Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat in den letzten 15 Jahren jeder zehnte Deutsche geerbt – im Durchschnitt 85.000€ pro Person. Laut einer anderen Umfrage erbte sogar jeder dritte Haushalt. Trotzdem wissen viele Menschen nicht, wie sie ihren Erbanteil versteuern müssen, welche Regeln für ein Testament gelten und warum Schenkung und Erbe zwar ähnlich, aber nicht gleich sind.

Thomas und Ana fassen die wichtigsten Fakten rund um Steuern und Finanzen zum Thema Nachlass zusammen. Und widmen sich der Frage, wie groß die Steuerlast für Erben tatsächlich ist.

Disclaimer: Wir sind keine Steuerberater oder Anwälte, das sind nach bestem Gewissen recherchierte Informationen, die euch einen Überblick geben sollen.

Zu Beginn ein paar Zahlen:

2019 gab es 123.792 steuerpflichtige Erbschaften und 29.565 steuerpflichtige Schenkungen in D – mit einem Gesamtbetrag von 39 Milliarden Euro. Geschätzt sind es aber 200 bis 400 Milliarden Euro, also zehn Mal so hoch. 

Denn: In die amtliche Statistik fließen nur Beträge über den Freibeträgen ein – und die liegen sehr hoch, wie wir später aufzählen.

Welcher Anteil am Vermögen ist geerbt?

Laut einer Auswertung der World Inequality Database ist die Summe aller Vermögen in Deutschland ungefähr fünfmal so groß wie die Summe aller Einkommen. Für Wohlstand spielt es also eine größere Rolle, was man erbt als wie viel man verdient.

Entwicklung

In den letzten Jahren ist der Gesamtbetrag von Erbe und Schenkungen gewachsen. Das liegt auch daran, dass unsere Gesellschaft immer älter wird.

Vergrößert Erbe die Schere zwischen Arm und Reich?

Seit Jahren diskutieren Politiker und auch das Verfassungsgericht darüber, ob man die Erbschaftssteuer erhöhen sollte, vor allem bei großen Werten wie Unternehmen. Das Argument: So könnte man etwas umverteilen. Ob das stimmt, ist noch nicht klar.

Verschiedene Untersuchungen zeigen eher: Durch Erbschaften nimmt die Ungleichheit ein bisschen ab. 

Es gibt einen Generationeneffekt: In der Regel vererbt ein alter Reicher an mehrere Junge, sodass das Geld an mehr Menschen verteilt wird. Aber: Das Erbe kommt aufs bestehende Vermögen drauf, weshalb es bei Ärmeren einen größeren Effekt haben kann – und sie ein wenig aufholen können. Allerdings vergrößern Erbschaften die Ungleichheit innerhalb einer Generation – zwischen denen, die Erben, und jenen, die nicht erben.

Laut dem Institut für Altersvorsorge machen die oberen zwei Prozent aller Erbschaften ⅓ des vererbten Vermögensbetrags aus.

Steuer

Erbschaftssteuer: geringe Einnahmen für den Staat

Der Anteil der Erbsteuer an den Steuereinnahmen ist sehr gering: 2018 waren es unter 1 Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Und nur 0,2 Prozent des BIP.

Es gibt viele Rufe nach einer höheren Erbschaftssteuer. Übrigens ist die auch in anderen Ländern nicht wesentlich höher – in Belgien und Frankreich hat die Erbschaftssteuer den höchsten Anteil am BIP mit 0,6 bis 0,7 Prozent, also immer noch sehr niedrig.

Wie ist also ein Erbe zu versteuern?

Es gibt Freibeträge für Erben – für Eheleute mit Zugewinngemeinschaft 500.000 Euro, Kinder 400.000 Euro pro Person, Stand Frühjahr 2021. Auch vererbte Immobilien sind steuerfrei, wenn der oder die Erbin mindestens 10 Jahre darin wohnt. Bei Firmen gibt es oft den Sonderfall steuerfrei, weil Arbeitsplätze gesichert werden.

