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Von Ruinen ruiniert: Der Anlageskandal um die German Property Group

Maximilian Thomaser
Maximilian Thomaser
Stand: 3. März 2026
Enron, Madoff, Wirecard, Cum-Ex – die Liste an aufsehenerregenden Finanzskandalen und Anlagebetrügereien ist lang. Mit kreativen, aber kriminellen Methoden wurden ahnungslose Investoren um Milliarden betrogen. Und die Liste wird immer länger: Im Juni 2025 wurde Charles Smethurst, der ehemalige Geschäftsführer der Immobilienfirma German Property Group (GPG) wegen schweren Betrugs in mehreren Fällen zu einer Freiheitsstrafe von knapp sieben Jahren verurteilt. Was ist passiert? Wir blicken auf das Geschäftsmodell und seinen Niedergang und skizzieren den Ablauf eines schockierenden Anlagebetrugs.

Gewieftes Geschäftsmodell

Historische Gebäude kaufen, sanieren und als Wohnungen gewinnbringend weiterverkaufen – das war das Geschäftsmodell der GPG, die 2008 unter dem Namen Dolphin Capital mit Sitz in Niedersachsen gegründet wurde. Klingt auf den ersten Blick nicht besonders aufregend. Doch es genügte immerhin, um die Aufmerksamkeit etlicher Investoren zu gewinnen.  

Und das war das Ziel, denn jene Investoren sollten – so die Idee von GPG – die   Immobilienkäufe und -sanierungen finanzieren. Die German Property Group hatte es dabei vorwiegend auf Investoren aus Großbritannien und Asien abgesehen. Man warb zum Beispiel mit Steuervorteilen, denn wegen des Denkmalschutzes der gekauften Immobilien besteht die Möglichkeit von Sonderabschreibungen, die zu Steuererleichterungen führen können. Beachtlich war aber vor allem das Renditeversprechen: Investoren sollen ihr eingezahltes Geld zurückerhalten, zuzüglich einer Verzinsung von ca. 15% pro Jahr. Bei einer solchen Rendite hätte sich das angelegte Kapital innerhalb von fünf Jahren verdoppelt.

Der Clou an der Sache: Die hohe Rendite sollte nahezu ohne Risiko daherkommen, denn als Absicherung diene laut der GPG eine ins Grundbuch eingetragene Grundschuld. Damit solle das Grundstück als Gegenwert dienen, falls die GPG bei der Rückzahlung der Investition in Schwierigkeiten gerät.

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Was ist eine Grundschuld?
Die Eintragung einer Grundschuld ist prinzipiell nichts Außergewöhnliches und zum Beispiel auch bei Banken üblich: Leiht sich ein Kreditnehmer bei einem Kreditinstitut im Rahmen einer Baufinanzierung Geld, lässt sich die Bank als Kreditgeberin eine Grundschuld ins Grundbuch eintragen. Falls der Kredit nicht zurückgezahlt wird, hat die Bank damit das Recht, die Immobilie zu verwerten, um so die Restschuld zu bedienen.

What could possibly go wrong?

Die versprochene Absicherung per eingetragener Grundschuld wirkt auf die interessierten Anleger offenbar beruhigend. Was soll schon schiefgehen? Im schlimmsten Fall werden die Wohnungen eben nicht verkauft, die Anleger hätten aber dank der Grundschuld immerhin noch ein Grundstück und eine Immobilie mit Wert. So wiegen sich die Investoren in Sicherheit. Über die Jahre sollen laut Medienberichten wohl mehr als eine Milliarde Euro an die GPG geflossen sein, überwiegend von bis zu 25.000 ausländischen Privatinvestoren – das genaue Ausmaß bleibt unklar.

Und siehe da: In den ersten zehn Jahren scheint das Geschäft zu florieren: Die Zinsen werden pünktlich an die Kapitalgeber gezahlt und immer mehr rendite-hungrige Investoren springen auf den Zug auf. Um die Akquise kümmern sich Finanzvermittler, die dafür saftige Provisionen kassieren. Die Geldgeber werden nach Deutschland eingeladen, um sich vor Ort von dem Konzept zu überzeugen. Bis heute existieren Werbevideos auf Youtube, untermalt mit quietschigen Delfin-Geräuschen, wohl um das Corporate Design der GPG, ehemals Dolphin Capital, auch akustisch zu zelebrieren.

