Mona Linke
Mona Linke
29. September 2022

Shrinkflation – Schrumpfkur im Supermarktregal

Etliche Hersteller verkleinern einfach ihre Produkte, statt die Preise zu erhöhen. Diese „Shrinkflation“ ist kein neues Phänomen – und völlig legal.

Wenn die Tiefkühlpizza plötzlich nicht mehr satt macht, das Paket Butter nur noch für anderthalb Kuchen reicht und die Cornflakes neuerdings immer schneller zur Neige gehen, kann das auf einen gesteigerten Appetit hindeuten. Passt nun aber die Hose unverändert gut und zeigt die Waage auch immer noch das Gleiche an, kann es eigentlich nur eine Erklärung geben: die Shrinkflation. Produkthersteller schrumpfen ihre Waren, während die Preise die gleichen bleiben. Dann sind im Sahne-Puddingpulver von Dr. Oetker nur noch drei statt wie bisher vier Pakete drin, in der Gummibärchen-Tüte von Haribo nur noch 175 statt 200 Gramm und in der Bodylotion nur noch 400 statt 500 Milliliter. Mit dieser heimlichen Verteuerung wird den ohnehin von Inflationssorgen geplagten Konsumenten vorgegaukelt, es wäre alles beim Alten geblieben. Ein Trick, der vorwiegend in Zeiten steigender Rohstoffpreise immer mehr Nachahmer findet – den Verbraucherschützer aber schon seit Langem auf dem Schirm haben.

Shrinkflation - Pudding wird weniger
Weniger Inhalt für mehr Geld, Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Bis zu 3.000 Mogelpackungen pro Jahr

In der Verbraucherzentrale Hamburg beispielsweise gehen jedes Jahr bis zu 3.000 Hinweise von Konsumentinnen und Konsumenten auf geschrumpfte Produkte ein. 2022 waren es schon so viele wie sonst in einem ganzen Jahr. Auf Basis dieser Kundeninfos betreibt die Verbraucherzentrale eine „Mogelpackungsliste“: ein buntes Verzeichnis an Waren, die eigentlich mal größer oder reicher befüllt waren und nun geschrumpft sind, ohne dass der Preis ebenfalls herabgesetzt wurde. Die Liste reicht von Vanillepuddingpulver und Kartoffelchips bis hin zu Lammkoteletts und Teebeuteln. Manch ein Angebot sieht auf den ersten Blick sogar aus wie ein Schnäppchen, entpuppt sich dann aber auf den zweiten doch als Verteuerung.

Shrinkflation - Päckchen werden kleiner
Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Viele Schnäppchen sind gar keine

So kostete der grüne Tee der Aldi-Marke „Westminster“ bis vor Kurzem 2,59€, inzwischen sind es 1,89€. Jedoch stecken statt 250 Gramm nur noch 150 Gramm in der Packung. Insgesamt ist der Preis also nicht gefallen, sondern in Wahrheit um 22% gestiegen. Auch eine Packung Cornflakes bei Lidl ist nur scheinbar um 60 Cent billiger geworden, bringt sie doch noch etwas mehr als halb so viel wie vorher auf die Waage. Die PENNY Naturgut Pizza Spinat Feta kommt laut der Verbraucherzentrale auf eine Preissteigerung von 34,7%. Nicht nur, dass statt 460 Gramm nur noch 410 Gramm drinstecken – die Firma hat den Preis zusätzlich von 2,49€ auf 2,99€ angehoben.

Shrinkflation - Pizza wird kleiner
Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Die REWE Group als Hersteller der Pizza rechtfertigt den hohen Preis bei weniger Inhalt gegenüber der Verbraucherzentrale nicht nur mit gestiegenen Rohstoffpreisen für viele Zutaten. Man habe außerdem im April 2022 den Lieferanten gewechselt und daher die Packungsgröße anpassen müssen. All das habe „eine Preisanpassung notwendig gemacht“.

Drei Meter weniger Klopapier

Teilweise wird die Schrumpfung aber auch mit einer veränderten Rezeptur begründet. Als der Lebensmittelhersteller Seitenbacher 2020 dafür kritisiert wurde, sein Fruchtmüsli nicht