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#297 Für wen lohnt sich die Berufsunfähigkeitsversicherung?

16. Juni 2022

Was ist die BU?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eine nicht-gesetzlich verpflichtende, freiwillige Versicherung. Sie soll Menschen vor dem finanziellen Risiko absichern, wenn sie durch Unfall oder Krankheit nicht mehr in der Lage sind, ihren Job zu mindestens 50% auszuführen.

Dazu zahlt der Versicherte jeden Monat einen Beitrag ein, und im Gegenzug sichert die Versicherungsgesellschaft ihm zu, im Leistungsfall eine BU-Rente auszuschütten. Die Höhe der Rente bemisst sich an der Höhe der Einzahlungen und wird bei Vertragsabschluss vereinbart. 

Außerdem spielen Vorerkrankungen und die Art des Berufs eine Rolle. Wer zum Beispiel in seinem Job besonders anfällig für Unfälle ist, weil er eine schwere körperliche Arbeit ausübt, zahlt in der Regel mehr als jemand, der vorwiegend am Schreibtisch arbeitet. Wie lange die BU-Rente ausgezahlt wird, lässt sich ebenfalls im Vertrag mit der Versicherung festhalten, maximal jedoch bis zum Renteneintritt. 

Statistik: Berufsunfähigkeit in Deutschland

Die Wahrscheinlichkeit, bis zur Rente berufsunfähig zu werden liegt je nach Altersgruppe und Geschlecht zwischen 29% und 43%. Der Anteil der Berufstätigen in Deutschland, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben beläuft sich bei Männern auf 61%, bei Frauen auf 42%.

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Die häufigsten Gründe für eine Berufsunfähigkeit ...

… in Deutschland sind psychische Erkrankungen (31%) , Beeinträchtigungen der Bewegungsfähigkeit (24%) und Krebs (15%). “Nur” 9% entfallen auf Unfälle. Die Zahlen haben wir vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft.

Berufsunfähigkeitsversicherung und die Steuer

Gut zu wissen: Du kannst die Beiträge zur BU in deiner Steuererklärung als Sonderausgabe geltend machen. Im Fall einer Auszahlung solltest du Folgendes beachten: Die BU-Rente ist steuerpflichtig, es gilt der Grundfreibetrag.

Zusätzlich zur BU-Rente erhältst du je nach Situation Sozialhilfen wie die Erwerbsminderungsrente (individuell zu prüfen). Es gelten zwar strenge Einkommensgrenzen beim Bezug einer Erwerbsminderungsrente, doch diese Obergrenzen führen nur bei Erwerbseinkommen zu einer Anrechnung. 

Da dich eine BU vor der Berufsunfähigkeit in deinem Beruf schützt, kannst du unter bestimmten Bedingungen trotz Berufsunfähigkeit in einem anderen Job arbeiten – hier musst du die Bestimmungen in deinem Vertrag prüfen (Einkommensgrenze etc.).

Auszahlung der BU: Bedingungen und Statistik

Wenn der unglückliche Fall eintritt, dass man tatsächlich (auf Zeit) berufsunfähig ist, muss man einen Antrag an die Versicherung stellen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schreibt auf seiner Website, dass “81% der BU-Renten bewilligt” würden und beruft sich dabei auf eigene Befragungen.

Dass jeder fünfte Antrag dennoch abgelehnt wird, hat laut GDV verschiedene Gründe. Häufigster Anlass sei, dass der BU-Grad nicht erreicht wurde, die Person also nach wie vor zu mindestens 50% in ihrem Beruf arbeiten könnte. Daneben lägen oft Verletzungen der “vorvertraglichen Anzeigepflicht” vor.

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Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung ihr Geld wert?
In unserem Blogbeitrag fassen wir für euch zusammen, worauf ihr achten solltet, wenn ihr einen Antrag stellt, und welche Rolle Gutachten spielen. Dafür hat Mona mit einem Rechtsanwalt gesprochen.

Was ist die Alternative zur BU?

Die BU ist nicht zu verwechseln mit der staatlichen Erwerbsminderungsrente, die einspringt, wenn jemand generell weniger als drei Stunden pro Tag in einem beliebigen Beruf arbeiten kann.

