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Währungen tauschen: So sinnvoll ist der Devisenhandel

Stephan Kintrup
Stephan Kintrup
Stand: 12. Juni 2026
Auf einen steigenden Dollar oder fallenden Euro zu setzen, klingt erst einmal harmlos. Tatsächlich aber hat der Devisenhandel seine Tücken – und ist so unvorhersehbar wie kaum eine Anlageklasse. Wie das Ganze funktioniert und warum langfristige Anleger die Finger von Währungswetten lassen sollten, erfährst du in diesem Artikel.

Tausche Euro gegen Dollar – das Geschäft mit den Währungen

Am 15. Januar 2015 hielt der sogenannte Schweizer Frankenschock die Börsenwelt in Atem. Manche Spekulanten verloren damals Millionen, vielerorts brach der Handel ein und nur einige wenige konnten sich freuen. Was war damals geschehen? Grob gesagt hatte die Schweizer Nationalbank an jenem Januartag 2015 entgegen aller Erwartungen und Ankündigungen entschieden, den Franken extrem aufzuwerten, was wiederum den Euro massiv an Wert verlieren ließ. Für einen Euro musste man plötzlich nur noch knapp 0,84 Franken (SFR) hinlegen – zuvor waren es 1,20 SFR gewesen. Eine Wertsteigerung gegenüber dem Euro von fast 40%, die ihre Spuren am Devisenmarkt hinterlassen hat: Weil zu dieser Zeit niemand an einen schwachen Euro oder an einen plötzlich erstarkenden Franken geglaubt hatte, rutschten unzählige Anleger von einem auf den anderen Tag in die Miesen.

Auch wenn der Fall in der jüngeren europäischen Wirtschaftsgeschichte seinesgleichen sucht: Es sind solche Risiken, mit denen Devisenhändler eigentlich ständig rechnen müssen – und die den Handel mit Fremdwährungen zu einer hochspekulativen Angelegenheit machen. Aber sollten Privatanleger deswegen wirklich die Finger davonlassen? Schließlich winken auf der anderen Seite auch enorme Gewinne. Und wie genau funktioniert überhaupt der Devisenhandel? All das erklären wir dir in diesem Blogartikel.

Devisenhandel: Was ist das eigentlich?

Einen FX oder “Forex” (Foreign-Exchange)-Handel, wie der Handel mit Währungen auch genannt wird, haben die meisten Leute längst schon einmal getätigt, vermutlich ohne davon zu wissen. Schließlich bedeutet ein Devisenhandel nichts anderes, als dass eine Währung in eine andere getauscht und später wieder zurückgetauscht wird. Man muss nur in ein Land außerhalb der EU reisen und die eigenen Euro-Scheine in einer Wechselstube gegen Pfund, Dollar, japanische Yen oder Schweizer Franken tauschen. Kurz vor der Abreise wird dann zurückgetauscht, und dabei kann es passieren, dass sich der Wechselkurs in der Zwischenzeit verändert hat. Ein Euro ist dann vielleicht nicht mehr 1,20 USD wert, sondern nur noch 1,10 USD. Der Dollar hat an Wert gewonnen und der Euro an Wert verloren. Sprich: Als Europäer bekomme ich mehr Euro zurück, als ich zu Beginn der Reise eingetauscht habe. Natürlich ist auch der umgekehrte Fall möglich: Gewinnt der Euro an Wert, während der Dollar schwächelt, reist der Urlauber mit einem Minusgeschäft nach Hause.

Während sich die meisten Privatleute von solchen Schwankungen nicht die Urlaubslaune verderben lassen, treibt schon der kleinste Prozentunterschied manch einem Anleger den Schweiß auf die Stirn. Denn genau dieses Prinzip ist es, nach dem auch der Devisenhandel funktioniert: Ein Investor tauscht eine Währung in eine Fremdwährung, weil er erwartet, dass die gekaufte Währung künftig an Wert gewinnen wird. Sollte das eintreten, macht er Gewinn. Verliert die gekaufte Währung an Wert, macht er Verlust. Was erst einmal simpel klingen mag, erfordert viel Erfahrung und Sachkenntnis, vor allem aber großen Wagemut. Denn wer hohe Summen einsetzt oder gar mit einem großen Hebel investiert, riskiert beim Devisenhandel den Totalverlust.

