BU-Lücke berechnen: Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Berechne, wie groß deine Einkommenslücke bei Berufsunfähigkeit wäre und welche BU-Rente du brauchst, um deinen Lebensstandard zu halten.
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Mit unserem BU-Rechner kannst du dein Absicherungsniveau für verschiedene Fälle simulieren und herausfinden, wie groß deine Versorgungslücke im Ernstfall voraussichtlich wäre.
So funktioniert der BU-Rechner
Der BU-Rechner zeigt dir dein Nettoeinkommen bei Berufsunfähigkeit für verschiedene Szenarien an. Zu Beginn deiner Berufsunfähigkeit hast du in den ersten 6 Wochen durch die Lohnfortzahlung in der Regel keinen Einkommensverlust. Anschließend kannst du staatliche Leistungen wie Krankengeld, Arbeitslosengeld und (halbe) Erwerbsminderungsrente bekommen, sofern du die jeweiligen Bedingungen erfüllst. Je länger du berufsunfähig bist, desto geringer fallen die staatlichen Leistungen aus. Um die genauen Ergebnisse für deine Situation zu erhalten, gibst du folgende Angaben in unseren BU-Rechner ein.
- Einkommen: Dein monatliches Brutto- und Nettoeinkommen wird benötigt. Dafür nutzt du am besten deine letzte Gehaltsabrechnung. Die staatlichen Leistungen und die BU-Rente beziehen sich bei ihren Bedingungen entweder auf das Brutto- oder Nettoeinkommen – teilweise auch auf beides.
- Kinderanzahl: Wie viele Kinder du hast, hat Auswirkungen auf das Arbeitslosengeld I (ALG I) und deinen Beitrag zur Pflegeversicherung. Ohne Kinder erhältst du 60% deines durchschnittlichen Nettogehalts und mit Kind 67%. Zudem sinkt dein Pflegebeitrag bis zum 4. Kind – du hast also mehr netto. Daher ist die Angabe wichtig, um dein Absicherungsniveau feststellen zu können.
- (Halbe) Erwerbsminderungsrente: Die Erwerbsminderungsrente (EMR) ist eine Leistung der Deutschen Rentenversicherung. Sie wird gezahlt, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nur noch eingeschränkt arbeiten kannst. Die volle EMR erhältst du, wenn du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in keinem Job mehr als 3 Stunden pro Tag arbeiten kannst. Falls du zwischen 3 und 6 Stunden pro Tag arbeiten kannst, erhältst du die halbe EMR. Vorausgesetzt werden insgesamt 5 Versicherungsjahre, wobei 3 davon in den vergangenen 5 Jahren gewesen sein müssen. Wie viel EMR du erhältst, hängt von deinen Rentenpunkten ab. Die Information dazu erhältst du in der Renteninformation. Bei einem Eintritt, bevor du 62 Jahre alt bist, gibt es einen Abschlag in Höhe von 10,8%. Da die Hürde für die volle EMR sehr hoch ist, wird in unserem Rechner nur die halbe EMR berücksichtigt.
In unserem Rechner kannst du einstellen, welche Bedarfsstufen du für deine Berufsunfähigkeitsversicherung wählen möchtest. Die Stufen beruhen auf der Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte nach DIN 77230. Du kannst „Existenz sichern“ (Grundschutz), „Lebensstandard erhalten“ und „Lebensstandard verbessern“ wählen. Dafür wird dir jeweils dein verfügbares Einkommen angezeigt. Das individuelle Einkommen kann z.B. wegen verschiedener Zusatzbeiträge für die Krankenversicherung davon abweichen.
Wann ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?
Grundsätzlich sind Versicherungen immer dann sinnvoll, wenn sie existenzielle Gefahren absichern. Also gegen Gefahren, die dich bei Eintritt finanziell ruinieren können. Für viele ist das Arbeitseinkommen die finanzielle Grundlage für das ganze Leben bis zum Renteneintritt. Der Verlust der Arbeitskraft stellt dann in der Regel eine solche finanzielle Gefahr dar und eine Absicherung ist empfehlenswert. Die staatlichen Absicherungen sind nämlich für Angestellte nicht ausreichend, um den Wegfall der Arbeitskraft vollständig zu kompensieren. Die BU-Rente schließt im Ernstfall die Lücke, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich 6 Monate oder länger zu mindestens 50% nicht mehr bewältigen kannst. Eine BU benötigst du hingegen nicht, wenn du über ein großes Vermögen oder ausreichende anderweitige Einkünfte verfügst, die dich von deinem Arbeitseinkommen unabhängig machen.
