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Geldkurs und Briefkurs erklärt

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 1. Juli 2022
Im Börsenhandel kommen die Begriffe “Geldkurs” und “Briefkurs”, auf englisch “bid” und “ask”, häufig vor. Im Ratgeber erklären wir, was sie bedeuten und wie sie mit der generellen Funktionsweise des Börsenhandels zusammenhängen.

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Was du wissen solltest
  • Der Börsenhandel ist nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage organisiert. Demnach bieten sowohl Anbieter als auch Interessenten eines Wertpapiers oder Finanzinstruments einen Preis an, zu dem sie dieses handeln wollen.
  • Den niedrigsten Preis der Angebotsseite nennt man Briefkurs (“ask”), den höchsten der Nachfrageseite Geldkurs (“bid”).
  • Der Briefkurs liegt immer höher als oder gleichauf mit dem Geldkurs, sonst würde der Anbieter den Interessenten unterbieten.
  • Als “Spread” bezeichnet man die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs, der für gewöhnlich als Marge dem Anbieter zugute kommt.
  • Während man im Alltagsgebrauch von “Geld-/Briefkurs” spricht, handelt es sich eigentlich hierbei um Taxen, also unverbindlichen Preisindikatoren. Der Preis kommt erst im Handel zustande.

So funktionieren Geldkurs und Briefkurs

Grundsätzlich lässt sich der Handel an der Börse mit Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten genau so wie der auf einem klassischen Marktplatz vorstellen: Ein Käufer bietet zu einem von ihm festgelegten Preis eine Ware feil, die Käufer mit ihren Preisvorstellungen im Hinterkopf inspizieren und, falls sich auf einen Preis geeinigt werden kann, kaufen dann die Ware. Zwar laufen die Prozesse im Börsenhandel deutlich schneller, komplexer und digital ab und die gehandelten Güter erscheinen weniger greifbar, aber funktionieren im Grunde auch heutzutage noch so, in den meisten Fällen nach den Regeln von Angebot und Nachfrage.

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Geld- und Brieftaxe
Richtiger wäre es, von Taxen zu sprechen, wo von Geld- und Briefkursen die Rede ist. Taxen sind Preisindikatoren, die noch vor dem eigentlichen Zustandekommen von Interessenten und Verkäufern veröffentlicht werden, während sich die Kurse aus den getätigten Transaktionen ergeben. Der Verständlichkeit halber verwenden wir aber die Begriffe Geldkurs und Briefkurs.

Geld- und Briefkurs spiegeln diese Tatsache wider. In ihnen drücken sich der vom Verkäufer eines börsengehandelten Vermögenswerts geforderte (Briefkurs, auf Englisch ask price oder kurz “ask”) und der vom Käufer angebotene Preis (Geldkurs, auf Englisch bid price oder “bid”) aus. Übersichtlich könnte man das ganze so zusammenfassen:

AngebotsseiteNachfrageseite
VerkäuferKäufer
BriefkursGeldkurs
ask (nachfragen)bid (bieten)

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Briefkurs und Geldkurs merken
Als Erinnerungshilfe kann man sich einprägen, dass der Verkäufer Wertpapiere als verbriefte Rechte anbietet und damit den Briefkurs stellt, während der Käufer Geld für die Vermögenswerte bietet und damit den Geldkurs.

Das ist der Spread

Als “Spread” wird die Spanne zwischen Geldkurs und Briefkurs bezeichnet (auch: Geld-Brief-Spanne). Logischerweise liegt bei einem funktionierenden Markt der Briefkurs, also der geforderte niedrigste Preis der Angebotsseite, immer höher oder mindestens gleichauf mit dem Geldkurs, dem angefragten Preis der Nachfrageseite – ansonsten würden die Anbieter ihre Interessenten unterbieten. Die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs, die dennoch entsteht, wird auch als Marge bezeichnet. Der Verkäufer kann diese für sich verbuchen. Es gibt keine festen Vorgaben, wie groß der Spread ist oder sein kann, da er – genau wie Brief- und Geldkurs an sich – durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Geldkurs und Briefkurs in der Praxis

Geld- und Briefkurs betreffen in der Praxis ganz verschiedene börsengehandelte Werte: dazu zählen Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder Derivate und Finanzinstrumente wie Devisen, Edelmetalle oder Rohstoffe. Das Orderbuch einer Börse zeigt fortlaufend die verschiedenen Brief- und Geldkurse an, die für einen Vermögenswert gerade relevant sind. Je nach Handelsmodell wird oft ein Mittelwert zwischen beiden ermittelt, zu dem dann der Handel vollzogen werden kann, was natürlich heutzutage digital stattfindet.

Der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, kann in der Börsenpraxis Auskunft über die Liquidität eines Vermögenswerts geben. Ist der Spread sehr niedrig, ist es wahrscheinlich, dass der Wert ein hohes Handelsvolumen aufweist und damit sehr liquide ist. Nebenwerte weisen oftmals höhere Differenzen zwischen Geld- und Briefkurs auf, da sie eher selten gehandelt werden. Auch die Schwankungsbreite (Volatilität) eines Wertpapiers oder Finanzinstruments kann unter Umständen am Spread erahnt werden: Sehr volatile Werte weisen häufig einen höheren Spread auf als die, die nicht so stark schwanken und deren Kurse sich stabil entwickeln.   

Um das Problem niedriger Liquidität zu behebn, beschäftigen viele Börsen und Handelsplätze sogenannte Market Maker, die immer dann zum Handel zur Verfügung stehen, wenn keine anderen Käufer/Verkäufer aktiv sind. Diese Market Maker können die Spreads im Grunde selbst festlegen, auch wenn sie meist an Vorgaben (etwa Referenzenbörsen) gebunden sind oder mit anderen Market Makern in Konkurrenz stehen. Die Market Maker nehmen hier sozusagen die Rolle der Wechselstube ein, die verschiedene Kauf- und Verkaufkurse anbietet und durch die wiederholten Transaktionen an der Spanne zwischen diesen verdient. Hier ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage bei Geld- und Briefkursen unter Umständen außer Kraft gesetzt, da diese von den Market Makern künstlich erzeugt werden.

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Häufig gestellte Fragen

Wann nehme ich den Geldkurs und wann den Briefkurs?

Wann ist der Geldkurs höher als der Briefkurs?

Was ist die Geld-Brief-Spanne?

Was sind bid und ask?