Dividendenstrategie erklärt: Lohnt es sich?

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Dividendenstrategie – Regelmäßiges Einkommen leicht gemacht

Die Dividendenstrategie gehört sicherlich zu einer der beliebtesten Anlagestrategien an der Börse.

Dies auch zurecht denn zum einen ist diese Strategie sehr leicht und schnell im Kern zu begreifen und zum anderen kann sie mit nur wenig Zeitaufwand und wenig detailliertem Wissen angewendet werden.

Es geht im Grunde genommen darum, Aktien großer Unternehmen zu kaufen.
Es sollen aber nur die in das Depot aufgenommen werde, die auch eine regelmäßige hohe Dividende auszahlen.

Die Ausschüttung der Dividenden sollte sich eventuell auch seit Anfang der Auszahlungen immer weiter erhöhen. Zurückzuführen ist diese Strategie auf die alte Börsenlegende Benjamin Graham, der eigentlich ein Valueinvestor war, zum Thema Value Investing haben wir bereits einen Artikel geschrieben.

Graham entwickelte aber trotzdem in den 30er Jahren die simple jedoch zugleich höchst effektive Strategie, die zehn Dow Jones Aktien zu kaufen, die die höchsten Dividendenrenditen zu dieser Zeit aufwiesen und diese wenn möglich auch noch steigen könnte.

Was ist die Dividendenstrategie?

Zuerst einmal, musst du wissen, warum Unternehmen diese Ausschüttung vornehmen.
Es werden die Aktionäre bezahlt, die eine oder mehr Aktien dieses Unternehmens besitzen, außerdem wird nach Stückzahl der Aktien gezahlt.

Durch die Dividenden möchten die Unternehmen ihre Aktionäre am Jahresgewinn beteiligen, dies geschieht aber auf völlig freiwilliger Basis und kein Unternehmen ist dazu verpflichtet Dividenden auszuschütten.

Die Jahresgewinne können auch im Unternehmen behalten werden, womit interne Investitionen möglich sind.

Man richtet sich in dieser Strategie nach der Dividendenrendite, diese kann man sich selber berechnen. Du teilst ganz einfach die jährliche Dividende – Kennzahlen dazu findest du auf den Factsheets bei deinem persönlichen Onlinebroker – durch den aktuellen Aktienkurs, das Ergebnis daraus ist die Dividendenrendite des jeweiligen Unternehmens.

Du findest die Dividendenrendite aber auch, genauso wie den Dividendenkalender, auf der Seite deines Onlinebrokers angegeben.

Kritik an der Dividendenstrategie

Auch hier gibt es Kritik, um diese besser zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie sich die Rendite beim Investieren in Aktien denn überhaupt zusammensetzt.

Denn der Gewinn setzt sich aus den Dividendenzahlungen, die man während des Zeitraums in der man die Aktie gehalten hat, bekommen hat, und aus den Kursgewinnen die erzielt worden sind zusammen.

Das bedeutet auch, dass wenn der Kursgewinn etwas höher war, die Dividenden dafür aber etwas niedriger, dann bleibt die Gesamtperformance die sich ergibt, gleich.

Die Kritik bezieht sich aber darauf, dass es immer zum Zeitpunkt der Ausschüttung der Dividenden, einen Dividendenabschlag des Aktienkurses gibt.

Dieser Dividendenabschlag sorgt dafür, dass nach der Ausschüttung der Dividenden, der Kurs, der genau den Anteil den die Dividende betrug, der Aktie sinkt.

Das bedeutet, dass der Aktiengewinn gleich bleibt, da die Dividende gestiegen ist aber der Kurs um wieder genau diesen Anteil gefallen ist. Stell dir als Beispiel eine Aktie eines Unternehmens vor deren Kurs aktuell 100€ beträgt.

Jetzt wird bei der Jahresversammlung entschieden, dass eine Dividende von 4€ je Aktie ausgezahlt wird. Dann sinkt der Aktienkurs um 4€ und steht nun bei 96€.
Das heißt dann, dass die Dividendenstrategie sinnlos ist, da es egal ist, ob die Dividende steigt und das Geld ausgeschüttet wird, wobei der Kurs allerdings sinkt oder ob es im Unternehmen bleibt und somit kein Dividendenabschlag erfolgt.

Als zweites wird häufig kritisiert, dass diese Strategie mit einer Value Investing Strategie zu vergleichen ist.

Die Value Investing Strategie bezeichnet eine Form des Investierens an der Börse in Unternehmen, bei denen man in naher Zukunft ein Steigen des Kurses voraussagt, dann kann man sie zum jetzigen Zeitpunkt billig kaufen, um sie danach teurer verkaufen zu können. Dadurch kann im optimalen Fall eine positive Überrendite erzielt werden und so der Markt geschlagen werden.

Die berühmtesten Vertreter dieser Strategie – die, die sie auch so bekannt gemacht haben – sind sicherlich Warren Buffet und Benjamin Graham, die durch diese Investmentstrategie großen Reichtum und Ansehen erhielten.

Eines der Kriterien um eine Value Aktie von einer Growth Aktie zu unterscheiden ist die Zahlung der Dividenden und die Kontinuität von genau diesen Dividenden ist. Exakt das ist auch das, bei der Dividendenstrategie und dem Kauf einer Dividendenaktie zu berücksichtigen ist, weshalb behauptet wird, dass die Dividendenstrategie nur eine schlechtere und weniger detaillierte Variante des Value Investings ist.