Und dennoch ist der Währungsmarkt der weltweit liquideste Markt überhaupt. Rund 5.000 Milliarden Dollar werden dort weltweit täglich bewegt, vor allem von Unternehmen, Versicherungen, Banken und Brokern. Neben professionellen Investoren zieht der Währungsmarkt mit seinen rasanten Auf und Abs auch einige private Anleger an. Schließlich können innerhalb von Minuten beträchtliche Gewinne – aber eben auch erstaunliche Verluste – gemacht werden.

Welche Währungen werden gehandelt?

Die meistgehandelte Währung ist mit Abstand der US-Dollar, es folgen der Euro (EU), der japanische Yen (JPY), das britische Pfund (GBP) und der Schweizer Franken (SFR). Kurzum: Die Währungen der weltweit stärksten Wirtschaftsräume. Sie werden stets im Paar gehandelt, also beispielsweise EUR / USD, USD / GBP oder EUR / JPY. Zu den größten Währungshändlern zählen Großbanken wie die Citibank, J.P. Morgan, die Schweizer UBS und die Bank of America. Einen eher kleinen Anteil am Handelsvolumen haben Broker, große Konzerne und private Investoren.

Wie können Privatanleger mit Währungen handeln?

Der einfachste Weg ist ein sogenanntes Fremdwährungskonto, das bei einer Bank eröffnet wird. Ein Fremdwährungskonto ist vergleichbar mit einem Tagesgeldkonto: Das eingezahlte Geld ist meist frei verfügbar und liegt ganz einfach in der fremden Währung auf dem Konto.

Die comdirect, die Consorsbank oder die Sparkassen bieten beispielsweise solche Fremdwährungskonten an, manchmal auch Währungsanlagekonto genannt. Das Prinzip ist recht simpel: Es wird ein EU-Betrag in einer fremden Währung (bspw. USD) angelegt und die USD-Anlage später wieder verkauft. Ist der Dollar in der Zwischenzeit stärker geworden, bedeutet das einen Gewinn für den Anleger. Pro Umtausch erheben viele Anbieter allerdings Gebühren. Die meisten Anbieter schlagen diese direkt prozentual auf den angelegten Betrag auf.

Speziell auf den Währungshandel haben sich sogenannte Forex-Broker wie der polnische Händler XTB oder die Handelsplattform Plus500 spezialisiert. Der große Unterschied zu einem einfachen Fremdwährungskonto bei einer Bank sind die massiven Hebel, mit denen Forex-Trader arbeiten können. Bei einem hundertfachen Hebel beispielsweise werden aus 200€ Einsatz mal eben 20.000€, die in einer Fremdwährung angelegt werden. So steigt im Erfolgsfall zwar die Rendite um ein Vielfaches. Entwickelt sich der Wechselkurs jedoch in die unerwünschte Richtung, kann das schnell den Totalverlust bedeuten. Bis 2018 konnten sich Forex Trader dadurch noch maßlos verschulden, weil sich die Broker eine Nachschusspflicht offenhielten. Inzwischen verbietet ein Gesetz die Nachschusspflicht (zumindest bei Privatanlegern) und einige Broker reduzieren das Risiko selbst, indem sie sehr riskante Positionen schließen, falls diese zu entgleisen drohen.

Wie sich die Wechselkurse entwickeln, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Die Wechselkurse ändern sich permanent in Sekundenschnelle und häufig völlig entgegen aller Erwartungen. Davon lassen sich Forex-Trader und spekulative Anleger, die den großen Reichtum über Nacht wittern, jedoch nicht abschrecken.

Was beeinflusst Wechselkurse?

Wie schwach oder stark eine Währung gerade gegenüber einer anderen ist, kann von vielen verschiedenen Faktoren abhängen. Zum einen bestimmen – wie am Aktienmarkt – Angebot und Nachfrage den Wechselkurs. Läuft es für ein Land oder einen Kontinent gerade wirtschaftlich gut, sprich, tauschen gerade viele ausländische Händler ihre Währung in Euro um, weil sie Geschäfte mit Europa tätigen, lässt das den Wert des Euros gegenüber anderen Währungen steigen – er wird nachgefragt. Andersherum führt ein zu hohes Angebot zusammen mit mangelnder Nachfrage naturgemäß zu einem schwächeren Wechselkurs. 

