Mona Linke
Mona Linke
28. Juli 2022

Was kostet die Hitze?

Fluten, Stürme und Dürre kosten Deutschland jedes Jahr Milliarden. Doch was bedeutet das konkret für Wirtschaft und Verbraucher?

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum schienen sich lange Zeit zu widersprechen. Inzwischen ist klar: Extremwetterereignisse wie starke Hitzeperioden, die durch den Klimawandel befördert werden, kosten die Volkswirtschaft jedes Jahr Milliarden – und das spüren auch Verbraucher. Doch beginnen wir von vorne: Was kosten Stürme, Fluten und Dürren?

Die erste Antwort auf diese Frage lautet: Sie kosten Menschenleben. Allein in Deutschland haben Extremwetterereignisse in den vergangenen 20 Jahren über 30.000 Opfer gefordert. Nach Ansicht der WHO dürfte sich die Lage noch verschärfen. Weltweit geht die Organisation ab 2030 von bis zu 250.000 zusätzlichen Klima-Opfern pro Jahr aus. Denn Fluten und andere Katastrophen gefährden die Versorgung etlicher Menschen auf der Welt, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, außerdem sind sie ein Nährboden für die Ausbreitung tödlicher Krankheiten wie Malaria.

145 Mrd. € Schaden durch Extremwetter

Daneben kostet der Klimawandel eine ganze Stange Geld. In Deutschland zum Beispiel jedes Jahr knapp 6,6 Mrd. €, wie die jüngst erschienene Studie „Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland“ ergeben hat, die vom Wirtschaftsministerium und Umweltministerium in Auftrag gegeben wurde. Seit dem Jahr 2000 sollen Extremwetterereignisse die Bundesrepublik ganze 145 Mrd. € gekostet haben, und ein großer Teil davon soll auf den Klimawandel zurückzuführen sein. Dass Ökonomen die Erderwärmung als Gefahr für die Wirtschaft betrachten, ist nicht neu: Schon 2020 hat der Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums den Klimawandel als die größte Bedrohung der globalen Ökonomie bezeichnet. Doch wie setzen sich die Kosten durch Sturm, Hitze und Fluten genau zusammen? Ist wirklich jede Flutkatastrophe eine Folge des Klimawandels? Und wie bekommen wir Verbraucher die Kosten überhaupt zu spüren?

Nicht jede Katastrophe hat mit dem Klimawandel zu tun

Extreme Hitze oder extremen Niederschlag hat es immer schon gegeben, auch in sonst so gemäßigten Klimazonen wie Deutschland. Nicht jeder Hitzetag und jeder Hagelsturm ist dem menschengemachten Klimawandel geschuldet. Doch das bedeutet noch nicht, dass es keinen Zusammenhang zwischen der globalen Erderwärmung durch den Klimawandel und Naturkatastrophen gibt.

Noch sei die Forschung zwar nicht in der Lage zu ermitteln, „für welchen Anteil der Schäden tatsächlich der Klimawandel verantwortlich ist, oder welcher Anteil der Schäden auch in einem Jahr mit ‚normalem‘ Klima zu erwarten gewesen wäre“, heißt es in der Studie zu den Klimafolgekosten. Grob gesagt liegt das daran, dass Extremwettereignisse nach wie vor selten vorkommen – was eine statistische Berechnung erschwert.

Extremwetterereignisse nehmen zu

Es ist eher die Häufung der Ereignisse, die den Wissenschaftlern Sorgen macht. Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Stürme, Hitze und Dürre überhaupt auftreten, da ist sich die Wissenschaft inzwischen weitgehend einig. Zu diesem Schluss kommt beispielsweise auch die World Weather Attribution (WWA). Die Wahrscheinlichkeit, dass Flutkatastrophen wie die im Juli 2021 auftreten, sei durch den Klimawandel um den Faktor 1,2 bis 9 erhöht. Bedeutet konkret: Ohne den Klimawandel könnte Westeuropa statistisch gesehen alle 400 Jahre mit einer Flutkatastrophe dieses Ausmaßes rechnen, mit dem Klimawandel jedoch alle 45 bis 300 Jahre. Vor häufiger auftretenden Wetterextremen hat schon vergangenes Jahr der Weltklimabericht gewarnt: Starke Hitzeperioden, die eine Region bislang im Schnitt alle 50 Jahre getroffen haben, könnten demnächst alle zehn Jahre auftreten – bis zu 1,7 Mal so oft wie jetzt müssten wir außerdem mit Dürren rechnen, so die Bilanz des Sachstandsberichts.

Extremwetterereignisse würden nicht nur wahrscheinlicher, sondern auch „intensiver“, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums auf Anfrage von Finanzfluss. Entsprechend höher würden in Zukunft auch die Schäden ausfallen, sollte der Entwicklung nicht entgegengesteuert werden.

“Schäden durch Hitze und Dürre sind unterschätzt”

Mit insgesamt 71,2 Mrd. € zwischen 2000 und 2021 führen Sturzfluten, Überschwemmungen und Starkregen die Statistik an, wenn es um das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden geht. Damit rangieren sie vor Sturm, Hagel und Schnee (31,9 Mrd. €) und vor Hitze (41,6 Mrd. €). Was leider noch nicht bedeutet, dass Hitzetage und Dürre vergleichsweise harmlose Wettererscheinungen wären. Die niedrigen Zahlen sind eher auf eine Wissenslücke zurückzuführen. Viele Schäden aus den vergangenen Dekaden seien nur unzureichend untersucht und quantifiziert worden und dementsprechend „unterschätzt“, heißt es von den Studienautoren.

Quelle: Projekt „Bezifferung von Klimafolgekosten“; Prognos AG

Nicht jeder Schaden ist auf den ersten Blick sichtbar und messbar. Viele Folgen von Fluten, Stürmen und Hitze machen sich erst nach einer Zeit bemerkbar und gelten als indirekte Schäden. So sollen sich nach offiziellen Regierungsberichten beispielsweise die direkten Schäden der Flut vom Juli 2021 auf 33,2 Mrd. belaufen, die indirekten Schäden schätzt die Regierung auf 7,1 Mrd. €

Direkte Schäden: Kaputte Straßen, Häuser und Bahnstrecken

Mit direkten Schäden sind vor allem materielle Schäden gemeint, die unmittelbar von einem Naturereignis verursacht werden. Dazu gehören etwa zerstörte Gebäude, Straßen oder Fahrzeuge s