Steigende Preise, sinkende Zinsen: Die Inflation ist seit Jahren ein Schreckgespenst für viele. In dieser Folge Finanzfluss Exklusiv erklären Thomas und Ana nüchtern die Mechanismen dahinter und zeigen, warum eine leichte Inflation sogar gewünscht ist. Wir geben einen Überblick über die aktuelle Inflationsrate, die Symptome dafür und gehen auf die verschiedenen Stufen der Inflation ein.

Außerdem beschreiben wir das Gegenteil, die Deflation, und besprechen, ob es überhaupt möglich ist, sein Vermögen vor einer Geldentwertung zu schützen.

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Warum schwanken Preise?

In Deutschland haben wir eine soziale Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis von Waren und Dienstleistungen. Nach einer schlechten Ernte kosten Obst und Gemüse deshalb mehr. Und zu Zeiten von Corona, wo alle sich nach einem Garten sehnen, wird der teurer. Diese Schwankungen sind normal, können allerdings den Geldwert aus der Balance bringen. Dann spricht man von Inflation bzw. Deflation.

Was ist Kaufkraft?

Die Kaufkraft sagt aus, wieviel du mit deinem Geld kaufen kannst, ist also ein Maßstab für den Wert des Geldes. Bei einer starken Kaufkraft bekommst du mehr für dein Geld als bei einer schwachen. Die Inflation nennt man deshalb auch Kaufkraftminderung.

Da Preise sich je nach Nachfrage verändern, z.B. Heizöl im Winter teurer ist, kann man die Kaufkraft des Geldes nur in Bezug auf Güter messen.

Was ist Inflation?

Inflation stammt vom lateinischen “inflare” ab und bedeutet “aufblähen”/”sich aufblasen”. Bei einer Inflation steigt das Preisniveau von Waren und Dienstleistungen. Dein Geld ist also weniger wert als vorher und du bekommst weniger dafür. Wenn eine Kugel Eis vor zehn Jahren 50 Cent gekostet hat und jetzt einen Euro, hat der Euro vereinfacht gesprochen die Hälfte seiner Kaufkraft verloren. Statt Inflation wird manchmal Kaufkraftminderung oder Geldentwertung gesagt, damit ist dasselbe gemeint.

Es gibt verschiedene Arten von Inflation, und sie muss auch nicht immer schlimm sein.

Allgemein kann man sagen, dass eine Inflation gut für Schuldner ist und schlecht für Investoren, weil das Geld an Wert verliert. Man muss aber zwischen nominalen und realen Zinsen unterscheiden.

So wird die Inflation festgestellt:

Preisänderungen kann man durch Preisindizes abbilden. Der bekannteste Preisindex für Europa ist der Harmonisierte Verbraucherindex (HVPI) – hier wird ein Warenkorb mit rund 700 Waren und Dienstleistungen zusammengestellt und die Preissteigerung gemessen. Harmonisiert bedeutet, dass alle Länder der EU dieselbe Methode anwenden.

Für Deutschland erstellt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erstellt einen “statistischen Warenkorb”, der den durchschnittlichen Konsum eines deutschen Haushalts abbildet – und misst die Preissteigerung in Prozent. Er besteht aus Alltagsprodukten (Lebensmittel, Drogerieprodukte), langlebigen Wirtschaftsgütern (Auto, Computer, Haushaltsgeräte, Kleidung) und Dienstleistungen (Friseurbesuch, Reparatur, Versicherungsprämie). 

Die Produkte und Dienstleistungen decken wahrscheinlich nicht genau euren Bedarf ab, deshalb gibt es beim Statistischen Bundesamt einen Inflationsrechner, mit dem ihr eure individuelle Inflationsrate berechnen könnt. Hier gelangt ihr zum Inflationsrechner des Statistischen Bundesamtes und hier zu unserem eigenen.

Inflationsstufen

Es gibt drei Inflationsstufen, die den Ablauf einer Inflation beschreiben:

  1. die schleichende Inflation – Inflationsraten  bis 5%
  2. die galoppierende Inflation – Inflationsraten bis 30%
  3. die Hyperinflation – Inflationsraten >50%

Eine schleichende Inflation ist nicht unbedingt schlecht. Eine galoppierende oder sogar Hyperinflation ist gefährlich. Zwischen 1914 und 1923 gab es in Deutschland eine Hyperinflation, in der die Mark unfassbar stark an Wert eingebüßt hat: Ein Brot kostete mehrere Millionen Mark.

