Für eine Hochzeit kann man sehr viel Geld ausgeben. Schließlich wollen die Location, das Catering, die Band, der Fotograf, das Brautkleid, die Flitterwochen und vieles mehr bezahlt werden. Eine große Hochzeitsindustrie buhlt um Aufträge und will den zukünftigen Ehegatten jeden Wunsch für das entsprechende Budget organisieren.

Doch welche Kosten erwarten einen beim Heiraten und an welchen Stellen lassen sich möglicherweise größere Summen einsparen? Und schließlich gibt es da noch das Thema der Scheidungen. Welche Kosten und Folgekosten entstehen, wenn sich das Paar wieder entzweit? Was spricht für und was gegen einen Ehevertrag? All das besprechen Ana und Thomas von Finanzfluss in diesem Finanzfluss Exklusiv!

Kosten einer Hochzeit

Was die Kosten einer Hochzeit angeht, bewegt man sich in einem großen Spektrum. Längst hat sich eine eigene Industrie gebildet – mit Messen, spezialisierten Hochzeitsfotografen, Braut-Abnehm- Bootcamps etc. Und: Hochzeitskrediten!

Eine Umfrage auf Facebook unter 1.000 Brautpaaren im Jahr 2018 ergab eine Spanne von 1.000 bis 50.000€, die Durchschnittskosten waren 12.037€. Denn: Es gibt viele, kleine Posten, sodass schnell eine große Summe zusammenkommen kann. 

Beispielrechnung für eine Hochzeit in Deutschland mit groben Richtwerten (nach oben hin offen):

  • Standesamt – 50-100€
  • andere Formalitäten – 100-150€
  • Location – mindestens 150€, nach oben hin offen
  • Catering – ca. 50-150€ pro Gast
  • Hochzeitstorte – bis zu 500€
  • Brautkleid – 600-2.000€
  • Anzug – 400-1.500€
  • + Accessoires – bis zu 2.000€, Make-Up bis zu 500€
  • Ringe – 500-2.000€
  • Printprodukte (Einladungen, Gästebücher, Tischkarten) – bis zu 600€
  • Tischdeko, Blumen etc. – 100-700€
  • Fotograf – 400-open end, Band 500-openend
  • + viele weitere optionale Kosten: Tanzkurs fürs Brautpaar, Automiete, Feuerwerk, Flitterwochen
  • optional: Hochzeitsplaner (10-20%), Ehevertrag: Notargebühren

Hier sehen wir Sparpotenzial:

  • Fotograf/Location/
  • Deko selber machen
  • Hochzeitskleid leihen statt kaufen
  • selbst kochen/über Freunde organisieren
  • Messen, Werbung, Magazine meiden → nicht zu stark von dem Hype beeinflussen lassen

Unbequem, aber wichtig: die finanziellen Folgen einer Scheidung

2019 wurden 36% der Ehen geschieden, sprich ca. jede dritte Ehe. Deshalb ist es wichtig, sich auf den unschönen Fall vorzubereiten.

Der Höchststand der Scheidungen war 2005 mit 52% der Ehen. 

Seit 2011 ist die Scheidungsquote rückläufig mit einem Tiefstand von 33% im Jahr 2018 bei 10% mehr Eheschließungen. 

Übrigens: Seit Oktober 2017 können auch gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen werden und sind somit Teil der Statistik. 

Diese Gesetze regeln das Zusammenleben in der Ehe: das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen (FamFG). Wir stellen die wichtigsten Paragraphen kurz vor – viele informieren sich vor der Hochzeit gar nicht darüber und hoffen einfach, dass schon alles gut gehen wird.

Güterstand: Zugewinngemeinschaft (§ 1363 BGB ff.)

Vermögen, das man während der Ehe erwirtschaftet, wird also im Scheidungsfall als gemeinsames Vermögen betrachtet und es findet ein Zugewinnausgleich statt (wenn einer mehr dazugewonnen hat). Und zwar in bar! Immobilien und Unternehmen sind deshalb kompliziert/müssten verkauft werden. 

Gemeinsame Immobilien sind oft ein Streitthema: Gutachter, Streitwert etc. → kann lange dauern und teuer werden.