Laut Information des Magazins Business Insider hat es bereits 2015 eine Betriebsprüfung durch das zuständige Finanzamt gegeben, die zwar Skepsis an dem Geschäftsgebaren der GPG hegte, aber keine weiteren Ermittlungen nach sich zog. Doch plötzlich keimen 2018 auch bei den Anlegern erste Zweifel auf, als die Zinszahlungen ins Stocken geraten. Läuft doch nicht alles so quietschfidel in dem Immobilien-Imperium des Gründers Charles Smethurst?

Die Fassade beginnt zu bröckeln

Immer mehr auf ihr Geld wartende Investoren beschweren sich, woraufhin Medien mit der Recherche starten und hinter die Fassade der Immobilienfirma blicken. Die erschreckende Entdeckung: Die als Absicherung angepriesenen Grundschulden im Grundbuch sind nahezu wertlos – denn sie übersteigen die Werte der Immobilien um ein Vielfaches. Ein spektakuläres Beispiel ist das Schloss Dwasieden auf Rügen: Der mittlerweile zur Ruine verfallene Bau wurde für 18 Millionen Euro von GPG gekauft. Ein Blick ins Grundbuch offenbart indes eine eingetragene Grundschuld in Höhe von sagenhaften 117 Millionen Euro. 

Das Problem dabei: Zwar dürfen prinzipiell so hohe Grundschulden eingetragen werden, allerdings bieten sie in dem Fall keine Sicherheit mehr, da der Gegenwert fehlt. Von den Medien wird auch aufgedeckt, dass einige von GPG als Investments ausgegebene Objekte überhaupt nicht von GPG gekauft worden waren und deswegen gar nicht als Sicherheit herhalten können. Viele der tatsächlich erworbenen Objekte wurden entgegen aller Versprechen nie saniert, sondern liegen stattdessen seit Jahren brach und verrotten. Entsprechend warfen sie auch nie die versprochenen Renditen ab. Nur wenige der Immobilien wurden überhaupt saniert und vermarktet.

Wo ist das Geld geblieben?

Wenn das Geld der Anleger nicht in sanierungsbedürftige Bauten floss – wohin dann? Profiteure der Investments dürften zunächst die Finanzvermittler gewesen sein, die bis zu 20% Provision von den Einzahlungen kassierten. Spätere Ermittlungen deuten darauf hin, dass ein Teil des Geldes auch bei Smethursts Gattin gelandet ist, die ein Modegeschäft und einen Online-Shopping-Kanal betreibt und großzügige Rechnungen an GPG ausgestellt hat. 

Diese Verwendung der Investorengelder hat wenig mit der ursprünglichen Investitionsthese gemein. Sie erklärt auch bei Weitem nicht den Verbleib von insgesamt weit über einer Milliarde Euro, die über die Jahre von ahnungslosen Anlegern an die GPG geflossen sind. Die Vermutung liegt nah, dass es sich bei Smethursts gesamtem Konstrukt um ein Ponzi-Schema handelte und die Investoren zu Opfern eines Betrugs von ungeahntem Ausmaß geworden sind. 

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Was ist ein Ponzi-Schema?
Betrugsmasche dar. Dabei wird Anlegern eine imposante Rendite in Aussicht gestellt, wenn sie ihr Geld bei der vermeintlich seriösen Firma anlegen. Es wird mit einer Investmentstrategie geworben, die spektakuläre Renditen liefern soll. Allerdings werden die Einzahlungen nicht gewinnbringend investiert, sondern genutzt, um die Zinszahlungen der anderen Investoren zu bedienen. Deshalb ist das System stets auf neue Gelder von Anlegern angewiesen, um es am Laufen zu halten.

Überschüsse aus einem solchen Ponzi-Schema werden mittels undurchsichtiger Transaktionen aus dem eigentlichen Unternehmen geleitet und landen in den Taschen der Betrüger. Im Fall von GPG sind wohl über eine Milliarde Euro in Smerthursts undurchsichtigem Konstrukt versickert. Die genaue Zahl ist nicht klar, denn die Insolvenzverwalter und Ermittler können die Geldflüsse aufgrund chaotischer Buchführung, verschachtelter Firmenkonstellationen und fehlender Jahresabschlüsse nicht rekonstruieren.

