Was ist Humankapital?

Experten empfehlen, Humankapital als eigene Anlageklasse zu betrachten. Das bedeutet, du solltest nicht nur in Aktien oder Immobilien investieren, sondern vor allem in dich selbst. Wie das geht und von welchen Faktoren die Höhe des Humankapitals abhängt, erklären wir in diesem Podcast.

Humankapital lässt sich auf verschiedene Weisen definieren. Aus unternehmerischer Sicht ist es das Gesamtkapital der Mitarbeiter in einem Unternehmen, also die Summe aus Wissen und Fähigkeiten, die sich vor allem durch Lohnzahlungen ausdrückt.

Das Individuelle Humankapital ist dein komplettes Arbeitseinkommen ab heute bis zum Beginn deiner Rente gemeint, bereinigt um die Inflationsrate, auch Barwert genannt.

Warum minus Inflation? Heute ist das Geld mehr wert als in drei Jahren– die Gesamtsumme des Einkommens inkl. Gehaltssteigerung muss durch Inflationsrate gesenkt werden, auf den Barwert. Es kommt also darauf an: Wenn die Gehaltssteigerungen die Inflation überkompensieren, steigt die Kaufkraft über die Jahre an, sonst sinkt sie

Außerdem stellt sich die Frage, wie sicher der Job ist – Beamte sind sehr sicher, Künstler sehr unsicher (sieht man jetzt auch in Corona. Deine Qualifikation gibt Aussicht darüber, wie einfach es ist, einen neuen Job zu finden und wie hoch die Gefahr ist, dass der Job mal automatisiert wird. 

Bei unter 30-Jährigen ist das Humankapital in den meisten Fällen das größte Asset, mit mindestens 90% innerhalb der Vermögensverteilung. Ins Humankapital investieren lohnt sich also. Aus diesem Grund können junge Menschen sich auch mehr Risiko beim Anlegen erlauben und z. B. in Aktien anlegen, denn die Volatilität wird über die Jahre durch das Humankapital kompensiert.

Humankapital schützen und steigern

Schützen kannst du dein Humankapital z. B. mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung: Arbeitslosigkeit und Erwerbsunfähigkeit sind die größten Risiken, die dein Vermögen bedrohen können. Durch eine BU sicherst du dich gegen Verdienstausfall ab. Je jünger du beim Abschluss der Versicherung bist, desto günstiger dein Beitragssatz. Je nachdem, in welchem Beruf du arbeitest, ist dein Risiko, berufsunfähig zu werden, höher. 

Besonders risikoreiche Berufe sind z.B.: Bergbau, Konstruktion, Rettungssanitäter, Polizist, Pilot. Weniger risikoreich: Bürojobs, Beamte etc.

Bei Angestellten gleicht die gesetzliche Arbeitslosenversicherung einen Teil des Gehaltsverlustes aus. Selbstständige müssen sich privat absichern, um bei Aufgabe der Selbstständigkeit ebenfalls Geld zu erhalten. Wenn du einen Kredit aufnimmst, kannst du eine Kreditlebensversicherung oder Restschuldversicherung abschließen. Die Versicherung übernimmt bei Arbeitslosigkeit, schwerer Krankheit oder Tod die Zahlung der Kreditraten.

Ins Humankapital “investieren”:

Wie bei der Anlage lohnt es sich, auch beim Humankapital zu überlegen, wie man strategisch vorgeht und es steigern kann. Hier ein paar Anregungen.

Gesundheit

Mithilfe von Sport, guter Ernährung, Entspannung/Wellness, einer Psychotherapie kannst du dazu beitragen, länger gesund und damit auch arbeitsfähig zu sein.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn: Egal, wie hoch dein HK theoretisch ist: Wenn du krank bist und nur eingeschränkt arbeiten kannst, bringt das alles nichts mehr.

Wissen

Fortbildungen, Online-Kurse, Sprachkurse, Programmieren lernen, SEO lernen, Auslandsaufenthalt, Sprachkenntnisse – die Liste ist unendlich. Und: Die neu erlangten Kenntnisse und Fähigkeiten kannst du auch einsetzen, um dich beruflich neu zu orientieren bzw. ein passives Einkommen aufzubauen.

Das Humankapital bietet einen großen Vorteil: Es ist eine der wenigen Assetklassen, bei der man ohne Geld in die Hand zu nehmen investieren kann – dank kostenloser Kurse im Internet, Büchern aus der Bibliothek etc., man kann aber natürlich auch bis zu Tausende für Studium oder Fortbildungen ausgeben.

Vitamin B

Wer sich ein Netzwerk aufbaut, profitiert langfristig davon, beruflich und privat. Das kann innerhalb des Unternehmens sein, privat (Vereine, Engagement, Hobbys, Freundschaften, Familienkontakte), aber auch online / soziale Netzwerke oder durch Nebenjobs.

Knapp jede dritte Neueinstellung erfolgt einer Studie zufolge über Kontakte – in Kleinbetrieben sogar 47% (*Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2017).

Ein wichtiger Punkt: Selbst wer die beste Ausbildung und Kenntnisse hat, kann diese nicht unbedingt auch zu Geld machen. Es kommt auch darauf an, wie groß Angebot und Nachfrage sind, wie unersetzbar du mit deinen Fähigkeiten und deinem Profil bist.

Und: Auch Fleiß und Glück spielen eine Rolle. Selbst der am besten qualifizierte Mitarbeiter ist nur dann ein gutes Gehalt wert, wenn er oder sie auch fleißig ist und sich im Team integriert. Auch emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, gehören übrigens zum Humankapital.

Es geht auch sehr darum, clever und handlungsfähig zu sein, Humankapital allein manifestiert sich nicht immer in einem hohen Einkommen → man muss Chancen ergreifen, aber auch Glück haben (z.B. gesund zu bleiben) – HK kann also nur als Richtwert gesehen werden

Kritik am Begriff

2004 in Deutschland zum “Untwort des Jahres” gewählt → Kapitalismuskritik: “Wer alles nur unter ökonomischen Gesichtspunkten sieht, verengt den Blick auf die Welt”.

Der Begriff ist keine neue Erfindung. Bereits im 17. Jahrhundert verwendet der englische Arzt und Ökonom William Petty den Begriff human capital, um den Wert von Arbeitskraft und Bildung für das Wohlergehen der Nation zu berechnen. Später wird Humankapital zur Rechengröße für die Versicherungswirtschaft. Denn wie will man Prämien berechnen, ohne den Wert des Menschen zu kennen? Auch bei Militärstrategen findet der Begriff Anklang. So wie es harte und weiche Kriegsziele gibt, lässt sich die Verlustbilanz in Sach- und Humankapital differenzieren.

Shownotes