Anspruch darauf hat jeder, der oder die nach dem 1.1.1961 geboren ist, insgesamt fünf Jahre versichert gearbeitet und in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Die Erwerbsminderungsrente fällt oft viel geringer aus und greift nur, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst, was eben mit den drei Stunden bemessen wird. Wer noch bis zu sechs Stunden in einem beliebigen Beruf arbeiten kann, erhält die Hälfte der Erwerbsminderungsrente.

Für wen lohnt sich die BU?

Psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für die Berufsunfähigkeit – und die können jeden treffen. Der klassische Arbeitsunfall ist seltener Auslöser einer Berufsunfähigkeit.

Am Ende ist es eine sehr persönliche Entscheidung, wie viel einem diese Absicherung wert ist – günstig ist eine BU auf viele Jahre gerechnet nicht. Wer auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist und nicht z. B. durch ein großes Vermögen abgesichert ist, sollte sich die Option BU zumindest einmal ansehen.

Shownotes

Kommentare (4)

J

Jakob

sagt am 17. Juni 2022

Hallo Finanzfluss Team, vielen Dank für den Podcast. Dieser ist wie immer sehr interessant und nützlich gewesen. Wie der Zufall so will, ist vor genau drei Tagen meine eigene BU Versicherung genehmigt worden 😄. Meine BU Versicherung kostet mich monatlich 25€ (für 1250€ Rente), da war ich schon sehr erstaunt als erzählt wurde, dass ca. 60€ schon sehr günstig sind. Wie kommt jetzt also mein extrem günstiger Tarif zustande? Ich bin 21 Jahre alt und Student, dementsprechend gehöre ich einer Gruppe an, bei der das Risiko sehr gering ist. Außerdem haben ich keinerlei Vorerkrankungen und rauche nicht. Entscheidend für den Preis ist allerdings die Laufzeit des Vertrages. Ich habe meinen Vertrag nur bis zum Alter von 62 Jahren abgeschlossen. Das klingt jetzt zunächst einmal dumm, da die Wahrscheinlichkeit Berufsunfähig zu werden, natürlich mit 60 am höchsten ist. Dementsprechend kostet dieser Bereich aber auch am meisten. Hätte ich meine Versicherung bis 67 (Renteneintritt) abgeschlossen, würde der Vertrag mehr als 50 Euro kosten. Doch dafür wäre ich bis zur Rente vollständig abgesichert. Warum also das ganze? Ich gehe davon aus, dass ich bis zu meinem 60. Lebensjahr genug Geld angespart habe (ETF-Portfolio dank Finanzfluss😇), um einen möglichen Berufsausfall von 5 Jahren (63-67) auszuhalten. Außerdem werde ich mit 60 vermutlich keine Kinder mehr zu ernähren haben und hoffentlich in meiner eigenen Wohnung/Haus wohnen. Selbst wenn ich nur die gesparten 25€ monatlich in einen ETF investiere, habe ich nach 41 Jahren (dann bin ich 62) 70.674€ (Finanzfluss Zinseszinsrechner ❤️) angesammelt. Das würde vermutlich ausreichen, um 5 Jahre ohne Einkommen auszukommen. Natürlich ist dies reine Spekulation, aber dieses Risiko bin ich bereit einzugehen. Trotzdem würde ich dieses Vorhaben nur Empfehlen, wenn ein Teil seines Einkommens Monatlich gespart wird. Ein wichtiger Tipp für alle die eine BU-Versicherung abschließen wollen: Es lohnt sich wirklich, diese möglichst früh abzuschließen, da vor allem das Alter eine große Rolle spielt. Ich habe meinen Antrag mit 20 Jahren gestellt. Dort hat die Versicherung 21€ gekostet. Durch verschiedenste Verzögerungen bin ich 21 geworden und jetzt kostet die Versicherung 25€, ohne dass sich nur eine weitere Sache an dem Vertrag geändert hat. Der Preis ist also um fast 20% gestiegen, weil ich ein Jahr älter geworden bin. Schnell sein lohnt sich also :D

Ana Bilandzija

Ana Bilandzija

Autorin

sagt am 19. Juni 2022

Hallo Jakob, danke für dein Lob und dafür, dass du deine Erfahrung hier geteilt hast. Spannend! Deine Überlegung, die Laufzeit zu verkürzen, ist sicherlich eine Anregung, die für den einen oder die andere auch interessant sein könnte. Du zeigst schön auf, wie viele Faktoren eine Rolle spielen – die Verantwortung für eine Familie z.B., die laufenden Kosten (bei selbst bewohnter Immobilie natürlich geringer) usw. Alter und Vorerkrankungen sind sicherlich die wichtigsten Faktoren, wenn es um die Beitragshöhe geht.