Woher kommt mein Geld, wenn ich länger krank oder berufsunfähig bin?
Wenn du länger krank oder berufsunfähig bist, kannst du eine Reihe von staatlichen Leistungen erhalten. Zudem kann die BU-Rente die Lücke zu deinem aktuellen Einkommen verringern.
Lohnfortzahlung
In den ersten 6 Wochen wirst du eine Lohnfortzahlung erhalten. In der Regel erhältst du dein volles Gehalt. Falls du eine BU-Rente bekommst, wird sie dir zusätzlich und typischerweise rückwirkend ausgezahlt.
Krankengeld
Nach der Entgeltfortzahlung gibt es das Krankengeld. Dieses erhältst du bis zu 72 Wochen für dieselbe Krankheit innerhalb von 3 Jahren. Du bekommst in diesem Fall ca. 70% vom Brutto-, aber höchstens 90% vom Nettoeinkommen. Abgezogen werden davon ca. 13% für den Arbeitnehmeranteil zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Wie beim Krankengeld erhältst du die BU-Rente zusätzlich, sofern du eine BU abgeschlossen hast.
Wenn aus Sicht der Krankenkasse die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, kann sie von dir verlangen, einen Antrag auf eine Rehabilitation (Reha) zu stellen. Es gilt das Prinzip Reha vor Rente. Dafür ist die Rentenversicherung zuständig. Es wird der Gesundheitszustand geprüft und evtl. direkt anstatt einer Reha eine Rente bewilligt. Ab diesem Zeitpunkt wird kein Krankengeld mehr gezahlt.
Arbeitslosengeld I
Im nächsten Schritt sichert dich das Arbeitslosengeld I ab. Die Nahtlosigkeitsregelung sieht vor, dass du Arbeitslosengeld I erhalten kannst, obwohl du dem Arbeitsmarkt nicht mehr mit mindestens 15 Stunden pro Woche zur Verfügung stehen kannst. Die Voraussetzung ist, dass das Krankengeld endet, aber du weiterhin krankgeschrieben bist. Dafür musst du einen Reha- oder Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. Dieser wird oft in 3 bis 6 Monaten bearbeitet. In unserem Rechner gehen wir daher maximal von 6 Monaten ALG I aus. Nach Ablauf des Krankengelds hast du Anspruch auf ALG I, bis der Erwerbsminderungsrentenantrag bearbeitet worden ist. Der Anspruch besteht auch, wenn du deinen Job offiziell noch hast, aber gesundheitsbedingt nicht arbeiten kannst.
Du erhältst ca. 67% deines Nettoeinkommens, wenn du ein Kind hast, andernfalls rund 60%. Die Höhe bezieht sich auf das pauschalierte Nettoeinkommen. Dieses Leistungsentgelt wird auf Basis deines Bruttoentgelts der letzten 12 Monate vor deiner Erkrankung berechnet. Auf die Zahlungen gibt es keine Abzüge.
Halbe Erwerbsminderungsrente
Die Erwerbsminderungsrente ist eine weitere Absicherung. Als Faustformel erhältst du 36% des aktuellen Bruttoeinkommens bei voller EMR und 18% bei halber EMR. Die tatsächliche Höhe hängt von deinen Rentenpunkten ab, die in deiner Renteninformation stehen. Die Auszahlung ist an strenge Voraussetzungen gebunden. Die volle EMR erhältst du, wenn du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in keinem Job mehr als 3 Stunden pro Tag arbeiten kannst. Sofern du höchstens 6 Stunden pro Tag arbeiten kannst, bekommst du die halbe EMR. Zudem musst du mind. 5 Jahre in der Deutschen Rentenversicherung versichert sein und in den letzten 5 Jahren in mindestens 3 Jahren Pflichtbeiträge gezahlt haben.
