Die Chance, im Lotto zu gewinnen, liegt bei 0,00000072 Prozent oder 1:140 Millionen. Trotzdem füllen mehr als 7 Millionen Menschen regelmäßig ihren Tippschein aus – und hoffen auf den großen Geldsegen.

Einer gewinnt dabei immer: der Staat. In dieser Folge von Finanzfluss Exklusiv geben Thomas und Ana einen Überblick über die Geldmengen, die beim Glücksspiel im Umlauf sind, und erklären, wann Glücksspiel problematisch wird.

Hier geht’s zum Selbsttest bei Verdacht auf problematisches Glücksspielverhalten

Was ist Glücksspiel? 

Definition Glücksspiele: Spiele, deren Ausgang nur vom Glück bestimmt ist, nicht von den eigenen Fähigkeiten oder von Geschick.

Das Glücksspiel ist in Deutschland reguliert. Die gesetzliche Grundlage bildet der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) in Verbindung mit den jeweiligen Glücksspielgesetzen der Bundesländer. 

Generell unterscheidet man zwischen dem regulierten Markt, also mit deutscher Konzession zugelassene Glücksspiele wie Lotto oder Geldspielgeräte in Spielhallen und dem nicht-regulierten Markt, zu dem Online-Casinos oder auch Online-Poker gehören.

Im GlüÄndStV sind seit dem 01.07.2012 bundesweit in begrenztem Maß Glücksspiele im Internet zugelassen. Vorher waren Online-Glücksspiele also nicht legal.

Von wie viel Geld sprechen wir?

2017 lag der Gesamtumsatz des deutschen (legalen) Glücksspielmarkts bei 46,3 Mrd. Euro. 

Einer gewinnt immer: der Staat! Laut Statistischem Bundesamt nahmen die öffentlichen Kassen im Jahr 2019 rund 1,97 Milliarden Euro Steuern aus Lotto, Sportwetten und Co. ein.

Das Lotterierecht in Deutschland ist Ländersache. Das heißt, die Einnahmen stehen den Bundesländern zu. Den größten Anteil der Einnahmen hatte mit 21 Prozent das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen (419 Millionen Euro). Darauf folgte Bayern mit 14 Prozent (274 Millionen Euro) sowie Baden-Württemberg mit 12 Prozent (234 Millionen Euro).

Staatliche Einnahmen aus Lotto, Sportwetten und Co. haben stark zugenommen: 2009 waren es 1,5 Milliarden Euro und 2019 satte 1,97 Milliarden, also 31 Prozent mehr.

So wird übrigens das Geld, das die Deutschen für Lotto ausgeben, verwendet:

Quelle: lotto.de

Wer spielt Lotto?

Rund 7,3 Millionen Bundesbürger spielen laut einer Umfrage des IfD Allensbach regelmäßig Lotto oder Toto, weit über 21 Millionen spielen immerhin gelegentlich. Am beliebtesten: die Spielform Lotto „6 aus 49“ am Samstag.

2020: 22,36 Millionen Deutsche spielen gelegentlich Lotto oder Toto/7,27 Millionen spielen regelmäßig (2020 etwas weniger Spieler als 2018 und 2019)

Warum spielen Menschen Lotto?

Eine repräsentative Forsa-Studie geht dieser Frage nach. Im Jahr 2019 dominiert erneut „Geldgewinn“ (62,6 Prozent) als Motiv und stellt neben dem neu erhobenen Motiv „Spaß haben“ (53,5 Prozent) das Hauptmotiv für Glücksspiel dar. 

Während für Jugendliche, Spaß, Aufregung und Geselligkeit dominieren und zudem ausgeprägter sind als bei den Erwachsenen, ist für Erwachsene vor allem der Wunsch nach Geldgewinn das vorherrschende Glücksspielmotiv. 

Wenn man sich folgene Zahl vor Augen führt, wird klar: Gewinnen können nur sehr wenige.

Die Gewinnwahrscheinlichkeit beträgt 0,00000072 Prozent, wird aber meistens dargestellt als z.B. 1:140 Millionen → diese großen Zahlen sind für uns nicht mehr greifbar.

Ein Wissenschaftler hat berechnet, dass man 77,50 Euro bei 6 aus 49 einsetzen müsste, um mit Sicherheit einen Gewinn einzufahren. Statistisch gesehen wären das pro Euro Einsatz ein Erlös von 0,0645 Euro – also ein deutliches Minusgeschäft.

Studie zum Gewinnspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2019

Diese Zahlen beruhen auf einer Forsa Repräsentativbefragung von 16- bis 70-Jährigen, durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln:

Die Quote für problematisches Glücksspielverhalten beträgt 0,68 Prozent für die männliche Befragten und 0,1 Prozent für die weiblichen Befragten.

Die Quote für wahrscheinlich pathologisches Glücksspielverhalten beträgt 0,6 Prozent für männliche Befragte und 0,08 Prozent für weibliche Befragte.

Für 2019 kann für Deutschland von hochgerechnet ca. 229.000 problematisch und ca. 200.000 wahrscheinlich pathologisch Glücksspielenden ausgegangen werden. 

Das Risiko ist dabei am höchsten bei Automaten und Casino und bei Lotto am geringsten.

Folgende Faktoren finden sich häufiger in der Gruppe der Spielsüchtigen: Migrationshintergrund, Einkommen unter 1.500€, junges Alter, Spieleinsätze von über 100€, regelmäßiges Spiel; es sind mehr Männer als Frauen betroffen.

Wer hat schon mal Glücksspiele gespielt?

75,3 Prozent der 16- bis 70-jährigen Befragten haben Glücksspielerfahrung, also irgendwann im Leben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Bei den männlichen Befragten sind es 79,9 Prozent, bei den weiblichen 70,7 Prozent.

Wann ist es pathologisch?

Die neun diagnostischen Kriterien des DSM-5 für eine „Störung durch Glücksspielen“: 

  • 1. Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen 
  • 2. Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben 
  • 3. Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren 
  • 4. Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen 
  • 5. häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen 
  • 6. Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen 
  • 7. Belügen anderer, um das Ausmaß des Glücksspiels zu vertuschen 
  • 8. Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, des Arbeitsplatzes, Ausbildungs oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens 
  • 9. Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um eine glücksspielbedingte finanzielle Notlage zu überwinden Die Diagnose einer „Störung durch Glücksspielen“ wird gestellt, wenn mindestens vier dieser Kriterien innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten vorliegen.

Tipp: Wenn ihr das Gefühl habt, die Kontrolle über das Glücksspiel zu verlieren, könnt ihr euch auf Spielen-mit-Verantwortung.de informieren und online einen Test ausfüllen, um herauszufinden, ob ihr Hilfe suchen solltet.

Shownotes