Zinseszinseffekt einfach erklärt: Zinseszins verstehen

Um langfristig ein Vermögen aufbauen zu können, solltest du den Zinseszinseffekt verstehen. Er ist die Grundlage dafür, um dein Geld „für sich arbeiten zu lassen“. Oft wird er auch als das wichtigste Investment-Grundkonzept überhaupt verstanden.

So beschrieb Albert Einstein den Zinseszinseffekt als das „Achte Weltwunder“. Er fügte hinzu, dass diejenigen, die ihn verstehen, das Geld verdienen ‒ und die anderen das Geld dafür zahlen.

Wie du den Zinseszinseffekt für eine erfolgreiche Geldanlage nutzen kannst, erklärt dir der folgende Artikel.

Die Idee hinter dem Zinseszinseffekt

Das Konzept hinter dem Zinseszinseffekt ist es, mit Geld weiteres Geld zu verdienen. Das ist mit dem Ausdruck „das Geld für dich arbeiten lassen“ gemeint.

Viele Menschen kennen zwar den Begriff des Zinseszinses, verstehen aber seine starke Wirkung nicht und wenden ihn daher falsch an.

Beispiele für ein einfaches Verständnis

Damit du den Zinseszinseffekt verstehst, folgen ein paar einfache Beispiele. Um diese selbst nachzuprüfen, steht dir unser Zinseszinsrechner zur Verfügung. Damit kannst du ganz leicht die Wertentwicklung deines Kapitals mit verschiedenen Zinssätzen, Laufzeiten und Sparraten simulieren.

Beispiel zum „einfachen Zins“:

Du möchtest 100 Euro für ein Jahr zu einem Zinssatz von 5 % anlegen. Dein Kapital erhöht sich durch die 5 Euro Zinsen nach einem Jahr auf

Nach 1. Jahr: Kapital = 100 € x 1,05 = 105 Euro

In absoluten Zahlen betrachtet, sind 5 Euro nicht viel Geld. Es macht aber auf lange Sicht einen großen Unterschied, ob du diese 5 Euro nun abhebst und dir etwas davon kaufst oder ob du die verdienten Zinsen wieder anlegst.

Beispielsweise könntest du dir einmal im Jahr für 5 Euro ein Kinoticket leisten. Da sich dein Grundkapital von 100 Euro jedes Jahr mit 5 % verzinst, stehen dir auch jedes Jahr 5 Euro neu zur Verfügung. Dieser Effekt wird als einfacher Zins bezeichnet.

Das Problem des einfachen Zinses mit einer jährlichen Zinsausschüttung ist offensichtlich: Dein Startkapital von 100 Euro wächst nicht und produziert auch nie mehr als 5 Euro Zinsen pro Jahr.

Beispiel zum „Zinseszins“:

Statt die 5 Euro Zinsen für Konsum auszugeben, kannst du sie reinvestieren. So erhöht sich dein Kapital nach dem zweiten Jahr auf:

Nach 2. Jahr: Kapital = 105 Euro x 1,05 = 110,25 Euro

Im zweiten Jahr ist zu erkennen, dass nicht nur die 100 Euro Grundkapital für dich gearbeitet haben, sondern auch die 5 Euro Zinsen aus dem ersten Jahr. Die 25 Cent Zinsen nach dem zweiten Jahr sind die ersten Zinseszinsen:

Zinseszinsen = 5 Euro x 1,05 = 5,25 Euro

Um weiter vom Zinseszinseffekt zu profitieren, lässt du dir auch die 10,25 Euro Zinsen nicht auszahlen, sondern reinvestierst diese erneut.

Wenn du insgesamt zehn Jahre lang so vorgehst, wächst dein Kapital auf:

Nach 10. Jahr: Kapital = 100 Euro x 1,05^10 = 163 Euro

Diese Beispielrechnungen beachten der Einfachheit halber nicht den Einfluss der Inflation. Diese kann dafür sorgen, dass 163 Euro in zehn Jahren weniger Kaufkraft besitzen als heute.

Wenn du das Geld inklusive Zinsen weitere 10 Jahre anlegst, dann ergeben sich:

Nach 20. Jahr: Kapital = 100 Euro x 1,05^20 = 265 Euro

Der Vergleich mit dem einfachen Zins macht den Zinseszinseffekt nach dieser Zeit besonders deutlich:

  • Einfacher Zinseffekt: Kapital = 100 Euro + 20 x 5 Euro = 200 Euro
  • Zinseszinseffekt: Kapital = 100 Euro + 165 Euro = 265 Euro

Wie du erkennst, ergeben sich nach 20 Jahren zwischen dem einfachen Zinseffekt und dem Zinseszinseffekt 65 Euro Differenz.

Natürlich sind 265 Euro noch kein großes Vermögen. Dieses Beispiel diente für dich ausschließlich zum einfachen Verständnis des Zinseszinseffekts.