Wenn man kein Familienangehöriger ist, zahlt man auch bei kleinerem Erbe direkt 30 Prozent Steuern. Als enger Angehöriger zahlt man erst ab einem Erbe über 26 Millionen Euro 30% Steuern. Und: Ein großer Teil des vererbten Vermögens sind Betriebsvermögen, die oft steuerfrei sind. Aus diesem Grund fallen oft keine oder sehr wenige Steuern auf sehr große Erbschaften an – was linke Politiker stark kritisieren.

Unterschied zwischen Erbe und Schenkung:

Eine Schenkung findet zu Lebzeiten statt und macht den Beschenkten zum neuen Eigentümer. Bei einem Erbe ändert sich das Eigentum erst im Todesfall. Der Mensch, dessen Vermögen vergeben wird, behält also die Verfügungsgewalt darüber, während er lebt.

Auch Schenkungen müssen versteuert werden. Hier gibt es aber Schlupflöcher: Man kann die Freibeträge alle zehn Jahre nutzen und so das Vermögen aufteilen.

Testament

Nur mit einem Testament kann man sein Erbe individuell verteilen, sonst gilt die gesetzliche Erbfolge…und zwar:

Wenn es kein Testament gibt und man verheiratet ist (in einer Zugewinngemeinschaft) und Kinder hat, geht die Hälfte des Erbes an die Kinder und die andere Hälfte an den Ehepartner/die Ehepartnerin. Kinder und Ehepartner bilden dann die Erbengemeinschaft und können entscheiden, ob und wie sie das Geld weiter verteilen.

Achtung: Wer nicht heiratet, riskiert, dass der Partner nichts erbt → hier könnte ein Testament interessant sein oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft. Ein Problem bleibt aber die Steuer: Wer verheiratet ist, hat im Erbfall Vorteile: Verheiratete können bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben, nicht Verheiratete nur 20.000 Euro!

Und: Es gelten höhere Steuersätze aufs Erbe, zwischen 30 und 50 Prozent.

Wie muss man ein Testament aufsetzen, damit es gültig ist?

Viele selbst aufgesetzte Testamente sind ungültig. Was man oft im Film sieht, ist aber gültig: alles von Hand geschrieben und unterschrieben – so wird die Echtheit dank Handschrift überprüft. Man sollte man es nicht am Computer tippen – das wird nicht anerkannt wegen Fälschungsgefahr. Wichtig sind auch Datum und Ort. 

Trotzdem ist es oft gut, sich zu informieren, vor allem wenn es komplizierte Familienverhältnisse gibt, verschiedene Vermögensarten usw.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen Notar oder einen Anwalt für Erbrecht aufsuchen. Die Kosten für eine Beratung liegen laut Stiftung Warentest bei maximal 230 Euro, die Kosten fürs Testament richten sich nach dem Wert des Nachlasses. 

Online gibt es aber auch Vorlagen dafür, was man bei Testament und Nachlass beachten muss. 

Noch ein Grund, zum Fachmann oder Fachfrau zu gehen: Bei bestimmten Arten von Vermögen muss man einen Erbschein besorgen, z.B. bei Immobilien. Die Gebühr kann auch hier hoch liegen – bei einem notariell erstellten Testament wird der Erbschein in der Regel nicht fällig.

Kann ich einfach jemanden enterben?

Kommt darauf an – wenn gesetzlich ein Pflichtteil zusteht, eher nicht. Der liegt meist bei der Hälfte des gesetzlichen Anteils.

Wie wird das Testament dann umgesetzt?

Nach dem Tod ist das Nachlassgericht zuständig: Hier wird ein Protokoll erstellt und die Erben werden benachrichtigt. Wenn Angehörige ein Testament nicht rausrücken, machen sie sich strafbar wegen Urkundenunterdrückung.

ℹ️ Quellen und weitere Infos zur Folge:
Finanztip Infos rund ums Testament und Erbe
Arm und reich: Erbe und Ungleichheit
Erbschaftssteuerrechner
Finanzfluss Video zum Thema Falle Gemeinschaftsdepot