Von der EMR werden der Arbeitnehmeranteil der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der volle Pflege-Beitrag abgezogen. In der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) wird der Arbeitgeberanteil für die Krankenversicherung übernommen. Dazu kannst du eine BU-Rente erhalten. Falls du Anspruch auf die KVdR hast, gibt es keine Abzüge auf die BU-Rente. Dies ist der Fall, wenn du in der zweiten Hälfte deines Berufslebens zu mindestens 90% der Zeit gesetzlich versichert warst.
Kosten: So berechnest du deinen individuellen Bedarf richtig
Der Bedarf ist in der Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte nach DIN 77230 festgelegt. Die DIN definiert Bedarfshöhen in Stufen. Diese Stufen verwenden wir auch in unserem Rechner.
Stufe 1: Existenz sichern (Grundschutz)
Die erste Stufe hat das Ziel, die Grundsicherung zu vermeiden. Das Existenzminimum wird über den Mindestlohn 2026 definiert. Bei monatlich durchschnittlich 21 Arbeitstagen mit je 8 Arbeitsstunden und 13,90€ Stundenlohn erhält man 2.335,20€ brutto. Netto sind dies 1.751,40€ nach pauschalem Abzug von 25% für Steuer und Sozialabgaben.
Stufe 2: Lebensstandard erhalten
Wenn du das Ziel hast, deinen heutigen Lebensstandard weitgehend zu halten, dann empfiehlt sich eine Absicherungshöhe von ca. 80% des Nettoeinkommens. Nach Abzügen erhältst du meist etwa 60-70% vom Nettoeinkommen. Der Gedanke dabei: Du sicherst nicht 100% ab, da es keine berufsbedingten Kosten z.B. für Pendeln oder Arbeitskleidung gibt. Zudem reduzieren deine gesundheitlichen Einschränkungen meist den Konsum, da sie zu einem anderen Lebensstil führen. Ob diese Stufe für dich passt, hängt vor allem von deinen Fixkosten wie Miete ab.
Stufe 3: Lebensstandard verbessern
Die höchste Stufe bietet sich an, falls du zusätzliche Ausgaben mit absichern willst, wie Wohneigentum, Familie oder Vermögensaufbau. Die Absicherungshöhe ist durch Annahmerichtlinien der Versicherer begrenzt, häufig sind maximal 60% vom Bruttoeinkommen als BU-Rente versicherbar. Verglichen mit Stufe 2: 60% vom Bruttoeinkommen sind meist höher als 80% vom Netto-Einkommen.
Laut der DIN-Norm wird die halbe Erwerbsminderungsrente berücksichtigt und angerechnet. Die Kosten für deine BU hängen vom Absicherungsniveau, den Leistungen und der Laufzeit ab. Zusätzlich beeinflussen u.a. Beruf, Alter und Gesundheitszustand deinen Beitrag.
Passende BU finden
Wenn du mithilfe des Rechners herausgefunden hast, welche Absicherungshöhe für dich passt, geht es an die Auswahl der passenden Versicherung. Zuerst vergleichst du verschiedene Tarife. Achte in den Bedingungen darauf, wann gezahlt wird, welcher Prognosezeitraum gilt und ob Nachversicherung und Dynamik möglich sind. Prüfe außerdem, ob der Vertrag eine Verweisungsklausel enthält: Dann kann der Versicherer die Leistung unter bestimmten Voraussetzungen davon abhängig machen, ob du auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden kannst. Enthält der Tarif eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel), kann je nach Tarif schon bei einer länger andauernden, ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit eine Rente gezahlt werden – auch wenn (noch) keine Berufsunfähigkeit festgestellt wurde.
Wenn du die passenden Bedingungen gefunden hast, steht die Gesundheitsprüfung an. Die Beantwortung der Gesundheitsfragen ist entscheidend für die Aufnahme und sollte daher sorgfältig vorbereitet werden. Aufgrund der Bedingungen, Gesundheitsangaben und möglicher Risikovoranfragen ist eine Beratung meist sinnvoll.
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