Unterhalt (u.a. § 1360 BGB)

Ehegatten sind einander zu Unterhalt verpflichtet. Gilt während der Ehe und danach, aus “nachehelicher Solidarität”. Wenn es vor Gericht geht, liegt die Entscheidung über Unterhalt im Ermessen des Richters – das entscheidet über Höhe und Dauer des Unterhalts.

Kindesunterhalt wird in der Düsseldorfer Tabelle geregelt.

Versorgungsausgleich (§ 1587 BGB und VersAusglG)

Der Versorgungsausgleich wird bei einer Scheidung von Amts wegen durch ein Gericht durchgeführt. Es kann also nicht darauf verzichtet werden. Lediglich bei sehr kurzen und kinderlosen Ehen gibt es Ausnahmen.

Worum geht’s? Rentenpunkte, die während der Ehe gesammelt wurden, werden geteilt. 

Darunter fallen auch betriebliche oder private Formen der Altersvorsorge.

Sorgerecht (§ 1626 BGB ff.)

Verheiratete Eltern erhalten automatisch das gemeinsame Sorgerecht. Wenn man sich nicht auf einen Lebensmittelpunkt für die Kinder einigen kann, kann beim Familiengericht darüber entschieden werden. Dann geht das Ortsbestimmungsrecht meist an eines der Elternteile. 

Gut zu wissen: Für die Schulden des Ehepartners muss man nicht einstehen, auch wenn es keinen Ehevertrag gibt! Aber: Banken wollen meist, dass ein Ehepaar gemeinsam einen Kredit aufnimmt, um das Risiko zu senken.

Ehevertrag: Ja oder nein? 

Der Standard ist Gütertrennung. Wer das nicht will, muss einen Ehevertrag abschließen. Hier kann Gütertrennung oder eine angepasste Gütergemeinschaft vereinbart werden.

Gütertrennung: Jeder Partner ist für sich selbst verantwortlich; man kann individuell regeln, welche Vermögenswerte zusammen betrachtet werden und welche nicht. Z.B.: Erbe wird nicht aufgeteilt/Immobilie wird nicht aufgeteilt/Firma wird geschützt. Als weitere Option kann man den jeweiligen Zugewinn deckeln, z.B. auf eine halbe Million pro Partner.

Beim Ehevertrag gilt in gewissem Maß die Vertragsfreiheit → es gilt die Regel: Keiner der Partner darf stark benachteiligt werden, sonst könnte der Vertrag unwirksam sein. Wichtig ist, dass der Ehevertrag notariell beglaubigt wird.

Übrigens: Ein Ehevertrag kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt abgeschlossen werden und muss nicht vor der Eheschließung bestehen. Und man kann sie später anpassen, z.B. bei der Geburt von Kindern, Firmengründung, großer Erbschaft usw.

Ehevertrag im Todesfall

Der Ehevertrag gilt auch im Todesfall einer der Partner – mit einem Fallstrick: die Gütertrennung hat steuerliche Nachteile für den hinterbliebenen Partner wegen höherer Erbschaftssteuer. Deshalb sollte man die Gütertrennung vertraglich auf den Scheidungsfall beschränken, also zwei Fälle im Ehevertrag festhalten.

Pro Ehevertrag: Ein Ehevertrag sorgt für Klarheit für eine Situation, in der man genug Stress haben wird. Man kann hier faire Regeln aufstellen und rechtlichen Stress vermeiden. Im besten Fall schweißt es die Partner sogar zusammen, weil man sich auf Augenhöhe begegnet und offen über finanzielle Fragen spricht.

ℹ️ Weitere Infos zur Folge:
Video „Lohnt sich ein Ehevertrag?“

Quellen

Scheidungsstatistik 1960-2019
Finanzfluss Video: Lohnt sich ein Ehevertrag?
Finanzblognews: Warum du deine finanzielle Freiheit in der Ehe vergessen kannst 
Unterhalt.net: Zahlen zur Scheidung
Hochzeitsportal Statistiken
Strg F: Die Hochzeitsindustrie

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