Regierungen und Notenbanken greifen oft in den Devisenmarkt ein

Vor allem Exportnationen können von einem schwachen Wechselkurs jedoch auch profitieren, werden ihre Waren dadurch für Importeure aus dem Ausland doch billiger, was wiederum die Wirtschaft im eigenen Land fördert und neue Arbeitsplätze schafft. Nicht zuletzt deswegen greifen immer wieder auch Regierungen selbst in den Devisenmarkt ein und werten die Währung ihres Landes ab, um auf dem internationalen Spielfeld wettbewerbsfähiger zu werden. Eine Taktik, die vor allem der Volksrepublik China seit Jahren vorgeworfen wird. Tatsächlich hatte die chinesische Regierung die Landeswährung Yuan immer wieder künstlich gedrückt, um ihre Waren möglichst attraktiv für ausländische Importnationen zu machen. Das Land manipuliere damit den Wettbewerb, ärgerten sich vor allem die USA während des Handelsstreits, den sich die beiden Wirtschaftsmächte bis 2019 lieferten.

Staaten, die vor allem importieren, profitieren dagegen von einer starken eigenen Währung, da sie so vergleichsweise billig im Ausland einkaufen können. Während Regierungen zum Beispiel Gesetze verabschieden, um die eigene Währung auf- oder abzuwerten, haben auch die Zentral- und Notenbanken einen großen Einfluss auf den Wert einer Währung. Wird der Leitzins gesenkt, indem beispielsweise massiv Staatsanleihen aufgekauft werden, schwächt das auch die Währung im Land oder auf dem Kontinent, während eine Leitzinserhöhung tendenziell eher zu einer Aufwertung der inländischen Währung führt.

Auch eine Zentralbank kann direkt in den Devisenmarkt eingreifen, indem sie eine Währung kauft oder verkauft, um so Einfluss auf den Wechselkurs zu nehmen. Manchmal aber reicht bereits die Ankündigung einer Zentralbank oder eines Regierungschefs, in den Markt einzugreifen, und die Verhältnisse am Währungsmarkt verschieben sich.

Politische Unruhen verstärken die Schwankungen

Nicht zuletzt sorgen immer wieder politische Ereignisse oder gar Unruhen für Turbulenzen am Devisenmarkt. Das Brexit-Votum 2015 ist ein Beispiel dafür: Seit dem Referendum haben sich Pfund und Euro immer mehr angenähert, aktuell entspricht 1 EUR 0,90 Pfund. Vor dem Brexit-Referendum waren es gerade mal 0,70 Pfund. 2020 war es die Corona-Krise, die zahlreichen Wirtschaften in der Welt mächtig zugesetzt hat und damit auch ihren Währungen. Vor allem Schwellenländer hat die Pandemie in eine tiefe wirtschaftliche Krise gestürzt. Wie steil es mit Währungen bergab gehen kann, beweist unter anderem der Fall der türkischen Lira. Seit 2010 hat die Währung des stark verschuldeten Landes fast 80% an Wert verloren – und während der Corona-Pandemie hat sich die Lage alles andere als verbessert.

Chancen und Risiken beim Devisenhandel

24 Stunden Zugang & geringe Einstiegshürden

Als Vorzug des Währungshandels wird häufig die gute Verfügbarkeit angeführt. Anders als die Börse ist der Devisenmarkt jederzeit zugänglich, sodass rund um die Uhr Währungen getauscht werden können, während die Börse beispielsweise gegen 22 Uhr abends schließt und auch am Wochenende nicht gehandelt werden kann. Auch sind die Einstiegshürden vergleichsweise niedrig: Einige Broker bieten bereits ab einem Einsatz von mindestens 100€ Zugang.

Der Totalverlust ist jederzeit möglich

Der Devisenmarkt ist zwar der liquideste, aber auch der volatilste Markt von allen. Wie sich die politische Situation in einem Land entwickelt, ist häufig überhaupt nicht abzuschätzen. Ebenso können Notenbanken und Regierungen von einem auf den anderen Tag ihren Kurs ändern und eine Währung auf- oder abwerten, wie der „Frankenschock“ im Jahr 2015 gezeigt hat.

