Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#265 Geschichte: So kam es zur Hyperinflation 1923

24. Februar 2022

Gerade erleben wir eine steigende Inflation in Deutschland und anderen Bereichen der Welt – manche sprechen von einer Blase, von Geldentwertung und Gelddruck ohne Plan. Ein guter Augenblick, um aus der Vergangenheit zu lernen.

Deshalb blicken wir zurück auf eine Zeit, in der die Inflation extreme Ausmaße angenommen hat: die sogenannte Hyperinflation, die sich von 1914 bis 1923 aufgebaut hat. Ein Kilo Brot kostete sage und schreibe 233 Milliarden Mark. Wie es dazu kommen konnte, erklären Thomas und Ana in dieser Podcastfolge.

Was ist Inflation?

Inflation stammt vom lateinischen “inflare” ab und bedeutet “aufblähen” / ”sich aufblasen”. Man sagt auch Kaufkraftminderung oder Geldentwertung. Bei einer Inflation steigt das Preisniveau von Waren und Dienstleistungen. Dein Geld ist also weniger wert als vorher und du bekommst weniger dafür. 

Es gibt verschiedene Arten von Inflation, und sie muss auch nicht immer schlimm sein. Bei einer Inflationsrate von 50% und mehr im Monat spricht man von Hyperinflation (laut einer Faustregel nach Phillip D. Cagan). Pro Jahr sind das umgerechnet 1.300%. 

Innerhalb eines Jahres bedeutet das einen Anstieg des Preisniveaus um mehr als das Hundertfache. Solch eine Hyperinflation gab es in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Wir sprechen heute darüber, wie es dazu kommen konnte, dass die Inflation dermaßen explodiert ist.

Die Hyperinflation 1923

Auf dem Höhepunkt der Hyperinflation im November 1923 hat ein Kilo Brot 233 Milliarden Mark gekostet und ein Kilogramm Rindfleisch 4,8 Billionen Mark. Die Hyperinflation hat sich in der Weimarer Republik von ca. 1914 bis 1923 aufgebaut. Dann war der Staat pleite – und warf die Gelddruckmaschinen an. Die Folge: eine Hyperinflation.

Ursachen der Hyperinflation: der erste Weltkrieg

In unserem Podcast über Inflation und Deflation haben wir erklärt, wie es zu einer Inflation kommt. Doch: eine Hyperinflation entsteht nicht einfach so schleichend, sondern folgt meist auf eine Krise. Die Hyperinflation dauert in der Regel nicht sehr lange an, denn sie versetzt das ganze Land in einen Ausnahmezustand. So war es auch 1923:

Der erste Weltkrieg begann 1914, kurz danach hob das Deutsche Reich die Noteneinlösungspflicht auf und schuf damit die Grundlage für eine Finanzierung durch  Kriegsanleihen statt Steuereinnahmen.

Schon während des Kriegs entstand eine Güterverknappung durch Produktionsengpässe; Preissteigerungen waren die Folge. Der erste Weltkrieg endete am 11. November 1918. 

Krieg kostet einen Staat viel Geld – für Waffen, Munition, Soldaten, Verpflegung, Transport, Logistik und so weiter. Das Deutsche Reich hatte dieses Geld aber nicht zur Verfügung, es war sehr knapp bei Kasse.

Im Sommer 1914 reichten die Rücklagen gerade mal für zwei Tage Kriegsunterhaltung. Wie wir wissen, dauerte der Krieg aber mehr als vier Jahre lang. Der Krieg hat extrem viel Geld vernichtet.

Warum das Deutsche Reich immer weiter in die Verschuldung gerutscht ist? Die Reichsleitung war überzeugt, den Krieg zu gewinnen. Der Gegner sollte dann dafür bezahlen. Was, wie wir heute wissen, anders gelaufen ist. Das Deutsche Reich hat den Krieg verloren und stand vor riesigen Staatsschulden: im November 1918 blickte es ca. 150 Milliarden Mark Schulden.

