Mona Linke
Mona Linke
1. Oktober 2020

Gaunerei am Goldmarkt

Es ist mal wieder so weit: Tausende Kleinsparer sind auf dem besten Weg, ihr Geld zu verlieren, weil sie einem zwielichtigen Goldhändler auf den Leim gegangen sind. Der Fall ist nur einer von vielen – und die Versprechungen sind immer dieselben.

Gold-Anlage – ein dubioses Geschäft

Es klang ja auch zu schön, um wahr zu sein: Bis zu 22% Rendite in nur zwei Jahren versprach der Goldhändler “Bonus.Gold” seinen Kunden. Und das, obwohl das Edelmetall doch – anders als Aktien – keinerlei laufende Erträge wie Dividenden abwirft. Gewinne lassen sich mit Gold schließlich nur erzielen, indem gekauft wird, wenn der Preis im Keller ist – und verkauft, wenn der Kurs auf Höhenflug geht. Die Kölner Firma aber versprach etwas anderes – und warb mit fetten Renditen für Goldkäufer. Funktionieren sollte das Ganze mithilfe eines speziellen Angebots: Anleger konnten ihre Barren und Münzen nicht nur bei dem Händler kaufen, sondern sie auch direkt bei selbigem zwischenlagern. Bonus.Gold widerum gab an, mit dem Gold Gewinne zu erwirtschaften. Indem damit gehandelt oder Hochzeitsschmuck hergestellt wird zum Beispiel. 

So sollten dann letztlich die attraktiven Zinsen zustande kommen, mit denen die Firma immer wieder geworben hat. Für viele Investoren schien das wie die Verheißung schlechthin geklungen zu haben. Insgesamt 45 Mio. sammelte der Goldhändler auf diesem Weg ein. Millionen, deren Besitzer inzwischen der Schweiß auf der Stirn stehen dürfte. Denn der Goldhändler aus Köln ist abgetaucht und laut Medienangaben seit Wochen nicht erreichbar. Weder Anrufe noch Mail-Anfragen wurden beantwortet, berichtet das Handelsblatt. Sicher scheint zumindest so viel: Das Unternehmen wurde offenbar überraschend verkauft, die bisherigen Eigentümer haben sich zurückgezogen – und die Anleger den Zugang zu ihren Konten verloren. 

Nicht der erste Fall 

Bereits im Sommer 2019 geriet das Unternehmen Bonus.Gold mit Skandalmeldungen in die Schlagzeilen. Ein Wirtschaftsprüfer wunderte sich damals über eine lückenhafte Bilanz: Mehr als 90% des eingelagerten Goldes könne nicht sicher nachgewiesen werden, so die Beurteilung des Prüfers, die damals ebenfalls dem Handelsblatt vorlag. Die fehlenden Bilanzen wurden bis heute nicht nachgereicht. Nachrichten, die sich dieser Tage wohl kaum beruhigend auf das Gemüt der Goldkunden auswirken dürften. 

Wenig Hoffnung wecken auch die Urteile verschiedener Juristen. Der Rechtsanwalt Christian Seyfert beispielsweise bezeichnet das eingelagerte Kundengold in einem aktuellen Gutachten als “wirtschaftlich gefährdet”. 

“Die Zeit wird zeigen, wie es mit der Bonus.Gold GmbH weitergeht. Die Aussichten sind allerdings nicht ermutigend”, schreibt auch der Rechtsanwalt Kim Oliver Klevenhagen, der sich mit dem Fall Bonus.Gold beschäftigt hat.

Von leeren Tresoren bis Falschgold

Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass Privatanleger den Tücken zwielichtiger Goldhändler auf den Leim gegangen sind. 2015 zum Beispiel wurde die gesamte Führungsetage der Berliner BWF Stiftung zu sechs Jahren Gefängnis verknackt. Das Geschäftsmodell der Finanzstiftung ähnelt dem von Bonus.Gold: Die BWF Stiftung gab sogenannte Goldsparverträge heraus, in die Anleger investieren konnten. Das Geld werde in Barren angelegt, mit dem wiederum Zwischenhandel betrieben werden sollte, so das Versprechen der BWF. Um ihre Vertrauenswürdigkeit zu beweisen, durften Interessierte damals sogar nach Lust und Laune den imposanten Goldtresor der Händler bestaunen und durch die Villa der Stiftung spazieren. Bis 2015 ist dieser Plan auch hervorragend aufgegangen. Bis herauskam, dass es sich bei einem großen Teil des “Goldschatzes” schlichtweg um Falschgold handelte. Knapp 6.500 Kunden sind dem Händler damals in die Falle gegangen.

Vier Jahre später trat der Anbieter PIM Gold einen millionenschweren Anlegerskandal los. Der Prozess um sieben Entscheidungsträger läuft noch immer. Der Vorwurf: Die hessische Firma habe fast zwei Tonnen Gold frei erfunden und über Jahre fröhlich Geld von Kunden eingesammelt. Auch PIM warb mit vielversprechenden Bonuszahlungen, also Zinsen auf das eingelagerte Geld, auf das die geprellten Kunden bis heute warten. Dass für die Betrogenen überhaupt so etwas wie eine Entschädigung herausspringen wird, ist dazu ziemlich unwahrscheinlich. Schließlich besitzt die insolvente Firma weit weniger Gold als angegeben. Genauer gesagt fehlen rund 100 Millionen Euro im Vermögen des Goldhändlers, um die Gläubiger auszubezahlen. 

Es ist kein witziger Zufall, dass das damalige “Zins-Angebot” von PIM denselben Namen trug wie der Goldhändler, der jetzt die Schlagzeilen dominiert: Bonus.Gold. Tatsächlich ist der Vertriebsleiter des Kölner Händlers Bonus.Gold der ehemalige IT-Chef von PIM. Auch diese Nachricht dürfte weniger beruhigend für die Anleger sein. 

Die fatale Gier nach Renditen

Es ist eine Kombination, die zwar gut klingt – in der Realität aber nicht funktioniert: Gold und laufende Erträge. Besitzer von Gold bekommen keine Dividende ausgeschüttet – schließlich steht hinter dem Edelmetall kein Unternehmen, genauso wenig wie hinter allen anderen Rohstoffen übrigens. Allein mit dem Wetten auf Kursschwankungen können Anleger Erträge erwirtschaften – und dieses Prinzip wird auch kein noch so geschäftstüchtiger Goldhändler aushebeln können. Werbung von Boni und Jahreszinsen im zweistelligen Bereich sollten für Anleger ein deutliches Warnsignal sein, dass kein seriöses Unternehmen hinter dem Angebot stecken kann. Genau wie es jederzeit ein Warnsignal für den Anleger sein sollte, wenn Rendite und Risiko nicht im Einklang stehen, oder besser gesagt: Fette Gewinne bei niedrigem Risiko verprochen werden. Bei solchen Versprechungen sollten Investoren grundsätzlich misstrauisch werden. 

In Sachen Zinsen auf Goldkäufe haben haben das die Pleiten aus der Vergangenheit bereits mehrmals eindrücklich gezeigt. Und nun ist Bonus.Gold auf dem besten Wege, einen weiteren Beweis zu liefern.