Selbst Profi-Forex-Trader, die akribisch Charts analysieren und in Sekundenschnelle kaufen und verkaufen, können nicht jede Entwicklung vorhersehen. Anleger sollten sich dessen in jedem Fall bewusst sein, bevor sie sich auf die Spekulation einlassen.

Noch riskanter wird der Handel mit Währungen, wenn Hebel ins Spiel kommen, wie sie viele Broker anbieten. Wird eine Währung mit 10- oder sogar 100-facher Kraft gekauft, können schon kleinste Kursveränderungen zu krachenden Verlusten führen. Schließlich gibt es bekanntlich keine Rendite ohne entsprechendes Risiko.

ETF-Anlage & Währungsrisiko

Dass die Werte von Währungen permanent schwanken, beeinflusst auch solche Anleger, die überhaupt nicht am Devisenmarkt investiert sind. Ja, auch wer einen ganz normalen ETF bespart, kauft sich damit verschiedene Währungen ein – schließlich sind viele Unternehmen eines globalen Fonds außerhalb der EU, in den Vereinigten Staaten, in Japan oder in Großbritannien beheimatet.

Steigt nun die Währung des Heimatlandes, kann das die Rendite schmälern – wenn auch nur wenig. Das muss nicht immer der Fall sein, schließlich bilden vor allem große internationale Konzerne meist mehrere Währungen gleichzeitig ab, weil sie in vielen Teilen der Erde aktiv sind.

Sollte ich mein ETF-Portfolio vor Währungsrisiken absichern?

Wer in einen globalen ETF investiert, der mehrere Hundert oder Tausend Unternehmen aus der ganzen Welt abbildet, hat das eigentlich nicht nötig. Schließlich wird das Währungsrisiko so schon automatisch ausgeglichen. Schwächelt eine Währung (z. B. der Dollar), wird gleichzeitig eine andere Währung stärker (z. B. der Euro). Die Verluste sind daher nur minimal und machen sich kaum im Portfolio bemerkbar. Werden stattdessen nur europäische oder US-amerikanische Werte gekauft, erhöht sich automatisch das Währungsrisiko.

Ob und wie du dein Portfolio vor Währungsrisiken absichern kannst, haben wir in diesem Ratgeber noch einmal ausführlich für dich aufgeschrieben. Falls du noch auf der Suche nach einem geeigneten Broker für deine Sparpläne bist, kannst du diesen über unseren ETF-Sparplan-Vergleich finden.

Mit einer langfristigen Anlage haben Währungswetten nichts zu tun

Währungswetten sind nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für Anleger, die ihr Erspartes langfristig, mühelos und risikoarm anlegen wollen. Das Verlustrisiko beim Devisenhandel ist enorm und häufig ist es nichts weiter als eine Glückssache, ob tatsächlich Gewinne eingefahren werden. Zwar mag sich die ein oder andere politische Entwicklung oder die Politik der Zentralbanken erahnen lassen – die komplette Zukunft kann allerdings niemand vorhersehen.

Hinzu kommt, dass sich langfristig rein mathematisch ohnehin keine Gewinne mit Wechselkursen machen lassen. Geht es mit einer Währung nach unten, steigt die andere Währung in dem Währungspaar. Die Chance, zu verlieren, ist genauso groß wie die Chance, zu gewinnen. Wer also 15 Jahre oder länger versucht, sein Erspartes mit Devisenhandel zu vermehren, wird am Ende vermutlich mit überhaupt keiner Rendite aus dem Ganzen herausgehen. Das Ganze ist ein Nullsummenspiel.

Der Markt steigt nicht kontinuierlich, sondern schwankt lediglich

Und es gibt noch einen Grund, warum der Handel mit Währungen ziemlich perspektivlos ist: Anders als dem Aktienmarkt, dessen Werte in der Masse und im Schnitt über Jahrzehnte an Wert gewinnen (weil die Weltwirtschaft und Unternehmen tendenziell wachsen), liegen dem Devisenmarkt keine Unternehmen zur Wertschöpfung als Basis zugrunde. Es sind ausschließlich die Schwankungen, mit denen sich Gewinne oder Verluste machen lassen.