff aus der Statistik, der sich in vielen Bereichen des Lebens beobachten lässt – unter anderem in der Physik, Chemie, Biologie, Sozialwissenschaft.

Der Begriff besagt: Tendenziell pendeln die Renditen sich langfristig zum Durchschnitt ein, nachdem besonders hohe oder niedrige Werte aufgetreten sind. Ein anderes Beispiel: Die Körpergröße von Menschen wird zwar vererbt, aber wir werden nicht unendlich größer.

Fazit: Man sollte nicht kurzfristigen Outperformern hinterherjagen und ruhig bleiben bei Kursrückgängen, denn der Statistik zufolge pendelt sich beides in der Regel wieder ein.

5. Steuervorteile

Das Buy-and-Hold-Investieren mit Aktien besitzt einen eingebauten Steuervorteil: der sogenannte »Barwertvorteil nachgelagerter Steuerzahlungen«.

Dieser führt im Zeitablauf zu einem immer stärkeren Rückgang des »efffektiven« Steuersatzes – dein Geld kann also weiter “für dich arbeiten”.

Shownotes