Kriterien der Inflation

offen: Die Preissteigerungen sind für jeden ersichtlich.

verdeckt: Der Staat versucht, die Inflation auszugleichen/Preissteigerungen entgegenzuwirken, z.B. mit Lohn- und Preisstopps, Rationierung von Gütern, Produktions-, Kapitalmarkt- oder Devisenkontrollen.

temporär: Die Inflation tritt nur einen Konjunkturzyklus lang auf.

permanent: Die Inflation streckt sich über mehrere Konjunkturzyklen.

Es gibt verschiedene Gründe/Treiber für eine Inflation, oft treten mehrere auf. Z.B.: 

  • Gleichbleibendes Angebot an Waren und Dienstleistungen, aber höhere Geldmenge, z.B. durch die Geldpolitik der EZB
  • Die Liquidität wird durch Anleihen erhöht, so können mehr Güter und Dienstleistungen gekauft werden, die aber nicht so schnell nachziehen können. Die zusätzliche Nachfrage führt zu höheren Preisen und höheren Löhnen – in der Konsequenz verliert das Geld weiter an Wert
  • Inflationsspirale: Menschen fordern höhere Löhne, um sich mehr leisten zu können – die Preise steigen weiter, das Geld ist noch weniger wert
  • Auch aus anderen Gründen kann die Nachfrage ansteigen, z.B. in einer Pandemie, was die Preise erhöht und sich zu einer Inflation entwickelt.
  • Unternehmen geben steigende Kosten an ihre Kunden weiter (Kostendruckinflation)
  • Unternehmen heben die Preise zur Gewinnsteigerung an, besonders in Monopolstellung (Gewinndruckinflation) → bei Rohstoffen wie Erdöl möglich
  • hohe Nachfrage nach Gütern/Dienstleistungen, die das Angebot übersteigt
  • Produktionslücken, die lange brauchen, um ausgeglichen zu werden
  • hohe Exportrate bei gleichzeitiger hoher Anfrage im Land selbst (inflatorische Lücke)

→ auch: importierte Inflation, d.h. Preissteigerung bei importierten Rohstoffen, z.B. Ölkrise 1973

Erwartete und unerwartete Inflation

Marktteilnehmer preisen die Inflationserwartung mit ein, es gibt also die antizipierte Inflationsanpassung. Daneben kommt es aber auch zu unerwarteter Inflation – hier findet dann eine Umverteilung statt. 

Bei einer erwarteten Inflation ändern sich die Preise und Menschen passen ihr Verhalten an – heben häufiger Geld ab, können aber auch schlechter Investitionen planen aufgrund schwankender Preise.

Bei einer unerwarteten Inflation werden die Marktteilnehmer überrascht – das hat negative Folgen:

  • Unternehmen und Verbraucher können nicht mehr mit Preisen planen, durch die Inflation kommt es zur Preisverzerrung und Fehlplanungen
  • Schuldner profitieren, Gläubiger verlieren: Verschiebung in der Vermögensstruktur
  • Anpassungskosten entstehen: einfaches Bsp. ist die Speisekarte → Unternehmen müssen häufig ihre Preise und Produkte anpassen
  • eine Maßnahme, um die unerwartete Inflation zu bekämpfen,  ist, die Konjunktur zu dämpfen → höhere Arbeitslosigkeit und Insolvenzen

Deshalb ist es wichtig, eine Inflation rechtzeitig erkennen und bekämpfen.

Inflation ist nicht immer schlecht: In wirtschaftlich guten Jahren zahlen Unternehmen ihren Mitarbeiter teils Gewinnbeteiligungen aus – diese haben dann mehr Geld zur Verfügung, konsumieren mehr, was zu einer höheren Nachfrage und…Inflation führen kann.

“Gute Inflation” ist aber im Rahmen, ca. 2%.

Staaten haben oft ein Interesse daran, eine leichte Inflation aufrechtzuerhalten – denn auch Anleihen verlieren durch die Inflation an Geld und das ist positiv für Staatsschulden.


Welche Folgen hat eine Inflation?

Das Vertrauen in die Währung nimmt ab und ihr Wert sinkt weiter. Sachwerte wie Gold werden beliebt, oder alternative Währungen wie Kryptos. Es besteht die Gefahr, dass das Geldsystem destabilisiert wird/sogar zusammenbricht.

Inflation führt zur Entwertung von Ersparnissen → Menschen sparen weniger/parken ihr Geld in Sachwerten. Deshalb haben Banken weniger Leverage, um Kredite für Investitionen etc. zu vergeben. Produktionseinschränkungen und Arbeitslosigkeit sind die Folge.

Von einer Inflation besonders betroffen sind arme Menschen, die ihr Einkommen nicht an die steigenden Preise anpassen können. Auch Arbeitslose, Rentner etc. 

Wie kann ich mich vor Inflation schützen?