Zusammenbruch, Aufarbeitung und Verurteilung

All dies wird erst sukzessive ab 2020 bekannt, nachdem die Firma Insolvenz anmelden muss. Die bröckelnde Fassade des Immobiliensanierers bricht nun endgültig in sich zusammen. Übrig bleibt ein undurchdringbarer Scherbenhaufen aus obskuren Geldflüssen, verzweigten Firmengeflechten mit über 200 Tochterfirmen sowie zahllosen Dokumenten und Ordnern in der Firmenzentrale, garniert mit einer dubiosen und mangelhaften Buchführung, welche die Aufarbeitung nahezu unmöglich macht. 

Während die Ermittler, Staatsanwaltschaft und Insolvenzverwalter vor der beinahe aussichtslosen Aufgabe der Aufklärung des Falls stehen, bangen die Investoren um ihre Gelder. Die Insolvenzforderungen belaufen sich auf über 1,4 Milliarden Euro, die Aussicht auf eine Rückzahlung des Geldes ist gering. Zu undurchsichtig und verschachtelt sind die Transaktionen und Geldabflüsse aus dem Unternehmen an die zahlreichen Tochterfirmen, die sich aufgrund der katastrophalen Buchführung nicht mehr nachvollziehen lassen. Die wenigen Immobilienruinen im Eigentum der Firma reichen bei Weitem nicht aus, um die Schulden zu begleichen, ganz zu schweigen von den Grundschulden, die so wertlos sind wie die Renditeversprechen.  

Immerhin: Nach über vier Jahren Ermittlung kam es im Mai 2025 schließlich zum Prozess gegen Smethurst vor dem Landgericht Hildesheim. Zum Auftakt verständigten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht auf eine Verfahrensabsprache: Im Gegenzug für ein umfassendes Geständnis wurde ein Großteil der ursprünglich 27 Anklagepunkte fallengelassen. Im Juni 2025 wurde Smethurst wegen Betrugs in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Anleger um insgesamt 26,5 Millionen Euro geschädigt hatte. 

Ursprünglich war die Anklage noch von 27 Fällen und einem Schaden von 56 Millionen Euro ausgegangen, im Rahmen der Verfahrensabsprache konzentrierte sich das Gericht aber nur auf ausgewählte Fälle. Auch Smethursts Geständnis hatte strafmildernde Wirkung. Für die Tausenden weiteren Geschädigten bedeutet das Urteil zwar einen strafrechtlichen Abschluss – eine umfassende juristische Aufarbeitung des Gesamtschadens in Milliardenhöhe ist damit jedoch nicht verbunden. Unklar bleibt auch weiterhin, wo die restlichen Milliarden in Smethursts Ruinenhaufen versickert sind.

Eine Lektion für Privatanleger

Trotz der Verurteilung dürfte der Schock bei den betrogenen Anlegern nach wie vor tief sitzen. Ihr investiertes Geld ist verschwunden, untergegangen in skurrilen Firmenkonstrukten, verschleiert von nicht ordnungsgemäßer Buchführung und begraben unter den Trümmern des zusammengebrochenen Ponzi-Systems. Welche Lehren können Privatanleger aus diesem Finanzskandal ziehen, um sich vor solchen Betrügereien zu schützen?

Zunächst sollte unbedingt das Prinzip der Diversifikation beherzigt werden. Man stelle sich nur vor, man hätte als Anleger dem Immobilienkonzern sein gesamtes Erspartes anvertraut. Nach dem Platzen des Ponzi-Konstrukts wären das gesamte Vermögen und die Altersvorsorge verloren, was den finanziellen Ruin bedeuten kann. Deshalb: Niemals sein gesamtes Geld auf ein Investment setzen, egal, wie verlockend die Rendite scheint und wie glänzend die Verkaufsprospekte sein mögen. 

Bei Investments sollte man sich ohnehin nicht von hohen Renditeversprechen blenden lassen. Rendite geht immer mit Risiko einher. Je höher die erwartete Rendite, desto höher ist in der Regel auch das damit verbundene Risiko. Im Fall von GPG wurde eine irrsinnig hohe Rendite zu einem geringen Risiko beworben. Zwar suggerieren Immobilien Sicherheit und Werterhalt, und durch die Grundschuld wurde eine raffinierte Art der Absicherung versprochen. Doch bei einer Kombination aus hoher, zweistelliger Rendite und angeblich geringem Risiko sollten bei Investoren die Alarmglocken schrillen.