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Warum steigt investiertes Kapital bei Umschichtung?

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Kurzgesagt
Wenn du Gewinne aus einem Verkauf direkt in neue Wertpapiere reinvestierst, macht die Linie des investierten Kapitals oft einen Sprung nach oben – obwohl kein frisches Geld vom Bankkonto eingezahlt wurde. Dieser Anstieg ist korrekt und zeigt, dass durch die Realisierung deiner Gewinne und deren Reinvestition deine neue Investitionsbasis gestiegen ist. In diesem Artikel erfährst du, wie diese Berechnung zustande kommt und warum sie für die Performance-Messung wichtig ist.

Wie werden die Kurven berechnet?

Im Dashboard des Finanzfluss Copiloten findest du einen Graphen mit zwei zentralen Linien, die unterschiedliche Aspekte deines Portfolios darstellen:

Der Portfoliowert: Dies ist der aktuelle Marktwert aller deiner Positionen summiert. Er schwankt täglich mit den Börsenkursen und zeigt dir, wie viel dein Portfolio zum aktuellen Zeitpunkt wert ist.

Das investierte Kapital: Dies ist die Summe der Einstandskurse (Kaufpreise) aller Wertpapiere, die sich aktuell in deinem Portfolio befinden. Es handelt sich also um den Betrag, für den du die momentan gehaltenen Anteile ursprünglich gekauft hast.

Das Szenario: Reinvestition von Gewinnen

Stellen wir uns ein Beispiel vor, das häufig zu Verwirrung führt. Du kaufst Bitcoins für 400 Euro. Zu diesem Zeitpunkt beträgt dein investiertes Kapital 400 Euro und dein Portfoliowert ebenfalls 400 Euro.

Der Kurs steigt stark an und deine Bitcoins sind nun 1.900 Euro wert – ein Gewinn von 1.500 Euro. Dein investiertes Kapital bleibt bei 400 Euro, da du die Position noch hältst, während dein Portfoliowert auf 1.900 Euro gestiegen ist.

Jetzt verkaufst du die Bitcoins für 1.900 Euro und kaufst für die gesamte Summe sofort einen ETF. Was im Chart passiert, überrascht viele Nutzer: Die Kurve für das investierte Kapital springt plötzlich von 400 Euro auf 1.900 Euro.

Warum weicht das von der Erwartung ab?

Viele Anleger betrachten das investierte Kapital als „Netto-Einzahlungen" – also den Cashflow aus eigener Tasche. Die Logik ist oft: „Ich habe die 1.900 Euro für den ETF nicht von meinem Girokonto überwiesen, sondern aus dem Bitcoin-Verkauf genommen. Also habe ich doch eigentlich kein neues Geld hinzugefügt."

Der Copilot berechnet jedoch nicht den Cashflow des Nutzers (Einzahlungen versus Auszahlungen), sondern den Kaufwert der aktuellen Positionen. Das ist ein wichtiger Unterschied, der die Diskrepanz zwischen Erwartung und tatsächlicher Darstellung erklärt.

Warum ist dieses Verhalten trotzdem richtig?

Auch wenn es sich so anfühlt, als wäre es „dasselbe Geld", hat sich die Basis deiner Investition durch den Verkauf und Neukauf fundamental geändert. Der Grund für den Anstieg liegt in der Realisierung von Gewinnen.

Solange du den Bitcoin hieltst, waren die 1.500 Euro Gewinn unrealisiert – also Buchgewinne. Dein Risiko im Markt, dein tatsächlicher Einsatz, basierte auf den ursprünglichen 400 Euro. Im Moment des Verkaufs realisierst du den Gewinn und die 1.900 Euro gehören nun dir.

Wenn du diese 1.900 Euro in einen ETF investierst, ist dein neuer Einstandskurs für diese Position 1.900 Euro. Du investierst also tatsächlich mehr Kapital in den neuen Wert, als du ursprünglich in den alten investiert hattest. Das ist keine Rechenungenauigkeit, sondern spiegelt die wirtschaftliche Realität wider.

Das Gedankenexperiment zur Überprüfung

Um diese Logik zu verdeutlichen, kannst du dir folgendes Szenario vorstellen: Würdest du heute dein gesamtes Portfolio verkaufen und exakt die gleichen Positionen sofort wieder zurückkaufen, wären dein investiertes Kapital und dein Portfoliowert identisch. Alle historischen Kursgewinne wären realisiert und würden zur neuen Kostenbasis – dem investierten Kapital – werden.

Daher ist der Sprung im Chart korrekt: Er zeigt an, dass deine neue Investitionsbasis durch die Reinvestition der Gewinne angestiegen ist. Dies ist wichtig für eine korrekte Performance-Messung und gibt dir ein realistisches Bild davon, wie viel Kapital tatsächlich in deinem Portfolio arbeitet.

Investiertes Kapital ist nicht gleich Einzahlungen

Es ist wichtig zu verstehen, dass das investierte Kapital nicht gleichbedeutend mit deinen tatsächlichen Einzahlungen ist. Einzahlungen zeigen nur das Geld, das du von außen – zum Beispiel von deinem Girokonto – in dein Portfolio eingezahlt hast.

Das investierte Kapital hingegen berücksichtigt auch reinvestierte Gewinne und bildet die aktuelle Kostenbasis deiner Positionen ab. Diese Unterscheidung ist besonders relevant für die Berechnung deiner Performance mit der TWROR (Time-Weighted Rate of Return), die im Finanzfluss Copilot verwendet wird.

Zusammenfassung

Der Anstieg des investierten Kapitals bei Reinvestition von Gewinnen ist korrekt und spiegelt die wirtschaftliche Realität wider. Durch den Verkauf realisierst du Gewinne, die bei der Reinvestition zur neuen Kostenbasis werden. Das investierte Kapital zeigt dir transparent, auf welcher Basis deine aktuellen Positionen bewertet werden – unabhängig davon, ob das Kapital aus ursprünglichen Einzahlungen oder reinvestierten Gewinnen stammt.