Vor- und Nachteile

Nachteile:

  • Gleichbleibender Gewinn, da es theoretisch keinen Unterschied macht eine Aktie mit oder eine Aktie ohne Ausschüttung von Dividenden zu kaufen wenn es einen Dividendenabschlag am Kurs gibt
  • Geringere Diversifikation nach Ländern und Branchen möglich, denn es gibt nur wenige starke Dividendenaktien, dadurch ist ein höheres Risiko im anwenden der Dividendenstrategie gegeben
  • Nach der Effizienzmarkt-Theorie sollten Dividenden bereits im Kurs eingepreist sein, das heißt, dass der Kurs von Dividendentiteln höher notiert ist, wodurch die mögliche Aktienrendite geringer ausfällt
  • Höherer Aufwand gegenüber ETFs durch Suche nach geeigneten Aktien und erschwerte Steuererklärung
  • Höhere Steuerlast gegenüber Buy and Hold oder ETFs – mit weniger Ausschüttungen bei denen Kapitalerträge erst nach liquidieren des Investments anfallen – bei monatlichen oder jährlichen Ausschüttungen fällt ein häufigeres versteuern der Gewinne an

Vorteile:

  • Regelmäßige Auszahlungen und potenzieller Kursgewinn, wie ein Immobilieninvestor der nicht nur mit Gewinn verkaufen möchte sondern auch Mieten erhalten will
  • Besseres Management im Unternehmen, da die Manager der Unternehmen weniger das Geldes verschwenden. Dadurch auch Schutz der Aktionäre nach der Principal-Agent-Theorie, die unterschiedliche Interessen der Aktionäre und des Managements beschreibt. Das Management will möglichst breit aufgestellt und in vielen Bereichen mit dem Unternehmen erfolgreich sein, der Aktionär will, dass das Unternehmen sich auf seine Core-Eigenschaft spezialisiert und dort gut wirtschaftet
  • Psychologie, die regelmäßigen Auszahlungen der Dividenden hat einen positiven und befriedigenden Effekt auf den Aktionär, dies kann auch ein Anreiz für mehr sparen und investieren sein

Wichtige Information

Du solltest eine Dividendenzahlung keinesfalls mit einer Zinszahlung vergleichen.
Eine Dividendenausschüttung ist eine rein freiwillige Zahlung der Unternehmen an seine Aktionäre, dies muss man wissen, da ein Unternehmen diese Zahlungen auch kürzen oder ganz streichen kann wenn es größere Investitionen vorhat oder es aktuell eine Krise gibt.

Bei beispielsweise Anleihen, müssen die bereits davor festgelegten Zinszahlungen verpflichtend bezahlt werden.

Um dein Risiko vor Kürzungen oder Ausfällen breit zu streuen, kannst du Dividendenkonzentrierte ETFs kaufen, jedoch gibt es davon bislang nur sehr wenige in Deutschland.

Fazit

Vielleicht erscheint einem diese Strategie vorerst als schlechte oder irrationale Entscheidung. Es geht bei vielen mehr um ein regelmäßiges Einkommen beziehungsweise einen Cashflow und weniger um eine Maximierung des Anlagekapitals.
Dafür muss aber in Kauf genommen werden von Zeit zu Zeit niedrigere Kursgewinne zu erzielen, dafür aber hohe und vor allem regelmäßige Dividendenzahlungen zu erhalten.
Wenn du jedoch keinen regelmäßigen Cashflow benötigst oder möchtest, macht es mehr Sinn breit zu streuen und so gut zu diversifizieren.

Buchtipp

Wenn du dich tiefergehend mit der Dividendenstrategie beschäftigen möchtest, dann empfehlen wir dir das Buch „Bargeld statt Buchgewinn“ von Luis Pazos.
Er selbst ist ein langjähriger und sehr erfahrener Dividendeninvestor, der sich darauf konzentriert hat, seinen jährlichen Cashflow zu erhöhen und nicht sein Vermögen maximal wachsen zu lassen.

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Pierre
Gast

Super Buchtipp. 🙂 Ich werde es mir mal näher anschauen.

Persönlich nutze ich eine Dividendenstrategie über ETFs, die ich regelmäßig bespare. Ausschüttende Einzelaktien runden die Sache ab. Dabei stehen die Einzelaktien auf Buy & Hold und dienen nicht dem ständigen hin und her von Kauf/Verkauf. Jedes Investment und jede Strategie dahinter, hat seine Vor- und Nachteile, daher ist ein gut durchdachter Mix schon nicht verkehrt.

PS: Eure Seite finde ich echt super und ihr macht tolle Arbeit. Weiter so. 😉

Viele Grüße
Pierre

Marc
Gast

Hallo,
danke für die ausführliche Erklärung.

Allerdings hänge ich gerade an einem Satz fest:
„Dieser Dividendenabschlag sorgt dafür, dass nach der Ausschüttung der Dividenden, der Kurs, der genau den Anteil den die Dividende betrug, der Aktie sinkt.“

Den möchte ich gerne noch um folgendes ergänzen:

Der Abschlag kommt automatisch zu Stande, indem Verkäufer und Käufer ihre Order anpassen. Wer am Stichtag die Aktie noch für 40 Euro kaufen würde, weil er mit 3,00 Euro Dividende rechnet, senkt seinen Auftrag am Folgetag auf 37 Euro. Dies geschieht auch auf der Verkäuferseite, woraus sich der niedrigere Kurs ergibt.

lg
Marc

Yvonne
Gast

Danke.