Es gibt keine Garantie dafür, aber viele Anleger setzen auf Sachwerte, weil sie weniger abhängig von der Preisinflation sind – z.B. Immobilien, Unternehmensanteile, Gold und Sammelwerte, aber auch ETFs. Fondsgesellschaften reagieren auf das Preisniveau – deshalb kann man mit einer breit diversifizierten Anlage trotz einer Inflation Rendite machen (real).

Eine Weitere Möglichkeit für Gläubiger: flexiblen Zinssatz vereinbaren, z.B. Bindung von Zahlungen an einen Index wie den Verbraucherpreisindex

Aber: Vorsicht – in Deutschland war die Inflation in den letzten Jahren immer im Rahmen. Ihr solltet nicht die Inflationssicherheit als erstes Kriterium setzen, sondern Produkte wählen, von denen ihr überzeugt seid.

Was ist Deflation?

Bei einer Deflation sinkt das Preisniveau von Waren und Dienstleistungen langfristig und deutlich. Das Geld gewinnt an Wert, du kannst also mehr mit demselben Betrag kaufen. 

Gründe für eine Deflation

Eine Deflation entsteht oft, wenn eine Volkswirtschaft sich im Abschwung eines Konjunkturzyklus befindet. Menschen konsumieren deutlich weniger, weil sie sich auf schwierige Zeiten vorbereiten = Attentismus.

Unternehmen investieren weniger, weil weniger konsumiert wird und sie weniger Absatz erwarten.

Auch Spekulationsblasen, die platzen, inklusive plötzliche Korrektur von deutlichen Überbewertungen, können eine Deflation auslösen – z.B. Immobilienblasen. Banken vergeben locker Kredite und wenn die Preise einbrechen, können viele Kreditnehmer diese Kredite nicht mehr bedienen, weil sie in finanzielle Schwierigkeiten kommen. So sinken die Preise weiter, weil die Nachfrage sinkt.

Welche Folgen hat eine Deflation?

Bei einer Deflation kann es zu einer gefährlichen Dynamik kommen: Menschen konsumieren weniger, weil sie erwarten, das die Preise weiter sinken, und sparen mehr. Unternehmen investieren weniger, produzieren weniger, Löhne und Gewinne können sinken.

Daraus können Insolvenzen und steigende Arbeitslosigkeit folgen – und letztlich eine Rezession, im schlimmsten Fall der Zusammenbruch des Geldsystems.

Momentaufnahme: Die Inflationsrate in Deutschland

Quelle: Statistisches Bundesamt

Preis- und Assetpreis-Inflation

Asset Price Inflation oder Vermögensinflation heißt, dass die Preise für Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen, Gold und Immobilien ansteigen. So können sich Spekulationsblasen bilden – der reale Wert ist weit überstiegen und beim “Platzen” der Blase brechen die Preise ein. Bsp. Tulpenmanie in holland, Dotcom-Blase 2000.

Bei der Assetpreisinflation kann der “Warenkorb”, also der Verbraucherpreisindex stabil bleiben – die beiden Inflationsarten können unabhängig voneinander auftreten.

Warum ist Preisstabilität wichtig?

Stabile Preise stützen eine stabile Währung und schützen vor Kaufkraftverlust und Wertverlust von Geldeinlagen. Die EZB ist dafür zuständig, Preisstabilität zu erhalten – Ziel ist eine Teuerungsrate unter zwei Prozent. Instrumente für die Steuerung sind z.B. Senkung oder Anhebung des Leitzins, die EZB kann aber nur indirekt das Preisniveau beeinflussen.

Durch niedrige Zinsen sollen Investitionen angekurbelt werden und der Konsum angeregt werden → Konjunktur beleben.

Weitere Infos

EZB Interview
Finanzfluss Inflationsrechner
Inflationsrechner Statistisches Bundesamt

Quellen

https://www.youtube.com/watch?v=G2swrsZJ8s0&ab_channel=Finanzfluss
https://www.finanzfluss.de/blog/steigen-sie-oder-steigen-sie-nicht/
https://www.finanzfluss.de/blog/inflation-einfach-erklaert/
https://www.youtube.com/watch?v=P_YWQPWD2qU&ab_channel=Finanzfluss
https://www.jugend-und-finanzen.de/Sekundarstufe-2/Unterrichtsmaterial/Preise-ausser-Rand-und-Band-Was-sind-Inflation-und-Deflation/download
https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19958/kaufkraft
https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19723/inflation
https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19723/inflation
https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19723/inflation#:~:text=Eine%20Inflation%20f%C3%BChrt%20zur%20Entwertung,Finanzierung%20von%20Investitionen%20zu%20vergeben