 

Welche Faktoren beeinflussen den Zinseszinseffekt?

Die beiden Faktoren des Zinseszinseffektes, auf die du am ehesten Einfluss nehmen kannst sind Zeit (Anlagezeitraum) und das investierte Kapital.

Du profitierst umso mehr vom Zinseszinseffekt, je eher du mit dem Investieren beginnst und je höher deine monatliche Sparrate ist.

Zeit

Fängst du schon mit 20 Jahren an zu sparen und investierst jeden Monat 100 Euro, dann ist dein Kapital bei einem fixen Zinssatz von 7 % bis zu deinem 65. Lebensjahr auf 367.000 Euro gewachsen.

Hättest du die in dem Zeitraum erhaltenen Zinsen nicht reinvestiert, dann würden dir am Ende nur 141.000 Euro zur Verfügung stehen. Der Zinseszinseffekt macht in diesem Beispiel 226.000 Euro aus.

Investiertes Kapital

Erhöhst du bei 7 % Rendite deine monatliche Sparrate auf 250 Euro, dann beträgt dein Vermögen im 65. Lebensjahr schon 1 Mio. Euro. Legst du dieses Kapital danach zu 5 % Zinsen an, kannst du dir eine monatliche Rente von 4.100 Euro auszahlen lassen.

Der Zeitpunkt der Zinszahlung

Ein weiterer Faktor, der zu einem besseren Zinseszins führt, ist der Zeitpunkt der Zinszahlung. Eine monatliche oder quartalsweise Zahlung ist in dem Fall besser, da die erhaltenen Zinsen direkt wieder reinvestiert und damit früher verzinst werden.

In dem oben aufgeführten Beispiel wurden 100 Euro mit einem jährlichen Zinssatz von 5 % angelegt, wobei die Zinsausschüttung zum Jahresende stattfindet.

Wie verändert sich nun die Rechnung, wenn der Zins ein Mal im Quartal gezahlt wird?

Da der Zinseszinseffekt auch innerhalb des Jahres wirkt, weil die Zinsen pro Quartal sofort wieder angelegt werden, gilt:

5 % effektiver Zinssatz > 5 % jährlicher Zinssatz

Der Quartalszins für das Beispiel beträgt:

Zins pro Quartal = 5 % : 4 = 1,25 %

Um den effektiven Zinssatz für das ganze Jahr zu errechnen, musst du die Zinssätze aus den Quartalen miteinander multiplizieren:

Quartalsweise Zinsen: Effektivzins = 1,25 % x 1,25 % x 1,25 % x 1,25 % = 5,09 %

Wie du erkennen kannst, ist der effektive Zinssatz allein durch die quartalsweise Zinszahlung um 0,09 % höher als der normale jährliche Zins.

Bekommst du stattdessen die Zinsen jeden Monat ausgezahlt, ist die effektive Verzinsung um 0,12 % höher als bei jährlicher Zinszahlung:

Monatliche Zinsen: Effektivzins = 5,12 %

Wann ist der Effektivzins von Vorteil, wann von Nachteil?

Stehst du vor der Wahl zwischen zwei identischen Finanzprodukten, die sich nur im Zeitraum der Zinszahlung unterscheiden, solltest du dich immer für diejenige Anlage entscheiden, die ihre Zinsen in kürzeren Abständen auszahlt.

Wenn du stattdessen einen Kredit bei der Bank abbezahlen musst, wirkt sich die Zinszahlung negativ für dich aus, je kürzer die Periode zwischen den Zinszahlungen ist.

Ein weiterer Faktor, bei dem der Zinseszinseffekt gegen dich spielt, sind hohe Transaktionskosten bei deiner Geldanlage. Wenn jedes Jahr ein bestimmter Prozentsatz deines investierten Kapitals als Gebühr bezahlt werden muss, wird dein Gewinn sehr geschmälert.

Zusammenfassung

Der Zinseszinseffekt hat auf deine Geldanlage enorme Auswirkungen. Wenn du Zinszahlungen oder Dividendenzahlungen aus Aktien erhältst, solltest du den Gewinn besser reinvestieren, anstatt das Geld für Konsum auszugeben. Ansonsten wird dein Vermögen nicht wachsen.

Statistiken zeigen, dass ungefähr die Hälfte der Rendite aus dem S&P 500 aus reinvestierten Dividenden stammt. Nutze daher den Effekt des „Achten Weltwunders“ so gut wie möglich aus.

Auf der anderen Seite wirkt sich der Zinseszinseffekt negativ aus, wenn du Schulden hast. Vermeide daher die Aufnahme von teuren Krediten und die Zahlung von überhöhten Dispozinsen.

Aus diesen Gründen solltest du so früh wie möglich mit dem Investieren anfangen.