Und noch schlimmer: Mit dem Versailler Vertrag, der 1918 unterzeichnet wurde, stand

Deutschland vor riesigen Schadensersatzforderungen an die Siegermächte, v.a. Frankreich. Das Deutsche Reich hatte nicht nur bei den anderen Staaten hohe Schulden, sondern auch bei normalen Bürgern: durch Kriegsanleihen. Einfache Bürger hatten dem Staat millionenfach Geld für Kriegskosten geliehen.

Das wurde Anfang der 20-er Jahre zu einem großen Problem: Das Deutsche Reich war nicht nur vom Krieg gebeutelt, sondern hoch verschuldet bei den Siegermächten und beim eigenen Volk.

1923 besetzten die Franzosen das Ruhrgebiet wegen verspäteter Reparationszahlungen das Ruhrgebiet. Das Deutsche Reich muss jetzt Schulden abbauen. Und findet dafür eine scheinbar einfache Lösung: den Gelddruck.

Gelddruck führt zu Inflations-Spirale

Um die Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, fing die deutsche Regierung an, an einem Hebel zu drehen: der Geldmenge – die Regierung druckt massenhaft Geld.

Denn: Die Steuereinnahmen reichen nicht, um die Schulden zu decken. Deshalb nennt man den Gelddruck auch “Inflationssteuer”.

Ein Teufelskreis beginnt: Durch den Gelddruck ist mehr Geld im Umlauf, das Preisniveau steigt, die Steuerprobleme werden nicht etwa besser, sondern schlimmer. Denn: je stärker die Inflation, desto geringer die realen Steuereinnahmen; der Staat druckt jedoch noch mehr Geld, um das zu kompensieren.

Viele Läden bunkerten Vorräte, weil sie de facto nichts mehr verdienen konnten. Auch das verschlimmert den Zustand. Preise und Löhne explodieren, Geldscheine sind quasi zu Spielgeld geworden.

Die Inflation schreitet so wahnsinnig schnell voran, dass man sich von seinem Lohn teils Tage später nichts mehr kaufen konnte. Die Inflationsrate steigt von 0,12% im Juli 1922 auf 84% im Juli 1923 bis auf einen Höhepunkt von 1.000.000.000% im Dezember 1923.

Die Umlaufgeschwindigkeit des Gelds steigt rapide, jeder möchte sein Geld so schnell wie möglich ausgeben, bevor es seinen Wert verliert. Das führt zu einer großen Gefahr für jede Wirtschaft: Geld hat seine Funktion als Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit verloren. Die Folge ist ein großer Vertrauensverlust, denn: unsere Währungen sind v.a. auf Vertrauen aufgebaut

So wurde die Hyperinflation überwunden

Eine derart extreme Inflation kann nur durch eine Währungsreform gebremst werden. 1923 kam eine solche Währungsreform : Am 15. November wurde übergangsweise die Rentenmark eingeführt.

Die Rentenmark stoppte die Hyperinflation offiziell am 15. November 1923 und löste die Papiermark im Verhältnis 1:1 Billion ab. Im Oktober 1924 kam die Reichsmark (wertgleich zur Rentenmark); bis 1925 wurden übergangsweise noch die alten Papiermarkscheine angenommen.

Viele Sparer haben ihr Vermögen verloren/wurden quasi enteignet und es hat lange gedauert, bis die Ausmaße der Inflation sich erholt haben.Erst 1928 erreichten die durchschnittlichen Reallöhne wieder das Niveau von 1913.

Fazit

Ganz nüchtern betrachtet basieren unsere Fiat-Währungen rein auf Vertrauen. Die Hyperinflation von 1923 ist ein extremes Beispiel; hier ging ein Krieg mit sehr hohen Schulden und Reparationszahlungen vorraus. 

Heute bringen die Zentralbanken Geld in Umlauf, in dem sie Staatsanleihen kaufen, damals gab es keinen Gegenwert für das gedruckte Geld.

Shownotes

Kommentare (1)

A

Andreas

sagt am 28. Februar 2022

Krasses Timing: Der Podcast wurde am Donnerstag veröffentlicht und bei Minute 18:30 fällt der Satz "Eine Angst davor finde ich persönlich jetzt im Moment unnötig, auch wenn es natürlich Spannungen auf der Welt gibt, [...]" Und dann fängt Russland einen Krieg an. So was kann man sich nicht ausdenken.


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