Was ist Social Trading?

Social Trading ist im Kommen, lockt mit hohem Renditeversprechen und Spaß in der Community. Doch was steckt hinter diesem Begriff? Und ist Social Trading wirklich so sozial, wie es sich anhört? Das klären Thomas und Ana in dieser Folge Finanzfluss exklusiv.

Beim Social Trading kopieren Anleger die Strategien von anderen Investoren oder lassen sich inspirieren. Man sagt “copy trading” oder “mirror trading” dazu. Copy-Trading heißt: Ich kopiere einen Trade. Mirror-Trading heißt: Ich kopiere jeden Trade eines Users.

Die Idee: Anfänger können von erfahrenen Anlegern lernen und profitieren. Eine Art moderne Anlageberatung. Es werden Analysen mit der Community geteilt, z.B. von erfahrenen Tradern. Hier sollen sich Anleger über Trends, Analysen, Tipps austauschen, Erfahrungen sammeln und von der Erfahrung anderer profitieren. Einige Social Trader streamen auch ihre Portfolios, bei einigen Plattformen kann man einen Investor per Algorithmus kopieren. Wenn die Person dann eine neue Aktie kauft, kaufe ich automatisch denselben Wert. Man kann sich aber auch “nur informieren” und Analysen zur Hilfe nehmen und selbst Trades ausführen.

Warum sollten erfahrene Anleger einfach so ihre Strategie mit anderen Teilen? Hier gibt es oft eine Art Wettbewerb/Rangliste: Je mehr Anhänger und Menschen, die meine Strategie kopieren, desto höher steige ich und erhalte Geld oder Rennommé.

Meistens wird auf Social-Trading-Plattformen mit hochspekulativen Produkten gehandelt, wie Derivaten oder Kryptos. Bevor ihr also mitmacht, solltet ihr euch unbedingt sehr gut informieren. Wer eine langfristige Anlage sucht, findet sie eher woanders…

Kosten und Gebühren beim Social Trading

Um Werte anderer Nutzer “nachzukaufen”, muss man Geld hinterlegen – das geht nicht an die Vorbild-Trader, sondern an den Provider, z.B. eToro. Dafür gibt es meistens eine Mindesteinlage. Die Vorbild-Trader können bei eToro in Stufen aufsteigen, in denen sie Provision erhalten. Bei Naga, einem anderen bekannten Anbieter, erhalten sie einen bestimmten Bonus pro Abonnent. Dazu kommt für dich als “kopierender Nutzer” eine Ordergebühr und oft eine Provision beim Verkauf der Werte.

Was sind die Chancen und Risiken von Social Trading?

Chancen:

Man kann beim Social Trading eine Community finden, mit der man seine Leidenschaft fürs Investieren teilt, sich über Werte austauscht und vielleicht Fehler vermeidet. Vor allem, wenn man in seinem Bekanntenkreis niemanden mit Interesse am Investieren hat.

Das erklärte Ziel der Anbieter lautet: Geldanlegen demokratisieren – Community statt Bankberater, individuelle Portfolios statt fertig gestrickte Fondspläne. Social Trading ist ziemlich transparent – man kann Portfolios einsehen, Analysen abrufen und diskutieren.

Für geübte Trader kann es eine Möglichkeit sein, über die Provision zusätzlich Geld zu verdienen.

Risiken:

Ein großes Risiko liegt in der Verführung, auf das Urteil anderer zu vertrauen, die natürlich auch nur Menschen sind und Fehler machen. So könnte man, weil man einem User vertraut, zu leichtfüßig werden und irrational handeln, selbst wenn man wenig Erfahrung im Traden hat. Wir Menschen sind emotionale Wesen.

Noch risikofreudiger kann es machen, wenn man einfach ein Portfolio von jemand anderem kopiert und sich weniger verantwortlich fühlt.

Außerdem können Analysen von anderen uns in die Irre führen und wir denken, dass es eine Sicherheit gibt. Dabei ist die Börse immer mit Risiken behaftet.

Der Vorteil, dass Social Trading Spaß macht und sozial ist, ist gleichzeitig ein Nachteil: Es kann mehr oder weniger abhängig machen, und der Ranking-Aspekt kann uns anfällig dafür machen, wie im Casino Verluste auszugleichen und Dinge noch schlimmer zu machen.

Wer eine Strategie von anderen kopiert, könnte gegen seine eigene Risikobereitschaft und Werte gehen – was auf lange Sicht vermutlich nicht erfolgreich ist oder sich falsch anfühlt.

Die “Signalgeber”/Vorbild-Trader werden nicht reguliert: Anders als andere Anlageberater müssen sie keine Analysen und Prospekte herausgeben, in denen sie ihre Strategie erklären.

Shownotes