Ana Bilandzija

Ana Bilandzija

Autorin

sagt am 16. Juni 2022

Hallo Thomas, danke für deine Ergänzungen! Die BU ist ein weites Feld, da hast du Recht. Zur Verweisbarkeit: Das ist ein guter Punkt – die Verweisbarkeit greift erst, wenn der/die Versicherungsnehmer/in eine andere Tätigkeit ausübt. Zur Versteuerung und und zu den Personengruppen, die wir genannt haben: Hier geben wir nur einen Überblick, sonst würde das den Rahmen sprengen. Steuern sind immer umfassender zu betrachten, und natürlich gilt das auch für die Abwägung, ob und in welcher Lebenssituation eine BU Sinn ergibt. Danke!

T

Thomas Gerlach

sagt am 16. Juni 2022

Hallo liebes Finanzfluss-Team! Den Podcast von Finanzfluss höre ich sehr gerne und regelmäßig. Diesen Podcast zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung sollte aus meiner Sicht an der einen oder anderen Stelle überarbeitet werden. Zwei Beispiele: Konkrete Verweisung Im Podcast habe ich den Eindruck, dass der Begriff "konkrete Verweisung" so erläutert wird als könnte mich der Versicherer konkret auf eine andere Tätigkeit verweisen. Das ist aber nicht so: Wenn ich freiwillig eine neue Tätigkeit ausübe, die auch u.a. meiner bisherigen Lebenstellung entspricht und ich auch ein ähnliches Einkommen habe, dann kann der Versicherer die BU-Rente einstellen, wenn der Vertrag nicht auf die Prüfung der konkreten Verweisung verzichtet. Wie wichtig dieser Verzicht ist, müsste jeder für sich selbst bewerten, aber wenn ich konkret wieder arbeiten kann, wofür benötige ich dann noch eine BU-Rente? Viel Geld würde ich für die Klausel nicht ausgeben. Besteuerung Grundsätzlich kann ich die Beiträge für die selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) bei der Steuerklärung angeben, aber in 99% der Fälle hat es keine Auswirkungen, weil jeder idR durch seine Krankenversicherungsbeiträge den Höchstbetrag ausschöpft. Ein echter Tipp: Prüfen, ob es sinnvoll ist die KV Beiträge im Dezember für das nächste Jahr zu zahlen. Dann würden beispielsweise in 2023 die Höchstbeiträge nicht durch die KV-Beiträge ausgeschöpft und die Beiträge u.a. für die BU reduzieren meine zu zahlende Einkommenssteuer. Eine ganz anderes Thema ist die Besteuerung, wenn die BU beispielsweise mit einer Basisrente kombiniert wird. Die Leistung aus der SBU-Rente muss zwar versteuert werden, allerdings wird hier nur der Ertragsanteil berücksichtigt, der von dem Alter abhängig ist. Wenn jemand mit 36 Jahren BU wird, dann muss er 40% versteuern, erhält man ab 50 Jahren eine Leistung, dann nur 30%. Bei einer beispielhaften BU-Rente von 1500 € werden also mit 36 Jahren nur 600 € und mit 50 Jahren nur 450 € steuerpflichtig, aber bei diesen Renten zahlt man natürlich noch keine Steuern. Über viele andere Punkte könnte man auch philosophieren: Wenn ein Hausmann kein Einkommen hat, dann man keinen Einkommensverlust, aber die Arbeit ist sicherlich nicht nichts wert. Wenn man eine Haushaltshilfe benötigen würde, dann kostet die natürlich auch Geld. Oder macht eine BU-Absicherung schon für einen Schüler Sinn, der noch gar kein Einkommen hat? Wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Beruf ergriffen wird, der später in der Absicherung sehr teuer wird, dann wäre das schon eine sinnvolle Option, da sich bei guten Tarifen die Berufsgruppeneinstufung nicht verschlechtert, auch wenn man die Leistungen erhöht. Die Frage ist eher, ob man sich das leisten kann. Effi Briest würde sagen: Ein weites Feld


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